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Dienstag, den LS. März 1881

Jfidöarr 8W Jcihmg.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man «ckonnirt gegen Vorausbezahlung zu Aald a in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche «bonnementSprei, beträgt ausschließlich Bringerlohn m Fulda eine Mark mch 60 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt I Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärt« am Postschalter 25 Pfg., in'S tzauS gebracht 40 Pfg Inserat«: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Psg., 6d Wiederholungen 50»/, Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 2. Quartal 1881 der ,Auldaer Zeitung' bitte« wir ««- gesäumt zu abounire«.

Die.Fuldaer Zeitung erscheint au alle« Werktage« mit dem Da­tum des folgeude« Tages u«d kostet vierteljährlich bei der Expe- ditio« (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an den P-ftschalter« Mk. 1.50. In s Haus gebracht r i« Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der , Fuldaer Zeitung^ ist anerkanntermatzen eine ent­schiede« katholische; aus dem Gebiete der Politik ist ihr Staud- punct der des Ceutrums; auf wirthfchaftlichem Gebiete geht fi- rückfichtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und anregende Artitel für di- landwirth schäft trei­bende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- und Provineial-Nachrichte« von einigem Jnterefie. Cours­und Marktberichte. Familteunach- richten re. Inserate finde« durch die,Fuld. Ztg.' bei ihrer starke« Austage (ea. 2000) die intensivste Verbreitung.

x? Was nun?

Was nun? Diese Frage hat sich seit dem 13. März zweifelsohne nicht blos das russische Volk, sondern jeder Staatsmann in Europa und jeder denkende Mensch ge-

-tir. Geschichtlicher Rückblick über besonders in der Reformations- zeit a«fgehob-ne Klöster im Re­gierungsbezirk Cafiel.

(Fortsetzung.)

Zu Abterode befand sich ein Benedictiner- Mönchskloster zum heiligen Vincenz. Das­selbe war 1077 durch den Abt Ruthard gegründet und von der Abtei Fulda ab­hängig. Die alte Klosterkirche steht jetzt noch. .Nicht weit von Abterode am östli- chen Abhange des Meißners liegt Germe­rode (Germanrode). Hier befand sich ein sehr begütertes, der hl. Jungfrau geweihtes Stift von Chorherren und Chorfrauen des Prämonstratenferordens, welches in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von dem Grafen Rugger II. von Bilstein ge­stiftet war. Es wurde, wie die anderen hessischen Klöster, aufgehoben, 1528 in eine Vogtei verwandelt, und 1583 ein Theil der Güter desselben von Wilhelm IV. zu der von ihm gestifteten Prediger- Wittwencasse gezogen. Das uralte Grafen- schloß Bilstein auf hohem jähem Felsen am linken Ufer der Werra ist zerfallen.

Die zu Rotenburg befindliche Stift»- kirche hat ihren Namen von dem ehemals an derselben bestandenen Collegiatstift, zu

stellt. Wa« nun? Wir stehen vor einer bangen, ungewissen Zukunft. Man fühlt und ahnt, daß in politischer Beziehung Manches anders werden kann, und daß in socialer Hinsicht Vieles anders wer­den muß. Aber was und wie? Kürzlich sah ich ein Bildchen, auf welchem ein mü­der, verirrter Handwerktbursche auf einem weiten Schnecfelde ohne Weg und Steg vor einem Wegweiser stand, der keine Arme mit den Ortsnamen mehr hatte, und der arme Bursche kratzte sich rathlos den Kopf. In ähnlicher Lage befinden sich auch die meisten Staaten Europas: die Politik und das sociale Leben sind ein weite«, wüstes Feld ohne sichere Wege, voller Abgründe und Schluchten; Jntriguen, Interessen- wirthschaft, Unglaube, Unzufriedenheit und Verbrechen haben mit einem Leichenkleide die rechten Wege verhüllt, und dem Weg- weiser, der dem Menschen das rettende Ziel anzeigt, der Kirche, hat man die Arme abgeschlagen, — und nun stehen die armen, müden Wanderer und kratzen sich den Kopf. Wenn ein Kaiser in Stücke bombardirt wird, und die GefinuuugSgenoffen der Ni- hilisten in Paris und Genf laut aufjauch­zen und vor Freude auf den Straßen tan­zen, so ist dies ein furchtbares Warnungs­zeichen für die Staatenlenker und die Völ­ker, das ihnen zuruft: „Bis hierher und nicht weiter!"

