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M 49.

Mittwoch, den 2. März 1881

Fuldger tBÄ Jeitung.

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* Ansprache Sr. Heiligkeit Leo XIII. an das hl. Collegtnm

der Eardtnäle, gehalten am 20. Febr. 1881.

(Aus der ,Voce della oetitä'.)

Die edlen Gesinnungen und freundlichen Glückwünsche, welche Sie, Herr Cardinal, bei der Wiederkehr des Jahrestages Unse« rer Erwählung im Namen des hl. Col« legiums Uns darbringen, sind Uns außer» ordentlich angenehm und gereichen Uns zu großem Tröste. In den 3 Jahren Unse- re« Pontificates, welche nun verflossen find, hat Uns das hl. Collegium forlwährend Beweise seiner Ergebenheit und seiner be­sonderen Anhänglichkeit an Unsere Person gegeben; es hat Uns ferner seine nutz­bringende und wirksame Unterstützung ge­liehen in der schwierigen Regierung der Kirche; Wir bezeugen daher gerne öffent­lich Unsere lebhafte Genugthuung und Un­seren Dank, und Wir find überzeugt, daß seine rastlose und geistvolle Thätigkeit auch in der Zukunft nicht nachlaffen wird. — In Wahrheit, nicht ohne ein gewisses Zagen treten Wir ein in dieses neue Jahr; denn, wie Sie, Herr Cardinal, richtig bemerkten, die Stürme wachsen, unruhig ist das vom Orkan gepeitschte Meer und neue Gefahren bedrohen das mystische Schifflein des hl. Petrus. In der That hat die katholische Kirche in gegenwärtiger Stunde fast über­all auf der ganzen Welt neue Attentate und neue Angriffe auf ihre hochheiligen Rechte zu beklagen: unterdrückt oder in Fesseln geschlagen ist allenthalben ihre Frei­heit; angefeindet ist auf tausend Weisen ihr friedlicher und heilsamer Einfluß. Die mächtige Unterstützung, welche sie zum Heile der Völker bieten kann, und die Wir von Anfang Unseres Pontificates an Denjenigen angeboten haben, welche die Geschicke der Staaten lenken, wurde leider nicht ausge­nommen, wie es sich gebührte. Die Völker indessen, denen die Erhaltung ihres väter­lichen Glaubens sehr am Herzen liegt, die um keinen Preis die Pflichten vcrützen wollen, welche das glorreiche katholische Bekenntniß ihnen auferlegt, die Völker seuf- zen seit geraumer Zeit unter der Last der schwersten Prüfungen und der härtesten Verluste. Was Uns betrifft, Jo sieht das hl. Collegium täglich die traurige Lage, in welche Wir versetzt worden sind, die weder Unserer Würde entspricht, noch dem gött- lichen Amte, welches Christus der Herr zum Nutzen der ganzen Kirche seinem Stellver­treter anvertrauen wollte. Uebrigens schwächt dieses traurige Schauspiel, so sehr es Uns in Trauer versetzt und zu Herzen geht, doch Unsere Hoffnung nicht und nimmt Uns nicht den Muth. Wir wissen, daß die Kirche nicht zum ersten Male in einen Kampf verwickelt ist, und daß ihre Kraft allzeit den Unbilden der Zeiten und der Menschen zu widerstehen wußte. Wir wer- den also fortfahren, ihrem Dienste Unsere

Kräfte und Unser Leben zu weihen, einzig darauf bedacht, ihre Interessen zu fördern, ihre Ehre und ihre Rechte zu vertheidigen, ihre Verluste zu ersetzen.

Da Wir aber überzeugt sind, daß Wir vor Allem vom Himmel her die rechtzeitige Hilfe erwarten müssen, ohne die eitel ist jede Anstrengung und jede Bemühung von Unserer Seite, eingedenk ferner daß die Kirche zu jeder Zeit in den stürmischten Epochen, in den furchtbarsten Augenblicken gewohnt war, öffentliche Gebete und Buß­übungen anzusagen, haben Wir beschlossen, in diesem Jahre ein außerordentliches Ju­biläum für die ganze Christenheit zu er­öffnen, damit der Herr, durch die Häufung der Gebete und der hl. Werke versöhnt, bald sich gnädig zeige und seiner Kirche bessere Zeiten bereite. Wenn dieses Jubi­läum einerseits ein Beweis ist für die außerordentlich schwierige Lage der Kirche, so ist es andererseits ein Grund der Hoff­nung und des Vertrauens, denn es öffnet der Gesammtheit der Katholiken im vollen Maße die kostbaren Schätze, an denen die Braut Jesu Christi durch die Güte Gottes so reich ist. Und mit dieser, dem hl. Col­legium ohne Zweifel willkommenen Ankün­digung wollen Wir schließen, indem Wir den einzelnen Mitgliedern des Collegiums, den Prälaten und sonstigen Anwesenden als Pfand Unserer besonderen Liebe von ganzem Herzen den Apostolischen Segen er« theilen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 28. Febr. Im Reichstag wurden in heutiger Sitzung die Etats des auswärtigen Amts, des Reichsamts des Innern und der Marine ohne wesent­liche Debatte erledigt. Beim Etat des Patentamtes regte Oechelhäuser eine Aender- ung des Patentgesetzes an, weil ganz un­nütze und überflüssige Erfindungen paten- tirt worden seien. Braun sprach sich ge­gen die Aenderung des Patentgesetzes aus, wogegen Bismarck erklärte, der Sache näher treten und untersuchen zu wollen, ob eine Aenderung des Patentgesetzes nothwendig sei. Die nächste Sitzung findet Mittwoch statt.

