Sonnabend, den 12. März 1881.
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Z Politische Streifzüge.
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Sehen wir uns, bevor wir dem streitlustigen und wortreichen Fürsten Bismarck und unserer inneren Politik die elektrische Beleuchtung zu Theil werden lassen, einmal kurz auf dem Erdkreise um. Es sind meist keine erfreulichen Scenen, denen wir begegnen: Im Süden Afrikas hat der ungerechte Krieg Englands gegen die tapfer« Boeren damit seinen vorläufigen Abschluß gesunden, daß das stolze, raubgierige Albion, nachdem es viermal gründlich auf's Haupt geschlagen worden, sich jetzt bereit zeigt, die Unabhängigkeit des Transvaallandes unter gewissen Bedingungen anzuerkennen, und ich will hoffen, daß Gladstone, der neulich auf den Kopf gefallen ist, so daß er selbst stark blutete, nach dem Waffenstillstand die Kanonen nicht wieder sprechen läßt. Mit der Unüber- windlichkeit der englischen Waffen ist'» freilich dahin; im Kampfe mit halbcivili- sirten oder ganz barbarischen Völkern mag John Bull Sieger bleiben, — die Boeren sind ihm Meister geworden. Es ist eine Schmach und Schande für'« 19. Jahrhundert, daß solche Kämpfe noch möglich find; — was sagt doch unser Mollke dazu? ... In Spanien wetzt das neue liberale Cabinet mit Civilehe und Preßfreiheit das „Culturkampfs" Messer; in Frank- reich wurde die frühere Jesuitenschule in Bordeaux geschloffen, weil der Director ehemalige Jesuiten als Lehrer zugelassen hatte, und in der Schweiz geht auch der Tanz gegen Nonnen und Priester wieder
Di- Heldin des BSsen.
Nach dem Französischen von I. RüttgerS.
(Fortsetzung.)
Indem Madame d'Aulneux sah, wie ihr Opfer sich zuckend auf dem Boden wälzte, ließ sie die Waffe zu Boden fallen und blieb einen Augenblick unbeweglich stehen, wie um zu sehen, ob ihr Opfer wirklich tobt sei.
Plötzlich erscholl in ihrer Nähe eine Stimme, die sie wie ein Blitzstrahl traf.
Es war eine Kinderstimme.
„Herr, Herr," rief die Stimme, „da ist sie, da ist sie! Sie ist es, die geschossen, und da liegt ein Mensch am Boden."
Sie sah sich um und erblickte Robert Thuriot, der wie ein Blitz auf sie zu schoß, und sie, fortwährend um Hilfe rufend, so kräftig bei den Armen packte, daß sie sich nicht losreißen konnte.
Während das verbrecherische Weib sich gegen ihren Angreifer wehrte und sich vergebens feinen Umarmungen zu entreißen suchte, kam ein Mann eiligst daher gelaufen.
Bei seinem Anblick sank das Weib wie leblos zu Boden.
Dieser Mann war nämlich kein anderer als Georges Mielmont, dm sie zu tödten geglaubt hatte:
los; man verurtheilte zwei Priester zu 14 Tagen Gefängniß, weil sie — es ist haarsträubend I — Messe gelesen hatten! Aber diesen „Freiheits"helden sind die Culturpauker im „freien" Belgien, vorab der Belgische Falk Bara, doch noch über. Die Militärgeistlichen sollen sbge- schafft, den Seminar.Professoren und dem größten Theil des Klerus das Gehalt entzogen und die Bischöfe „in"» Herz" getroffen werden, — so will es Bara, der seinem Haß gegen die Kirche und die katholische Religion nicht nur in fanatischer, sondern geradezu in flegelhafter Weise Ausdruck gibt. Und in dem lieben Oesterreich wollen die Liberalen auch nicht hintanstehen, wenn überall gehetzt und geschürt wird, — wofür wären wir sonst liberal und beschnitten? Nimmt das Abgeordnetenhaus einen Antrag an, der den Kronländern die Möglichkeit an die Hand geben soll, die achtjährige Schulzeit um ein oder zwei Jahre abzukürzen, bann bauscht ber tob- unb scanbalsüchtige Liberalismus biefe harmlose Mücke zu einem Elephanten auf; man donnert, als sei das Vaterland in Gefahr, und jüdische Studmten mischen sich mit Katzenmusik, Festkneipen und sonstigen Dummheiten in die Sache; faßt die Polizei aber einige der Schreier beim Wickel und sperrt sie ei», dann werden die tapferen Söhne Sem'» zu „Märtyrern" gestempelt und die Judenblätter überschlagen fich förmlich vor Zorn und sittlicher Entrüstung. Unterschreiben Berliner Studenten eine Adresse gegen die Juden, bann sind ste nach Richter „dumme Jungen" ; demon- *
Der Maler beugte sich zu ihr nieder, prallte aber sogleich wieder erschrocken zurück.
