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Jl£ 8L Sonnabend, den 9. April 1881.

Fuldaer t® Jeilung.

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Z «-Mische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Fürst Bismarck hat ganz Recht, wenn er sagt, „daß bei uns Deutschen mit wenig anderen Dingen so viel Zeit todtgeschlagen wird, wie mit Biertrinken. Der Biertrinker hält sich vollbeschäftigt und geht mit dem Be­wußtsein nach Hause, seine Sache geleistet zu haben." Das stimmt; aber wir wissen auch, daß dem großen Manne jeder Ham­mer recht ist, wenn es sich darum handelt, die eigenen Projcete durchzudrücken und gegentheiliche Ansichten platt zu schlagen. Daß aber gerade der Schnaps, den der Kanzler wie ein Hühnchen, das gewissen Leuten goldene Eier legt, auf Kosten des Bieres hätschelt, in erster Linie die Trun­kenbolde, die rohen Excefle und Brutalitä­ten verschuldet, davon sagt Bismarck Nichts. Bier mag die Menschen „denkfaul und träge machen", ergo die Biersteuer; der Brannt­wein aber macht rohe Bestien aus ihnen! Die Sache hat aber auch sonst noch eine Kehrseite. Wer will dem Arbeiter, dem Kaufmanns, dem Handwerker rc. verargen, wenn sie nach gethaner Arbeit Abends mit einem Glase Bier den Staub der Werk­stätten und Bureaux hinabspülen und beim Trinken plaudern! Da wird zunächst die Localchronik und der liebe Nächste nach Gebühr auf's Korn genommen, — von den Zöpfen in China, den Fleischtöpfen Aegyp­tens und den neuesten Sonnenflecken kann man doch nicht reden — und dann wird des Landes Wohl und Wehe berathen; selbst wenn Bismarck's Steuerprojecte unter'- Messer der Kritik genommen werden, darf

z ihn da» nicht verdrießen, denn Nichts geht dem Bürger so nahe an Hals und Kragen, d. h. an die Tasche, wie die Steuerpolitik, und zudem will man ja „gebildete und denkende" Bürger, keine „denkfaulen";

■ denkende Bürger sind aber zugleich mit­richtende, das liegt so in der Natur der Sache und gehört zusammen wie Blitz und Donner, und der Kanzler, der doch für die Bildung und Aufklärung so viel gethan hat, muß es sich schon ge­fallen lassen, daß man an seine großartigen socialen Reformprojecte, an seine Lieblings­steuern und Ideale, an seine socialistischen Programme rc. den Prüfstein der Denk­kraft— selbst am Biertische! — legt. Dem großen Manne mit dem Riesengeiste, dem das übermäßige Gehirn sogar durch die Haare gewachsen ist, und der sich plötzl'ch nicht blos als Kenner und Beschützer des Christenthums aufspielt, sondern der auch dem „armen Manne", dem Schwachen und Bedrängten, so viele Artigkeiten sagt, wie ein Bebel und Liebknecht es besser und | schmeichelnder nicht thuen könnte, — diesem * großen Manne, sage ich, ist zwar ein „schüch­terner hoher Steuerzahler der angenehmste S Staatsbürger, den er sich denken kann;" er selbst geht aber mit schlechtem Beispiele voran, denn er beklagte sich in fast belei­digender und sehr herber Weise über die Berliner Mieths steuer, und wenn daher die anderen Staatsbürger auch nicht sehr schüchtern sind und ihren bedrückten und geschraubten Gefühlen in „unangenehmer" Weises Ausdruck geben, so thun sie eben nichts Anders, als was „Deutschlands

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Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonnea«.

(Fortsetzung.) ।

Drei Tage ließ sich der Commandant so Hinhalten, jeden Abend verherrlichte ein Feu­erwerk, jeden Abend erinnerte Rosalie an sein Versprechen der Nachsicht. Am dritten Abend sagte er ihr, der Sturm sei auf den andern Mittag festgesetzt, die Stadt gebe nach, weil aller Verkehr gestört sei, und und endlich Hungersnoth ausbrechen könne. Er werde den Eingang stürmen, während ein andrer Theil von der andern Seite heimlich anzuklettern suche, so daß diese vielleicht früher ihrem Manne in den Rücken kämen, ehe er nach dem Pulverthurm springen könne; es werde Menschen kosten, der Aus­gang sei ungewiß, aber er wolle den Schimpf von sich ablenken, daß durch seine Feigheit ein toller Mensch zu dem Dünkel gekommen, einer ganzen Stadt zu trotzen, das größte Unglück sei ihm lieber, als dieser Verdacht, er habe seine Angelegenheiten mit der Welt und vor Gott zu oronen gesucht, Rosalie und ihr Kind würden sich in seinem Testa­mente nicht vergessen finden. — Rosalie fiel ihm zu Füßen und fragte, was den das Schicksal ihres Manne» sei, wenn er im Sturme gefangen würde? — Der Comman-