Was nun die Politik anbelangt, so ist es ja möglich, daß der Thronwechsel in Petersburg einstweilen Alles im alten Geleise stossen mag; der Eine nennt den neuen Czaren ein „unbeschriebenes Blatt",

der Andere sagt, er verstehe mehr von der Reit- al» von der Staatskunst. Wie dem auch sei, Alexander in. hat im eigenen s Lande soviel zu thun, daß er an andere ? Länder vor der Hand schwerlich denken kann, und so klug wird er wohl sein, daß er dem finanziell und gesellschaftlich ban­kerotten Rußland nicht noch einen aus­wärtigen Krieg auf den Hals laden wird. Sein Vater glaubte durch den furchtbaren Krieg gegen die Türkei die Riffe im In­neren überkleistern zu können; was dies gefruchtet hat, haben wir gesehen. Auch sind die Nihilisten nicht, wie man immer vorgab, eine „Handvoll überspannter Fa­natiker", ein „kleines Häufchen" Unzufrie­dener, — sie sind eine Macht, und diese Macht ist eine weit verzweigte und mit Mitteln wohl ausgerüstete; sie verfügt über verwegene, tollkühne Burschen und große Summen; ich erinnere an die Mine, die man von der Milchbude aus nach dem Paradeplatze gefegt, an die neuesten Pro- clamationen des Executiv Comitös, an die 700,000 Rubel, die einem der Nihilisten abge­nommen worden; nein, der neue Czar wird sei­nen Gegner nicht unterschätzen und daher sich sagen, daß er zunächst den eigenen Augiasstall reinigen muß, ehe er persönlichen Gefühlen folgen und Nachbarländer mit Krieg über­ziehen darf. „Sie haben getreue Nach­barn, das wissen Sie!" hat ihm unser Kaiser telegraphirt, und der dritte Alexan- _der hat alle Ursache, diese getreue Nach­barschaft nicht zu stören. Diese Erwä­gungen sind viel gewichtiger, als das Rund­schreiben des auswärtigen Amtes in Pe-

welchem vier Priester der ältesten Kirche zu St. Georg daselbst von ihren neben dem Hospitale der hl. Elisabeth gelegenen Gü­tern in der Mitte des 14. Jahrhunderts den Grund gelegt haben. Landgraf Hein- rich der Eiserne und sein Mitregent Otto vollzogen die Stiftung 1352, zuerst für 14 Pfründner. Später befanden sich in dem Stifte ein Dechant, zwölf Canonici und vier Vicare. Die Canonici, welche ihren Gottesdienst anfänglich in der St. Georgs-, später in der St. Jacobskirche gehalten hatten, erbauten sich, da ihnen diese beiden Kirchen zu klein waren, eine eigene, die jetzige Stiftskirche, wo­zu ihnen der Landgraf ein Stücks Land auf einer damals durch einen Arm der Fulda gebildeten Jnselsschenkte. Erst 1560 wurde das Stift protestantisch und fiel dem Staate anheim. Die Einkünfte desselben werden zum Theil zu Predigerpensionen verwendet. Das jetzige Vorwerk Kornberg bei Sontra war früher nichts anderes als ein Benedictinernonnenkloster. Ein gleiches Nonnenkloster war zu Blankenheim bei Bebra. Dieses von Aua im Geisgrunde durch den Abt Ludwig I. zu Hersfeld im Jahre 1229 dahin verlegte Kloster war anfangs eine von der Abtei abhängige Probstei, deren Pröbste Conventualen der

genannten Abtei waren. Im Jahre 1527 wurde das Kloster aufgehoben und die Gü­ter als herrschaftliches Vorwerk mit den Staatsgütern vereinigt. Die alte Kloster­kirche steht heute noch.

Auch im Kreise Schaumburg bestanden wenigstens fünf Klöster. Die Stadt Rin­teln hat ihren Ursprung von einer Capelle und einem Kloster. In alten Zeiten lag nämlich am rechten Ufer der Weser ein kleiner Ort, Rinteln genannt; auf dem linken Ufer dagegen stand die Kapelle Rin­gelklause. Um'» Jahr 1230 wurde in die Nähe dieser Capelle da« Jakobskloster von Stadthagen verlegt. Nachdem das Stift Minden dem Edelmann Gerslarf von Ei- ckerstein die Güter bei der Ringelklause überlassen hatte, errichtete er sich hier einen Wohnsitz. Durch seine Erben und Hinter­siedler erwuchs die Ritterstraße und durch dar Kloster die Klosterstraße; Altrinteln wurde herübergezogen und verschwand all­mählich bis auf den Namen seiner Stätte. Das Jacobrkloster wurde früher von Ci- sterziensernonnen, später und bis zur Sä- cularisation 1560 von Benedictinermönchen bewohnt. Die ehemalige Klosterkirche ist jetzt eine reformirte Kirche. Ein Filial des genannten Klosters war das Augustiner- Nonnenkloster Egcsdorf, welches an der