' eo* Donnerstag, den Sr. März 1881.
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Der größte Sünder der Gegenwart.
„Die größte Sünderin unserer Zeit — schrieb unlängst Dr. Dittes, Director des Wiener Pädagogium» und Heraus
geber einer gleichnamigen Monatsschrift Erziehung und Unterricht — „die größte Sünderin unserer Zeit, die Tagespresse, welche so unermeßlich viel zur Corruption und Demoralisation aller Schichten der Gesellschaft beigetragen hat, fängt bereits an, über unser Zeitalter zu klagen und sich über den tristen Zustand zu beunruhigen, welcher doch zum guten Theil das Werk ihrer eigenen Hand ist." Man setze in vorstehendem Stoßseufzer statt TageSpreffe: liberales Schulsystem und dessen Treiben und man geht nicht zu weit, in ihm den „größten Sünder unserer Zeit" zu erblicken. Dies mag hart erscheinen und doch spricht wiederum kein geringerer, als einer der Betheiligten selbst ein solches Verbiet aus. In derselben Nummer der Zeitschrift jammert ein Lehrer: Wo finden wir noch Lehrer von wahrem, innerem Beruf, Männer, die Unterricht und Erziehung als eine Kunst auffassen und in heiliger Begeisterung sich ganz und voll idealer Liebe der Jugend opfern? Welch' einen traurigen Eindruck machen die Menge der kleinen Schulzeitungen und andere pädagogische Blätter! Ueberall blkude Halbbildung, verbunden mit Klatschsucht und oft unerträglicher Arroganz." Und ein anderer bekennt noch offener: Man achtet und pflegt die Schule, aber nicht in wie weit sie Menschen zu erziehen hat, sondern nur als nsthwendige Bedingung des schnellen Klugwerdens. Auch bei uns steht die Moral nicht mehr auf der Tagesordnung. Darum ist Lug und Trug entsetzliche Härte und Gewissenlosigkeit an der Tagesordnung. Wie ist es anzufangen,
I daß die Schule, der Moral zu ihrem Rechte und ihrem Einfluß verhilft?"
Ja, der Moral! Da liegt der Hase im Pfeffer 1 Das liberale Schulsystem will Moral lehren, aber ohne Katechismus, ohne Kirche. Es will die Jugend zu sittlichen l Menschen erziehen, aber ohne Gott und । ohne Religion. Da» ist aber nun und j nimmer möglich. Denn jedes moralische j Gefühl wurzelt im Glauben an einen l lebendigen Gott, den Belohner des Guten i und den Rächer des Bösen, im Glauben l an eine Vergeltung nach diesem Leben. , Dieser Glaube aber will genährt, will ge- - pflegt sein durch innigen und häufigen i Verkehr mit Gott, durch Gebet und die I religiösen Uebungen. Sittliche Menschen - erziehen ohne Glauben, ohne Dogma, heißt z so viel, wre ein Gebäude errichten ohne - Fundament, einen Schluß ziehen ohne Prin- ! cip, eine Pflicht auflegen ohne das ewige ! Gesetz des Guten und des Bösen, welches j nur durch den Glauben eine durchgreifende ! und nachhaltige Wirkung auf den menfch- j lichen Willen üben kann, der, durch die { sinnlichen Neigungen getrieben, allzu leicht von dem Strome des Bösen erfaßt und fortgerissen wird. Was hat dagegen das liberale Schulsystem gethan?
Der Leipziger Professor Dr. Ehr. Lut« i Hardt (Protestant) sagt in seinen i soeben erschienenen „Modernen Weltan- ! schaumigen und ihre praktischen Conse- j quenzen" im vierten Vortrage über die, । Wirkungen des Rationalismus im Gebiete i ! der Schule, über die modernen Schul« meisterheiligen Rousseau, Basedow, Pesta-
-L Geschichtlicher Rückblick über besonders i« de» Resormations- zeit aufgehobene Klöster im Regierungsbezirk Cassel.
(Fortsetzung.)
