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Sonntag, den 3. April 1881
Fuldser SB Leitung.
Die .Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fuld a in der Lxpedition/Buttermartt 9k. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche «bonnementSprei« beträgt aMchließlich Bringerlohn m Fulda ^neMarkund SO R.-Pfg., mit »ringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., '»b Hau« gebracht 90|fa. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., ins Haus gebracht 40 Psg Inserate: Die Petit»eUe oder deren Raum 10 Psg., bei Wiederholungen 50°/» Rabatt.
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Z Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
Am meisten dauern mich bei der Wendung der Dinge die armen L i b e r a l e n, die einem Unglücklichen gleichen, der sich in einem Sumpf verirrt hat und plötzlich den festen Boden unter den Füßen weichen fühlt. Ihr vielgerühmtes Elixir, die „Bildung" gleicht den Theerkapseln und den Voß'schen Pillen, die beide Nichts werth sind, denn „gebildet" sind selbst die russischen Mordbuben; ihr Volksbeglückungssystem mittelst „Cul- turkampf", Gewerbefreiheit, Freihandel rc. hat das Gegentheil der beabsichtigten Wirkung hervorgebracht, und so ist es mit der liberalen Herrlichkeit zu Ende. Vergebens waren all' die schönen Reden im Parlamente, vergebens die Austreibung der Priester, das Brodkorbgesetz rc., — die rauhen Märzstürme haben alle Hoffnungen weggeblasen und Nichts übrig gelaffen» als die Erkenntniß, der schon H. Heine im Jahre 1834 Ausdruck gab, als er schrieb: „Durch die Doctrinen der Naturphilosophie haben sich revolutionäre Kräfte entwickelt, die nur des Tages harren, wo sie hervorbrechen und
die Welt mit Bewunderung erfüllen können. Es wird ein Stück aufgeführt werden in Deutschland, wogegen die französische Revolution nur wie eine harmlose Idylle erscheinen möchte. Denn, wenn einst der zähmende Talisman«, das Kreuz, zerbricht, dann raffelt wieder empor die Wildheit der alten Kämpfer, die unsinnige Berserkerwuth, wovon die nordischen Dichter so viel singen und sagen. Jener Talisman» ist morsch, und kommen wird der Tag, wo er kläglich zusammenbricht. Die alten steinernen Götter erheben sich dann aus dem verschollenen Schutt und reiben sich den tausendjährigen Staub aus den Augen, und Thor mit dem Riesenhammer springt endlich empor und zerschlägt die golhischen Dome."
Ja, die armen Liberalen! Sie möchten aus der Haut fahren, daß das Band, das sie um sich geschlungen, wie Spinngewebe zerflattert. In politischen und wirthschaft- lichen Fragen sind die Fortschrittler, die Secessionisten, die Nationalliberalen und die Fretconservativen nie einen Weg gegangen, aber wenn e» hieß : „Gegen Rom!", dann standen sie stramm in Reih und Glied, Schulter an Schulter; und nun soll diese» einzige Bindemittel auch noch reißen! Es ist zu arg; selbst die Freude über die Nichtbestätigung des Abgeordneten von Grand-Ry als Beigeordneter der Stadt Eupen vermag sie über diesen Verlust nicht zu trösten. Der eine jammert von einem „Loch in den Maigesetzen", der Andere sagt: „Mit den Ultramontanen werden wir uns nie verständigen", und der sog. Deutsche Verein der am 27. März in
Köln seine Generalversammlung abhielt, schimpfte noch einmal recht wacker über die „Hetzkapläne", die „Kaplanspreffe" rc., aber seine ohnmächtige Wuth erinnert nur^an bett Fluch des röchelnden Faustkämpfers, der unterlegen ist.
Und mag Herr Menzel noch so'toben Und raufen sich die Haare aus, M M Herr Drobe ist jetzt glücklich drobenf; Und mit der „Sauhetz" ist es aus!
Eins aber hat der Liberalismus mit feinem „Culturkampfe" fertig gebracht: er hat den Ruhm der deutschen Volksvertretung, d. h. die anständige, sachliche Erörterung zu Falle gebracht und einen Ton in die Parlamente und in die Preffe eingeführt, der eher auf die Gaffe gehört; die Kraftausdrücke: „Trabanten Rom's, Pfaf- fenwirthschaft, römische Gladiatoren, schwarze Jacobiner" rc. sollen ihnen denn auch al» Trophäen verbleiben.
