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M 51. Freitag, den 4. März 1881.

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O Zur türkisch-griechischen Frage.

Es gewinnt immer mehr den Anschein, als ob der griechisch-türkische Krieg unvermeidlich geworden sei. An eine Mög­lichkeit, die hellenische Kriegslust zu zügeln, denkt kaum ein Politiker mehr. Der Graf Hatzfeld ist mit geringer Hoffnung auf Gelingen seines Friedenswerkes auf seinen Posten in Stambul zurückgekehrt. In sei­ner ersten Unterredung mit dem türkischen Premier und dem Minister des Aeußern, unmittelbar nach der Ankunft, hörte er von Ass im Pascha die schwerwiegende Bemerkung: die Pforte habe zwar den redlichsten Willen, das Mögliche zu einem günstigen Erfolge der zwischen den Bot­schaftern schwebenden Verhandlungen beizu- tragen, aber der gegenwärtige kritische Zu­stand könne nicht ihr zur Last gelegt wer­den. Es liege nirgends ein Beweis vor, daß die Pforte, nachdem sie durch ihre Nachgiebigkeit in Betreff Dulcignos den ersten Schritt gcthan, nicht auch in der griechischen Angelegenheit geneigt gewesen wäre, sich mit den Tractatmächten auf Grund der Berliner Abmachungen zu verständigen. Die Pforte muffe daher jede Verantwortung für den gegenwärtigen Stand der griechi- schen Differenz und für deren eventuelle Folgen von sich weisen; denn dies Alles sei rHt ihr Werk, sondern jenes der Ber­liner Auchconferenz. Die Haltung Griechen­lands und seine unausgesetzten Rüstungen beweisen, daß man in Athen fest auf Durch­führung des Berliner Votums baue und gegen jede Mahnung zum Frieden taub sei. Trotzdem wünsche die Pforte noch immer

den Frieden und eine Verständigung, aber es sei auch ihre Pflicht, Gegenmaßregeln zu treffen und zu zeigen, daß sie sich von dem kleinen Griechenland nicht ungestraft herausfordern laffe.

Diese Bemerkungen Assim Paschas be­dürfen wahrlich keines Commentars. Und wer einen solchen trotzdem wünschen sollte, findet ihn in der Interpellation De- v es in der französischen Deputirtenkammer vom 21. Februar. Ferry hat indirect ein­gestanden, daß 20,000 Gewehre zur Ab­sendung nach Athen bereits eingepackt wa­ren, und daß erst in letzter Stunde, natür­lich in Folge des r!ärme wegen des engli­schen Blaubuchs, das Verbot der Absendung ergangen ist. Was vollends Gambetta an nichtssagenden Floskeln herauspolterte, beweist nur, daß er, der rothe Dauphin, den ganzen Handel hinter den Couliffen angezettelt hat, und daß er dabei noch recht plump vorgegangen ist, so daß der Scha­cher „Sr. Enormität" an die große Glocke gehängt wurde.

Ebenso wie der Couliffen-Dictator, nur etwas klüger, schüren England und Ruß­land in Athen. Hätten nun die drei Feuerwerker wirklich den ernsten Willen, daß der Krieg „localisirt" bliebe, so müßten sie darauf hinarbeiten, daß er über­haupt nicht ausbreche. Warum aber bla­sen sie in's Feuer? Weil sie weit über Griechenland hinausreichende Gedanken und Pläne hegen.

Ist aber der griechisch-türkische Krieg thatsächlich ausgebrochen, was dann? Siegt der Türke, so ist Griechenland, selbst

wenn sein Gebiet gewahrt bleibt, financiell ruinirt und muß sofort den Staats bankerott anmelden, an welchem England, Frankreich und Rußland blutige Schrammen davon­tragen werden. Dann aber brennt es nicht blo« am goldenen Horn, sondern auch am Piräus: ein übles Friedenszeichen! — Zieht aber der Türke den Kürzeren, was auch geschehen kann, da er Feinde ringsum hat, dann brennen die Orientfragen erst recht lichterloh und ist keine Möglichkeit mehr, den europäischen Frieden zu bewahren.

Und gerade dieser letztere Umstand scheint von den drei türkenfeindlichen Mächten be­absichtigt zu sein.

Das sind trübe Aussichten, aber man muß sie zeitig in's Auge faffen, um nicht von ihnen überrascht zu werden.

Deutsches »eich.

