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M 62.

^Donnerstag, den 17. Marz 1881.

I Jeitung.

Fuldser

Die .Fuldaer Zeitung' erschemt täglich Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

in der Expedition, Buttermarkt Nr. 112, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche AbonnemmtSpreiS bettägt ausschließlich Bringerlohn in Fulda'eine Mark und $0 «l.-Pfg., mit Bringerl ohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonnta gsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postfchalter 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Di« Petitteile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50% Rabatt.

Abonnements-Einladung.

Auf das 2. Quartal 1881 der ,F«ldaer Zeitung^ bitte« wir ««- gesäumt zu abonniren.

Die.Fuldaer Zeitung erscheint a« alle« Werttagen mit dem Da­tum des solgeuden Tages u«d kostet vrerteljährtich bei der Expe­dition (Buttermarkt Nr. 112) so­wie an den Poftschalter« Mk. l.ftO. In s Haus gebracht: in Fulda Mk 1.70, auswärts Mk. 1.9V Die Richtung der , Fuldaer Zeitung^ ist anerkanutermatz--« eine ent­schiede« katholische; auf dem Gebiete der Politik ist ihr Sta«d- punct der des Centrums; aus wirthschastlichem Gebiete geht ste rürkstchtslos gegen Wucherer und Halsabschneider vor und bringt häufig belehrende und -«regende Artttel für die landwirthsch aftirei- bende Bevölkerung. Sämmtliche Loeal- u«d Provineial-Rachrichte« von einigem Jnterefie. CourS- «nd Marktberi»te. Familiennach­richten re. Inserate finden durch die,Fuld. 3tg.' bei ihrer starken Austage (ea 2000) die intenfivste Verbreitung.

—m- Der Henning-Wallmanu- Seandal.

(Fortsetzung.)

„Neben großen Gewinnen, welche die Wu­chergeschäfte den Beiden erbrachten, sollen

dieselben auch hie und da große Verluste erlitten haben, so an einem Ofstcier 60,000 M. Auf einer anderen von Henning hin- terlaflenen Zusammenstellung soll unter an­deren Schuldnern der wegen Unterschla­gungen durchgebrannte Notar Ludwig mit 17,000 M, der nach Amerika verreiste Möbelhändler Blum mit 58.000 M, Wall- inan» mit 660.000M. figuriren. Henning, wie wir nebenbei erwähnen, soll 12.000 M. baar bei der Cofle gut haben und auch Effecten bei derselben liegen haben. Das Vermögen der Frau Henning im Betrage von 30,000 M. wurde mit Beschlag belegt. Unter den Schuldnern soll sich auch die hiesige Firma Heinrich Schömbs mit einer halben Million befinden. (Erkläre mir Graf Orindur, diesen Zwiespalt der Natur I)

Der Privatier Bernhard Wall­mann, der in der erwähnten Schuldaffair e vor dem Untersuchungsrichter vernommen wurde, ist nach dieser Vernehmung verhaf- tet worden. Von Seiten der Familie des Wallmann wird nun behauptet, daß der­selbe s. Z. 2000 Stück Effectenbauactien in den Hilfsverein gegeben habe, damit sein Conto ausgeglichen sei. Die Schuld Wallmann« könne höchstens nur 300,000 M. betragen, welche die Familie bereit sei, sofort zu bezahlen. Am 23. wurde Wall­mann aus der Untersuchungshaft in das Local de» Hilfsvereins, Saalgaffe Nr. 7, geführt, um in seiner Gegenwart zu eon- statiren, ob die von ihm angegebenen De­positen vorhanden seien. Dies war jedoch nicht der Fall. Auf der Straße hatte sich

! vorher schon, weil einem Lauffeuer gleich sich das Gerücht verbreitet hatte, die Caffe sei geöffnet, eine ziemliche Anzahl Personen angesammelt, meistens Handwerker. Als dieselben seiner ansichtig wurden, riefen sie: „Haben Sie Dich endlich, Dich S . .

Wallmann, gleichsam seine Verhaftung bedeckend, sagte zu seinen Begleitern: „Wol­len wir einen Schoppen Apfelwein trinken gehen?" worauf aus der Menge die Ant­wort folgte: „Nein, auf die Constabler Wache wollen wir gehen!"

Dieser Wallmann ist das Musterbild der Wucherer Frankfurts, ein Universal­genie von Halsabschneider und wenig an­dere Städte, selbst nicht Berlin, dürsten ein solche» Prachtexemplar aufzuweisen haben. Wallmann ist ein Fünfziger, mittlerer Statur, mit aufgedunsenem roth-m Gesicht und nichtssagender Physiognomie. Um sich et­wa» Air zu geben, trägt er ein Pmcenez und einen Stock und führt stet» einen Bull­doggen (vielleicht aus Wahlverwandtschaft) mit sich herum. Er stammt aus dem Ba­dischen und kam ganz mittellos nach Frank­furt, wo er die Tochter eine« geachteten Weinwirths, welche ihm einige hundert Gulden in die Ehe brachte, heirathete. Al» Garn- und Leinwaarenhändler erhielt er das Bürgerrecht. Mit dem erwähnten klei­nen Capital fing er bereits zu wuchern an, doch konnte ihm, dem Napoleon der Wu­cherer, dieser kleine Anfang nicht genügen. Durch die Bekanntschaft mit dem verstor­benen Schreiber und Ferkelstecher Jtzel gelang es ihm, fich weiter empor zu ar­beiten.