dant wendete sich ab und sagte leise: „Der Tod unausbleiblich, auf Wahnsinn würde von keinem Kriegsgerichte erkannt werden, es ist zu viel Einsicht, Vorsicht, und Klugheit in der ganzen Art, wie er sich benimmt; der Teufel kann nicht vor Gericht gezogen werden, er mutz für ihn leiden." — Nach einem Strome von Thränen erholte sich Rosalie und sagte: Wenn sie da» Fort ohne Blutvergießen, ohne Gefahr in tue Gewalt des Commandanten brächte, würde dann sein Vergehen als ein Wahnsinn Begna­digung finden? — „Ja, ich schwör's!" rief der Commandant, „aber es ist vergeblich, Euch haßt er vor Allen und rief gestern einem unsrer Vorposten zu, er wolle das Fort übergeben, wenn wir ihm den Kopf seiner Frau schicken könnten." — Ich kenne ihn," sagte die Frau, „ich will den Teufel beschwören in ihm, ich will ihm Frieden geben, sterben würde ich doch mit ihm, also ist nur Gewinn für mich, wenn ich von seiner Hand sterbe, der ich vermählt bin durch den heiligsten Schwur. — Der Commandant bat sie, sich wohl zu bedenken, erforschte ihre Absicht, widerstand aber weder ihren Bitten, noch der Hoffnung, auf diesem Wege dem gewissen Untergänge zu entgehen. — Vater Philipp hatte sich im Hause eingefunden und erzählte, der unsinnige Francoeur habe

Heros" offen vor dem ganzen Lande ge­than hat. Als Milderungsgrund fällt so­gar noch in die Wagschale, daß ein Bier­tisch noch lange kein Parlament ist.

Saßen da wieder jüngst die Herren Ge­vatter um den Stammtisch herum, bunt zu­sammengewürfelt nach Lebensstellung und Ansichten; ein fortschrittlicher Rothgerber, ein ultramontaner Kohlenhändler, ein con- servativer Blaufärber, ein nationalliberaler Wimpelmacher rc., und al» man den neuen König von Rumänien, da» gemeinschaftliche Protokoll der Botschafter in Constantinopel, den Beirath de» Stadthauptmannes in Pe­tersburg, die Krankheit Beaconsfield's, den blutigen Zusammenstoß zwischen Polizei und Volk in Irland, die Schwatzsucht Gambetta'S und die Wahlniederlage der Brüffeler Libe­ralen sattsam erörtert und durchknetet hatte, warf der Nationalliberale die kitzliche Frage über den Tisch: „Wie steht's mit den kir­chenpolitischen Dingen? Man hört nicht viel mehr davon, außer daß der in Trier gewählte BiSthumsverweser de Lorenzi ,oben' nicht genehm sein soll. Es scheint mir, als ob die Schwarzen zu früh gejubelt hätten." — „Der Jubel war ein sehr mä­ßiger und nüchterner, mein Bester", versetzte der Ultramontane, „wenigstens lange nicht so groß wie der Jubel der Liberalen, als die Bischöfe und Priester in's Gefängniß abgeführt und des Landes verwiesen wur­den. Wenn es euerem Wunsch und Wil­len nachginge, würde der .Cultur kämpf' allerdings noch lange nicht zu Ende gehen, denn Eure .Friedensliebe' ist so recht bei der Trierer Wahl wieder zu Tage getreten • jetzt eine große weiße Flagge ausgesteckt' j auf welcher der Teufel gemalt sei, aber der ' Commandant wollte nichts von seinen Neu­igkeiten wissen und befahl ihm, zu Rosalien zu gehen, die ihm beichten wolle. Nachdem Rosalie ihre Beichte in aller Ruhe eines gottergebenen Gemüthes abgelegt hatte, bat sie den Vater Philipp, sie nur bis zu einem sichern Steinwalle zu begleiten, wo keine Kugel ihn treffen könne, dort wolle sie ihm ihr Kind und Geld zur Erziehung desselben übergeben, sie könne sich noch nicht von dem lieben Kinde trennen. Er versprach es. — Rosalie kleidete ihr Kind noch ein­mal unter mancher Thräne weiß mit ro- then Bandschleifen an, dann nahm sie es auf den Arm und ging schweigend die Treppe hinunter. Unten stand der alte Commandant und konnte ihr nur die Hand drücken und mußte sich umwenden, weil er sich der Thränen vor den Zuschauern schämte. So trat sie auf die Straße, Keiner wußte ihre Absicht, Vater Philipp blieb etwas zurück, dann folgte die Menge müßiger Menschen auf den Straßen, die ihn frag­ten, was es bedeute? Viele fluchten auf Rosalien, weil sie Francoeur'» Frau war, aber dieser Fluch berührte sie nicht. — Der Commandant führte unterdessen seine Leute auf verborgenen Wegen nach den