* Berlin, 2. März. Am gestrigen Nachmittag empfing das neuvermählte Ehe­paar, Prinz Wilhelm und Gemahlin, Prin­zessin Augusta Victoria, die Glückwünsche und Geschenke des Landes. An der Spitze der Deputationen stand die des Reichs­tages, bestehend aus dem Prästdium und den Abtheilungsvorfitzenden. Aus dem Centrum waren Freiherr zu Francken- stein in der rothen Uniform des Groß­kanzlers des bayrischen Hausritterordens vom HI. Georg und Freiherr v. Heere- mann als Malteserritter erschienen. Die Ansprache, auf welche Prinz Wilhelm dankte, hielt der Reichstagspräsident von Goßler. Es folgte die Deputation der Berliner

50 Die Heldin des Böse«.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Diese Worte schienen bei der Wittwe eine vollständige Sinnesänderung zu bewirken; die heftige Erregung, welche sie erfaßt hatte, schien plötzlich zu weichen. Ihr flammender Blick nahm einen unbestimmten, unbeschreib­lichen Ausdruck an; sie ließ das Haupt he­runtersinken und schien eine Zeitlang nach­zusinnen.

„Höre," sagte sie dann mit vollständiger Ruhe, „ich sage Dir noch einmal, daß Du vollständig im Jrrthum befangen bist, aber dieser Jrrthum ist nicht Dein Werk, andere haben ihn verschuldet, ich sehe es wohl. Nach dem, was Du mir sagst, bist Du ein Waise, ein Unglücklicher, und Du verdienst es wohl, daß ich lebhaftes Interesse an Dir nehme und Dir helfe, Deine Mutter wiederzufinden."

Sie hielt einen Augenblick inne und fuhr dann in süßestem Tone fort:

„Ja, Du armes Kind, ich hätte es gleich anfangs ahnen sollen, daß man Dich irre geführt hat. Du bist ja auch in so schlech­ten Händen; Du kennst diesen Georges Rielmont nicht wie ich ihn kenne; in Kur­zem wird man ihn verhaften und in den

Bagno abführen, und wenn Du bei ihm bleibst, so läufst Du Gefahr, daß Du sein Schicksal theilen mußt. Noch ein Mal, Deine Lage flößt mir lebhafte Theilnahme ein und ich will Dich vor dem Abgrunde bewahren, vor welchem Du stehst. Ich muß Dich einmal ganz allein sprechen. Wür­dest Du es wagen, herauszukommen, wenn Dein Herr zu Bette ist? Jetzt ist die Nacht so hell wie am Tage."

„Oh, ganz gewiß, Madame ich bin nicht furchtsam," antwortete Robert, der ganz glücklich zu fein schien, daß diese Frau, die ihn so barsch empfangen hatte, ihn jetzt derart anredete, und für die er eine un­willkürliche Zuneigung fühlte.

„Nun gut, Du stehst diesen hübschen Pavil­lon da unten; Du trittst durch das kleine Thürchen, das in der gegenüberliegen­den Hecke sich befindet; wie spät es auch sein mag, Du wirst mich anwesend finden. Bis dahin verwahre ich dieses Portrait. Es versteht fich von selbst, daß Dein Herr nichts wissen darf von der Zusammenkunft, die wir miteinander haben werden. Spä­ter kannst Du ihm Alles mittheilen, denn ich werde Deine Zukunft ficher stellen!"

„Beruhigen Sie sich, Madame; aber ich werde nicht umhin können, ihm doch etwas zu sagen."

„Allerdings — Du wirst ihm, was den i Brief anlangt, einfacy sagen, daß ich ihn ! achs elzuckend zerrissen habe."

’ „Und wegen des Portraits?"

| „Du wirst ihm dieselbe Antwort geben. \ Also bis später, liebes Kind, versäume nicht, ! zu kommen, es handelt sich um Dein Glück." j Mit diesen Worten ging sie von dannen l und ließ Robert, der nicht wußte, ob er | sich freuen solle ober nicht, ganz verwirrt , stehen.

- Der Schloßhof war, wie wir bemerkt ‘ haben, ganz leer und öde. Herr de Los« ’ fange saß in einem Zimmer, welches auf ! den Garten hinausging und las seine Zeit- ! ung ; die Diener arbeiteten in verschiedenen f Theilen des Gebäudes. Trotzdem war diese ; Scene nicht ohne Zeugen gewesen. Bertha i war in der Frühe ausgegangen und hatte ? sich, um ihre Lectionen zu lernen, in ein $ Gebüsch niedergelassen, welches einen Hügel [ krönte, und dem Schlosse gegenüber lag. Der ; kleine Bote mußte an ihr vorbeikommen; ! sie rief ihn an und erfuhr von ihm, daß j die Botschaft, die er Madame d'Aulneux ge- I bracht hatte, von Mielmont ausging, indeß 1 konnte sie ungeachtet ihres Bemühens nicht { mehr erfahren. Der heftige Zornesausbruch, ! in welchem sie die Wittwe anfangs gesehen 1 hatte, und die plötzliche Ruhe, die darauf