Einzelbild herunterladen
 

68. Donnerstag, den 24. März 1881.

Die ,Fuldaer Zeitung' erscheint titglich, Sonn- und Feiertag« ausgenommen. Man abonnirt gegen Borausbezahlung zu Fulda

in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 50 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Peti^eile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50°/, Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 2. Quartal 1881 der i ,Fuldaer Zeitung^ bitte« wir ««- | gesäumt zu abonnire«.

Die.Fuldaer Zeitung erscheint? an allen Werktage« mit dem Da- 1 tum des folgenden Tages und ' kostet vierteljährlich bei der Expe- l ditto« (Buttermarkt Nr. 112) so- ‘ wie an de« Poftschaltern Mk. 1.50. | In s Haus gebracht: i« Fulda * Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die j Richtung der ,Kuldaer Zeitung^ ' ist anerkanntermatzen eine e«t- | schieden katholische; auf dem - Gebiete der Politik ist ihr Stand- i punct der des Centrums; aus wirthschastlichem Gebiete geht ste rückstchtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und anregende Artikel für die landwirthfchafttrei- bende Bevölkerung. Sämmtliche - Local- und Provineial-Rachrichte« von einigem Juterefie. Cours­und Marktberichte. Familiennach- richten re. Inserate finden durch ; die ,Fnld. Ztg.^ bei ihrer starke« l Austage (ea. 2000) die intensivste i Verbreitung. ■■

O Attentat und Politik. I

Vor der furchtbaren Schauerkunde, die , am Sonntag, den 13. d. M., aus St. Peters- ! bürg sich über die Welt verbreitete, mußten ; alle übrigen politischen Ereigniffe in den - Hintergrund treten. Starrendes Entsetzen

und Abscheu war das allgemeine Gefühl, welches die ungeheure Schauderthat in ganz Europa hervorrief. Die ganze Preffe fei einstimmig in ihrer Entrüstung, wurde so­gar von Seiten der revolutionären Zeitungen in Paris berichtet. Kein Revolutionär, sollte man denken, könne so herzlos, barbarisch, kein politischer Fanatismus so rasend wild sein, daß er nicht eine menschliche Theil- nähme an dem schrecklichen Schicksale des unglücklichen Czaren fühlte!

Als „unbeschreiblich" wurde der Eindruck der Schreckensnachricht in Berlin, am kai­serlichen Hofe, wie in der Bevölkerung, be­zeichnet. Ja, es muß ein niederschmettern­des Bewußtsein für di? Mächtigen dieser Erde sein, wenn sie sich sagen müffen, daß ihr Leben von der Bubenlaune irgend einesRussakow, Berezowski, Hödel, Nobiling, Otero u. dgl. Gesindel ab­hänge. Ein junges Bürschchen von 19 Jah­ren, kaum trocken hinter den Ohren, wirft dem Kaiser von Rußland eine Bombe vor die Füße, und als nach einer furchtbaren Explosion der Rauch sich verzogen hat, sieht man den mächtigen Herrscher, gräßlich zer­fleischt, in seinem Blute schwimmend am Boden liegen! Das Leben des Monarchen, mit ihm zugleich das Geschick eines gewal- tigen Reiches und die politischen Verhält- niffe von ganz Europa ruhen im Taschen­tuche eines verkommenen Mordbu­ben!

Ueberflüssig ist der Hinweis auf die Ur­sachen, aus denen eine solche Handlungs­weise entspringt. Es ist der allgemeine auctoritäts- und religionslose

CharakterunsererZeit, der bei einem Theile der Jugend besonders schroff her­vortritt und solche Mordbuben er­zeugt.

Nachdem die .Fuldaer Ztg.' bereits alle wichtigen Nachrichten über das Attentat und auch viele Einzelheiten gebracht hat, fordert auch die politische Stellung, welche Rußland nach der Schreckensthat einnehmen wird, eine kurze Besprechung.

Der Großfürst-Thronfolger hat bereits — als Alexander III. — mit kräftiger Hand die Zügel der Regierung ergriffen. Aber wird dieser Personenwechsel die ge- heimnißvollen Mörder entwaffnen? Wird sein Leben gesicherter sein vor dem Rache­strahl dieser unheimlichen und grausigen nihilistischen Fehme als das Leben seines gemeuchelten Vaters? Und welche Geschicke wird der also mit Tod und Gefahr um­dräute jugendliche Herrscher seinem Volke zu bereiten vermögen? So viele Fragen, so viele ungelöste Räthsel.

Für die innere Politik Rußlands muß dieser gewaltsame Tod des Herrschers einen Umschwung bedeuten, deffen Tragweite nicht zu ermessen ist. Wen könnte es Wunder nehmen, wenn Alexander III. zorn- und gramerfüllten GemütheS nur in einem äußerst strengen, sog. drakonischen Polizei­regiment allein noch Hilfe und Rettung für sich und sein Haus ersähe, um das in seinen Grundvesten -erschütterte Staatsge­bäude in der früheren Weise aufrecht zu erhalten?

