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M 87. Sonnabend, den 16. April 1881.

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Wie die ewig schneebedeckte Kuppel der »Jungfrau" in majestätischer Ruhe und fleckenloser Reinheit gen Himmel ragt, während zu ihren Füßen Lawinen rollen und Menschen grollen, so ragt das hl. Osterfest über die Wirren und Kämpfe des Alltaglebens empor, und in all" das Elend und die Roth der Welt läuten die Glocken das Alleluja hinein. Gar trübe Ostern sind'«, die wir in diesem Jahre feiern, und stille Wehmuth tritt an die Stelle des Jubels, — und dennoch berech­tigt uns gerade dieses Fest zu unendlicher Freude, denn es gibt uns die Gewißheit, daß, wie der Welterlöser dem Grabe er­stieg und den Sieg über Sünde, Tod und Bosheit davontrug, so auch wir aus diesem Jammerthale in ein besseres Jenseits ein- gehen werden; es gibt uns ferner die Zu- verficht, daß auch die Braut Christi, die Kirche nicht immer in der Charfreitags- stimmung verbleiben, sondern daß auch für sie der Ostermorgen anbrechen wird, denn derselbe Gott, der in Jerusalem Juden und römische Kriegsknechte zu Boden schmet- terte, der kann auch mit preußischen und sonstigen „Culturkämpfern" fertig werden.

Der Kampf zwischen Christenthum und Unglauben ist der ganze Inhalt der mo­dernen Zeitgeschichte. Der Unglaube führt das Osterfest auf die altheidnische Feier des Wiederauflebens der Natur zurück und sucht die christlichen Lehren als Mythen und Sagen darzustellen. Nach dem christ­lichen Glauben bedeutet Ostern das Fest

i des Sieges und der Auferstehung des Er- j lösers; es bedeutet damit auch zunächst den

Sieg und die Auferstehung der erlösten Welt, den Sieg über das Heidenthum, die Auferstehung aus dem Tode der Verdorben­heit und des Jrrthums zur Tugend und Wahrheit, aus der Sclaverei und dem Der- - potismus zur socialen und politischen Ord» : nung, aus den immer unvollständigen und i stets wieder untergehenden heidnischen Cul» l turepochen zu der glorreichen, stetigen und ? ihres Zieles gewissen Civilisation des * Christenthum». Es ist eine historische Thal» j fache, daß das Christenthum die nothwendige i Bedingung der Erkenntniß der Wahrheit, 1 der richtigen Moral und der politisch« ; socialen Ordnung ist. Diese historische That- sache ist bewiesen durch den Untergang i des alten Heidenthums, den Sieg des ; christlichen Zeitalters und jetzt neuer» j dings durch den unter unseren Augen s sich vollziehenden Zusammensturz des mo- l deinen Heidenthum«, welches auf dem mo- j ralifchen, intellectuellen, socialen und poli- j tischen Gebiete überall beim Bankerotte an» | gekommen ist. Ein furchtbarer Abgrund ; des Verderbens gähnt uns entgegen, und i nur das Christenthum kann der verirrten l Menschheit wie zu Zeit des alten Heiden« i thum« abermals Erlösung und Aufersteh- ; ung aus der Macht des Todes bringen, s Das ist die Bedeutung der Auferstehung»» s lehre für die zeitliche und historische Ent« i Wickelung der Menschheit. Das „praktische s Christenthum" Bismarck's kann dies frei» ? lich nicht; dazu ist ein Christenthum erfor­

derlich, das man in Berlin nicht versteht '

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Seltsames Begegnen und Wiedersehen. , (Fortsetzung.)

»Wir begegneten uns zur rechten Zeit," sagte der Rittmeister, „ich glaubte Dich noch im Kreise Deiner echtdeutschen Fräuleins, die kein Wort französisch sprechen wollen und mir auch deutsch keine Antwort geben."

Julie gab vor, die Gesellschaft sei wegen einer Kränklichkeit Constanzens früher als gewöhnlich auseinander gegangen. Der Ritt­meister führte Julien durch das Gedränge, das ihm nach allen Seiten auswich, in's Haus und auf das Theater, das sich seinem Willen sogleich eröffnete. Der erste, der ihnen in die Augen fiel, war der gesuchte Hans, der mit erhabenem Haupte seine könig­liche Rolle Überla», während eine artige Dame ihm den Stiefel abrieb, den er auf einen Thron gefetzt hatte; ein grauenvolle» Bild jener Zeit, wo ein fremder Krieger feinen harten Fuß auf den Thron und in den Nacken der Franzosen gesetzt hatte, und Germania ihm mit ihren Thränen und dem Blut ihrer Kinder höchstens seine Stieseln zu putzen gewürdigt wurde! Weder Julie noch der Rittmeister hatten Ruhe genug, dieser Bedeutung zu achten, vielmehr begrüßte der Rittmeister den übermüthigen Tyrannen

mit einigen derben Soldatenflüchen, daß er nicht dem Fräulein über eine Kette Aus­kunft gegeben, an der ihr sehr viel liege, weil der, welcher sie getragen, ihr Vater gewesen.