„Sollte ihm dieses Versprechen wirklich ernst gemeint gewesen sein?" warf Laura ein. „Wenn ich Alle» überdenke, wa» vor­gegangen ist, so kommen mir wirklich Zwei­fel daran. — Ich begreife gar nicht, wie Leopold, wenn er noch lebt, wenn er sich in Frankreich befindet, fich so fern hält, denn er mußte doch wohl Erkundigungen einziehen, er weiß ja auch Alle» wa» vor­gefallen ist.--"

„Dir, theure Schwester gebe ich zu, daß da» ganze Benehmen Deine» Cousin etwa» Auffäl­lige» hat; aber er hat vielleicht triftige Gründe, so zu handeln, um so mehr,als er in meinen Au­gen wenigstens einen Stellvertreter in Georges Mielmont hatte, denn es ist unmöglich anzu­nehmen, daß er nicht mit ihm im Einver­ständnisse handle, in einer Absicht, die un» vielleicht die Zukunst enthüllen wird."

„In der That," warf der Baron de Loffange ein, „ich habe doch so viel gereist, habe so lange in Pari» gelebt, und schon zu sehr da» Leben und die Welt gesehen, aber solche Verhältnisse und Verwicklungen wie die, welche in kurzer Zeit auf diesem kleinen Fleckchen Erde un« alle in da» größte Erstaunen versetzt, habe ich noch nie gefunden. E» ist wirklich, um den Ver­stand zu verlieren!"

„Und die Hauptperson und die Haupt-

Ä «1 zelnde Bertha schien keine geringe Genug.

Die Heidi« -es Böse«. . thuung zu empfinden, daß sie Diejenige durch-

Rach dem FranzSstschen von I. Rüttgers. ; schaut hatte, die ihr Vater ihr al« Erzieherin

(Fortsetzung.) z gegeben hatte; und daß sie wegen der Er-

Er erzählte sodann ausführlich die Vor- eignifle, so wie sie gekommen waren, allzu gänge, welche mit der Ermordung des Man- ; traurig gewesen wäre, konnte Niemand sa- neS endigten, der sich für Leopold de Vail- i gen — bestätigten dieselben ja doch nur ihre lantpont ausgegeben hatte, und bis zu der | lang gehegten Vermuthungrn.

Verhaftung der Frau, welche den Namen I Laura und ihre Mutter, in ihrem Trau- Madame dÄulneux angenommen hatte. eranzug, befinden sich in ernster, fast düsterer mvni. ■ Stimmung. Der junge Charles, der viele

Drei Tage waren fett der Abreise de« Romane gelesen und hier und da noch einige Künstlers verflossen. In einem der Säle , Aphorismen, besonders über da» weibliche de« Schlosses von Barvoisau finden wir j Geschlecht, im Gedächtniß behalten hatte, fünf Personen beisammen; die Baronin de i bringt zuweilen noch einige der treffendsten Savigny, Laura, ihre Tochter, Charles, ihr . Aussprüche hervor, um so, wie er wenig- Sohn, Herrn de Loffange und Bertha. > stens meint, die so merkwürdige und räth- Herr de Loffange, der im Laufe des Vor- , selhaste Handlungsweise der Frau zu erklären, mittags von Paris zurückgekehrt war, hatte ! die jetzt in so hohem Grade die öffentliche mit eben so großem Aerger als Erstaunen! Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt, und von dem Verbrechen und der Verhaftung \ deren Verbrechen die Journale weitläufig seiner Gouvernante gehört, die der beinahe l behandeln.

sechrzigjährige Wittwer nicht allein mit seiner j „E« ist sehr sonderbar, meinte Laura größten Zuneigung beehrt, sondern sogar i plötzlich, „daß Herr Mielmont gar kein Le- für ein Muster aller Tugenden gehalten ! benrzeichen von sich gibt. Wo mag er nur hatte. Sehr erklärlich war es deshalb ge- fein? Wa» mag er nur treiben?" miß, daß er die Thatfachen, wie fle vorge« „Oh, ich begreife Deine Ungeduld," ver« Sangen waren, kaum glauben wollte, und [ setzte Charles, „ja theile dieselbe mit Dir, Unablässig gedankenvoll bei jeder neuen Ent- ■ denn er hat un» ja versprochen, den wahren §üllung den Kopf schüttelte. Die listig blin- ; Leopold herbeizuschaffev."