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M 53.

Sonntag, den 6. Marz 1881.

Fuldm

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Politische Streiszüge.

Nachdruck verboten.

Folge mir, freundlicher Leser, nach Brüs­sel. Belgien nennt sich mit Vorliebe da« Land der „Freiheit;" dies gilt auch für alle, nur nicht für die katholische Kirche. Den Bischöfen soll das Gehalt zwar nicht ver­kürzt werden, das wäre „kleinlich"; aber großartig ist es, dem Klerus den Brodkorb höher zu hängen. Hören unsere gebildeten und humanen Culkurkämpfer von mittelal­terlichen Torturen, Hungerthurm und Hun­germaske, dann schlagen sie entsetzt die Hände zusammen; den Priester aber durch Hunger zum Abfall von seinen Grundsätzen zwingen zu wollen, das ist liberal, das verträgt sich mit den Principien dieser Toleranz- und Humanitäts Apostel. Den Bischöfen will man das Gehalt nicht nehmen, aber „in'S Herz" will Bara sie treffen, indem er die bisher an die Seminarien geleisteten Zufchüffe vollständig streicht und den Bi­schöfen so die Erziehung des Klerus in der bisherigen Weife unmöglich macht. „Haben Sie doch Geduld!" ruft der Minister der grollenden Linken zu, „Alles kommt noch I" Ja, es wird im „freien" Belgien so weit kommen, wie es in anderen Ländern bereit» gekommen ist, und der hl. Vater hatte nur zu sehr Ursache, am 20. Februar, am Tage seiner Thronbesteigung, dem Cardinal».Col­legium in Rom zu sagen, daß die Lage der ka- thol. Kirche in fast allen Ländern eine bedrückte und höchst traurige sei. E» war ein wüstes Bild, das die Cultusdebatten in Brüssel vor wenigen Tagen boten, eine widerliche „Schwarzwildhetze" mit der Hungermaske.

52 Die Heldin des Böse«.

Nach dem Französischen von I. RüttgerS. (Fortsetzung.)

XXXIV.

Der folgende Tag war der Sonntag, an welchem das zwischen Madame d'Aulneux und Leopold verabredete Rendezvous an der Station der drei Ulmen, halbwegs zwischen der Trapperie und Barvoisau, stattfinden sollte.

Herr de Lossange war seit zwei Tagen nach Pari» verreist. Die Gouvernante stand sehr spät auf und ließ sich ihr Früh­stück in ihrem Zimmer serviren. Das Mäd­chen, welches da» Frühstück brachte, glaubte zu bemerken, daß sie ein sehr verstörtes Aussehen habe und sehr übler Laune sei. Sie blieb den ganzen Tag auf ihrem Zim­mer und ging nicht aus.

Gegen zehn Uhr Abends, al» sich auf dem Schlosse bereits Alles zur Ruhe begeben hatte, hüllte sie sich in einen Mantel von dunklem Tuche und stieg eine verborgene Treppe hinab, die zu einer Thür führte, welche in den Park hinausging.

Die Nacht war dunkel; große schwarze Wolken zogen am Himmel dahin und der Wind heulte in den Bäumen.

Sorglos trat sie ihren Megan, als wenn

Auf die gewaltigen Reden der Abg. Tho- nissen und Cornesse wußten die Radicalen zwar nichts Sachliches zu entgegnen, aber eine Fluth von Beschimpfungen und Ver­leumdungen warfen sie auf den katholischen Klerus, eine fratzenhafte Komödie, von der sich jeder edel Denkende mit Ekel abwendet.

Und welches Schauspiel wird uns bald da» katholische Spanien bieten? Das neue liberale Cabinet verlangt die Preß­freiheit, um in maß- und zügelloser Weise gegen die Kirche und die Religion losziehen zu können, und es führt per Decret die Civilehe für die Katholiken wieder ein. Ueberall ist der kirchenfeindliche Liberalis­mus sich gleich und überall handhabt er dieselben Waffen, mag er in Deutschland mit Falkenkrallen die Brust des Peli- can's zerreißen, in Frankreich mit gam- bettistischen Brecheisen operiren, oder in Belgien mit der Kelle arbeiten, — immer ist er derselbe. Hoffen wollen wir aber daß es der kürzlich in Madrid gegründeten „Katholischen Union" gelingen wird, dem Treiben der Liberalen einen kräftigen Riegel vorzuschieben.