Auf dem nahen Sendberge wurden des Klosters Gerichte in geistlichen Sachen, Sendgerichte, aber auch weltliche gehalten, und jene Waldecke am Spieß, wohin schon Kaiser Heinrich IV. eine große Heerver- sammlung beschied, hat oftmals, zuletzt un- ter Philipp, die großen öffentlichen Land, tage für Oberheffen und Ntederheffen gesehen. Hier wo die alte Warte, der Spieß, den Rest einer durch einen Schlag verschlossenen Landwehr bezeichnet, schieden sich von jeher beide Lande, und wurden deshalb auch in das Land diesseits und jenseits des Spießes unterschieden. Spieß ist aber öfters der Name von Grenz« puncten.
Ferner bestand zu Immichenhain, ursprünglich Emichenhain, ein Kloster des Augustinerordens, welches in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts gestiftet, an- fänglich von Nonnen, vor dem Ende des 15. Jahrhunderts aber von Mönchen bewohnt und bei der Reformation aufgehoben wurde. Wllhelm IV. zog 1585 die Güter
, desselben mit in seine Stiftung für die (1 Pfarrwittwen. Das ehemalige Kloster ist ; jetzt ein herrschaftlicher Hof mit einer !ä Pfarrkirche und ein dürftiges Dörfchen.
§ Mit der Benedictinerabtei zu Fulda stand jene zu Hersfeld im innigen Zusammenhang. Als der hl. Sturmius im Jahr 736 von Fritzlar nach Buchonien zog, um eine Stelle für ein neues Kloster zu suchen, kam er an den bewohnten Ort HerolfeS- feld, traf Anstalten, hier seinen Auftrag | zu vollziehen, ward aber durch den hl.
Bonifaciur abgemahnt und suchte die Stätte des neuen Klosters weiter in der Einöde, wo jetzt Fulda steht; doch der Keim, den er zu Hersfeld zu einem Kloster gelegt hatte, mag geblieben fein, bis der heilige Lullus, als Erzbischof von Mainz, die eigentliche Stiftung um's Jahr 755 begann. Hersfeld hat der Abtei vieles zu danken. Das Hospital daselbst ist im Jahre 1271 von dem Abte Ludwig I. und das Gymnasium 1570 von dem Abte Michael gestiftet, mit 40,000 fl. von seinem eigenen Vermögen ausgestattet, und weil Her«, selb eine unmittelbare Reichsabtei war, von dem Kaiser Maximilian II. bestätigt worden. Abt Michael stiftete auch 1570 das Hospital zu Niederaula. HerSfeld hatte bei Einführung der Reformation |
viele« zu erdulden, da es die hessischen Landgrafen wiederholt an sich zu reißen suchten. Es widerstand auch bis zum An. fang des 17. Jahrhunderts. Damals noch verursachte die Einführung der Neuerungs. puncte in dieser Gemeinde große Bewe. gung, da der Pfarrer 1607 und 1608 denselben noch nicht beitreten wollte, sondern lieber den Abschied nahm. Der Nach, folger desselben Heinrich ClebiuS führte zuerst auf Maria Verkündigung 1609 das Brodbrechen ein, wozu sich aber nur drei Communicanten einfanden. Nach dem Tode des Abtes Joachim trat der hessische Prinz Otto die Administration des Stiftes an. In Trümmern liegt die einst bewunderte Stiftskirche, seit sie am 19. Februar 1761 bei einem eiligen Rückzüge französischer Truppen als eines ihrer Hauptmagazine in Brand gesteckt wurde.
Auch zu Philippsthal-Kreuzberg war ein Nonnenkloster, welches zur Abtei Hersfeld gehörte. Landgraf Karl räumte es seinem Bruder Philipp ein, welcher die Gebäude neu und schön erbauen und zu seinem Sitze einrichten ließ. Von ihm, dem Stif. ter einer neuen Linie, führt das Schloß den Namen, das Dorf behielt den älteren.
In der Stadt Schmalkalden bestand