JH1 65. Sonntag, den 20. März 1881.
Fuldaer
Die »Fuldaer Bettung' erscheint täglich, Sonn- ,und Feiertage ausgenommen. Man abonntrt gegen Vorausbezahlung zu Fulda
in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda'eine Mark und 60 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Pofischalter 25 Pfg., in'S HauS gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 5Oo/e Rabatt.
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Auf das 2. Quartal 1881 der ,Kitldaer Zeitung^ bitte« wir ««- gesäumt zu abouuireu.
Die -Fuldaer Zeitung erscheint an allen Werktage« mit dem Datum des folgenden Tages und kostet vierteljährlich bei der Expedition (Buttermarkt Nr. 112) sowie an den P-stschalt-r« Mk. 1.50. Jrr's Haus gebracht: in Fulda Mk. 1.70, auswärts Mk. 1.90. Die Richtung der ,Fuldaer Zeitung^ ist anerkanntermatze« eine entschiede« katholische; auf dem Gebiete der Politik ist ihr Staud- punct der des Ceutrums; auf wirthfchaftlichem Gebiete geht fie rükkfichtslos gegen Wucherer u«d Halsabschneider vor und bringt häustg belehrende und anregende Artikel sür die landwirthschafttrei- bende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- und Proviueial-Rachrichte« von einigem Jntereste. Cours- und Marktberichte. Familtennach- richten re. Inserate studen durch die ,Fuld. 3tg.' bei ihrer starke« Auflage (ea. 2000) die intensivste Verbreitung.
Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
Dem Liberalismus, der sich selbst gerichtet, Nichts aufgebaut, sondern nur nieder» geriffen hat, desien Sünden so zahlreich sind,
wie der Sand am Meere, geben Regierungen und Volk je eher je lieber den Laufpaß. Und warum das? Ist es blos das wirthschaft- liche Elend, das ihn um allen Credit gebracht hat? Nein, vor allen Dingen hat man den „Culturkampf" gründlich s a t t! Der „Culturkampf" ist aber der ureigendste Sohn, das Lieblingskind des Liberalismus, und allen Staaten, die von dieser Plage heimgesucht worden sind, haben an dem Parteihader, der Zunahme der Verbrechen und Sittenverwilderung und an dem socialen Elend die zersetzende Kraft dieser geistigen Epidemie sattsam genug kennen gelernt. Man will Ruhe und Frieden im Lande, man ist de« Zankens müde, — und glaubt man vielleicht, das Volk lege an die Erscheinungen unserer Tage, an da» sociale Elend, die Unzufriedenheit weiter Kreise, das Wachsthum der Socialdemokratie, die Abnahme religiöser Gesinnung, die Attentate und Fürstenmorde nicht den Prüfstein des Nachdenkens? Wer verschuldet das denn Alles? Etwa die Kirche, oder jene falsche Lehre, welche die Kirche als überflüssig hinstellt und das gottentfremdete und Unzufriedene Volk in die Arme der Revolutionäre treibt ? Die wahnwitzigen Burschen, die auf die Könige von Deutschland, Rußland, Italien und Spanien die Mordwaffen zückten, waren nur die Werkzeuge einer Zeitströmung, welche von Gott und Religion nicht» wissen und Alle» in einen Urbrei auflösen will. Der Treiber dieser unheilvollen Strömung aber ist der sog. wissenschaftliche und politische Liberalismns, —
deshalb nieder mit ihm! Alle erhaltenden Elemente, Centrum und die wahren Conservativen» müssen sich unter dieser Fahne vereinigen, dann wtrd's schon besser werden. Werden der Kirche ihre Rechte und ihre Freiheit wiedergegeben, werden in den verwaisten Pfarreien wieder Geistliche ihre« Amtes walten können, dann wird auch der Wunsch de» alten Fritz und unseres Kaiser« sich erfüllen, daß dem Volke die Religion erhalten bleibt; dann, aber auch nur dann, kann die Kirche ihrer sittlich veredelnven Mission gerecht werden. Sollte die Wahl der Bisthum»« Verweser in Paderborn und Osnabrück zum Ausgangrpuncte weiterer Verhandlungen zwischen Berlin und Rom werden, sollte überhaupt Das wahr werden, was jetzt liberale Blätter mit unermüdlichem Eifer in lockende Aussicht stellen, — da» ganze Land würde erleichtert, von einem schweren Alp befreit, aufathmen. —
Doch ich würde mich an unserm theuern Voterlande versündigen, wenn ich der Thätigkeit unserer Reichsboten nicht zum Schluß einige Worte widmete. Da» geht so glatt wie am Schnürchen: Marine-Etat, Militär-Etat, Post-Etat, — hast du nicht gesehen! — Hie und da ein kleines Intermezzo über Militärseelsorger und „Staats- pfarrer", über Luxusbauten des Herrn Stephan, Sonntagsruhe der Postbeamten, — rrr! alle Tage ein anderes Bild, so daß selbst 2,400,000 M. für eine neue Panzer- Corvette im Handumdrehen heruntergehaspelt werden. Streichungen am Militäretat wären ja ein Verbrechen an der Nation. Aber bei der
Di- H-ldt« des Böfe«.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
„Am folgenden Morgen reiste ich nach Paris, wo mir meine Freunde gleich bei meiner Ankunft mittheilten, daß ich bei dem einen für tobt gelte, während die Anderen behaupteten, mich in der Hauptstadt geseh- en zu haben. Diese Mittheilungen erweck- ten gleich den Verdacht in mir, daß irgend eine Jntrigue gegen mich gesponnen werde."
