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M 77.

Dienstag, den 5. April 1881.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

ta der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche SbonnementspreiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 50 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bet den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Hau» gebracht 1 Mark SO Pfg. Die ,illustrieren SonntagSblätter' der Fuldaer Zeitung kosten »ierteljährNch in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen entsprechenden Rabatt.

Bestellungen auf das H. Quar­tal 1881 der ,Fuldaer Zeitung^ sowie der ,Jllustrirten Sonn- tagsblätter^ werden von der Ex­pedition, Bnttennarkt 112, so­wie von den Postanstalten und Landbriefboten fortwährend angenommen.

O Der St. Raphaels Verein zur» Schutze deutscher Auswanderer.

Bet der großen Ausvehnung, welche die Auswanderung in diesem Jahre wieder genommen hat, ist es von der größten Bedeutung, daß fort und fort die Aus, wunderer auf die vom St. Raphaels- Verein zu ihrem Schutze in den Hafen­plätzen ernannten Vertrauensmänner auf­merksam gemacht und vor den Gefahren, die ihnen drohen, gewarnt werden.

Welchen Werth die Dienstleistungen der Vertrauensmänner haben, erkennt man erst recht, wenn man sich in den Auswanderungs­plätzen das Treiben der Auswanderer und das der um sie sich bemühenden Geschäfts­agenten näher ansieht. Zu diesem Zwecke hatten wir selbst jüngst einen Ausflug nach Antwerpen gemacht und daselbst in Begleitung de« dortigen Vertrauens­mannes, Herrn Würden, das Schicksal der Auswanderer von ihrer Ankunft bis zu ihrer Abreise beobachtet; und da müssen wir angesichts unserer gemachten Erfahrungen gestehen: Auswanderer, welche durch ihre Schuld die Hilfe des Vertrauensmannes

i nicht nachsuchen, handeln, im Interesse ? ihres materiellen wie ihres sittlichen Wohles, 'i höchst leichtsinnig. Zunächst befinden ste stch j in der größten Gefahr, von gewissen ? Agenten auf alle mögliche Weife ausge- । plündert zu werden. Erstens bezahlen sie | nur zu oft die Billete 80, 40, ja 50 M. und noch mehr zu theuer, 2) werden sie in Wirthshäufern einlogirt, die entweder den Agenten selbst gehören oder doch ihren untergebenen oder sehr „befreundeten" Personen, und dort werden sie nicht selten

I wie die Häringe zusammengepackt» jeden- \ falls aber müssen ste Apothekerpreise zahlen, 3) werden sie beim Geldwechseln durch­gehends geradezu geprellt, 4) müssen sie : bei den Einkäufen für die Fahrt (Betten rc.) wiederum „Haare lassen." Kurz, sie thuen keinen Schritt, ohne daß ihr Geld­beutel betrügerischer Weise in Mitleiden­schaft gezogen wird. Glauben die armen ? Auswanderer dann endlich am Ziele zu i sein, so h«ßt es mitunter auf einmal: f „Ja, Sie können mit diesem Schiffe noch ! nicht fahren, Sie müssen bis zum nächsten | warten, pder wenn Ste -met diesem Schiffe i fahren wollen, müssen Sie so und so viel | mehr zahlen." Entweder gehen sie auf das l letztere Anerbieten ein, oder Sie haben das * Vergnügen, das theure Antwerpener Pflaster * noch eine Woche länger betreten zu können. I Dazu kommen dann die sittlichen Gefahren, I denen die Auswanderer theil» in ihrem ; Quartier, theil« auch bei dem Herumstreichen ü durch die Stadt ausgesetzt sind. So kam l eines Tages ein junger Mann zu Herrn ' Würden mit der Klage, er habe seine ganze

Baarschaft, über 500 M., verloren. Bei genauer Untersuchung ergab sich, daß der Betreffende Abends in eine Kneipe gerathen war und andern Morgens sich auf der Straße ohne Geld und ohne Uhr wieder- fand. Welcher Art die Kneipe war, läßt sich denken. Hätte der junge Mann sich früher an Herr Würden gewandt, so wäre ihm das nicht leicht pasfirt, denn Herr Würden unterläßt es nie, die Reisenden, namentlich die jungen Leute, auf diese Gefahren bei der Besichtigung der Stadt aufmerksam zu machen. Auf den Schiffen, die direct nach Amerika fahren, sind jetzt zwar verschiedene Abtheilungen für Ver« heirathete und für unverheirathete Manns­und Frauenspersonen; allein die gute Absicht dabei wird dadurch vielfach nicht erreicht, daß Unverheirathete zweierlei Ge­schlechts sich als Verheirathete in die Schiffrliste eintragen lassen. Die zu diesem Zwecke gemachten Bekanntschaften stammen vorwiegend au» den Logis. Derartige Vorkommnisse sind unter den Augen de« Vertrauensmannes nicht möglich, da er nicht allein die Wirthshäuser sondern auch die Eintragungen überwacht. Wie gefähr­lich er besonders für Frauenspersonen ist, ohne den Schutz der Vertrauensmannes die Reise anzutreten, könnten wir leider an allzu vielen Beispielen erläutern. Rur dar eine genüge: Zwei Brüder kamen mit ihrer Schwester in Antwerpen an. Ein Agent besorgte die beiden Brüder auf'« I Schiff, hielt aber die Schwester» ein 17 jähriges Mädchen, unter irgend einem Vor­wande bis zum „nächsten" Schiff zurück,

3 Der tolle Invalide auf dem Fort Ratonneau.

(Fortsetzung.)