Vielleicht versucht es der sinkende Liberalismus noch einmal und wirft sich Bismarck „sans phrase“ vor die Füße, um nicht ganz als altes Eisen fortgeworfen zu werden; aber da ist bei den großen Steuerdebatten im Reichstag der böse Suppenspucker Lasker sofort gekommen und hat abermals bett Zorn des Gewaltigen erregt. Er will keine „aristokratische" Politik, bis bas Bier besteuert unb bett Branntwein mit Rücksicht auf einflußreiche Brennereibefitzer „im Interesse des armen Mannes" außer Acht läßt. Ob direct oder indirect, — bezahlt muß werden, das ist das Ende vom Liede; daß der Kanzler aber neue Steuern bewilligt haben will, „für Zwecke,
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Der tolle Invalide auf dem Fort Ratounea«.
(Fortsetzung.) 1
„Ein wahres, ein schönes Wort!" sagte der Commandant, und Rosalie fuhr fort: „Das war die schönste Stunde meine» Leben», ' ich sah ihn immer eifriger an, weil er be- > hauptete, daß es ihm wohlthue, und als er - mir endlich einen kleinen Ring an den Finger * steckte, fühlte ich mich so reich, wie ich noch ‘ niemals gewesen. In diese glückliche Stille ' trat meine Mutter, scheltend und fluchend, r ein; ich kann nicht nachsagen, wie sie mich - nannte, ich schämte mich auch nicht, denn \ ich wußte, daß ich schuldlos war, und daß ■ er Böses nicht glauben würde. Sie wollte i mich fortreißen, aber er hielt mich fest und . sagte ihr, daß wir verlobt wären, ich trüge j schon seinen Ring. Wie verzog sich das j Gesicht meiner Mutter; mir war's, als ob eine Flamme aus ihrem Halse brenne, und ihre Augen kehrte sie in sich, sie sahen ganz weiß aus; sie verfluchte mich und übergab mich mit feierlicher Rede dem Teufel. Und wie so ein Heller Schein in meine Augen am Morgen gestrahlt, so war mir jetzt, als ob eine schwarze Fledermaus ihre durchsichtigen Flügeldecken über meine Augen legte; die Welt war mir halb ver-
schloffen, und ich gehörte mir nicht mehr ganz. Mein Herz verzweifelte und ich mußte lachen. „Hörst Du, der Teufel lacht schon aus Dir!" sagte die Mutter und ging triumphirend fort, während ich ohnmächtig niederstürzte. Als ich wieder zu mir gekommen, wagte ich nicht zu ihr zu gehen und den Verwundeten zu ver- taffen, auf den der Vorfall schlimm gewirkt hatte; ja ich trotzte heimlich der Mutter wegen des Schadens, den sie dem Unglücklichen gethan. Erst am dritten Tage schlich ich, ohne es Francoeur zu sagen, Abends nach dem Hause, wagte nicht an- zukiopfen; endlich trat eine Frau, die uns bedient hatte, heraus und berichtete, die Mutter habe ihre Sachen schnell verkauft und sei mit einem fremden Herrn, der ein Spieler fein sollte, fortgefahren und niemand wisse wohin. So war ich nun von aller Welt ausgestoßen, und es that mir wohl, so entfesselt von jeder Rücksicht in die Arme meines Francoeur zu fallen. Auch meine jugendlichen Bekanntinnen in der Stadt wollten mich nicht mehr kennen, so konnte ich ganz ihm und feiner Pflege leben. Für ihn arbeitete ich; bisher hatte ich nur mit dem Spitzenklöppeln zu meinem Putze gespielt, ich schämte mich nicht, diese meine Handarbeiten zu verkaufen, ihm
. brachte es Bequemlichkeit und Erquickung. - Aber immer mußte ich der Mutter denken, wenn seine Lebendigkeit im Erzählen mich nicht zerstreute; die Mutter erschien mir schwarz mit flammenden Augen, immer
• fluchend vor meinen inneren Augen, und ■ ich konnte sie nicht los werden. Meinem Francoeur wollte ich nichts sagen, um ihm nicht das Herz schwer zu machen; ich klagte Über Kopfweh, das ich nicht hatte, über ; Zahnweh, das ich nicht fühlte, um weinen ■ zu können, wie ich mußte. Ach hätte ich i damals mehr Vertrauen zu ihm gehabt, j ich hätte fein Unglück nicht gemacht, aber jedesmal, wenn ich ihm erzählen wollte, daß ich durch den Fluch der Mutter vom Teufel besessen zu fern glaubte, schloß mir der Teufel den Mund, auch fürchtete ich, daß er mich dann nicht mehr lieben könne, ■ daß er mich verlassen würde, und den ; blosen Gedanken konnte ich kaum überle« ; ben. Diese innere Qual, vielleicht auch die angestrengte Arbeit, zerrüttete endlich meinen Körper, heftige Krämpfe, die ich ihm verheimlichte, drohten mich zu ersticken, und Arzneien schienen diese liebet nur zu mehren. Kaum war er hergestellt, so ward die Hochzeit von ihm angeordnet. Ein alter Geistlicher hielt eine feierliche Rede
i in der er meinem Franceur Alles an's