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Deutsches Reich

CPC. Berlin, den 13. März. Der Gesetzentwurf, betr. Abänderung der Ge­werbeordnung, bestimmt im Wesentlichen Folgendes: Diejenigen, welche ein Gewerbe selbstständig betreiben, können zu einer In­nung zusammentreten. — Aufgabe der In­nungen ist: 1) Die Pflege des Gemein­geistes, sowie die Aufrechterhaltung und Stärkung der Standesehre unter den Jn- nungsmitgliedcrn; 2) die Förderung eines gedeihlichen Verhältnisses zwischen Meistern und Gesellen sowie die Fürsorge für das Herbergswesen der Gesellen und für die Nachweisung von Gesellenarbeit; 3) die nähere Regelung des Lehrlingswesens und der Fürsorge für die technische, gewerbliche und sittliche Ausbildung der Lehrlinge; 4) Streitigkeiten zwischen den Jnnungsmit- gliedern und ihren Lehrlingen an Stelle der Gemeindebehörden zu entscheiden. — Den Innungen steht außerdem zu: 1) Fachschulen zu errichten; 2) zur Förderung der gewerblichen und technischen Ausbildung der Meister und Gesellen geeignete Ein­richtungen zu treffen; 3) Gesellen- und Meisterprüfungen zu veranstalten und über die Prüfungen Zeugnisse auszustellen; 4) zur Förderung des Gewerbebetriebs der Jnnungsmitglieder einen gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb einzurichten; 5) zur Un­terstützung der Jnnungsmitglieder, ihrer Angehörigen, ihrer Gesellen und Lehrlinge in Fällen der Krankheit, des Todes, der Arbeitsunfähigkeit oder sonstiger Bedürftig­keit, Cassen einzurichten; 6) Schiedsgerichte zu errichten, welche berufen sind, Streitig.

kerten zwischen den Jnnungrmitgliedern ] Reichstage schreibt die.Norddeutsche': „Vor und deren Gesellen an Stelle der sonst zu- > einem Jahre und vor zwei Jahren waren ständigen Behörden zu entscheiden. ; Herr Bamberger und Herr Sonnemann, — (Reichstag. 12.März.) Ordinariumsund j diese Prophetendes Goldes und des Nickels, Extraordinarium des Militär-Etats werden i in ihrem Selbstbewußtsein noch kaum irgend- nach den Beschlüffen der Budgetcommission i wie erschüttert und sie traten mit höhnischer angenommen. Beim Etat der Postverwal- i und herausfordernder Festigkeit auf. Es tung bringt Berger zur Sprache, daß der i sind dies dieselben Herren, unter deren Oberpostdirector in Dresden eine Verfügung j freihändlerischen Theorien das Land an erlassen habe, wonach Postbeamte keine Pe- j den Rand der Dürftigkeit gebracht wurde, titionen an den Reichstag wegen Ueberbür- : und deren Münz-Experimente in Ver­dung mit Arbeiten und wegen Gehaltsver- - bindung mit diesen freihändlerischen Theo- besserung einreichen dürfen. Geh.-Rath Muß- j rien dem Lande in jedem Jahre mehr Geld ner erklärt, der Centralverwaliung sei von ’ gekostet haben, als Vie Besoldung der ge- einer solchen Verfügung nichts bekannt. I sammten deutschen Reichsarmee beträgt. Lingens fordert den Generalpostmeister auf, l Wenn eine Regierung ein derartiges Fias- dieses Verfahren zu tadeln. Vom Bundes- J co gemacht hätte, wie die Fortschrittspartei rathstische erfolgt keine Antwort. Der Post- und Secessionisten mit ihrer Freihandels­etat wird nach den Beschlüffen der Com- j und Münzpolmk, so würde sie sich von Mission im Ordinarium bewilligt. !• diesem Gebiete und überhaupt bescheiden

— Der,Staats-Anz.'enthält: „Se.Maje- - zurückziehen. Von den fortschrittlichen stät der König haben Allergnädigst geruht: \ Rednern aber ist das nicht zu erwarten, bis zur Wiederbesetzung der Stelle des - so lange die volle Erkenntniß des Unheils, Ministers des Innern die Führung der : welches sie anrichteu, nicht zum Bewußtsein Geschäfte dieses Ministeriums dem Staats- j der Wähler kommt." ~

