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Dienstag, den 12. April 1881.
Fuldger
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Deutsches Reich.
* Berlin, 10. April. Wie ein Rude Hunde um die Wette nach dem Knochen läuft, der ihnen preisgegeben wird, so fielen die Judenblätter heißhungrig über den fetten Bissen her, den die Regierung durch die Ablehnung des Trierer Bisthums- Verwesers Dr. de Lorrnzi ihnen zu ver- speisen gab. Welch' eine Freude in Israel? „Die Hierarchie muß ganz lahm gelegt werden«, ruft da»jüdische .Berliner Tageblatt' aus, „anders kommen wir zu keinem Friede^« rc. Mit ganz entgegen- gesetzten Gefühlen, mit Trauer und Weh- muth haben die Katholiken von jener Entschließung der Regierung Kenntniß genommen. Schon hatten ste angefangen, den wiederholt gegebenen Friedensversicherungen Vertrauen zu schenken, schon hielten sie den Frieden, die langersehnte Rückgabe ihrer Freiheit in kirchlichen Dingen für nahe bevorstehend, und nun, mit einem Schlage, sind sie zurückgeworfen in die trostlose Wirklichkeit des ungeschwächt fortdauernden Krieges. Da» auf Vernichtung der katholischen Kirche hinauslaufende Ziel des Culturkampfes, die absolute Unterwerfung der kirchlichen Behörden unter die Staatsgewalt, ist ihnen wieder recht lebendig zum Bewußtsein gekommen. DiecanonischenWahlen der Bisthumsverweser werden dermalen den Wahlen von Bürgermeistern, Beigeordneten rc. fast gleichgeachtet. Ob es das Staatsministerium ist, oder die Regierung, oder das Landrathsamt, welches die Wahl
Seltsames Begegnen nnd 1 Wiedersehen. i
„Der Alte hat recht schöne weiße Locken«, sagte Julie zum Rittmeister und strich sanft mit ihrer Hand durch das Haar des alten Invaliden; „weiße Locken find ein reizender Verein von Jugend und Alter," — Der Rittmeister schien nicht Achtung zu geben, er blickte seitwärts und schwieg. — „Dar gnädige Fräulein«, sprach der Invalide, sa- gen mir immer ein liebes Wort am Sonntag, wenn ich die ganze Woche nichts als Verdruß erlebt habe; will es auch heute in meinem Gebete Gott vortragen, daß er dem lieben Fräulein bald Nachricht vom Herrn Vater gebe. Kommt der Herr Vater, da wird das gnädige Fräulein meine weißen Haare nicht mehr ansehen, was hatte der Herr Oberst für schöne weiße Locken, ich habe sie ihm wohl manches tausendmal frisirt. Gott weiß, wer ihn jetzt frisiren mag." — Der Rittmeister wandte sich mit einer unwillkürlichen Bewegung von dem alten Alten fort, der mit Anstand das Zimmer verließ. — „Sie scheinen meinen guten Alten nicht gern zu sehen ?" fragte Julie den Rittmei- Rer. — „Sie irren sich in meinem Gefühle," antwortete er, „es ist ein Ereigniß diese» Kriege», das mich beim Anblicke alter Krie-
ihrer praktischen Bedeutung beraubt, ob man den Erwählten nicht bestätigt, oder zu dem Amte nicht zuläßt, ist uns ziemlich gleichgiltig; denn der Unterschied liegt nur in den Phrasen, keineswegs in der realen Bedeutung derselben. — Ob das Staatsministerium die Bedeutung seine« Schrittes vollkommen erfaßt hat? Wir zweifeln daran. Wir hoffen noch — frei- lich hängt unsere Hoffnung nur an einem Faden — wir hoffen noch auf Remedur des Ministerialbeschluffes. —
Den jüdischen Preßkosaken aber, die wieder au« vollen Köchern die Pfeile ihres Haffes gegen uns schnellen, rufen wir im Ernste zu: Ihr Schlangenbrut, wer hat euch gelehrt, dem kommenden Zorne zu entgehen ? Ihr säet Unfrieden, Sturm werdet ihr ernten!
— Die fürstliche Steuerung zu Bückeburg hat die Einführung der neuen Orthographie in den Landerschulen angeordnet.
— Der Herzog von Braunschweig wird dem Vernehm-n nach demnächst bei seinem Regierungsjubiläum den Titel „Großherzog von Braunschweig" annehmen.
— Der Reich»anzeiger pulicirt da» Verbot von 2 Nummern der .Inster burger Zeitung' nach dem Socialistengesetze, welches Verbot nach einer Correspondenz der ,Vkztg.' n Folge der von Hen Abgg. Auer und Bebel gehaltenen Reden, die zum Abdruck erfolgt sind, erlassen sein soll.
