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72. Mtttw-ch, »en 30. Mär, 1881.

Jfulban*

Die .Fuldaer Zeitung' erschemt täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Ran abonnirt gegen Borausbezahlung zu Fulda tn der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche «bonnementSpreiS beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Rarkund 50 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 R. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pfa. Die .illustrirten Sonnt« gsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfa Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50°/, Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 2. Quartal 1881 der ,Fuldaer Zeitung' bitten wir un­gesäumt zu abonnire«.

Die,Fuldaer Zeitung erscheint an allen Werktage« mit dem Da­tum des folgende« Tages u«d kostet vierteljährlich bei der Expe- ditio« (Buttermarkt Nr. 112) so­wie a« den Postschalter« Mk. 1.50. Jtt's Haus gebracht: i« Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Di- Richtung der , Fuldaer Zeitung^ ist anerkanntermaßen eine e « t- \ schieden katholische; auf dem Gebiete der Politik ist ihr Stand- punct der des Centrums; auf wirthfchaftlichem Gebiete geht ste rückstchtslos gegen Wucherer und ' Halsabschneider vor und bringt ' häufig belehrende und onregevde . Artitel für die landwirthfch asttrei­bende Bevölkerung. Sämmtliche - Local- und Provineial-Nachrichten von einigem Interesse. Cours- ! und Marktberichte. Kamilieuuach- richten re. Inserate finden durch Vie ,F«ld. ZtgX bei ihrer starke« : Aussage (ca. 2000) die intenfivste Verbreitung.

x' Noch einmal: Was «un? r " Die revolutionäre Strömung ist f gegenwärtig weit mehr zu fürchten, als ein l Krieg. Was Leo XIII. in seiner berühm- : ten Encyklica behauptete, daß die Nihilisten '

! Socialdemokraten, Communards im Grunde I dieselben Tendenzen hätten, hat stch leider nur zu schnell und in geradezu ekelhafter Weise bewahrheitet. Man lese das Blatt Rochefort'«, die Straßenplacate in Pari» und die Rede, die Hafselmann in New- Aork gehalten, und man wird mir zugeben, daß die Revolutionäre überall dasselbe Ziel verfolgen, wenn sie auch in den verschiedenen Ländern verschiedene Namen tragen; sie verherrlichen den Fürstenmord und wollen alle bestehende Ordnung über den Haufen werfen. Dieser Gefahr hat Europa zu begegnen. Papst Leo hat den Fürsten die Mittel und Wege an die Hand gegeben, um das Uebel zu mildern; aber wer hört im Jahrhundert der Staarsomnipotenz auf die Stimme des Papste»? Ich will /nicht so weit gehen, wie die ,Nordd. Allgem. Ztg/, daß ich jeden Freihändler für einen Nihi­listen halte, aber sogar der Abgeordnete Stumm meinte im Reichstage, al» „er sein politisches Testament hinterließ", „ein Körn­chen Wahrheit liege doch darin." Setzen wir statt des engeren Begriffes „Freihänd­ler", den weiteren „Liberalismus", so kom­men wir der Wahrheit näher. Der Bru­der de» Nihilisten ist der Liberale nicht, aber sein Vater! Ob der Liberalismus sich dieser Bluts-und Geistesverwandtschaft bewußt ist, kommt nicht in Betracht; that- sächlich geht er sowohl wie der Socialis- mus in der rücksichtslosen Herrschsucht, in dem schrankenlosen Subjectivismus, indem Hasse gegen die Kirche und in der souveränen Verachtung altehrwürdiger liebet lief erungen der Vergangenheit ganz dieselben Wege.

Der Volksgeist ist angesteckt und vergiftet von der glaubenslosen, naturalistischen Welt­anschauung, welche der Liberalismus ge­hätschelt hat, und es ist sehr natürlich, wenn die irregeleitete, um ihr Bestes betrogene Menge jene wissenschaftlichen Theorien in die Praxis umsetzen möchte, wenn sie mit allen Kräften dahin strebt, sich in den Be­sitz der Güter zu setzen, die dazu verhelfen, auch einmal die Genüsse dieses flüchtigen Erdendaseins auszukosten, nöthigenfalls mit Gewalt und durch Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung. Das, was das Volk allein in den Geleisen der Ordnung Und Zucht hält, ihm Halt und Trost giebt, die Religion und eine religiöse Erziehung, will der Liberalismus ihm entreißen und hat es vielfach gethan. Im diesjährigen Freimau­rer-Kalender ist es offen ausgesprochen, daß „der letzte Gegner, der heute noch zu be­kämpfen bleibt, der Katholicismus ist" und daß „die religionslose Schule ihr heißester Wunsch ist". Die Kirche und ihr Einfluß soll lahm gelegt werden. „Keinen Gott!" ruft der Naturalismus, und der Commu­nist Blanquifetzte hinzu: „K e i n e n H e r r n!" „Wir sind keine Christen mehr", jagte Da­vid Strauß, und aus den Nichtchristen sind in nothwendiger Folge Socialisten und Nihilisten hervorgegangen. Aber selbst Göthe, der doch ein ganz unverfänglicher Zeuge ist, erklärte: „Mag die geistige Cul- tur nur immer fortschreiten, mögen die Naturwissenschaften in immer tieferer und breiterer Ausdehnung wachsen und der menschliche Geist sich erweitern, wie er will, über die Hoheit und sittliche Cul-

-tü.G-fchichtttcher Rückblick über besonders in der Reformcrtions- zcit aufgehobene Klöster im Re­gierungsbezirk Cassel.