Minister v. Puttkamer einstweilen zu über- • — Durch die Beschlüsse des Justizaus-

tragen." i schusses des Bundesrathes hat der Gesetz-

— Hr. v. Puttkamer hat die interimi- s entwurf über die Bestrafung der Trunk« mistische Leitung des Ministeriums des - sucht in § 3, in Bezug auf die Kost von Innern übernommen. In der Ansprache I Wasser und Bro d, insofern eine Aenderung an seine Räthe hat er auf die Schwierig, j erfahren, als der Ausschuß beantragt, daß keit hingewiesen, welche die Verwaltung j diese Schärfung am 4., 8., 12. und dem- der Refforts des Cultusministeriums und nächst an jedem dritten Tage nach« 6 des Ministeriums des Innern mit sich - Wochen überhaupt in Wegfall kommt, bringt. Diese Verbindung würde aber vor- i während die ursprüngliche Faffuna lemtete: aussichtlich von kurzer Dauer sein. I für den 1., 7. und demnächst ^flr jede

— Zu den Münzverhandlungen im weitere 7 Tage. Außerdem hat der Ent«

Die Heldin des Böse«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Während Cornelia sprach, hatten die beiden Beamten die Schriftstücke durchge- sehen, welche Cornelia ihnen übergeben hatte

„Erkennen Sie," wandte sich Einer der- selben an den Verwundeten," die Mittheil, ungen als richtig und vollständig an, welche diese Frau uns da gemacht hat?"

„Ja," antwortete Armand, „durchaus, ich habe denselben nichts beizufügen noch davon zu nehmen."

„In der vorletzten Nacht," fuhr der Un. tersuchungsrichler fort, „haben Sie sich mit der Frau, welche auf Sie geschossen hat, nach Barvoisau begeben: zu welchem Zwecke geschah dies?"

„Ich wußte, daß mein Väter, nachdem er bereits Alles so geordnet hatte, daß sein ganzes Eigenthum auf Mademoiselle de Savigny, seine Groß-Nichte übergehen sollte, sich anders besonnen und ein Testament zu Gunsten meine» Bruders gemacht halte. Madame dÄulneux kannte den Ort, wo dieses Testament sich befand, — deshalb suchten wir es."

„So!—Und Sie haben es gefunden?" i »Ja, da ist es, jetzt habe ich es nicht

mehr nölhig," sagte der Sterbende mit - immer schwächer werdender Stimme. t „Und wo befand sich dieses Schriftstück?" ;

Armand empfand bei diesen Worten ein > j heftiges Zittern und fuhr mit der Hand i ! über die Augen. <

| „Oh," sagte er, „ich habe es nicht ge- \

j than, ich konnte es nicht, — sie ist in den i | Keller hinabgestiegen — wo die Leiche des : > Grafen sich befindet." — j Erstaunt und erschrocken zugleich sahen } die Umstehenden sich bei diesen Worten ; einander an.

j Der Verwundete erzählte dann in wenigen j Worten seinen nächtlichen Besuch auf Bar­voisau mit derjenigen, die ihn soeben tödt- lich getroffen hatte, da sie ihn für einen Anderen hielt, und gab alle nöthigen Ein- ; zelheiten an, damit man die Stelle auf- ■ finden könne, wo der alte Graf seinen letzten ' Seufzer ausgehaucht hatte.

Als er geendet hatte, bat Georges Miel- i mont die beiden Beamten, mit dem Ver- ■ mundeten insgeheim eine Unterredung ha« - ben zu dürfen, indem er erklärte, daß die; wichtigsten und ehrenwerthesten Gründe j ihn dazu bestimmten.

Die Anwesenden zogen sich zurück, und die ; beiden Männer waren allein.

Eine Viertelstunde später kam Georges ?

heraus; sein Gesicht war bleich und verstör t man sah, daß er geweint hatte.

Er wandte sich an den Geistlichen:

„Herr Abbo," sagte er, der Sohn des Grafen de Vaillantpont bittet Sie, ihm in seinen letzten Stunden beizustehen — er will sich mit Gott versöhnen."

Der Geistliche blieb einige Zeit bei dem Sterbenden, dann rief er die draußen Har­renden wieder herein.

Cornelia trat zuerst ein, umarmte ihren Enkel und sagte:

„Es ist zu Ende, es ist zu Ende! Seht seine Auge» werden starr und der Todes­kamps beginnt!"

Der Geistliche kniete nieder und betete die Sterbegebete.

Einige Minuten darauf gab das neue Opfer der Heldin des Bösen den Geist auf.

Der StaatSprocurator und der Unter­suchungsrichter traten dann auf Madame dÄulneux zu, um das Verhör zn beginnen.

Sie hatten sich auf viele Schwierigkeiten gefaßt gemacht; indeß war ihre Aufgabe viel leichter, als sie erwartet hatten, denn von vornherein erklärte sie kurz, daß sie fest entschlossen sei, auf keine Frage irgend welche Antwort zu geben, und daß keine Macht der Welt sie in ihrem Entschlüsse wankend machen könne.