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Mittwoch, »en 13. April 1881
Fuldaer IQB Leitung.
tnhrrff.n.MiLl^1dLL?1!nSl9,|erschnnt täjlich, Sonn- an» geieciag« ausgenommen Ran abonnirt gegen Borausbezablung zu Fulda
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X— Nochmals die Auswanderung «ach Amerika «nd der St. Ra- phael-Verei«.
Fast möchte man meinen, eine neue Völkerwanderung beginne; denn von allen Hafenstädten laufen Berichte ein, daß der Zudrang seit Menschen Gedenken nicht so arg gewesen sei. Ja, sollte er denn noch ein Amtsbezirk im weiten deutschen Reiche geben, aus welchem in diesem Jahre nicht schon Etliche sich aufgemacht, um jenseits des Oceans sich ein neues Heim zu schaffen? Der Ursachen gibt es gar viele zur Aus- Wanderung. Wir heben nur bie traurige wirthschaftliche Lage, den Militarismus und zum nicht geringen Theile den sog. Culturkampf hervor.
Welche Stellung soll man nun dieser Auswanderungslust, fast möchte ich sagen „Auswanderungs w u t h" gegenüber neh. men? Soll man etwa ziehen lassen, was da ziehen will? Soll man feiner die Fortziehenden sich selber oder den Herren Agenten und Schiffsgesellschaften ganz sorgenlos überlassen? Nein und wieder nein!
Mit größtem Interesse habe ich Ihren letzten darauf bezüglichen Leitartikel gelesen und es war auch gut, daß Sie in der Nr. 80 nochmals einen Aufruf Sr. Durchlaucht des Fürsten von Bilstein gebracht haben. Gleichwohl erlaube ich mir, noch einige ergänzende Bemerkungen hinzuzufügen.
Vor allen Dingen ist es Pflicht jede» Wohlwollenden, vor l e i ch t f i n n i g e r Aus- Wanderung zu warnen. Ach es gibt so
Manche, die nur in der Ferne Berge fro- § hen Glückes träumen, denen man aber mit Recht das Sprüchlein zurufen könnte: - „Willst Du immer weiter schweifen ?
Sieh' das Gute liegt so nah! Lerne nur das Glück ergreifen; Denn das Glück ist immer da!"
Und wenn nun Jemand absolut aus- f wandern will und auch gesetzlich kann, o so lasse man diesen doch nicht laufen. ’ Gerade da ist es Sache jedes Edeldenken. 5 den und vorab jedes Seelsorgers, er- mahnend und helfend beizustehen. Und da j möchte ich gerade auf den so schönen St. j Raphaelsverein nochmals nachdrücklichst hin- | weisen. Ich erinnere mich noch lebhaft, - mit welchem Interesse die Mittheilungen > über diesen Verein s. Z. auf der Kath. Versammlung zu Würzburg angehört wur- ; den. In der Thal, dieser Verein verdient • alle Beachtung, und namentlich jetzt, wo die Auswanderungslust so rege ist, muß immer und immer wieder auf diesen Verein hingewiesen werden. Dieser Verein hat schon außerordentlich viel Gutes ge- stiftet. Zum Beweise füge ich den letzt- jährigen Rechenschaftsbericht der einen Filiale Hamburg zur Einsichtnahme und zu- gleich auch zur Richtschnur für Auswanderer bei. Derselbe lautet:
„Countö des St. Kaphael-Nerems ;um Schuhe der Auswanderer.
Jrn verflossenen Jahre 1880 beförderte Hamburg 48,359 Auswanderer. Davon nahmen den unterzeichneten Vertrauensmann in Anspruch:
Im Jahre 1880.
Seit Beginn hiesiger THStigkeit.
Schützlinge .
1489
8098
Logirte . .
1113
3108
Kirchenbesucher
690
5088
Communieant.
224
1826
Empfehlskarten Controllirte.
1425
3238
Zahlungen Geldwechsel Depositen
M.53,912 Sy n 121.309..2 „ 18,554
M. 217,075,98 „ 680,305.7g „ 94,345,^
Beantwortete
Briefe
881
3530
Taufen
1
6
Kranke
3
86
Beerdigungen
—
4
Im Namen unseres 8. T. Comitös und unserer Schützlinge, sage herzlichsten Dank unseren hochw. Herren Geistlichen für ihre allezeit freudige Pastoration. Dank auch dem hiesigen Localcornitö und Freunden unserer Raphaelssache. Wiederholt möge hier erwähnt werden, daß wir jedem Auswanderer dienen ohne Unterschied der Confession, und zwar unentgelt- lich. Nicht aber werden Geldunterstützun« gen gewährt ! Das hieße die Auswanderung fördern. Wir wollen berechtigte Interessen der Auswanderer vertreten in all und jeder Beziehung ihrer oft verhängnißvollen Reise, auf daß sie an Seele, Leib und Vermögen, möglichst wohlerhalten ihre neue Heimath erreichen. Wir streben dahin, daß solche Ansiedlungen gewählt werden, wo zuverlässige Rathgeber Beistand leisten, und neben deutscher Sprache und Sitte auch gegründete Aussicht ist auf lohnenden Erwerb.
