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JIS, 66. Dienstag, den 22. März 1881.

Fuldaer Jeitung.

Die .Fuldaer Reitung' erschemt täglich, Sonn- .und Feiertag« ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auSwiirtS beiden Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich »ringerlohn in Fulda ein« Markund 50 R.-Pfa., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 MarkSOPfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter LS Pfg., ins Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50% Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 2. Quartal 1881 der ,Fuldaer Zeitung^ bitte« wir un­gesäumt zu abonnire«.

Die,Fuldaer Zeitung erscheint an alle« Werktage« mit dem Da­tum des folgenden Tages und kostet vierteljährlich bei der Expe­dition (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an den Postschaltern Mk. 1.50. In s Haus gebracht: in Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der , Fuldaer Zeitung^ ist anerkanntermaßen eine ent­schieden katholische; aus dem Gebiete der Politik ist ihr Staud- punet der des Ceutrums; auf wirthschaftlichem Gebiete geht fie rücksichtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und anregende Artikel für die landwirthfchafttrei- bende Bevölkerung. Sämmtliche Local- und Provineial-Nachrichten von einigem Jnterefie. Cours­und Marktberichte. Familiennach­richten re. Inserate finde« durch die ,Fuld. Ztg.^ bei ihrer starke« Austage (ea. 2000) die intensivste Verbreitung.

Encycliea unseres h. Vater- Leo XIII.

Zur Verkündigung des außerordentlichen Jubiläums. Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne !" Die streitende Kirche Jesu Christi, welche

64 Die Heldin des Böse«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.) 1

Meich nach seiner Ankunft in Arras be­gab stch Leopold zu dem Kloster, wo Schwester Celeste abgestiegen war. Er fand ste trau­rig und niedergeschlagen.

„Ich habe mit ihr gesprochen," sagte die Ordensschwester; immer dieselbe! — Die erste Frage, die sie an mich richtete war: „Bringst Du mir da in den Falten Deines schwarzen Kleide» die Freiheit, das heißt Gift oder ein Mittel zu entwischen?" Al­les, was ich zu ihr sprechen mochte, um ihr ihre Lage vor Golt und den Menschen be­greiflich zu machen, war vergebens, und mit um so betrübterem Herzen bin ich von ihr gegangen, als ihre Gefangenschaft, die Grfängnißluft, die stille Wuth, die bestän­dig in ihr kocht, ihre Gesundheit bedenklich erschüttert haben. Von jeher war sie zart gebaut. — Die furchtbaren Ereignisse, bei denen sie — leider! eine so hervorragende Rolle gespielt hat, konnten nur ungünstig auf sie einwirken, und so befürchte ich nur mit zu gutem Grunde, daß sie nicht bloß an ihrer Seele, sondern auch körperlich zu Grunde gerichtet ist. — Und wenn noch ein

auf so kräftige Weise das Wohl und den Frieden de« Menschengeschlechtes zu fördern im Stande ist, hat bei der gegenwärtigen schwierigen Lage viel Schweres zu erdulden und immer neue Stürme zu bestehen, so daß man sie mit Recht mit jenem Schiff­lein auf dem See Genesareth vergleichen darf, das einst von Sturm und Fluth heftig gepeitscht wurde, während es doch Christum den Herrn und seine Jünger an Bord hatte. In der Thal nimmt der lieber» muth der Feinde der katholischen Religion, ihre Anzahl, ihre Machtentwickelung und die Verwegenheit ihrer Anschläge in un­gewöhnlichem Maße zu; sie begnügen sich nicht damit, die himmlischen Lehren öffent­lich zu verleugnen, sondern dringen mit aller Macht und Leidenschaft darauf, die Kirche von der Regelung der bürgerlichen Verhältnisse vollständig abzuschließen, oder ihren Einfluß im öffentlichen Leben der Völker zu vernichten. Eine Folge davon ist, daß die Kirche bei Erfüllung der ihr von ihrem Stifter übertragenen Sendung immer mehr Schwierigkeiten findet und ihre Bestrebungen gehemmt sieht.

