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Mittwoch, dm 9. Mär, 1881
Fuldaer WD Jeitung.
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halten zu können? Hat nicht im Gegentheil die Erfahrung bereits gelehrt, daß eine sehr große Anzahl der Arbeitgeber aus eigener Initiative und aus eigenen Mitteln ihre Arbeiter (bereits mehr als */< Million!) längst über das Haftpflichtgesetz hinaus gegen alle Unfälle versichert hat? Wodurch rechtfertigt sich die Einführung einer Reichs- versicherungszwangscasse? Sind denn die privaten Unfall Versicherungs-Gesellschaften, resp. die von den Arbeitgebern selbst mehrfach gebildeten Genossenschaften nicht im Stande, das Versicherungsbedürfniß zu decken? Würde nicht, wenn überhaupt ein „Zwang" als nothwendig erachtet wird, das Princip des Caffenzwanges, ähnlich wie bei den Krankencassen, vollkommen genügen? Der Einwand, daß die privaten Un- fallversicherungsGesellschaften keine genügende Sicherheit zu bieten vermögen, ist absolut hinfällig. Man vergleiche nur die colossalen Vermögensobjecte, welche den privaten Feuer-, Lebens-, Transport- und Hagel-Versicherungs-Gesellschaften in Deckung gegeben werden, mit den Verhältnis mäßig geringfügigen Summen, welche bei den Unfallversicherungsgesellschaften schlimmsten Falls in Frage kommen können!
Daß das Unfall-Versicherungs-Gesetz den angestrebten socialen Frieden nicht herbeiführen kann, wird man ohne Weiteres zu- geben müssen, wenn man sich allein die i vermehrten Processe vergegenwärtigt, die l auf Grund des Gesetzentwurfes zwischen \ den Arbeitern und den Arbeitgebern einer- ? seits und der Reichsversicherungsanstalt an- | dererseits und drittens zwischen!der Reichs
versicherungsanstalt und den Arbeitgebern aller Voraussicht nach entstehen werden.
Der Vortragende beleuchtete sodann noch eine ganze Reihe der bedeutenderen technischen Schwierigkeiten, deren Bewältigung der Reichsversicherungsanstalt mit ihrem nothwendig schwerfälligen bureaukratischen Apparat kaum möglich werben dürfte.
Der Grundgedanke des Gesetzentwurfes: für die in festem Lohn und Brod der industriellen Arbeitgeber stehenden Arbeiter eine theilweise Sicherung gegen die wirth- schaftlichen Folgen von Unfällen zu schaffen, erscheint als ein verfehlter. Eine Versorgung der nicht in festem Lohn und Brod stehenden Arbeiter läöe wohl näher. Der von dem Gesetzentwurf angestrebte Zweck läßt sich in einer weitaus einfacheren und gerechteren, alle Theile befriedigenden Weise erreichen: durch Ausdehnung und Verschärfung des Haftpflichtge setz es. Die meisten übrigen civilisirten Staaten (die Schweiz, England, Frankreich, Oesterreich) sind uns hierin theils mit gutem Beispiel vorangegangen, theils sind sie mit der Regelung dieser wichtigen Materie in gleichem Sinne beschäftigt. Die Verstaatlichung der Unfallversicherung, welcher, wie immer bestimmter verlautet, andere VerficherungSbranchen ehesten» nachfolgen sollen, wäre ein verhängnißvoller Schritt auf der abschüssigen Bahn des Socialis- mus. Daher jubeln diesem Gesetzentwürfe auch ganz besonders die Socialdemokraten zu. Sie sehen sich dadurch ihrem ideale» „Zukunftsstaate" um einen bedeutenden Schritt näher gebracht. Mit der Verstaat-
O Die Haftpflichtgesetzgebsrng und der Unfallverficherrrngsgefetz- entwurf.
(Schluß.)
Betrachten wir — so fährt Herr Director Kleeberg in seinem Vortrage fort — den Gesetzentwurf schließlich vom social- politischen und wirthschaftlichen Standpuncte aus, so können wir uns auch von dieser Seite damit nicht befteunden.