„Hier meine Hand, „rief der Comman- j dant, der die eifrige Frau mit Wohlgefal- j len angehört hatte, „noch mehr, ich will • Ihre Fürbitte dreimal erhören, wenn Fran- | coeur dumme Streiche macht. Das Beste j aber ist, diese zu vermeiden, und darum schicke j ich ihn gleich zur Ablösung nach einem Fort, i das nur drei Mann Besatzung braucht; ; Sie finden da für sich und Ihr Kind eine ■ bequeme Wohnung, er hat da wenig Ver- \ anlaflung zu Thorheiten, und die er begeht, ; bleiben verschwiegen." — Die Frau dankte ! für diese gütige Vorsorge, küßte dem altem j Herrn die Hand, und er leuchtete ihr da- ; für, als sie mit vielen Knixen die Treppe . hinunterging. Das wunderte den alten Kammerdiener Basset, und es fuhr ihm durch j den Kopf, was seinem Alten ankomme, ob : der wohl gar mit der brennenden Frau \ eine Liebschaft gestiftet habe, die seinem Ein- z flufle nachtheilig werden könne. Run hatte . der alte Herr die Gewohnheit, Abends im j Bette, wenn er nicht schlafen konnte, Alles, s was am Tage geschehen, laut zu überdenken, ; als ob er dem Bette seine Beichte hätte ab- i statten müssen. Und während nun die Wa- ?

gen vom Balle zurückrollten und ihn wach . erhielten, lauerte Basset im andern Zimmer J und hörte die ganze Unterredung, die im 1 um so wichtiger erschien, weil Francoeur l sein Landsmann und Regimentskamerad ge- ' wesen, obgleich er viel älter als Francoeur : war. Und nun dachte er gleich an einen \ Mönch, den er kannte, der schon Manchem i den Teufel ausgetrieben hatte, und zudem \ wollte er Francoeur bald hinführen; er \ freute sich einmal wieder, einen Teufel aus- i treiben zu sehen. — Rosalie hatte, sehr befriedigt über den Erfolg ihres Besuches, l gut geschlafen; sie kaufte sich am Morgen ■ eine neue Schürze und trat mit dieser ihrem Manne entgegen, der mit entsetzlichem Ge­sänge seine müden Invaliden in die Stadt führte. Er küßte sie, hob ste in die Luft und sagte ihr: „Du riechst nach dem tro­janischen Brande, ich habe Dich wieder, schöne Helena!" —Rosalie entfärbte sich und hielt es für nöthig, als er fragte, ihm zu eröff- i nen, daß sie wegen der Wohnung beim I Obersten gewesen, daß diesem gerade das ’ Bein in Flammen gestanden, und daß ihre ; Schürze verbrannt. Ihm war es nicht recht, ; daß sie nicht bis zu seiner Ankunft gewar- \ tct habe, doch vergaß er das in tausend Spässen über die brennende Schürze. Er | stellte darauf seine Leute dem Commandanten

vor, rühmte alle ihre leiblichen Gebrecher und geistigen Tugenden so artig, daß er de« alten Herrn Wohlwollen erwarb, den so in stch meinte: die Frau liebt ihn, aber sie ist eine Deutsche und versteht keinen Franzosen; ein Franzose hat immer den Teufel int Leibe! — Er ließ ihn in'« Zim­mer kommen, um ihn näher kennen zu lernen, fand ihn im Befestigungswesen wohl unterrichtet, und was ihn noch mehr ent­zückte, er sfand in ihm einen leidenschaft­lichen Feuerkünstler, ver bei seinem Regi- mente schon alle Arten Feuerwerke auSge« arbeitet hatte. Der Commandant trug ihm seine neue Erfindung zu einem Feuerwerke am Geburtstage des Königs vor, bei welcher ihn gestern der Beinbrand gestört hatte, und Francoeur ging mit funkelnder Begei­sterung darauf ein. Run eröffnete ihm der Alte, daß er mit zwei andern Invaliden die kleine Besatzung des Forts Ratonneau ablösen sollte, dort sei ein grober Pulver­vorrath, und dort solle er mit seinen beiden Soldaten fleißig Raketen füllen, Feuerräder drehen und Frösche binden. Indem der Commandant ihm den Schlüssel des Pul« verthums und das Jnventarium reichte, fiel ihm die Rede der Frau ein, und er hielt ihn mit den Worten noch fest: „Aber Euch plagt doch nicht der Teufel, und Ihr