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M 74. Freitag, de» 1. April 1881.

Die ,Fuldaer Zeitung' erschemt täglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts beiden Postämtern. Der vierteljährliche AbonnementspreiS b-trägtausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 60 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. Die ,illustrirten SonntagSblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 5O0/o Rabatt.

Bestellungen ans das H. Quar­tal 1881 der ,Fuldaer Zeitung^ sowie der ,Jllustrirten Sonn- tagsblätter^ werden von der Ex- pedition, Buttermarkt 113, so­wie von den Postanstatten und Landbriefvoten fortwährend angenommen.

* Die deutsche Auswanderung nach Amerika, die im Jahre 1880 sich auf 106,790 Köpfen belief, kam am 21. d. M. im deutschen Reichstage zur Erörterung. Der Abg. Dr. Lingens wies zahlenmäßig nach, daß die Auswanderer vielfach dem wohl­habenden Mittelstände angehören, und daß die Auswanderung — was früher nicht der Fall gewesen — besonders in den Rhein­landen und Westphalen in einem ungeheueren Maße zugenommen hat. Die Zunahme der Auswanderung erklärt Redner mit dem Hin­weis auf den Culturkampf, die Militärlast und Schulwuth. Redner bemerkt u. a. wörtlich:

„Wenn man die Zustände in Amerika und dagegen die Lage der Dinge für die Ka­tholiken in manchen Gegenden Deutschlands kennt, so daß in großen Provinzen in Preußen die Kirchenverfolgung und die Gewiffens- verfolgung forldauert, dann ist es mir gar nicht auffallend, dann halte ich es sogar für wahrscheinlich, daß wir den Strom der Auswanderung anschwellen sehen in einem Maße, daß auch diejenigen, die heute das blos für eine natürliche Entwickelung des

Wandertriebe» und der Wanderlust der Deutschen halten, doch stutzig werden müssen, und daß namentlich wir Alle, denen es doch darum zu thun sein muß, das Wohl des ganzen j Reiches nicht aus den Augen zu verlieren, be- i sorgen müssen, es gehen uns überaus kostbare

Capitalien, es gehen uns unschätzbare Kräfte, ! es gehen uns sehr edle Bestandtheile ver- J loren, die uns einst sogar entgegentreten | dürften zu unserem Schaden, zu unserer ) Aller recht großen Gefabr. Ich sage zur ; Gefahr: Ich glaube, ich behaupte nicht ; zu viel, schon vom Standpunkte der In« - dustrie, wenn ich sage, daß die tüchtigsten <’ Arbeiter auswandern, weil sie manche Dinge . behaupten und für sich geltend machen, die i man ihnen nicht bestreiten kann. Ich habe \ versucht, mit Auswanderern, die mir ihre I Absicht auszuwandern mittheilten, zu reden, um sie von ihrem Plan abzubringen; e» war aber ganz vergeblich. Die Betreffenden sagten: nein, weder wir noch unsere Kinder . werden in Amerika einem Wehrgesetz un- ° terstehen, was die besten Jahre raubt; wir ' werden dort auch nicht einer Ungewißheit i und einer Belastung mit Steuern ausgesetzt > sein, wie wir sie jetzt nicht mehr ertragen ; mögen. Dann aber, wir wollen auch Frei- ! heil haben. Freiheit hat uns das deutsche i Reich nicht gebracht. Die Freiheit ist be- deutend geringer in allen unseren Verhält- j nissen, als sie war, bevor das deutsche Reich - zu Stande gekommen ist. Auf alle drei z Gründe wußte ich Nichts zu erwidern. it Vollends als sie mir noch mit dem vierten > kamen: wir sind katholische Familienväter, wir wollen vor Allem die religiöse Zukunft

unserer Kinder gesichert haben, wer kann uns heute eine Bürgschaft in Deutschland bieten, daß die Verhältnisse in religiöser Beziehung — und das ist uns das Höchste und Theuerste — bald gebessert, überhaupt ganz andere werden? — habe ich darauf auch keine Antwort zu geben gewußt. Glau­ben Sie mir, bei Vielen, ja bei Tau­senden, tritt mehr und mehr dieses Motiv ihrer Auswanderung hervor. Es sind nicht mehr die Armen, die auswandern, nein, jetzt denken die Begüterten daran, und ich versichere Sie, in großen und weiten Kreisen. Darum ist das Aufhören des CulturkampfeS nicht bloß eine Parteifrage, nicht bloß eine Frage für Preußen, nein, ich halte dafür, es ist wesentlich eine Frage auch im höchsten Reichsinterefle. Darum wäre es sehr an der Zeit, statt uns hier über die verschie­denen Wirkungen der Zölle ohne Erfolg auseinander zu setzen, daß wir einmal diese großen Beschwerden und Mißstände erwägen und Abhilfe zu finden suchen. Dem Herrn Reichskanzler hatte ich damals die Sache nur anzudeuten mir erlaubt, heute stehen wir aber schon vor Thatsachen, die anwachsen, die gegen uns gekehrt werven. Die amerikanische Indu­strie ist bereits unserer Großindustrie über­aus gefährlich. Was machen jetzt die Ame­rikaner? Sie verkünden, wir bilden jetzt ein katholisches Deutschland in Amerika, ein Bischof, ein geborener Irländer, hat schon 70,000 Acres im Verein mit einer Eisenbahngesellschaft in Minesota zur Ver­fügung für die katholischen deutschen Aus­wanderer. Dann in Arkansas werden so­gar 200,000 Acres ausgeboten, und ein

