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Freitag, den 13. März 1881.

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®*e »Fuldaer 8e*tungl erscheint tägliche Sonn- vnd Feiertage ausgenommen Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

tn der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Nbonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fuldaeine Mark und ""^Egerlohn 1 M. 70 Pf , auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg.. ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pfg.

Die ,lllustnrten Sonnt« gsblLtter' der Fuldaer Zeiiung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50°/« Rabatt.

—m- Der Henning Wallmann- Scandal.

(Schluß.)

„Das gefährliche Treiben Wallmann's mag noch durch Folgendes characterisirt werden. Vor ungefähr zwei Jahren nutzte derselbe die Armuth der sogenan iten Bau Unternehmer auf der Bor: heimerhaide in jeder Weise aus, wie z. B. Ehren L. L. aus Darmstadt, M. und Sp. in Hanau; eSfhalfen der lordmäßig auflretenve frühere Ruffen- brenner L. B., der' UnMrummbeiiuge Vieh, agent, jetzige Rentier A., sowie der hiesige, „auch allgemein geachtete" Theehändler Sch., welcher anstandshalber nicht direct, sondern den soliden, seiner Z it wegen Meineid bestraften Agenten L., die Leute abschiachten ließ. Er versprach den F'schen Eheleuten gegen Acccpt von 1200 fl das Geld zum Bauen. Die Wechsel mußten die sehr begüterten in Sachsenhausen woh­nenden Schwiegereltern L. ausstellen, aber — Geld gab es nicht. Wallmann's Hilfe bestand nur in Trostworten „Geld g'bt's Morje." Bei Verfall klagte Wallmann die Wechsel gegen Aussteller und Acceptant ein, obgleich er keinen Pfennig gegeben. Dieser Betrug brachte ihm die gelinde Strafe von drei Monaten Gesrngniß ein, die er im Spätsommer 1880 in Eber- bach verbüßte. Wir können des beschränkten Ramens unserer Schrift halber nicht auf die einzelnen Wucheroperationen Wallmann's, die hauptsächlich auf der Bornheim'.Haide vor sich gingen, eingehen, sondern wir er. wähnen nur, daß die Beute in 4 ihm per­sönlich zugeschriebenen Häusern und in ca. 12 Liegenschaften die durch ihn mit zweiter und dritter Hypothek belastet sind, besteht.

Wo Aas ist, sammeln sich die Raben und wo Wallmann arbeitet, sind auch Leute seines Gelichters, wännlich wie weiblich, thätig. In dieser Beziehung leistete eil Gehilfin Wallmann's vulgo Halsabschnn derin etwas Unerhörtes. Wallmann schog eine Hypothek von ca. 14,000 M. auf eine in der Nähe des Judenm.nkts belegei e Behausung gegen die üblichen 120 Procent Zinsen, d. h. Hypothek unt Vertrag waren formgcrecht z:r 6 Procent cu<,, stellr. Leibst- redend konnte der Inhaber des fraglichen Hauser, ein fleißiger Fabr'c .nt die Wucher­zinsen auf die Dauer nicht aufbnagen. Klage, Pfändung und Suvhastation des Hauses waren die Folge let Nich z chlung der 120 Procent. Vor bet Sudhastation erschien Wallmanns je,ffut„ des Jordans wohnende Gehülfin, und b<4 dem bedräng­ten Fabricanten unter ähi.lichen Propofi tionen Rettung an. In d r Thal wurde Wallmann nut Zins und Znisesz nsen be­zahlt, aber der Fabricanr kam aus dem Regen in die Taufe.

Sonne Wallmann und Henning durch ihren sek ^glichen Wucher tn Compagnie den letzten Tropfen Bluts auszupcefsen suchten, so wui en sie anderntheilS gegen das

weibliche Geschlecht die größten Galant­hommes. Die kostspielige Unterhaltung einer schönen dicken Weinhändlerin (Wittwe) nebst ihren beiden Töchtern war Wall- manns Steckenpferd und widmete er diesen Götzen seines Herzens einen wahrhaften Cultus. Auch Henning war, wie wir be­reits erwähnt, den Frauen hold und gegen dieselben freigibig wie ein Sultan. Als nennenswerthes Beispiel führen wir an, daß ein junger Restaurateur Henning den Wunsch seiner Gemahlin äußerte, daß die­selbe einen Brillantschmuck im Werthe von ca. 2000 M. besitzen möchte, er aber nur 1000 M. anlegen könne, worauf Sultan Henning erwiederte: Ich lege den Rest dazul

An dem Tage vor dem Selbstmord Hmmngs sandte Letzte: er emen Brief durch den Ausläufer des Hilfsvereins an Wall mann. Ohne Zweifel war dieses der letzte Ap ll an Wallmanns Hilfe, doch wie weit dieselbe erfolgte, lehren die Thatsachen."

Deutsches Reich

* Berlin, 16. März. Der Kronprinz reift mit den Mittags hier eintreffenden Großfürsten Sergius und Paul Nachmit­tags n cht nach Petersburg, weil er heißer geworden ist.

