Freitag, den 11. März 1881
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< UrtheUe französischer Aerzte über die Wirksamkeit »er barmherzigen Schwestern.
In dem AufstchlSrathe der Asststance publique zu Pari» ist radicalerseitS der Plan geäußert worden, aus den städtischen Krankenhäusern die barmherzigen Schwestern jzu verdrängen und sie durch weltliche Krankenpflegerinnen zu ersetzen. Die radicalen Herren haben e» nicht einmal für nöthig gehalten, Diejenigen, welche in dieser Angelegenheit doch da» erste Recht haben, gehört zu werden, nämlich die An- staltsärzte, um ihre Meinung zu befragen. Die Aerzte ergreifen deshalb in der Preffe selber das Wort, um zu erklären, was sie im Jnteresie der Kranken, das hier allein maßgebend ist, für das Richtige halten: D e'S p r e z, Oberchirurg im Krankenhaus« de la Charito, dem größten von Paris, protestirt in energischer Weise in einem Schreiben an den Seinepräfecten gegen die Vertreibung der barmherzigen Schwestern, was umsomehr ins Gewicht fällt, als Deprez nichts weniger als kirchlich gesinnt ist; erführt folgende Gründe gegen die Krankenwärter und Wärterinnen aus dem Laienstande an: 1. Sie seien meist verheirathet, sorgten deshalb erst für sich und ihre Kinder, und dann für die Kranken. 2. Sie nähmen den Todkranken und Gestorbenen ihre Werthsachen heimlich weg, namentlich Ringe u. dgl., was eine barmherzige Schwester nicht thue. 3. Die Laienwärter brächten das beste Esten stets ihren Kindern nach Hause und verkürzten um dasselbe die Kranken.
4 Die barmherzigen Schwestern seien nie schmutzig erschienen und hätten in den 26 Jahren, während welcher er da« Spital leitete, nie nach Wein gerochen. 5. Bei ansteckenden Krankheiten, al« Blattern, Diphthrriti», blieben die Wärterinnen aus, in der Furcht, ihre eigenen Kinder anzu- stecken, was wieder bei den barmherzigen Schwestern nie der Fall war. Von letzteren sei manche an solchen Krankheiten selbst gestorben, aber eine solche Schwester werde sofort und ohne Geräusch durch «ine andere ersetzt, und ohne daß man den Opfermuth derselben auch nur annähernd zu würdigen verstehe. 6. Die barmherzigen Schwestern kosteten 200 Francs per Jahr ohne die Kost, auch wohnten sie in einem einzigen Saale beisammen. Die Laienwärter und Wärterinnen kosteten 600 Francs ohne Kost, und es braucht jede Familie eine eigene Wohnung, was in Paris im Ganzen 300 neue Wohnungen erfordere. Alles das habe der Gemeinderath weder gewußt, noch verstanden, er habe in seinem antikirchlichen Eifer bloß auf einige Schreier gehört und in die Lazarethe jetzt Leute geschickt, die stehlenund sich betrinken ohne auf die Kranken zu achten.
Die .Francs veröffentlicht in der Angelegenheit einen zweiten Brief, dessen Verfasser Professor Potain vom Neckerkranken- hause ist. Derselbe schreibt ungefähr Folgen- des: Das Personal, welche» die Kranken zu pflegen hat, muß Zweierlei verstehen, erstens, die Anordnungen des Arztes scharf auffassen, und zweitens, dieselben auf das Wirklichste vollziehen. Weshalb sollte eine
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Die Heidi« des Böse«.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
XXXV.
Nachdem Madame d'Aulneux gegen vier Uhr Morgens zum Schlosse des Barons de Loffange zurückgekehrt war, nach der doppelt schrecklichen Nacht, die sie soeben erlebt hatte, begab sie sich eiligst zu Bett. Ein tiefer Schlaf stärkte ihre Kräfte wieder, und sie erhob sich erst, als die Sonne schon hoch am Himmel stand. Da» Erste, woran sie dachte, war, Leopold einen Brief zu schrei, ben, um ihn möglichst rasch von dem Vorgefallenen in Kenntniß zu setzen.
Sie berichtete ihm also Alles, was zwischen ihr und Georges Mielmont vorgegangen war; besonderen Nachdruck legte sie auf das, was er ihr bezüglich des bevorstehenden Erscheinens des wirklichen Sohnes des verstorbenen Herrn von Barvoisau gesagt hatte. Zum Schluffe lud sie ihn ein, sie besuchen zu kommen, um all'diese Fragen zu besprechen, wobei sie den Streich, den er ihr gespielt hatte, als er ihr da» Testament aus den Händen riß, als einen Scherz darflellte, und unter einigen schönen Redewendungen ihren Aerger zu verbergen suchte.