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-th. Geschichtlicher Rückblick über besouders in der Reforrnatiorrs- tzeit aufgehobene Klöster im Re­gierungsbezirk Cassel.

(Schluß.)

Auch in Hanau war ein Kloster. Das­selbe wurde im Bauernkrieg 1524 ver­wüstet , und später die Güter desselben zum Hospital in der Altstadt geschlagen. \

Weitere Klöster befanden sich auf dem : Klosterberg zu Langenselbold und auf der i Naumburg im Amte Windecken.

Auch zu Gelnhausen befand sich ein l Franziscanerkloster, und im Bezirke dieser | Stadt lag auch das um 1317 erbaute Be- ' nedictinernonnenkioster Himmelau. Im ; Jahre 1777 wurden die Trümmer desselben ? abgebrochen und zum Straßenbau verwendet.

Das merkwürdigste Kloster im Bezirke Hanau war die reiche Benedictinerabtei zu Schlüchtern. Alten Sagen zufolge kamen im Jahre 774 mehrere Benedictiner aus Frankreich und gründeten in dem damals noch wenig belebten Thale neben einer Capelle des hl. Laurentius das Kloster Solitaria oder Solitaire (Einsiedeln), das ; dem ganzen Orte Entstehung und Namen < gegeben haben soll, und aufblühte zu Reichthum s und großem Rufe. Nach den Quellen- |

studien des Pfarrers Jacob Rullmann in Kesselstadt verhielt sich die Sache so: Schlüchtern hätte seinen Ursprung von dem Benedictinerkloster, das der hl. Bonifacius 742 inmitten von fünf Zellen, Zella soli­taria, Oberzell, Hohenzell, Niederzell und Oertzell, gegründet hat. Das Kloster führt in den ältesten Urkunden stets den Namen: Monasterium Sancti Benedicti in Schluch­ten. An dieses Kloster lehnte sich nach und nach die Stadt an, die naturgemäß von Schluchten den Namen Schlüchtern erhielt. In alten Schriften wird sie als eine ad Drusi montem, Drasenberg, gele- legene Stadt bezeichnet. Diese Abtei ver­fiel der Reformation dadurch, daß der 1502 in Niederzell geborene und am 23. Juni 1567 in Hanau gestorbene Abt Pe­ter Botich abfiel. Er errichtete im Kloster I eine Lateinschule, welche als Gymnasium ’ bis zum Jahre 1829 fortbestand. Im j Jahre 1836 wurden die Klostergebäude, ! auch die schöne Klosterkirche, in ein prot. ? Schullehrerseminar umgewandelt.

Noch wollen wir eine Nachricht aus dem ; Schlüchterner Kreisblatt vom 26. Januar 1 1881 anführen, welche lautet: „Bei Auf- | brechung des Fußbodens eines in dem hie- j sigen Klostergebäude, nördlicher Seite, be- i findlichen, zur Zeit unbenutzten Schul- ’

locale neben der Krypta, das wegen allzu großer Feuchtigkeit geräumt werden mußte, fanden sich bei Auswerfung des Schuttes mehrere Menschengebeine und u. A. auch eine Anzahl Menschenschädel vor. Ob an dieser Stelle früher eine Mönchsgruft exi- stirt und die Gebeine von Mönchen oder Laien übrig geblieben sind, weiß man nicht."

Die in neuerer Zeit erfolgte Aufhebung verschiedener Klöster zu Fulda, Fritzlar und Salmünster gehört nicht hierher und wird deshalb übergangen.

Wir haben gesehen, daß zahlreiche Klöster im Zeitalter der Reformation aufgehoben und ihre Güter zu den verschiedensten Zwecken verwendet wurden, ohne daß die Kirche über ihr Eigenthum befragt worden wäre, namentlich thaten sich die Hess. Land­grafen besonders hervor. Aber was hat ihnen das Kirchengut genützt? Die Kirche kann auch ohne Klöster bestehen, sie erlei­det zwar durch Schädigung derselben viel, aber zu Grunde geht sie nicht, denn sie ist nicht auf die Klöster gegründet, wie sich schon manche Feinde der Kirche eingebildet haben, jondern auf den Felsen Petri. Ob­gleich sie ohne Klöster bestehen könnte, wird sie doch nicht ohne dieselben bestehen; werden sie an einem Orte zerstört, so erheben sie sich wieder an einem anderen.