50. Donnerstag, den 3. Marz 188t.
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O Die Thätigkeit des Vereins für hessische Geschichte und Landes- kunve im Jahre 1880.
Das Interesse an der ruhmvollen Vergangenheit des hessischen Landes hat bei seinen Bewohnern nicht abgenommen, wenn auch die Ereignisse des Jahres 1866 der politischen Selbstständigkeit des Kurfürsten- thums ein Ende machten. Zum Beweise dafür dient auch die neuerdings immer lebhafter werdende Theilnahme für den Verein, welcher in der Erforschung der Geschichte der engeren Heimalh seine Aufgabe erblickt. Dem „Vereine für hessische Geschichte und Landeskunde" sind, wie aus seinen in jedem Quartal er- scheinenden „Mittheilungen" hervorgeht, im Verlaufe der letzten 5 Jahre an 400 neue Mitglieder beigetreten, so daß die Zahl der Vereinsangehörigen jetzt 1000 überschritten hat, die sich auf alle Gegen- den de» Hessenlandes vertheilen. Sowohl in Cassel, als in den Zweigvereinen zu Marburg, Hanau, Rinteln und Schmalkalden wurden auch im vergangenen Jahre allmonatlich Vorträge veranstaltet, die sich auf alle Perioden der Vorzeit Hessen« erstreckten. Ueber die vorige Jahresversammlung zu Rinteln ist in diesen Blättern schon eingehend berichtet worden; die diesjährige Hauptversammlung wird im Juli in Gelnhausen stattfinden. Die Vereinspublicationen des Jahres 1880 bestanden in der Herausgabe de» 3. und 4. Heftes des 8. Bandes (Reue Folge) der „Zeitschrift", womit dieser Band abschließt.
Er enthielt nachstehende 10 Abhandlungen: 1. W. Bücking, Beiträge zur Geschichte der Stadt Marburg.
2. A. Duncker, Beiträge zur Erforschung und Geschichte des Pfahlgrabens (Limes imperii Romani Transrhenanus) im unteren Maingebiet und der Wetterau. Mit einer Kartenskizze und 2 Kartons.
3. F. G. C. Groß, Ueber den Hilde- brandslied-Codsx der Casseler Landesbibliothek nebst Angaben und Ver- muthungen über die Schicksale der alten Fuldaer Handschriftenbibliothek überhaupt.
4. I. Schneider, Zwei Regenten aus dem Hause Dalberg.
5. B. Stilling, Einige Bemerkungen zur Beleuchtung der Frage: Ob Papin 1707 bei seiner Schiffahrt von Cassel nach Münden die Kraft des Wasserdampfes als Motor gebraucht, oder nur durch Menschenhände die Räder seines Schiffes bewegt habe.
6. E. Gerland, Das sogen. Dampfschiff Papin'». Entgegnung auf die Abhandlung Stilling'».
7. v. Spelt, Ein Schreiben des Landgrafen Wilhelm IV. an den Magist- rath von Straßburg.
8. C. v. Stamford, Gottfried Ernst von Wutginau.
9. I. L. Chr. Schmincke, Schloß Boyneburg. Mit einem Grundriß der Burg.
10. A. W. Beyer, Geschichte der ursprünglich französisch-reformirten Wal-
Die Heldir» des Böse«. 49
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Als der Künstler sich in seinem Zimmer befand und eben im Begriffe stand, sich zur Ruhe zu begeben, erinnerte er sich des Por- tefeuille's, welches man ihm übergeben hatte.
Er öffnete es und wie groß war sein Erstaunen, als er unter andern Papieren eine ziemlich gut erhaltene Photographie fand, in welcher er sogleich Madame d' Aulneux wiedererkannte!
„Ja, ja," sagte er sich, „es ist wirklich so, es ist ganz gewiß jenes Portrait, das man, nach der Aussage Eugen Ricurts, bei der Leiche des ermordeten Gatten vorfand! Welch' merkwürdige Verkettung der Umstände! Wie offenbar ist hierin nicht überall der Finger Gottes! Diese Waffe mußte ich noch haben, und jetzt, ja jetzt bin ich des Sieges über die Heldin des Bösen gewiß!"
Am folgenden Morgen rief er Robert zu sich.
„Mein Kind," frug er ihn, indem er ihm die Photographie vorzeigte, „kennst Du diese Person?"
„Man hat mir immer gesagt, es sei meine Mutter, und daß dieses Bild mir vielleicht behilflich sein könne, um sie wieder aufzufinden."
