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Mittwoch, den 23. Mär, 1881.

Die .Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertag» ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fuld a in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnemmt SpreiS beträgt ausschließlich Br,ngerlohn m Fulda eine Mark uM, 60 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., in» Hau» gebracht IJBarf 90 W Die .illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda LO Pfg., auSwär S am Postschalter 25 Pfg., ins Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50% Rabatt.

Errcycliea unseres h. Vaters Leo XIII.

(Schluß.)

Im Vertrauen auf die Barmherzigkeit de» allniächtigen Gottes und die Autorität der seligen Apostel Petrus und Paulus, kraft der Binde» und Lösegewalt, welche der Herr Uns trotz Unserer Unwürdigkeit übertragen hat, bewilligen und verleihen Wir daher allen und jeden Christgläubigen beiderlei Geschlechts einen vollkommenen Ablaß ihrer Sünden in Form eines allge­meinen Jubiläums, wenn sie die unten folgenden Bedingungen erfüllen, und zwar die in Europa Lebenden vom 19. März, dem Gedächtnißtage des hl. Joseph, des Bräutigam» der hl. Jungfrau Maria, bi« zum ersten November, dem Feste Aller- Heiligen einschließlich; die außerhalb Europas Lebenden von demselben 19. März bis zum letzten Tage des Jahres 1881 einschließlich.

Die Einwohner Roms, sowie die sich hier Aufhaltenden haben die Basilica auf dem Lateran» die Peterskirche und die Kirche Santa Maria Maggiore zweimal zu be­suchen und dort eine Zeitlang für die Wohlfahrt und die Erhöhung der katholischen Kirche und dieses apostolischen Stuhles, für die Ausrottung der Häresien, für die Bekehrung aller Irrenden, für die Eintracht der christlichen Fürsten, für den Frieden und die Einigkeit des ganzen gläubigen Volkes in Unserer Meinung fromme Gebete zu Gott emporzusenden und einmal in dem vorgenannten Zeiträume, lediglich gestattete Speisen genießend, zu

fasten (nämlich an solchen Tagen, welche in das Fastengebot nicht einbegriffen oder sonst durch keine kirchliche Vorschrift einem ähnlichen stricten Fasten gewidmet sind), sowie nach Ablegung der Beichte das hl. Sacrament des Altars zu empfangen, und irgend ein Almosen für Arme oder für irgend ein frommes Werk zu spenden. In dieser Beziehung erwähnen Wir nament­lich jene Institute, deren Förderung Wir der Lieberthätigkeit der Christen noch un­längst durch unser Schreiben empfohlen haben, nämlich die Verbreitung des Glaubens, die h. Kindheit Jesu und die Schulen des Orients; die- selben auch in den entfernten und uncivili- firten Gegenden zu errichten und auszudehnen, damit sie dem Bedürfnisse genügen, ist Unser wärmster Wunsch und Wille. Alle Anderen aber, welche außerhalb dieser Stadt leben, haben drei Kirchen, welche von den Bischöfen oder ihren Vicaren oder Officialen oder in deren Auftrage und bei Erledigung der Stellen von Denjenigen, welche dort die Seelsoge ausüben, zu bezeichnen find, l zweimal oder, wenn bloß zwei Kirchen vor- ' Händen sind, diese dreimal, oder wenn nur eine vorhanden ist, diese sechsmal in dem oben angegebenen Zeiträume zu besuchen, sowie die anderen guten Werke, welche oben aufgeführt sind,zu verrichten. Wir wollen daß dieser Ablaß als Fürbitte auch den Seelen Derjenigen zugewendet werden könne, die in Liebe mit Gott verbunden aus diesem Leben geschieden sind. Außer­dem gestatten Wir den Bischöfen, daß sie ‘ für die Capitel und Kongregationen sowohl

des Welt- als auch !des Regularklerus, für die Sodalitäten, Bruderschaften, Uni­versitäten ober alle Kollegien, welche die genannten Kirchen in Procession besuchen, die Zahl dieser Besuche nach ihrem weisen Ermessen abkürzen dürfen.

Wir bewilligen ferner, daß die Schiff­fahrenden und Reisenden, sobald sie an ihrem Wohnorte oder sonst an einer siche­ren Station angelangt sind, denselben Ab­laß erlangen können, wenn sie die oben vorgeschriebenen Werke verrichten und sechs mal die Eathedral- oder Hauptkirche, ober die Pfarrkirche ihre» Wohnortes oder jener Station besuchen. Ebenso gestatten und gewähren Wir dem dazu von seinem Bischöfe aprobirten Beichtvater die Voll­macht, daß er den Ordenspersonen beiderlei Geschlechtes, selbst wenn sie beständig in der Klausur leben, ferner allen Solchen, die sich, mögen sie Laien ober Geistliche sein, unb zum Welt- ober Orbensklerus gehören, im Gefängniß ober in ber Gefangenschaft befinben, sowie Denjenigen, welche durch irgend eine körperliche Schwäche oder durch irgend ein anderes Hinderniß an der Aus­führung der erwähnten Werke oder einiger unter denselben verhindert find, die Werke in andere gute verwandele» oder für eine andere nächstgelegene^Zeit verschiebe. Auch gewähren Wir die Vollmacht, solche Kinder, welche noch nicht zur ersten Kommunion zugelaffen worden sind, von der Kommunion zu diSpensiren.