„Ich eilte schleunigst nach Arra» zu dem Herrn d'Aubmy, von dem ich — mit welchen Gefühlen brauche ich kaum zu sagen — da« traurige Ereigniß erfahren, dessen Schauplatz Barvoisau war, sowie auch da» ganze Spiel, daß Jemand sich für meine Person ausgegeben hatte. Ich begriff sogleich, wer dies war. Die Gegenwart der Frau, welche sich den Namen Madame d'Aul« neux beigelegt hatte, und die ich nur allzu gut erkannte, bestärkte mich in dem Entschlüsse, den ich gefaßt hatte, mich zunächst im Hintergründe zu halten, Alles zu beobachten und auszukundschaften, in einer Weise, daß man gar keinen Verdacht hegen könne. — Diese Rolle, die ich zu spielen gedachte, bot nicht blos allein für mich viele Vortheile, sondern auch keinerlei Ge
fahr für irgend Jemanden. Oh, glauben Sie es mir, mein Plan war zum Vorau» gemacht; er war auf denselben gebaut, den man gegen mich geschmiedet hatte, und ich verfolgte seine Ausführung Tag und Nacht."
„Oh, jetzt begreife ich Alles," meinte der ungestüme Charles de Savigny; „Georges Mielmont war Ihr Agent. — Aber weshalb haben Sie ihn nicht mit hierher gebracht? Es war mir die» gleich bei ihrer Ankunft nicht wenig auffallend. — Es würde uns ja so sehr freuen, diesen verständigen, liebenswürdigen Mann,bei uns zu sehen." —
„Georges Mielmont ist nicht mehr," antwortete der Officier in langsamem, ernstem Tone.
„Ist nicht mehr?" rief Charles de Sa« vigny bestürzt. Was soll das bedeuten? Sie sprechen gewiß nicht im Ernste?"
Herr d'Aubsry brach in ein schallendes Gelächter aus, und, sich zu Leopold wendend meinte er:
In 'der That glaubte ich nicht, daß die Täuschung so weit gehen würde. — Wirklich, bei Niemanden auch nur der geringste Verdacht!"
Die übrigen Anwesenden sahen sich verwundert an und wußten nicht, was sie denken sollten.
„Also," fuhr der Generalrath fort, „hat
nichts an dem Maler Georges Mielmont den jetzt hier anwesenden Leopold de Vail- lantpont Ihnen verralhen?" —
Bei diesen Worten stießen Alle einen Schrei der Verwunderung aus.
„Wie?" sagte Laura, sollte es möglich sein? Sollen wir also in der Thal Alle blind gewesen sein? — Herr d'Aubsry, scherzen Sie nicht?"
„Oh, theure Cousine," sagte Leopold, „betrüben Sie sich nicht, daß Sie so wenig Scharfsinn gezeigt haben; Alle» konnte nur dazu beitragen, Sie in der irrigen, Meinung zu bestärken: die elf Jahre welche dahin geflossen sind, die Anwesenheit des Unglücklichen, der die Rolle, welche er gespielt hat, mit seinem Leben hat bezahlen müssen, die Veränderungen, welche die Zeit und Strapazen bewirkt haben, die Verstellung, der Stand, den ich angenommen hatte--*
„Und ihre Geschicklichkeit," fügte Eugen Ricourt lachend bei, „denn Sie wußten gewiß sehr schlau und vorsichtig dabei zu Werke zu gehen 1"
„Ja, ja," versetzte Charles, „wir mußten uns, so zu sagen, bei der ganzen Geschichte täuschen. — Aber ehe Sie in die neue Welt übersiedelten, haben Sie gar keine Malerei getrieben?"