— Der Kaiser begiebt sich, sobald die Witterung es gestattet, nach Wiesbaden.

— Die ,Prov. Corresp.' widmet dem Czar Alex. II., „dem edelsten und beiien Monarchen" eine äußerst theilnahmsvollen Leitar tikel.

— (Reichstag, 16. März.) Der Präsident berichtet über die gestrige Audienz beim Kaiser. Der Kaiser betonte wieder­holt, wie angenehm ihn in seiner Trauer die Theilnahme des Reichstages berühre. Er lasse dem Hause danken. Es folgt der Bericht der Budgetcommisstor. über den Etat der Zölle und Verbrauchssteuern. Benda beantragt Namens der Commission die Regierungsansätzr unverändert zu ge- nehmigen. Staatssecretär Scholz consta- tirt, daß durch den Elatsvermerk in Betreff des Zollanschlusses Altona's die Rechtsfrage nicht präjuoizm werden solle, der Vermerk sei ein etatSmäß-ger. Die Regierung ver­folge damit keine Nedenabsiä ten. Diese ©itlärui.g wird auf Antrag Hänels der Budgetcommission überwiesen. Buhl beklagt, daß der Zolllai ff gegen die Einführung ausländischer Trauben zur Weinbereitung keinen genügenden Schutz darbiete und bittet um ein Verbot der Kunstweinfabrication. Director des Schatz­amtes, Burchard, erklärt, daß die Zollver­waltung Schritte gerhan habe, um die Ein- fuhr von Trauben zur Weinbereitung zu verhindern, sollten dieselben nicht genügend sein, so würde der Weg der Gesetzgebung beschritlen werden. Härle plaidirt dafür, daß ausländische Trauben durch Aenderung des Zolltarifs mit dem Weinzoll belegt

werden. Sonnemann hebt hervor, daß diese Trauben größtenlheils für die Cham- pagnerfabrication verwendet werden, lieber die Wirthschaftspolitik entsteht eine längere Debattte, an der sich Mirbach, Oechel- häuser, Kardorff, Bamberger, Löwe (Bochum) und Reichmsperger (Crefeld) sowie Ge­heimrath Burchard betheiligen. Nächste Sitzung morgen.

— Der Hr. Cultusminister hat in jüngster Zeit über die Thäiigkeit der religiösen Orden und Genossenschaften, sowie über die Thätigkeit der von weltlichen Vereinen errichteten öffentlichen Kranken-Anstalten und Pflegehäusern von den Localbehörden Be­richt eingefordert. Die Berichte sollen sich vorzugsweise erstrecken: auf die Anzahl des VerwaltungS Personals; auf die An­zahl des Warte Personals; auf die Zahl der aus gebildeten Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen; auf die Zahl der Betten; auf die Zahl der pro 1880 Verpflegten und auf die VeipflegungSpreife pro Tag.

— Die ,Franks. Zig.' ließ sich kürzlich von Cöln aus miitheilen, der Hochw. Herr Erzbischof Dr Paulus Melchers sei vom Papste zum Cardinal ernannt worden. In differ Form p-äsentirte sich die Nachricht jedem Vernünftigen von vorn herein als Unwahrheit; denn ernannt zum Cardinal wird nur in einem Concistorium. Wenn man geschrieben hätte, Herr Dr. Melcher» sei zum Cardinal „ausersehen", so hätte man oik stricht das Richtige getroffen, behaup­ten läßt sich aber auch Das nicht.

— Die .Kreuzzeitung', welche zu den höchsten Hofkreisen Berlins Beziehungen unterhält, versichert, daß seit dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Staat und Kirche, die in Wien geführt wurden, keinerlei Verhandlungen, weder birecte noch indirecte, stattgefunden haben. Trotzdem sei der Staat heute mehr al» je geneigt zum Frieden. Derselbe werde sein Friedens­liebe dadurch bekunden, daß er den in Paderborn und Osnabrück gewählten Bis« thumsverwesern den Eid auf die Maige- gesetze erlassen, in der Dlöcese Paderborn die Verwaltung des Kirchenvermögens zu­rückgeben und für die beiden genannten Diöcesen das Sperrgesetz aufheben werde. Uebrigens werde noch viel Wasser den Rhein hinabfließen, bis der Friede zwischen Staat und Kirche vollständig hergestellt sei.

— Das Armee-Verordnungsblatt ver­öffentlicht folgende Allerhöchste Ordre, An­legung von Trauer um Se. Majestät den Hochseligen Kaiser Alexander von Rußland betreffend:

Um das Andenken de» zu Meinem tief­sten Schmerze gestern aus diesem Leben ge­schiedenen Kaisers Alexander von Rußland Majestät zu ehren, bestimme Ich, daß die Armee 4 Wochen — das Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1, das Bran­denburgische Kürassier-Regiment (Kaiser Ni­kolaus L von Rußland) Nr. 6 und da»