Allen und jeden Gläubigen, sowohl den Laien als auch den Geistlichen, dem Welt­klerus und den Regularen jedes Ordens stimmter Weise ein Lager erkennen ließ, auf ; welchem eine bleiche, abgezehrte Gestalt lag, j die man für eine Tobte gehalten hätte, wenn • die Bewegung ber Augen nicht gezeigt | hätte, baß ber Lebensfunken noch nicht er« - loschen war.

| Zu Häupten beS Bettes staub Schwester j Kelefie unb ber kleine Robert, währenb un- i ten am Knbe desselben ein Priester kniete.

» Die Ordensschwester kam ihm entgegen und schob ihm lautlos einen Stuhl hin, auf welchen er sich wie betäubt niederfallen ließ.

Einen Augenblick herrschte tiefes Still­schweigen.

Eine schwache hohle Stimme ließ sich ver- nehmen:

„Leopold, ich stehe im Begriffe zu sterben, hier, vielleicht in wenigen Stunden. Es ist eine Gnade» die mir die Vorsehung ge­währt» wofür ich ihr danke, ich, die ich stets sie verkannt habe. Ich sterbe reuig, ich sterbe vertrauend auf die göttliche Güte, die wis­sen muß, weich' schlechte Erziehung mich zu Grunde gerichtet hat.---"

Leopold, ich bin Ihnen in der That ver- hänznißvoll gewesen! Deshalb habe ich ver­langt, aus Ihrem Munde ein Wort zu ver­nehmen, das mir vollends die Ruhe wieder­geben wird — die Ruhe die ich jetzt in die-

65 Di- Heldin des Böse«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Schluß.) I

„Nahezu zwei Monate waren vergangen seit dem letzten Verbrechen der Gouver­nante des Barons de Lossange, die man übrigens jetzt nur noch so nannte, wie's sich gebührte, nämlich Wittwe RobertThuriot, als Leopold eines Abends von Schwester Celeste einen Brief mit der Bitte erhielt, sich unverzüglich nach Arras auf den Weg zu machen. Die letzten Nachrichten ließen ihm gar keinen Zweifel über die Veran­lassung zu dieser Einladung aufkommen. Diejenige, die einst in seinem Leben eine so hervorragende Stelle eingenommen hatte, stand im Begriff, ihr Leben zu verlassen, das bei Vielen nur die traurigsten Erin­nerungen zurücklaffen sollte.

Leopold reiste schleunigst nach Arras ab.

Die Ordensschwester sagte zu ihm, nach­dem er sie begrüßt hatte:

„Gott hat meine Anstrengungen und die Bemühungen des würdigen Anstaltsgeistlichen mit Erfolg belohnt. Das Gefühl für das Gute hat endlich» endlich bei meiner unglück­lichen Schwester wieder die Oberhand geroon« \ nen, sobald sie inne wurde, daß das Hebet, | welches an ihrem Lebensmarke nagt, immer i

größer werde, und daß bald die Stunde l schlagen würde, wo sie vor dem höchsten ■ Richter erscheinen müsse. Sie will jetzt ihr i Kind beständig um sich haben und überhäuft < es mit Zärtlichkeiten. Sie beweint ihre s Fehltritte und bittet jeden Augenblick den ! Himmel um Verzeihung für das Böse, das ■ sie verübt. Nur eine letzte Gnade begehrt \ sie noch; daß Sie sie besuchen und ihr Ihre \ Verzeihung angedeihen lassen wollen."

Voll schmerzlicher Gedanken hatte Leopold den Worten der Schwester zugehört — bei ihren letzten Worten fühlte er etwas wie Rührung über sich.

„Schon viel Schmerzliches und Schreck­liches habe ich durchmachen müssen, Schwe­ster," sagte er tief bewegt, „aber dies wird eine ber grausamsten Prüfungen für mich fein — aber ich will nicht säumen, unb gleich Ihnen bem Gebote ber christlichen Nächstenliebe gehorchen."

„Sie erfüllen bamit eine Pflicht, bie Ihnen dort oben hoch angeredjnet-roirb," versetzte bie Schwester sanft; „ich will bie Unglückliche auf Ihren Besuch vorbereiten unb es Ihnen gleich mittheilen, wenn sie bereit fein wirb, Sie zu empfangen."

Eine Viertelstunde später begab sich Leo­pold ins Gefängniß und betrat eine Zelle» in welcher ein schwaches Licht ihn in unbe-