— Die Meldung, daß der seitherige Cultus- minister Herr v. P u t t k a m e r zum Minister des Jnnernund der StaatSsecretär im Reichs- justizamt Herr v. S ch e l l i n g zum Cultus- minister ernannt worden sei, bestätigt sich nicht.

— Es wird bestätigt, daß die Aus­schüsse des Bundesrathes das Unfallversi­cherungsgesetz mit den vom permanen­ten Ausschüsse des VolkswirthschaftSrathes beschlossenen Abänderungen angenommen haben.

— Nachdem heute um 6»/2 Uhr Abends der standesamtliche Act im Schlosse durch den Minister des königl. Hauses, Freiherrn v. Schleinitz vollzogen war, fand die kirch-

z liche Trauung des Prinzen Wilhelm und ;, der Prinzessin Augusta Victoria Abends 7 i, Uhr in der Schloßcapelle statt. Oberhof­prediger Dr. Kögel mit der Hof« und Dom- c geistlichkeit empfing das Brautpaar, welchem e der Oberstmarschall Fürst Salm, alle Kam- t merjunker und Kammerherrn vorausschrittcn, i und denen die Majestäten mit sämmtlichen t Mitgliedern des königl. Hauses und allen l fürstlichen Gästen in der festgestellten Ord- > nung folgten, an der Pforte der Capelle - und geleiteten dieselben vor den Altar.

Prinz Wilhelm war zur Rechten der Braut. Die Majestäten, die Minister des königl. Hauses und die fürstlichen Gäste traten im Halbkreise um das Brautpaar. Links von dem Brautpaar zunächst stand der Kaiser zwischen der Königin von Sachsen und der Mutter der Braut, rechts die Kaiserin zwischen dem König von Sachsen und dem Prinzen von Wales. Oberhofprediger Dr. Kögel hielt die Traurede und ertheilte den Segen. Während des Ringwechsels wurden im Lustgarten dreimal zwölf Kanonenschüsse gelöst. Nach der Trauung fand große Cour im weißen Saale,statt. Bei der hierauf folgenden Ceremonientafel brachte der Kaiser die Gesundheit des Brautpaares aus. Nach der Tafel findet im weißen Saale der Fackelzug statt.

Oesterreich-Ungarn.

* Wien, 27. Febr. Gestern Abend war Wien der Schauplatz eines großen Straßen« scandals, den große Studentenhaufen leisteten. Die Herren Kneipiers treiben nämlich hier auch Politik und da sie mit dem Be­schluß des Abgeordnetenhaus, die Bestimm­ungen über die Dauer der Schulpflicht den Landtagen der verschiedenen Kronländer zu überlassen, durchaus nicht einverstanden sind, so machten sie einen Heidenlärm auf der Straße, so daß die Polizei energisch einschreiten und 11 Verhaftungen vornehmen mußte.

England.

* London, 28. Febr. Gestern lieferte General Colley den Boern in Trans­vaal ein Treffen, wurde aber vollständig geschlagen und blieb mit fast sämmtlichen Truppen tobt auf dein Platze.

ProvwelelleS und Localer.

* Fulda, 1. März. Die gestrigen Car- neval - Aufzüge sind recht glänzend und ordnungsmäßig verlaufen. Zahlreiche Aus- wärtige von Nah und Fern hatten sich zu denselben eingefunden. Wenn schon die vom „Prinzen Carneval" zur Audienz be- fohlenen „Gesandtschaften aus Ungarn und der Türkei" durch ihren Aufzug auf dem Buttermarkt und desgleichen die an der „Hauptwache" beim goldenen Rädchen statt- findenden Bewegungen der „Ehrengarde" große Knäuel von Zuschauern anlockten, so war die Parade auf dem Domplatz von einem ganzen Heer von Neugierigen um« riugt. Als Signal zum Aufbruch auf den Domplatz galt das Abholen der in den