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Donnerstag, den 7. April 1881

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Fuldiicr

Die , Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn» und Feiertage ausgenommen. Man abonntrt gegen BorauSbe,ahlung ju Fulda fa der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bet den Postämtern. Der vierteljährliche «bonnementSprei» beträgt ausschließlich »ringerlohn in Fulda eine Mark mtd SO R.-Pfg-, mit «ringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bet »en Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Hau« gebracht 1 Marl so Pfg. Die .tllustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung koste« »terteljährltch in Fulda SO Pfg., auswärts am Postschalter 25Pfg., tn'S Hau« gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petit,eile oder deren Raum 10 Pfg., bet Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Bestellungen auf das n. Quar­tal 1881 der ,Fuldaer Zeitung^ sowie der ,Jllustrirten Sonn- tagsblätter^ werden von der Ex­pedition, Buttermarkt 112, so­wie von den Postanstatten nnd Landbriefboten fortwährend angenommen.

Deutsche» »eich.

* Berlin, 5. April. Der Kaiser hat, wie ein Petersburger Blatt au« sicherer Quelle erfährt, dem russischen Obersten Dworschizkij, welcher bei dem Attentate auf Kaiser Alexander II. verwundet wurde, den Rothen Adlerorden EL Classe verliehen.

— Der Kronprinz geht, wie nun­mehr bestimmt, auf den Wunsch de« Kaiser» al« dessen Stellvertreter zu den Hochzeit«- feierlichkeiten de« Kronprinzen Rudolf von Oesterreich zum 10. Mai d. I. nach Wien.

— Wie wir au« dem .Allmärkischen Jn- teligenzblatt' ersehen, hat Fürst Bismarck, der bekanntlich auch ein ganz vortrefflicher Landwirth ist, sein Stammgut Schönhausen durch Ankauf von vier Ackergütern zu einem Areal von etwa 1000 Morgen gebracht.

— ( Reich «tag 5. April.) In dritter Berathung wird da« Pensionsgesetz für die Hinterbliebenen der Reichsbeamten nach den Beschlüssen zweiter Lesung unverändert an- genommen. Zur dritten Berathung des Kostenfrachtfahrtgesetzes stellt Witte einen Abänderungsantrag; da bei der Abstimmung nur 183 Mitglieder anwesend sind, ist das

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Der tolle Invalide aufldem Fort Ratonnea«.

(Fortsetzung.)

Unterdessen waren die beiden Soldaten, mit Aepfeln und Trauben bepackt, in die Nähe des Forts gekommen, aber Francoeur's starke Stimme rief ihnen, indem er eine Flintenkugel über ihre Köpfe abfeuerte: „Zurück!" dann sagte er durch das Sprach, rohr: „An der hohen Mauer werde ich mit Euch reden, ich habe hier allein zu befehlen und will auch allein hier leben, so lange es dem Teufel gefällt!" Sie wußten nicht was das bedeuten solle, aber es war nichts Anders zu thun, als dem Willen des Ser­geanten Folge zu leisten. Sie gingen her­ab zum steilen Abhange de« Forts, welcher die hohe Mauer hieß, und kaum waren sie dort angelangt, so sahen sie Rosaliens Bett und des Kindes Wiege an einem Seile nie- dersinken, dem folgten ihre Betten und Ge- räthe, und Francoeur rief durchs Sprachrohr: „Das Eurige nehmt; Bett, Wiege und Klei­der meiner entlaufenen Frau bringt zum Commandanten, da werdet Ihr sie finden; sagt: Das schicke ihr Satana« und diese alte Fahne, um ihre Schande mit dem Com­mandanten zu decken!" Bei diesen Worten warf er die große französische Flagge, die

Haus beschlußunfähig. Der Präsident schließt die Sitzung und beraumt eine neue auf 3 Uhr an. Auf der Tagesordnung steht die erste Berathung de« Trunksuchtgesetzes. Staatssecretär Schelling vertheidigt die ’ Vorlage. Schwarze hat erhebliche Be- • denken. Träger spricht unter großem Bei­fall gegen das Gesetz. Fortsetzung der De­batte morgen.

— Btsthumsverweser Dr. de Sorenji zu Trier ist bi« jetzt noch nicht officiell vom Staate anerkannt worden, jedoch ist nicht daran zu zweifeln, daß da« Staatsmini- sterium genau ebenso sich zur Trierer Wahl stellen wird, wie e« sich zur Paderborner und der Osnabrücker gestellt hat, obwohl der „deutsche" Conitzerverein der Rhein­lande nicht verabsäumt hat, über Herrn Dr. de Lorenzi gleich nach dessen Erwähl­ung zum Capitelsvicar mit Schmäh- und Hetzartikeln herzufallen.!