— Unter'm 8. April wird der .Franks. Ztg.' aus Berlin gemeldet: Als in der gestrigen Versammlung des dritten Reichs- tagswahlkreise» der Abg. von Saucken- ger stört. In den Heeren Ihres Königs dienten viele alte Leute, und das sollte nicht sein, ohne bösen Willen muß die Jugend in solchen Greisen die heiligsten Gefühle verletzen." — „Sie fühlen vielleicht zu zart," meinte Julie, „wo Ihre Landsleute meist zu hart sind." — „Nicht meine Landsleute,« antwortete der Rittmeister, „meine Schick- falsgefährten, ja ste würden mein Gefühl bei dem Vorfälle verspotten, ich aber wünschte, daß ich mich so leicht mit diesem Gefühle abfinden könnte, aber eS plagt mich oft in dem stillen Frieden Ihrer Nähe." — Julie fragte nach diesem Ereignisse, und der Rittmeister erzählte ihr, wie der Tag der großen Schlacht ihm für seine militärischen Aussichten so besonders günstig gewesen wäre, er sei vom Kaiser bemerkt und belobt worden, aber der Abend dieses Tage« habe ihm die Erinnerung desselben verbittert. „Die Schlacht war auf unserer Seite völlig entschieden," erzählte er, „unser Kanonenfeuer hatte die feindlichen Jnfanteriemassen zum Weichen gebracht, unsere Kavallerie stürzte nach. Obgleich ich wegen meiner Anstellung beim General keine Aufforder- ung hatte, selbst Hand an's Werk zu legen, so trieb mich doch mein böse« Blut unter dem Vorwande hinein, daß ich eine kleine Verwirrung der Unfern wieder ausgleichen
Tarputschen beim Beginn seiner Rede den Satz aussprach, die Parole wird wohl deshalb bei den nächsten Wahlen einzig und allein lauten: „Für oder gegen Bismarck!" erschallten vielfache Rufe: „Für Bismarck! Nicht für den Fortschrittsring! Raus, Raus! Die Henrici'sche Garde ist hier! Antisemiten raus! Faule Judenjungens raus! Wir stimmen für Bismarck und nicht für die faulen Fortschrittler! Fürst Bismarck soll leben hoch!" So tönte es unter betäubendem Tumult unaufhörlich durch einander. Unaufhörlich ertönten Hoch- rufe auf Bismarck, Stöcker, Henrici, sowie Pereats auf die Fortschrittspartei und die Juden. So mochte es wohl 10 Minuten lang gegangen sein, als sich der die Versammlung beaufsichtigende Polizeiofficier erhob und rief: „Ich erkläre dieVersammlung ftzr aufgelöst und fordere sämmtliche Anwesende auf, sich aus dem Saale zu entfernen." Dieser Aufforderung wurde Folge geleistet. Auf der Straße drohten sich die ©eenen zu wiederholen. Noch vielfach hörte man den Ruf! „Fauler Jude! Mauschels I An- tisemitischer Janhagel I sowie abermalige Hochrufe auf den Fürsten Bismarck.
— Aus Wien wird der,Nationalzeitung' telegraphirt: „Zwischen dem Großfürsten Constantin und seinem Neffen dem Zaren fand vorgestern eine furchtbar erregte und drohende Scene im kaiserlichen Palais statt. Der Polizeichef Baranow wurde in das Palais gerufen. Großfürst Nikolaus Eon- stantinowitsch, Sohn Constantins, ist auf dem Wege nach Petersburg verhaftet 8 worden."
müsse. Feindliche Reiterei suchte uns aufzuhalten, aber sie wurde geworfen. Ein einzelner feindlicher Officter widerstand lange der Flucht unter den Seinen und ritt uns dapn mit blindem Zorne entgegen. Ein paar Dragoner, die sich an ihn machten, fertigte er so übel ab, daß die andern der größern Masse nacheilten und sich um den einzelnen Reiter nicht kümmerten, der uns nicht mehr schädlich werven konnte. Ich sprang auf ihn los, er hielt seinen Degen mit beiden Händen vor die Stirn, mir war's, als ob er betete, und ich hätte ihm Gefangenschaft angeboten, hätte sich nicht in dem Augenblicke der General mit seinem Gefolge genähert, unter dessen Augen ich mich auch im einzelnen Kampfe auszuzeichnen trachtete. Die Eitelkeit verschlang meinen guten Willen, ich sprach nicht mehr vom Gefangennehmen, ich gebot dem Officier, sem Leben zu vertheidigen. So fochten wir einige Zeit gegen einander. Mein Gegner hatte ein gewandtere« Pferd, ich blutete schon, da tras mein Säbel sein Haupt, der Hut fiel zu Boden, er ließ die Zügel sinken, ein Sprung des Pferdes warf den Reiter zur Erde. Ich kann den Schauder nicht beschreiben, als ich niedersah, und ein schneeweißes Haupt von Blut überrieselt erblickte, nie tilgt sich dieser Flecken aus meiner Er -