„Großer Gott," rief er entsetzt aus, „sie war es also, als Bäuerin gekleidet I — Aber wen mag sie doch da in der Dunkelheit getroffen haben?"
Während er diese Worte sprach, sah er auf einem kleinen Pfade quer über die Felder herüber eine Frau eiligen Schrittes auf sich zukommen. Bald stand sie bei ihm; ee war die alte Cornelia.
„Was gibts hier?" frug sie. „Ich habe den Knall gehört!"
„Ah, die Vorsehung schickt Euch uns zu," rief Mielmont. „Dieses Geschöpf darf mir nicht entwischen; geht und seht, dort auf dem Wege liegt ein Mann."
Cornelia sprang durch die Hecke, trat auf den Mann zu, beugte sich zu ihm nieder und stieß dann ein schreckliches Geheul aus.
„Er, er!" rief sie, „nein, nein, unmöglich. — Aber er athmet noch, Hilfe, Hilfe!"
Madame d'Aulneux blieb noch immer । unbeweglich; indeß sagte Mielmont sich, daß i es sehr wohl nichts als Verstellung ihrer- ' feits fein könne.
Er durchsuchte seine Taschen nach ©tri» I i den, band bann ber Wittwe Hänbe unb | j
t striren aber Wiener ©tubenten gegen einen i conservativen Abgeordneten, dann sind sie ! „Helden." Basta!
t Aber vielleicht find die Bilder im theuern - deutschen Vaterlande freundlicher. Wollen i sehen. Obenan und im Vordergründe aller > DiScussion steht Fürst Bismarck. Schabe i nur, baß ber früher so schweigsame unb > fast unsichtbare, jetzt aber so rebfelige unb ' streitlustige Kanzler es plötzlich Niemanb mehr Recht machen kann. Spricht er nicht, bann taugt"» nicht, unb alle Welt lebet, „von dem fast zur Mythe gewordenen Einsiedler"; spricht er, dann taugt’s erst recht nicht, unb alle Welt fällt über ihn her. Es ergeht ihm, wie ben belgischen Bischöfen: sagen sie in ihren Fastenhirtenbriefen Nichts von den Schul- unb sonstigen politischen Gesetzen, dann heißt"«: „Aha, seht da, die .weißen Jacobiner" sind schon mürbe geworden;" kommt ober der Bischof von Namur und legt den Eltern ihr Pflichten gegen die Kinder an"s Herz, dann ist er der „Hetzer" unb „Störenfried". Aber der Kanzler mag sich trösten, er hat noch mehr Leidensgefährten, vor Allen das Cent rum. Gibt dieses z. B. im Parlament ben Klagen bet Katholiken Ausdruck, so heißt es, es „verschleppe" die Verhandlungen, oder es stachle das Volk gegen die Regierung auf; schweigt das Centrum, wie jetzt bei den Etatsberathungen im Reichstag, dann hat es „Hintergedanken" und treibt „Schacherpolitik". Auch die katholische Presse theilt das Schicksal Bis- marck's, indem sie es nicht Allen recht machen
' kann. Weist sie auf das Elend hin, da»
, Füße zusammen, nachdem er Robert aufge« tragen, sie sorgfältig zu bewachen und ging dann auf Cornelia zu, die nicht aufhörte zu jammern und zu weinen.
„Ihr kennt ihn also? Wer ist es?" frug er lebhaft.
In diesem Augenblicke trat der Mond aus den Wolken hervor und warf fein volles Licht auf das Antlitz des Ermordeten. Der Künstler erkannte jetzt, daß es Niemand anders war als der Mann, der sich für Leopold de Vaillantpont ausgab I
Leopold hatte allerdings da» Billet von Madame d'Aulneux erhalten, hatte fich aber entschlossen, zu der nächtlichen Zusammen, kunft, welche fie wünschte, nicht hinzugehen. Nachdem er ihr das Tesiament des alten Grafen aus den Händen gerissen hatte, glaubte er Grund zu haben, ihre Rache zu fürchten und dachte nicht ander«, al« daß sie ihm eine Falle legen wolle.
Da inzwischen seine Sage Madame b’ Aulneux gegenüber eine ganz anbere geworben war, so wollte er sich zu Cornelia begeben, um fie um ihren Rath zu fragen, als bie Wittwe, in dem Glauben, e« fei Mielmont, auf ihn schoß.
Wir wissen, wie Robert Thuriot auf da« Geräusch hin, welches in dem Hose der Einsiedelei entsianden war, hinausgegangen war,