Die bösartigsten Wirkungen dieser Ver­derblichen Verschwörung richten sich haupt­sächlich gegen den Bischof von Rom, der seiner legitimen Rechte beraubt ist und bei Ausübung seiner erhabenen Pflichten viel­fach sich behindert sieht, während man ihm gleichsam zum Hohne einen Schein von königlicher Majestät gelassen hat. Durch den Rathschluß der göttlichen Vorsehung zu dieser erhabenen Fülle heiliger Macht erhoben und mit der Sorge für die Ge« Zweifel möglich wäre, so würde mir ihr trockener Husten, ihr glänzendes Auge, ihr mattes Aussehen und die Rosen auf ihren Wangen jeden Zweifel nehmen. — Mor- gen werde ich wieder zu ihr gehen und alle Tage werde ich meine Besuche fortsetzen — ich will noch nicht die Hoffnung aufgeben, diese» steinharte Herz zu erweichen und ihren vom Bösen ganz verdunkelten und umne­belten Sinn mit göttlichem Lichtstrahl zu erleuchten. — Schicken Sie mir ihr Kind zu, vielleicht wird mir mit dessen Hilfe Man­ches gelingen, was ich sonst nicht erreichen würde."

Mit Staunen und immer wachsender Be­wegung hatte Leopold den Worten der Ordensschwester zugehört. Die trüben Ge­danken wollten nicht von ihm weichen, während er nach Hacheville zurückkehrte — er schauderte zusammen bei der Erinner­ung an seine erste Begegnung mit der früheren Tänzerin. Welches Loo» hätte seiner gewartet, wenn sie seine Lebensge­fährtin für da» ganze Leben geworden wäre! Er wagte nicht, sich diesen Gedanken fort­zuspinnen. Hatte sein Vater damals, als er ihn wegen seiner Verbindung mit ihr verstieß, mehr gewußt als er verrieth, oder war es bloß Abneigung gegen ihren Stand? Jedenfalls sah Leopold diesen Unwillen

sammtkirche betraut empfinden Wir schon lange, wie Wir dies oft genug erklärt haben, die schwierige und brklagenswerthe Lage, in welche Uns die Zeitverhältnisse gebracht haben. Wir wollen auf Einzelheiten nicht weiter eingehen, da ja allgemein bekannt ist, was seit einer Reihe von Jahren in dieser Unserer Stadt geschieht.

Hier wird selbst im Centrum der katho­lischen Wahrheit das Heilige verspottet, die Würde des Apostolischen Stuhles verletzt, und bleibt das erhabene Amt des Papstes häufigen Beleidigungen ruchlose:. Menschen ausgesetzt. — Unserer Machlbefugniß find viele Stiftungen entzogen, welche von Unseren Vorgängern pietätrvoll und freigebig ge- gegründet und ihren Nachfolgern behufs unverletzter Bewahrung hinterlassen worden sind; ja man hat sich selbst nicht gescheut, die Rechte jenes heiligen Instituts für die Ausbreitung des christlichen Glaubens zu verletzen, das sich nicht nur um die Reli­gion, sondern auch um die Civilisirung der heidnischen Völker die größten Verdienste erworben hat und von der Gewaltthätigkeit früherer Zeiten niemals verletzt worden ist. Richt wenige katholische Gotteshäuser sind geschlossen oder weltlichen Zwecken über­wiesen, die häretischen dagegen sind ver­mehrt worden und schädliche Lehren werden durch Schrift und That ungestraft ausge­breitet. — Die politischen Gewalthaber lassen sich oft den Erlaß von Gesetzen an­gelegen sein, welche für die Kirche und die katholische Religion beleidigend sind, und das geschieht unter den Augen Unserer Person, die doch, gestützt auf den Auftrag Gottes seines Vaters mit ganz anderen Augen an — ja er wünschte sich Glück, daß es so gekommen war — wer hätte die mög­lichen Folgen ermessen können, wenn er nicht solchen Widerstand gezeigt hätte! Er sah jetzt klar in einen Abrund von Bos­heit und Niederträchtigkeit — und dankte Gott, daß ihn nicht das schreckliche Loos getroffen hatte, an der Seite dieser „Heldin des Bösen" wandeln zu müssen, sein ganzes Lebeti lang vielleicht!

Leopold erhielt täglich Briefe von Schwe­ster Coleste, ebenso wie von Eugen Ricourt, der sich in Arras niedergelassen hatte, um Schritt für Schritt den Verfolg des Cri- minalprocesses zu beobachten. Der Graf war fast ganz unsichtbar, und in der That war er fast beständig so übler Laune, daß Niemand mit ihm verkehren mochte, und nur Lauca ihn bisweilen sprechen konnte.

Die Lage der Heldin de» Bösen wurde in doppelter Hinsicht immer mehr verzwei­felter: tagtäglich flössen neue Verdachts­gründe gegen sie zusammen, und mit ihrer Gesundheit ging'S unterdessen mit jedem Tage sichtlich schlechter. „Ihre Tage sind gezählt," schrieb der junge Advocat; auf jeden Fall geht die traurige und so ver- hängnißvolle Lebensbahn ihrem Ende ent­gegen." (Schluß folgt.)