— Die gestrige parlamentarische Soiree beim Reichskanzler war der,Germ.' zufolge bedeutend schwächer besucht, wie die in der vorigen Woche. Vom Centrum waren u. A. anwesend die Abgg. Freiherr zu Francken- stein, Dr. Windthorst und beide Reichens­perger. Die wenig ammirte Unterhaltung bewegte sich auch um die Wahlen, deren Aus­fall freilich weder der Reichskanzler noch die Abgeordneten mit Sicherheit Vorhersagen konnten. Von Interesse ist es, daß der Reichs­kanzler erklärte, er halte es der Würde der Reichsregierung nicht entsprechend, auf die | socialdemokratischen Jnvectiven zu antwor­ten. Was die Discussion über den Antrag Windthorst anlangt, so theilt er da» Miß- '

auf dem Fort geweht hatte, herab und fuhr fort: „Dem Commandanten lasse ich hier­durch Krieg erklären, er mag sich waffnen bi» zum Abend, dann werde ich mein Feuer eröffnen; er soll nicht schonen, denn ich schone ihn beim Teufel nicht; er soll alle seine Hände ausstrecken, er wird mich doch nicht fangen; er hat mir den Schlüssel zum Pul­verthurm gegeben, ich will ihn brauchen, und wenn er mich zu fassen meint, fliege ich mit ihm gen Himmel, vom Himmel in die Hölle, das wird Staub geben." — Brunet wagte endlich zu reden und rief hinauf: „Ge­denkt an unfern gnädigsten König, daß der über Euch steht, ihm werdet ihr doch nicht widerstreben." Dem antwortete Francoeur: „In mir ist der König aller Könige dieser Welt, in mir ist der Teufel, und im Na­men des Teufels sage ich Euch, redet kein Wort, sonst zerschmettere ich Euch!" — Nach dieser Drohung packten Beide stillschweigend da» Ihre zusammen und ließen da» Uebrige stehen; sie wußten, daß oben große Stein­massen angehäuft waren, die unter der stei­len Felswand Alles zerschmettern konnten. Als sie nach Marseille zum Commandanten kamen, fanden sie ihn schon in Bewegung, denn Basset hatte ihn von Allem unterrich- tet; er sendete die beiden Ankommenden mit einem Wagen nach dem Fort, um die Sa- I

behagen, welche« die oratorische Vorlesung de« Herrn Dr. Hänel im Reichstage erregt hat. Nach den Aeußerungen des Reichs­kanzlers hat die Regierung sich von der Theilnahme an der Berathung ferngehal­ten, um die Discussion nicht zu erweitern und möglicher Weise in Bahnen zu lenkm, die man zu vermeiden wünschte.

— Die .Nordd. Allg. Ztg? entblödet sich nicht, mit einer an Manie grenzenden Hartnäckigkeit die Polen als Parteigänger der Nihilisten und den Mord Alexanders II. als ihren Wünschen entsprechend dar­zustellen. Ob das ein Mittel sein soll, die Preußisch-Polen mit unserem Staats­wesen zu versöhnen, sie die verlorene und nie vergessene Selbstständigkeit vergessen zu machen, oder ob etwa das Petersburger Attentat als Ausgangspunct für eine ge­gen die Polen in Deutschland zu unter­nehmende Action verwerthet werden soll? Man sollte doch in höchsten Kreisen, deren Sprachrohr die.Norddeutsche' ist, nicht so unvorsichtig und unklug sein, eine ganze Nation zu Meuchelmördern und Landes« verräthern zu stempeln. Dadurch wird we­der die öffentliche Sicherheit gefördert, noch dec Patriotismus der Staatsangehörigen gestärkt!

— Den Posener Bahnhof passirten gestern circa 1000 Auswanderer. Es vergeht fast kein Tag, an dem nicht die Abreise von ganzen Schaaren, namentlich aus dem Norden der Provinz Posen gemeldet wird.

♦ Münster, 4. April. Der ,W. Mer- cur' meldet: Der Verein katholischer Edel­leute Deutschlands hielt gestern in unserer chen der Frau gegen den drohenden Regen zu sichern, Andere sandte er aus, um die Frau mit dem Kinde aufzufinden, während er die Offiziere bei sich versammelte, um mit ihnen zu überlegen, was zu thun sei? Die Besorgniß dieses Kriegsraths richtete sich besonders auf den Verlust des schönen Forts, wenn es in die Luft gesprengt würde; bald kam aber ein Abgesandter der Stadt, wo sich da» Gerücht verbreitet hatte, und stellte den Untergang de» schönsten Theils der Stadt als ganz unvermeidlich dar. Es wurde allgemein anerkannt, daß mit Ge­walt nicht verfahren werde dürfe, denn Ehre sei nicht gegen einen einzelnen Menschen zu erringen, wohl aber ein ungeheurer Ver­lust durch Nachgiebigkeit abzuwenden; der Schlaf werde die Wuth Francoeur's doch endlich überwinden, dann sollten entschlos­sene Leute das Fort erklettern und ihn fesseln. Dieser Rathschluß war kaum gefaßt, so wur­den die beiden Soldaten eingeführt, welche Rosaliens Betten und Geräthe zurückgebracht hatten. Sie hatten eine Bestellung Fran­coeur's zu überbringen, daß ihm der Teu­fel verrathen, sie wollten ihn im Schlafe fangen, aber er warne sie aus Liebe zu einigen Teufelskameraden, die zu dem Un­ternehmen gebraucht werden sollten, denn er werde ruhig in seinem verschlossenen Pul-