(Fortsetzung.)

Zu Calden bestand ein Nonnenkloster, in welchem eine Tochter der hl. Elisabeth Aebtissin war. Landgraf Philipp hob das Kloster auf und dotirte mit den Gütern die lutherische Pfarrei Caldern und die Uni« versität Marburg. Die alte Kirche steht noch, und den Klosterhof bewohnen Bauern. Zu Hachborn befand sich ein gegen Ende des zwölften Jahrhunderts gestiftetes Klo« ster der Augustiner- ober Prämonstratenser« Ordens, welches bis um die Mitte des 13. Jahrhunderts von Mönchen, seitdem von Nonnen bewohnt und von Landgraf Phi­lipp aufgehoben wurde. Von den Kloster­gebäuden stnd nur noch einige Trümmer übrig.

Zu Wetter bestand eine adelige Bene- dictionernonnen-Abtei. Die sehr ansehn- z liche gothische Kirche ist wahrscheinlich bald i nach Stiftung der Abtei im Anfang des I 11. Jahrhunderts von zwei Schwestern, l schottischen Königstöchtern, Almudis und | Digmudis erbaut. Dieselben kamen 1015 ) au» Schottland, erkauften Grund und Bo« ;

den an der Wettschaft und stifteten eine Abtei, in welcher sie selbst die ersten Aeb« \ tissinnen waren. Ihre Ruhestätte in der \ Kirche bezeichnet noch jetzt ein gemein« t schaftlicher Grabstein, welcher die Inschrift hat:

Amudis mea vita brevis, tu respice, ; quis 8i8. Hoc prior institui templum red- j ditus reliqui. Huie ego successi, Dig- 5 mudis nomine, gessi Conventus regimen, ; multis praestando levamen (juvamen). \

Zu deutsch: Wandrer, wer du auch im- l mer sein magst, beherzige: Ich, Amudi», - der nur ein kurzes Leben bescheert war, j habe zuerst diese Kirche errichtet, und an- i dere haben für die Einkünfte gesorgt. Der- l selben bin ich, Digmudis mit Namen, als ; Aebtissin des Stiftes nachgefolgt und habe I an Vielen christliche Nächstenliebe geübt.

Der schöne, 300 Fuß hohe Thurm der Stiftskirche, halb von Quadersteinen und ; halb mit Schiefern gedeckt, wurde erst 1506 aufgeführt und ist einer der höchsten Thürme | in Hessen. Als bei der Reformation im > Jahre 1528 die adeligen Bewohnerinnen; des Stifts abgefunden waren, verwandelte Landgraf Philipp die Abtei in ein weit- \ liches Fräuleinstift, und übergab es 1532 j nebst Kaufungen der Ritterschaft seine» ; Lande». ;

Zu Frankenberg befand sich da» Jung, frauenkloster zu St. Georg; jetzt für die Verwaltung»-, Justiz- und Rentereiämter eingerichtet. Ein größere» Kloster bestand zu Haina. Dasselbe wurde vor dem Jahre 1144 zu Aulesburg gegründet. Die Spu­ren diese» Orte» liegen westlich bei Löhl­bach, wo der Königshäuser Grund beginnt. Beide Namen mögen zusammen gehören. Dann kam es nach Altenhaina, seit 1221 aber ward e» auf die jetzige Stätte gebaut. Das Kloster war sehr reich und wurde von Mönchen bewohnt. Landgraf Philipp hob es 1527 auf und verwandelte es in ein Hospital für arme, gebrechliche und wahnsinnige Mannspersonen. Stattliche Gebäude bilden da» Kloster mit seiner trefflichen, schon ums Jahr 1230 gebauten Kirche.

Die Stadt Kirchhain, ums Jahr 1349 gebildet, hat, wie schon der Name andeu- tet, einen religiösen Ursprung. Zwei heilige Haine unsrer vorchristlichen Ahnen, sagt die Legende, wurden christlich geweiht, in­dem sie der Verehrung des hl. Michaels und des hl. Jacobus übergeben wurden; dadurch entstand Kirchhain. Die Stadt- kirche daselbst gehörte als Klosterkirche zu dem aufgehobenen Carmelitenkloster und wurde in der zweiten Hälfte de» 14. Jahr-