Rußlands Verhältniß zum Auslande im Allgemeinen, und namentlich zum deutschen

-th. Geschichtlicher Rückblick über besonders in der Reformations- zett aufgehobene Klöster im Re­gierungsbezirk Cassel.

Es ist nicht unsre Absicht, eine ausführ­liche Geschichte über die vielen namentlich zur Zeit der Reformation im Regierungs­bezirk Cassel bestandenen und aufgehobenen klösterlichen Niederlassungen zu schreiben, sondern nur zu zeigen, welche Früchte der Glaube im Mittelalter, und welche Umwäl­zungen die Reformation zur Folge hatte. Es ist nicht auffallend, daß das Beispiel des hl. Bonifacius und seiner Schüler in Hessen eifrige Nachahmung fand. Die von ihnen gegründeten großen, Klöster zu Fritz, lar, Hersfeld und Fulda waren gleichsam die Mittelpuncte, um welche sich zahlreiche andere Klöster im Laufe des Jahrhunderts bildeten. Beginnen wir mit dem Kreise Cassel, so finden wir in diesem viele im Mittelalter sehr blühende und durch die Reformation aufgehobene Klöster. Das älteste und berühmteste Kloster in Cassel war jenes zum (Anna) Ahnaberg. Das­selbe wurde von der Landgräfin Hedwig um das Jahr 1148 zuerst für Mönche und Nonnen des Augustinerordens gegründet, nachher aber von letztere» allein bewohnt

I und schon 1152 von ihrem Sohne Heinrich Raspe II., Gras von Hessen und Gudens- berg, mit dem Patronatrechte über die äl­teste dem hl. Cyriacus geweihte Pfarrkirche der Stadt begabt. Denkwürdig bleibt das alte Kloster, nicht nur weil es mehrere Jahrhunderte von frommen Ordensleuten bewohnt wurde, sondern auch weil jetzt

i noch ein Theil desselben als das älteste ] Gebäude der Stadt angesehen werden muß; t unter ihm bergen zwei hessische Landgrafen 1 und andere Glieder des Hauses seit über l 500 Jahren ihre Asche. Der im Jahre j 1512 neu aufgeführte Theil des Klosters | wurde nicht lange mehr von Ordensleuten l bewohnt. Dasselbe wurde in der Refor- l mationszeit aufgehoben, 1568 zu einem • Fruchtmagazin gemacht und im 18. Jahr- \ hundert zu einer Kaserne, der neuen Ar- j I tilleriekaserne umgeschaffen. Ein anderes | berühmtes Kloster war das Carmeliter« !

e kloster in der Altstadt. Dasselbe bestand .= I schon im 13. Jahrhundert und wurde seit - j 1262 von Mönchen oder Brüdern des Or- | j dens der hl. Jungfrau Maria vom Berge i r Carmel bewohnt. Im Jahre 1376 wurde i ’ die jetzt noch vorhandene Klosterkirche, ! Brüderkirche genannt, erbaut. Das Kloster ; wurde, wie das vorhergehende, aufgehoben, I die Kirche wurde der Altstädter Gemeinde

eingeräumt und die Klostergebäude feit 1653 verschiedenen Behörden überwiesen. Ferner bestand in Cassel das St. Georgs- stift der Kogelherrn im Weißenhofe. Das­selbe wurde von Landgraf Ludwig dem Friedsamen 1454 gestiftet, und von Land­graf Philipp 1527 mit den übrigen Klö­stern aufgehoben. Auch das Stift an der großen Kirche, St. Martinskirche, kann hierher gerechnet werden. Diese Kirche war schon 1343 als Pfarrkirche vorhanden, wurde 1364—67 erweitert und von Heinrich dem Eisernen und dessen Mitregenten Otto dem Schützen, zu einer Collegiatkirche mit einem Dechanten, einem Scholaster und zehn Ca- pitularen erhoben und am 20. Mai 1366 als solche bekannt gemacht. Sie hatte 13 Altäre. Dieses Stift war sehr reich, denn jedes der zwölf Canonicate war zu 450 Mark fundirt, und die jetzt noch von der Stiftskirche verwalteten Legate belaufen sich auf 34,425 M. Zu Wilhelmshöhe, bis zum Jahre 1803 Weißenstein genannt, be­fand sich dos 1143 gestiftete Xloster Wei­ßenstein. Dasselbe war auf einer Felsen- ecke von weißen Quarzblöcken erbaut, wurde zuerst von Mönchen, später von Nonnen des Augustinerordens bewohnt und 1527 aufgehoben. Ein Theil seiner Einkünfte wurde 1585 von Wilhelm IV. zu seiner