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Freitag, den 15. April 1881.

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Die .Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Fetsrrage ausgenommen. Ran abonmrr gegen Vorausbezahlung zu Fulda

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O Zirm Antrag Windthorst.

Der das A s y l r e ch t betreffenbe, von Herrn Dr. W i n d t h o r st gestellte und vom deutschen Reichstage fast einstimmig angenommene Antrag findet in unserer Prefle, je nach der Parteistellung, eine ver­schiedene Beurtheilung. Eines Eindruckes kann sich jedoch Niemand entschlagen, daß nämlich der Führer der verschrieensten „Staats- und Reichsfeinde" plötzlich als Fahnenträger der öffentlichen Ordnung und Sicherheit in Europa dasteht und alle „staatrfreundlichen Parteien" sich genöthigt sahen, Halt an seinen Rockschößen zu neh­men. Mag der Erfolg des Antrages im Uebrigen sich gestalten, wie er will, für das Centrum liegt bereits ein herrlicher Erfolg vor; aber auch für die „Staats­erhalter" par exceUence ein höchst be­schämender.

Das ist auch wohl das Hauptmotiv der centrumsfiindlichen Prefle in Deutschland, weshalb sie den Antrag nicht mit jener Wärme ausgenommen hat, die er der Na­tur der Sache nach verdient. Denn es muß für jeden Staatsbürger, der noch ein Gefühl der Zugehörigkeit zu dem Volke hat, unter welchem er lebt und die Wohl- thaten der öffentlichen Ordnung und Sicher­heit genießt, ebenso wichtig wie nothwendig erscheinen, Diejenigen, welche an den Grund­lagen dieserj öffentlichen Ordnung rütteln, zur Verantwortung gezogen und unschäd­lich 'gemacht zu sehen. Die Grundlagen der öffentlichen Ordnung werden ober in monarchischen Staaten nicht stärker er- schüttelt, als durch hochverrätherische Ver­

brechen, insbesondere dann, wenn im Ge­heimen brütende Gesellschaften, wie der Nihilismus eine ist, solche Verbrechen planen und in's Werk zu setzen bemüht sind. Da ist nicht nur die vom Natur­gesetz gebotene Beziehung der Ehrfurcht zwischen Landeskindern und Landes­vater in's Gegentheil verkehrt, sondern der regierende Fürst wird auch genöthigt, seine eigenen Unterlhanen mit Mißtrauen anzusehen, den Verkehr mit denselben zu meiden. Ja, die ordnungsliebenden Bür­ger selbst können sich nicht mit der nö­tigen Zuversicht und Sicherheit in der Gesellschaft bewegen. Eine auf Fürsten­mord sinnende Partei, wie die Nihilisten, die ihre Netze über ganz Europa gespon­nen hat, die vor keinem Mittel zurück­schreckt, um ihre Ziele zu erreichen, muß daher von allen ordnungsliebenden Bür­gern der Welt bekämpft werden, und es ist ein Verbrechen gegen ganz Europa» wenn irgendwo auf der Welt solche Königs­mörder Schutz finden, die überwiesen wer­den, nicht in einem Anfalle von Wahnsinn, sondern mit planmäßiger Ueberlegung und zielbewußter Bosheit ihre..ttiteie und fol­genschwere That, sei sie gelungen ober nicht gelungen, ausgeführt zu haben. Vom theologischen Standpuncte betrachtet ist ja ein solcher Fürstenmord ein weit höher qualificirtes Verbrechen, als der gewöhn­liche Raubmord.

Deutsche- Reich.

* Berlin, 13. April. Der .Provinc.- Correspondenz" zufolge ist die Abreise des

Kaisers nach Wiesbaden für den 23. April in Aussicht genommen; der dortige Aufent­halt werde voraussichtlich bis in das erste Drittel des Mai dauern, worauf in Berlin und Umgegend militärische Vorstellungen und Hebungen stattfinden würden,

l — Der ,Nordd. Allg. Ztg.' zufolge be- | antragt der Bundesausschuß für Handel und Verkehr, der Errichtung eines deutschen - Volkswirthschaftsraths zuzustimmen, die Zahl । der Mitglieder aber von 125 auf 135 zu I erhöhen, so daß jeder Bundesstaat minde- j stens einen Vertreter hat. Die Mitglieder- : zahl für die einzelnen Sectionen soll von : 24 auf 27 erhöht werden.

— Die,Prov.-Corresp.' meldet bezüglich \ der Nichtzulassung des in Trier gewählten i Bisthumsverwesers Lorenzi, der Vorgang . beweise, daß die Regierung bereit sei, da, ! wo durch entsprechendes Entgegenkommen \ es möglich gemacht werde, für die Inter­essen der katholischen Mitbürger zu sorgen, bei dieser Fürsorge aber die Interessen des Staates in keiner Weise preirzugeben, ge­sonnen sei.