„Weißt Du etwas von ihm?" fragte Julie.

„Der ist tobt", antwortete Hans verlegen, „gewißlich ganz todt, wenn er gelebt hätte, wie würde ich ihm etwas abgenommen haben."

Julie seufzte schmerzlich auf, um die Hoff­nungen ihrer Liebe mit diesem Seufzer auf immer zu entlassen, dann verwünschte sie den, der ihm den Todesstreich gegeben, und fragte wehmüthig, indem sie sich an den Rücken einer Coulisse anlehnte: Wo er dm Tobten verlassen, wie er verwundet gewesen?

»So etwa» zerreißt das Herz," sagte der Rittmeister, „wenn wir das allgemeine Kriegs­geschick im Einzelnen uns anschaulich ma­chen." — Julie sprach, ihr Herz sei so tief zerrissen, daß nur eine lange Betrachtung ihres Unglück« sie heilen könne, sie wieder­holte ihre Fragen, und Hans stammelte in Verlegenheit allerlei unzusammenhängende Reden von Wunden und Schlachtfeldern. Mitten in feiner Rede unterbrach ihn der Director des kleinen Theaters, daß et auf» treten müsse, und Hans wischte sich die Stirne und drehte sich flüchtig fort. Der Rittmei» ;

oder nicht verstehen will. Es läßt sich keine Pickelhaube aufsetzen und bewegt sich auch nicht in dem Schritte eines Parade­marsches.

Neulich sah ich ein stilles Dorfkirchlein umgeben von Gräbern; da aber der Fried­hof an eine andere Stelle verlegt worden, waren die Gräber vielfach verwüstet, von Gestrüpp und Unkraut überronkt und mit zerbrochenen Steinen und Kreuzen bedeckt. So erscheint mir das diesjährige Osterfest, das in stiller Erhabenheit dasteht und auf zahllose Gräber hinabsieht. Hier in dem Grabe liegt die in das Leichentuch des „Cul« turkampses" gehüllte Kirche und ein zerbro­chenes Kreuz darauf, während die Schling« pflanzen der Gott« und Sittenlosigkeit üppig wuchern; dort in dem Grabe liegt das Vül« kerglück und der Nationalwohlstand; dort ist Treue und Gewissenhaftigkeit, Fleiß und Redlichkeit eingesargt; überall aber gibt'» freche Schmarotzerpflanzen, die, von keiner Hand gebändigt, auf den Trümmern präch­tig gedeihen.

Hatten wir nicht geglaubt, diesmal aus erleichtertem Herzen ein jubelndes Alleluja anstimmen zu können; glaubten wir nicht den Stein gelockert, der auf dem Grabe liegt, das die Kirche einschließt? Aber wir hatten übersehen, daß in Deutschland Ko» nitzerei und schamloses Denunciantenthum mehr zu sagen hat und eher Gehör findet, als die Stimme der Vernunft! Da soll dem Volke die Religion erhalten bleiben; da soll die Zahl der verwaisten Pfarreien vermindert werden, — wenigstens sagt man so. Und wie entsprechen diesen Worten die T h a » fier befahl ihm, zu bleiben, aber Hans schien keine Ohren mehr zu haben, deßwegen eilte ihm jener auf» Theater noch, und gewohnt, auf dem Welttheater manches ärgere Ge­schäft durchzuführen, packte er gleichgültig gegen das zusehende Publicum den guten König, noch ehe sich die begeisterte Jung­frau zu seinem Schutz eingefunden, beim Kragen und schleppte ihn unter schallendem Gelächter der Menge in die Coulisse zu Julien. Hier fragte er ihn: „Wo hast Du die Kette gefunden, was sollen die verwirrten Reden ? Hast Du noch nicht so viel Artigkeit gelernt, einer Dame Rede zu stehen, so darfst Du noch nicht den König spielen."

Julie bat für de» enthronten König, dieser aber verlangte keine Schonung mehr, sondern in seiner Eitelkeit über alles Maß gekränkt, entgegnete er trotzig: „Was für einen Lärmen um eine Armkette, die ich einem Tobten abnahm, ich will mich vor jebem Kriegsgerichte rechtfertigen."

„Es ist hier gar nicht von Nehmen bie Rebe, fonbern von Rebe unb Antwort, bie Du zu geben verpflichtet bist, oder ich lasse Dich sogleich festsetzen," sprach der Rittmei­ster. „Wo hast Du den Tobten gefunden?"

„Sie wissen'- besser al« ich," antwortete Hon», „denn unser einer bekümmert sich nicht darum, wie die Dörfer heißen, wenn nur