„Ja, ja, sie muß & sein, denn hier erkenne ich Deine Züge wieder. Run höre: auf dem benachbarten Schlosse wohnt eine Dame, deren Aehnlichkeit eine derartige ist, daß dieser Umstand und noch mehrere an- dere mich zu der Ueberzeugung gebracht haben, daß e» Deine Mutter ist."
„Mein Gott, ist e« möglich, und irren Sie sich nicht?" rief Robert mit gefaltenen Händen; „meine Mutter wiederfinden, welches Glück würde dies für mich fein!"
„Hat man mit Dir schon über sie gesprochen, und was hat man Dir von ihr gesagt?"
„Wenn ich mit Peter Hermanns, der mich erzogen, von meinen Eltern sprach, so hat er mir stet» gesagt, daß mein Vater von einem Unbekannten getödtet worden sei, daß man nicht wisse, was aus meiner Mutter geworden fei. Mehr habe ich niemals davon gehört."
Georges Mielmont setzte sich an ein Schreibpult und schrieb mit zitternder Hand einige Worte. Es war ein Sittel für Madame d'Aulneux.
Als er fertig war, sagte er zu seinem kleinen Bedienten:
„Du wirst jetzt Dich zu einem Schlosse begeben, das Draperie heißt und nach Madame d'Aulneux fragen. Du wirst sie erkennen,
denser - Gemeinde Waldensberg im Menburg-Wächterrbachischen.
Ferner gab der Verein 4 Quartalshefte „Mittheilungen" heraus, für die Mitglieder bestimmt, in welchen über die Thätigkeit der verschiedenen Zweigvereine in Bezug auf Vorträge, Ausgrabungen, sowie über Erwerbungen, Geschenke u. s. w. und über Ab- und -Zugang von Mitgliedern Nachricht gegeben wurde. Außerdem enthielten diese Hefte kleinere Aussätze und Recenfionen, von A. Duncker, Th. Hartwig, I. Hoffmeister,F.Malkmus, C.Reuder, W. Stern, C. v. Stamford, einige Nekrologe verdienter Mitglieder und eine übersichtliche bibliographische Zusammenstellung der im letzten und vorletzten Jahre erschienenen historischen Literatur, soweit sie Hessen betrifft. Mit dem ersten diesjährigen Quartalshefte wird als VII. Supplement (Neue Folge) der „Zeitschrift" der von. C. Israel bearbeitete Katalog der Musicaliensammlung der Casseler Landesbibliothek zur Vertheilung gelangen. In Vorbereitung begriffen ist ist der 9. Band der „Zeitschrift", dessen erstes Doppelheft eine größere Abhandlung von I. R ü b f a m über den mächtigen Fürstabt Heinrich V. von Fulda, den Freund und Rathgeber Kaiser Heinrich VII., bringen wird. Den Inhalt des Schlußheftes sollen zwei Arbeiten auf numismatischem Gebiete, von W. Stern und E. Pinder verfaßt, bilden, worin die beiden wichtigsten größeren Münzfunde, die in neuerer Zeit in Hessen gemacht wurden, der Lichtenberger Bracteaten- fund und der Fund der Regenbogen- sobald sie herauskommt. — Du wirst ihr diese Botschaft übergeben und wenn sie dieselbe gelesen hat, wirst Du ihr diese Photographie zeigen. — Sonst nichts. — Du wirst mir ungesäumt mittheilen was vorgekommen ist."
Je näher Robert Thuriot dem Schlosse kam, desto heftiger hörte er sein Herz schlagen — mochte er auch noch nicht die volle Bedeutung seines Schritte» ermessen, so sagte ihm doch seine angeborene, außergewöhnliche Klugheit, daß es ein sehr wichtiger Schritt fei, heute, wo er vielleicht feine Mutter Wiedersehen werde.
Seine Mutter Wiedersehen I — Er konnte sich nur mit Mühe diesen Gedanken zurechtlegen, und doch, wenn er an Alles da» dachte, was zwischen ihm und Mielmont vorgegangen war, sowie an die Worte, die dieser zu ihm gesprochen hatte, konnte er nicht mehr daran zweifeln, daß sein Herr in Alles, was feine Geburt betraf, einge» weiht fein mußte.
Bleich und vor Aufregung zitternd betrat er also den Hof de» Schlosses, wo er gleich Jemanden zu suchen begann, der ihn zu Madame d'Aulneux hätte führen können. Aber mochte er auch überall umherspähen, er sah Niemanden.
Aber plötzlich blieb er erstaunt stehen