Jetzt gehen wir nach Deutschland, dessen Hauptstadt im Festesjubel schwimmt. Als loyale Staatsbürger freuen wir uns mit dem jungen Brautpaare, dem muth- maßlichen zukünftigen deutschen Kaiserpaare, das sich am Sonntag die Hand zum ewigen Bunde reichte, und wünschen ihm Glück und Heil, weil auch am Throne Dornen wuchern und auch unter dem Purpur der Schmerz seine Wohnstätte aufschlägt. Ich habe die langen Berichte über die Festlich­

keiten mit den berittenen Schlächtern rc. nicht alle gelesen, aber amüsirt hat e» mich, die Kleidungen, Diamanten, Schlep­pen, Haarfrisuren rc. hoher Frauen in dem politischen Theile der Zeitungen so genau beschrieben zu finden, als seien die Zei­tungen Modejournale für Nähmädchen. Nun, vielleicht gehört das auch zur Poli­tik. Da ich mich aber für Edelsteine und Perlen, die mir nicht gehören, nicht sonder­lich begeistern kann, auch von Toiletten nicht viel verstehe, will ich lieber der Sonne unseres politischen Lebens, dem Central­körper unseres politischen Sonnensystems, dem Fürsten Bismarck, einige' Worte widmen. Er verdient es. Den Botho Eulenburg wäre er glücklich los, und wir Katholiken haben keine Ursache, ihm nach­zutrauern. Der „tolerante" Exminister, der die Zahl dreizehn der unter Bismarck'S Regime gestürzten „Commis" voll gemacht hat, bestäligte zwar fortschrittliche Bürger­meister, aber bei Leibe keinen ultramon- I tonen! Nicht einmal ein katholischer Bei­geordneter fand Gnade vor feinen Augen, — das Gemeindewesen und der Staat ! wären ja in Gefahr gekommen bei solch' | „schwarzen" Meistern der Bürger! Lassen t wir den Eulenburg laufen, — aber „das * eiserne Kreuz I. Klasse für persönliche Tapferkeit" scheint sich kein neuer Minister des Innern verdienen zu wollen, deshalb soll Herr Bitter einstweilen das Portefeuille der Finanzen und das des Innern auf seinen geduldigen Rücken nehmen. Das ganze Elend, das uns so viele Minister­krisen bringt, besteht einfach darin, daß

eS heller Tag gewesen wäre, und eine halbe Stunde später traf sie an dem verabrede­ten Orte ein, wo Leopold sie bereits einige Zeit erwartete.

„Sie sind eine Frau von Wort," sagte er, ihr die Hand drückend; und dazu noch eine muthige Frau," fügte er bei; „ich be­wundere Sie wirklich!"

„Oh", meinte sie lächelnd, „hierhin zu kommen, dazu ist kein großer Muth nöthig; aber zu dem, was wir vorhaben, werden wir Muth nöthig haben. — Sie haben doch nicht die Laterne vergessen?"

„Nein; aber worum handelt es sich?" „Wir sollen nach Barvoisau gehen —" „Ich dachte es schon, aber ein trauriges, düsteres Unternehmen, was wir in's Werk setzen."

„Man sollte meinen, Sie zitterten schon. Soll ich Ihnen ein gutes Beispiel geben und vorausgehen?"

„Lassen Scherze, Pauline, und wissen Sie, daß ich aller Gefahr trotze, um dieses Schriftstück zu finden, das uns Beide zu reichen Leuten machen soll."

„Das heißt wenigsten« vernünftig reden. Nun es wird nur ein wenig Muth nöthig fein, um das Testament zu entdecken — denn wir müssen es wegnehmen — von der Leiche des Grafen."

Leopold schauderte zusammen.

- „Gehen wir," sagte er plötzlich, „da« j Glück winkt uns."

- „Das Glück und die Rachel sagte Madame d'Aulneux, indem sie ihren Arm in den feinigen legte und sich auf den Weg machte.

Während sie dahingingen, sagte sie zu ihrem Begleiter:

„Laura de Savigny, vernehmen Sie es jetzt, hat sich in der Thal nicht getäuscht, al» sie sagte, daß ich wüßte, was aus dem alten General geworden fei. — Ich wußte von dem Vorhandensein des Testamentes, welche« der Kranke nach langem Zögern endlich zu Gunsten seines Sohne» gemacht hatte. — Auch wußte ich wohl, daß er e» bei sich trug. Nun aber war ich ent­schlossen, mich desselben zu bemächtigen, ich hatte meine Gründe dazu. — Hatte der mißtrauische Greis mein Vorhaben gewit­tert ? Ich mußte es mir aus vielen Gründen sagen, baß es so sei. Obgleich er im Fieber da lag, so verließ ihn feine fixe Idee trotz­dem nicht. Ich stellte mich, al» ob ich schlafe, indem ich hoffte, daß er mich so nicht mehr überwachen und dann seinerseits einschlafen würde. Aber was geschah? Er richtete fich auf seinem Lager auf, die Augen weit offen, mit starrem glasigem Blick,