Seltsame- Begegne« ««d Wiedersehen. >
(Fortsetzung.)
Julie war gerührt durch die Güte des Ritt- Meisters, sie konnte es nicht unterdrücken, ihm dieses Wohlwollen zu bekennen, und wie sich leicht an einem Gefühle ein andres gleich, artiges entzündet, daß zur Erscheinung ge- langt, was sich sonst vielleicht mühsam doch noch lange geistig verschlossen gehalten hätte, so ward auch dieses Wohlwollen die Ver- anlaffung, daß der Rittmeister endlich seinen Wunsch zu einer dauernden Verbindung Julien bekannte. Sie hatten fich gegenseitig lange errathen, nur das seltsame Verhält« niß eines einquartirten Feindes zu seiner Mithin, das jenem so bedeutende Rechte zuspricht, hatte den Mund des Rittmeisters bisher verschlossen. So entwickelte sich eine Verlobung von selbst, das entferntere Sie wurde in ein vertrauliches Du umgesetzt und Julie verwunderte sich, daß die Leute schon aus der Kirche kamen, als sie erst hineingehen wollte, für das Glück dieser Verbindung zu beten. Vor der Kirchthüre begegnete ihr Constanze, die sie über acht Tage zur nächsten Versammlung des Schwesternbundes zu sich einlud; eineVerbindung, die, zur Unterstützung von allerlei löblichen Zwecken aus geselliger
Unterhaltung hervorgegangen, in dieser be- trübten Zeit die einzige Veranlassung war, daß die jungen Mädchen in größerer Zahl zu einander kamen. Constanze konnte sich nicht enthalten, nach ihrer Gewohnheit, alle ihre Überspannten Hoffnungen darzustellen, wie nun bald die Zeit gekommen sei» aller Feinde sich zu entledigen. Julie war heute zum erstenmal gelähmt, in diese Pläne einzustim- men, und Constanze warf ihr Lauheit mit Härte vor. So schieden beide sonst so vertraute Mädchen mit einiger Empfindlichkeit von einander.
Constanzens Aerger hatte seine reifen Früchte schon am nächsten Sonntage in der Versammlung der verbundenen Schwestern getragen und ausgetischt. Abends, als es eben anfing zu dunkeln in den Zimmern, verließ Julie das Haus Constanzens bei scheinbarer Kaltblütigkeit in so heftiger Be- wegung, daß sie den Platzregen kaum bemerkte, der alle andere Fußgänger in den Schutz der Häuser trieb. Aus Gewohnheit, ohne sich des Weges bewußt zu sein, ohne ihn dahin gerichtet zu haben, trat sie in den Flur ihres Hauses, der ebenfalls mit flüchtigen Spaziergängern angefüllt war, die ihren Sonntagsstaat zu sichern und zu trocknen bemüht waren. Die Anwesenheit der vielen fremben Gesichter verwunderte sie, aber sie
fragte nicht nach der Ursache, sondern lief : hastig hindurch, die Treppe hinauf nach ihrer
Wohnung und bemerkte erst hier an ihrer Thüre, daß sie den Drücker in ihrem Arbeitstäschchen bei Constanzen vergessen habe. Sie schlug sich vor die Stirn, weil sie sich erinnerte, daß Charlotte Erlaubniß erhalten, den Nachmittag auszugehen, und der Rittmeister mit seinem Hans ausgeritten, nie- manb ihr bie Wohnung eröffnen konnte. Die Kühlung bes Regens hatte allmählich ihre Heftigkeit gemilbert, boch konnte sie sich nicht entschließen, bas Haus ihrer Freun« diu je wieder zu betreten; da öffnete ein Windstoß die Thüre, bie nur angelehnt war. Hatten Diebe bie Thüre erbrochen? Aber weder ein Dieb, noch ihr Mädchen hatte aufgeräumt. Sie seufzte, mit welcher Un- geduld sie bas Zimmer verlassen, um ihre alten Freunbinnen wieber zu begrüßen, ihnen zuerst ihre Verlobung bekannt zu machen, bie sie bis jetzt noch jebermann verschwiegen hatte. Sie hatte wohl etwas Neckerei barüber vermuthet, aber nicht ahnen können, baß Constanzens Aerger unb Enthusiasmus fich in ber Zeit so mit einanber verflochten hatte, baß sie, bie liebste Freunbin, ihr diesen unabänderlichen Schritt als Entehrung vorwerfen könne. In dem Taumel der freundlichsten Gewalt harte sie fich mit dem Worte