Sie beauftragte einen Bedienten, Leopold den Brief zu überbringen, und erwartete mit leicht begreiflicher Ungeduld seine Antwort.
Man kann sich ihren Aerger leicht denken, als der Bote ihr sagen kam, daß der Graf sein Hotel schon zu früher Stunde verlassen habe, ohne anzugeben, wohin er sich begeben, noch wann er zurückkehren würde.
Im Laufe de» Nachmittags schickte sie einen neuen Boten; indeß war Leopold noch immer nicht zurück. Sie hatte ihm diesmal zugleich mittheilen lassen, daß sie ihn nach Einbruch der Nacht an derselben Stelle erwarte, von wo au» sie ihr nächtliches Unternehmen zum ersten Mal begonnen hatten.
Im selbigen Augenblick vernahm sie da» Geräusch eine» Wagen» im Hofe, sie sah zum Fenster hinaus — es waren Charles de Savigny und Laura. Bertha eilte ihnen entgegen und nachdem sie einige Worte mit ihnen gewechselt, kam sie zu ihrer Gouvernante, um ihr zu sagen, daß ihre Freundin sie abzuholen gekommen sei, um mit ihr nach Hacheville zu gehen, wo die Baronin einige Personen zum Thee eingeladen hatte.
„Herr Georges Mielmont wird ohne Zweifel dabei sein?" frug die Wittwe.
„Oh, kein Zweifel; die alte Dame ist ja
weltliche Krankenpflegerin Beides besser können, al» die bewährten Schwestern? Unersetzlich ist aber die Schwester schon deshalb, weil sie eigentlich ein nicht persönliche« Wesen ist, und ihre Empfindungen und Interessen vollständig in die der Kranken aufgehen; sie existirt kaum al« ein weibliches Wesen, sie hat für die Kranken kaum einen Namen, sie wird einfach Schwester genannt; sollte einmal eine ihre Pflichten nicht ganz genau erfüllen, so genügt e«, der Oberin ein Wort jagen, um sie zu entfernen. Anders ist es mit dem weltlichen Personal: da hat man Beamtinnen, Angestellte vor sich, deren Entfernung eventuell erst erkämpft werden muß. Das einzige Interesse der Schwestern ist die Krankenpflege, jede weltliche Wärterin muß noch andere Interessen wahrnehmen, die für sie die Hauptsache sein werden; ist sie auch unverheirathet, so wird sie ans Heirathen denken, ist sie verheirathet, so kann sie der Sorge für Mann und Kind sich nicht ganz entschlagen, und selbst wenn sie Wittwe ist, hat sie immer noch Interessen außerhalb des Krankensaales. Bei den weltlichen Krankenpflegerinnen wird hin- und wieder doch eine Unterbrechung in ihrer Thätigkeit eintreten müssen, bei den Schwestern ist da» niemals der Fall. Schwer wird es sein, die Disciplin aufrecht zu erhalten bei weltlichen Pflegerinnen, namentlich dafür zu sorgen, daß sie in den Frauenabtheilungen die nöthige Achtung genießen. Man behauptet, die Schwestern machten bei den Kranken religiöse Propaganda; r» mag hin und wieder einmal wie vernarrt in ihn und Charles liebt ihn wie einen Bruder."
Als Madame d'Aulneux sich allein befand, ging sie auf und ab, die Hände vor Wuth ballend.
„Welch' herrliche Gelegenheit," murmelte sie, „und welches unglückliche Zusammentreffen, daß er gerade jetzt abwesend ist! Wofern er sich nur bei der Zusammenkunft einfindet, oie ich mit ihm verabredet habe!"
Sie ließ sich auf einen Stuhl nieder und versank eine Zeit lang in ein düstere» Brüten.
„Oh," fuhr sie fort, „diefer Zweifel ver- zehrt mich. — Diese letzten Worte, die ich vernommen habe, al» ich seine Wohnung verließ. — Man sollte sagen, e» sei der andere gewesen» der sie aussprach. — Dieselbe Stimme, derselbe Ausdruck. — Und sonderbar, all' diese genauen Einzelheiten, die er öffenbar kennt und die er mir in'S Gesicht geschleudert hat! — Und doch kann er e» nicht sein, die Todten stehen nicht au» ihrem Grabe auf, und doch hat man mir seinen Tod al» durchaus sicher und verbürgt mitgetheilt. — Auch hätte ich jedenfalls etwas gewittert. — Wirklich, ein Dunkel, das ich vergeben» zu durchdringen versuche. Auf alle Fälle, wer er auch sein möge, fein Schicksal ist entschieden, er muß