— Aus die durch den Tod des Staats­pfarrers Nowazki in Obornik vacant ge- l'worbene Pf an stelle meldete sich der Staate- pfarrer Nymarowicz aus Chrzypsko, erhielt ober die Antwort, daß diese Stelle erst nach der Beilegung des kirchlich-politischen Streites j besetzt werden solle. ;

\ — Der.Reichsbote' berichtet, daß am

; Regierungsjubiläum des Herzogs von Braun- ? schweig auf Wunsch der Königin von Eng­land und unseres Kronprinzen der Herzog von Cumberland zum regierenden Herzog

4 Seltsames Begegnen und Wiedersehen.

(Fortsetzung.)

Julie rief auf den Flur nach einem Manne, der im Hause wohnte und allerlei Be­stellungen für sie machte, sie befahl ihm, den Polizeicommiffär zu holen. Gleich sprang ein Mann in Uniform die Treppe herauf und fragte wozu er verlangt werde, er sei der Polizeicommiffär, der Regen habe ihn in's Haus getrieben, und er freue sich, die Zeit zu Berufsgeschäften benützen zu können. Als Julie ihm mit Ernst die grobe Unver­schämtheit der Köchin erzählt hotte, sah der Polizeicommiffär die Köchin mit Wohlge­fallen an und rief entzückt: „Es ist ein großes Talent, man muß ihr schon etwas zu gut halten, solche Grobheit ist eine Ueber- eilung und meint es nicht böse, und die Kleider hat sie wohl nur dem Publicum zu Ehren angezogen." Dabei sah er nach der Uhr und versicherte, er müsse forteilen, einige Anmeldungen und Abmeldungen von Mäg­den in's Buch einzutragen. — Julie, vor den Augen der Magd, von dem Beamten der öffentlichen Ordnung verlassen, fühlte sich in ihrem Zorne berufen, ihm einige ernste Lehren zu geben, er verliere mit dem Un­nützen so viel Zeit, daß er für wahre Uebel

s der Zeit keine behalte. — Der Polizeicom­miffär zuckte mit den Achseln und wollte z Julien beschwichtigen, als Hans ihn in einen Winkel schob und seiner Charlotte in ge­meinen Ausdrücken olle Freundschaft auf­kündigte, weil er höre, sie habe gestohlen, eine Diebin sei ehrlos.

Charlotte trat ihm keck entgegen und fragte ihn, was er denn beffer sei als sie, wenn sie den Wein ihrer Herrschaft genommen habe, wer sei es denn gewesen, der ihn getrunken? Mit erhabenem Antlitze aufblickend, warf Hans dem Mädchen einen Blumenstrauß vor die Füße und rief: „Nimm alles zurück, j was ich von Dir habe, ich will mich nicht \ mehr mit Dir gemein machen."

Charlotte weinte wüthende Thränen und schwor, es fei auch ihr recht, und sie wolle auch nichts von ihn bewahren. So warf sie ihm ein seidnes Umschlagtuch hin und nahm bann von ihrem Halse eine goldne 5 Kette, woran ein schlechtes Miniaturbild j befestigt, (beides war vor dem Tuche bis» j her versteckt gewesen) und warf sie auf ben | Tisch. Die Kette schnurrte über ben Tisch bis zu Julien, die unwillkürlich ihre Augen j darauf heftete und mit erstarrtem Auge aus« ■ rief: „Ach, mein Vater, mein lieber Vater!" \ Mehr konnte sie nicht sagen, eine heftige . Wehmuth deckle ihr das Licht der Augen,

während Hans mit einiger Verlegenheit zu- griff und mit der Kette augenblicklich fort­eilte.

Als Julie sich wieder faßte, war er schon fort, aller Zorn war vergessen; sie flchete Charlotten mit oller Freundlichkeit an, dem Hans nachzugehen, ihn auszufragen, wo er die Kette erhalten.

Der Commissär fragte in gewöhnlicher Neugierde, die sich mit Pflicht deckt: Ob er ein Protokoll aufnehmen solle, wodurch ihr die Kette so bekannt wäre?

„Kein Protokoll," sagte Julie, „hier ist kein Diebstahl, wie bei meinen Kleidern, hier hat der Krieg ein liebes Eegenthum in un- rechte Hände geschenkt. Diese Kette war meine letzte Gabe, die ich dem Vater drei­mal um seinen Vorderarm unter dem Aermel schlang und mit diesem Schlüssel verschloß, sie ist eigens nach meiner Angabe gearbeitet, und mein Nome steht in einzelnen Buch­staben dreimal in den Kettengliedern. Sie erklären sich daraus, wie ich die Kette beim ersten Blicke erkennen konnte, ach! es war fast die erste Nachricht von ihm feit der Schlacht, nur das erzählte ein Verwundeter, mein Vater, der Oberst, fei vom Feinde umringt gewesen, als da« Regimentl von - Uebermacht gedrängt würbe. Hat Hans i biese Kette selbst erbeutet, so weiß er auch,