Wir fragen uns zunächst, warum der Gesetzentwurf sich nur auf einen Bruch- theil der Arbeiter beschränkt und sogar die an den landwirthschaftlichen Maschinen beschäftigten Arbeiter von der Versicherung ausschließt, trotzdem es statistisch längst feststeht, daß die Verunglückungen der Letzteren fast noch zahlreicher sind, als in den gefährlichsten Fabrikbetrieben? Wir fragen ferner: mit welchem Rechte sollen die Communen innerhalb eines Landarmenbezirkes, in welchem gar keine oder doch nur sehr wenig Industrie vorhanden ist, für die hervorragend industriellen Districte mitbezahlen? Wie kommen die Arbeitgeber und Arbeiter der Landwirthschaft, der Gewerbe und des Handels, überhaupt alle anderen Bevölkerungsclaffen dazu, für die von der Industrie beschäftigten Arbeiter Steuerlasten zu übernehmen? Wodurch ist es denn bewiesen, daß gerade die industriellen Arbeiter die hilfsbedürftigeren seien? Wer will mit Sicherheit behaupten, daß die große Mehrzahl der Industriellen nicht selbst im Stande sei, die in ihren Diensten verunglückten Arbeiter materiell schadlos
54 Die Heldin des Böse«.
Rach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Aber in demselben Augenblick, wo diese sich auf seine Schulter stützte, packte er sie heftig bei der Hand, in welcher sie das Papier hielt, das sie entwendet hatte, und indem er ihr die Hand drückte, daß sie fast laut hätte aufschreien mögen, zwang er sie, da» Papier fahren zu lassen, und entriß ihr dasselbe, während sie vor Schmerz und Wuth laut aufschrie.
Zu gleicher Zeit fiel die Laterne zu Boden und erlosch.
Da» elende Weib hörte noch, wie ihr Begleiter in ein höhnische« Lachen ausbrach und sich davon machte.
Wie versteinert blieb sie eine Zeit lang stehen, als ein schwerer Tritt sich vernehmen ließ. Sie glaubte, es sei Leopold, der zurückkehre, aber plötzlich fühlte sie sich von einer kräftigen Hand erfaßt, und zu Tode erschrocken, vernahm sie die Worte:
„Folge mir, ohne einen Laut zu sprechen, ohne den geringsten Widerstand zu versuchen, oder Deine letzte Stunde hat gt- schlagen!"
In derselben Nacht, in welcher die Wittwe ihren längst gehegten Plan ausführte, war
; der Einsiedler der Fecherolle gegen seine i Gewohnheit sehr früh zu Bette gegangen. ! Ein langsamer, klagender Gesang, in welchem der Name de Vaillantpont^s mehrere Male wiederkehrte, weckte ihn aus seinem süßen Schlummer.
Er horchte und erkannte die Stimme der alten Cornelia, die nicht weit von seinem Hause entfernt sein mußte.
Lebhaft beunruhigt erhob er sich und öffnete das Fenster, aber der Gesang verlor sich allmählich in der Ferne. Er sah nach der Uhr, e» war ein Viertel vor Mitternacht.
„Ich muß der Wahrsagerin nachgehen," sagte er zu sich selbst, „denn wahrscheinlich ist es nicht ohne Grund, daß sie zu dieser Stunde noch ihre» Weges dahin zieht."
E ilig kleidete er sich an und schlug gleich darauf den Weg ein, den, wie er annehmen zu können glaubte, die Wahrsagerin eingeschlagen hatte. Jndeß hörte diese plötzlich zu singen auf. Trotzdem setzte er seinen , Weg fort und befand sich bald auf einem , kleinen Hügel in der Nähe von Barvoisau. i
Als er zufällig seitwärts blickte, däuchte \ es ihm, als ob er in der zweiten Etage i des verlassenen Hause» ein Licht schimmern ; sähe. Zuerst glaubte er, er habe sich gt- täuscht, bei genauerem Zusehen indeß sah ! er, daß dies nicht der Fall sei. |
Wie schon bemerkt, war die Nacht sehr finster und der Wind wehte mit großer Heftigkeit; es hatte geregnet und der Boden war stark durchnäßt. Es mußte schon große Neugierde sein, die Den Maler bei einem solchen Wetter hinaustrieb, und jetzt trieb ihn dieselbe Neugierde vorwärts zu dem alten Castell, wo irgend etwas Außergewöhnliches im Werke fein mußte.
Als er näher getreten war, konnte er bemerken, wie das geheimnißvolle Licht aus dem Zimmer kam, welches der alte Graf inne gehabt hatte.
Bei dieser Entdeckung pochte sein Herz । heftig, einen Augenblick blieb er unbeweglich dastehen und wußte nicht, was er beginnen sollte.
Plötzlich sank Alles wieder in Finsterniß zurück, aber einige Augenblicke darauf drang ein schwacher Lichtstrahl durch die Fensterläden des Erdgeschosse».
Unterdessen war er dicht bi» an dm Flügel des Schlosses gekommen, an welchem sich das Fenster befand, das Leopold und Madame d'Aulneux geöffnet hatten.
Während er noch unschlüssig war, ob er hineingehen sollte oder nicht, vernahm er ein Geräusch von Schritten und sah zugleich, wie es in dem Zimmer, zu welchem das sragliche Fenster gehörte, hell wurde.