Einzelbild herunterladen
 

JH 48. Dienstag, den 1. MS,; 1881.

Die .Fuldaer Zeitung' erschemt täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda

in der Expedition, E analstraße Nr. 380, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 50 R.«Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei Len Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. Die ,illustrirten Sonntagsblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeil« oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50<>/o Rabatt.

Für den Monat Mürz nehmen Bestellungen auf die ,Fuldaer Zeitung^ alle Postanstatten, Landbriefboten und für Fulda die Expedition des Bl., Canal- stratze 380, zum Preise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld) an.

* Gelegentlich der diesjährigen Kaftuachtfefston

haben Jhro Hoheit Prinz Carneval geruht, sich folgende Thronrede geneigtest aufschreiben zu lassen:

„Edle Herren und wohlweise Räthe mei­nes Comitv'S! Tapfere Spieße! Honig­süße, goldene GassenjugendI Es bietet sich uns zwar zum öftern Gelegenheit, über die äußere und innere Politik unseres när­rischen Reiches in den Wirthshäufern dieser Residenzstadt uns zu verbreiten, doch wol­len wir diese festliche Zeit nicht verstreichen lassen, ohne an Euch über unsere Erfolge und Aussichten, über die ganze Lage un­seres Reiches in hochfeierlicher Weife uns zu äußern.

Mit Genugthuung constatiren wir, daß die orientalische Frage sich bis jetzt ganz zu unserer Befriedigung entwickelt hat. Die Bewohner des Orient«, unter der spaß­haften Regierung unsere» Freundes, des Sultans, fahren fort, das ganze Jahr sich als Türken, Armenier, Griechen re. rc. zu ma»- Ilten und die anderen Leute zu foppen.

Auch aus den übrigen Staaten Europa'», zu welchen wir in freundschaftlichen Be­

ziehungen stehen, wird uns gemeldet, daß sie nicht aufhören, Schulden zu machen, mit Soldaten zu spielen, sich gegenseitig Grimassen zu schneiden und es auf eine allgemeine Keilerei abgesehen haben. Man hat sich auch endlich bemüht, durch Be­rufung närrischer Käuze in die Ministerien und Kammern uns nach Kräften zu Wil­len zu sein, selbst unserer Vorliebe für orientalische Physiognomien.trägt man im Allgemeinen Rechnung.

Der zu unseren Ehren veranstalteten Flottendemonstration vor Dulcigno konnten wir zu unserem Bedauern nicht beiwohnen, weil wir damals unseren neuen Festfrack unserem Hofredner Gambetta für eine Ge­schäftsreise nach Cherbourg geliehen hatten.

Der angekündigte Besuch unseres Gön­ners, des Jean von Persien, unterblieb zu unserem Schmerze, denn seine hohe Zipfel­mütze, ohne welche er nicht reisen mag, ging zur Zeit als Klingelbeutel im Lande herum.

Unseren Unwillen erregte nur, — glück­licherweise ein vereinzelter Fall — daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika fort­fahren, ihre Schulden zu bezahlen. Die» muß ander» werden! Wir haben uns deshalb entschlossen, einige unserer tüch­tigsten Nationalökonomen, sowie unsere ge­summten Hofwucherer gratis hinüberzu­schaffen , um diesen sonderbaren Leuten andere Ideen beizubringen. Indessen be­absichtigen wir nicht kriegerisch aufzutreten, sondern Frieden zu halten, vorausgesetzt, daß die Dummheit als höchste» internatio­nale» Gesetz proclamirt und respectirt werde

■ und zum Beweise unserer friedlichen Ge­sinnung und zu Nutz und Frommen aller Länder gedenken wir eine Restauration am Nordpol einzurichten, um so die häufigen Expeditionen dorthin auf da» Wirksamste zu unterstützen.

Wenn so schon unsere internationalem Beziehungen befriedigend genannt werden dürfen, dann wird erst recht — insofern Euer Unterthanenverstand e» zu fassen ver­mag — unsere innere Reichsregierung Eueren vollen Beifall finden.

Unser Heer erfreut sich eine» vorzüg» lichen Stander, besteht nur aus eintägig freiwilligen Bürgermilizen, ist mit unschäd­lichen Mordwaffen bewehrt, wird so treff-' lich geführt, daß es noch nie einen Todteir, ja nicht einmal einen Verwundeten gehabt hat. Es besorgt außer dem Sicherheits­dienste und der Vertheidigung des Vater­landes noch gratis die Aufsicht über geist­liche Getränke. Nur die Einrichtung des Armee-Medicinalwesens hat sich als unzu­reichend erwiesen, indem am Tage nach der vorigen Schlacht ein böser Katzenjam­mer epidemisch und acut aufrrat.

Wir waren während des Jahres auch unausgesetzt bemüht, unser Marinewesrn zu heben und hoffen, daß es gelingen wird für unser Admiralschiff, die „Arche Noe" einen tüchtigen Befehlshaber endlich zu ge winnen.

Die Finanzen erfreuen sich eines blü­henden Standes. Kein Gläubiger drängt uns„ da bei allen felsenfest steht, daß sie doch nichts bekommen.

Unter fothanen Umständen gedenken wix

48 Die Heldin des Böse«.

Rach dem Französischen von I. Rüttger».

(Fortsetzung.)

Der liebliche Klang seiner Stimme, sowie die Art und Weise, wie er sich ausdrückte, erregten die Aufmerksamkeit des Künstlers und mit den Händen in die Tasche greifend, betrachtete er ihn aufmerksam. Die Schön­heit und der Adel seiner Züge leuchteten aus der Veränderung, welche sie durch Krank­heit oder Elend erlitten hatten, hervor. Al­der Künstler den Ausdruck seiner großen braunen Augen bemerkte, durchzuckte ihn eine Bewegung, die er sich nicht zu erklären wußte, und mit einem Male fühlte er sich zu dem Knaben hingezogen, daß er beschloß, ihn auszufragen.

Das Kind erzählte ihm, wie es so zu sagen gleich nach seiner Geburt Waise geworden, wie ein braver Bauerund seine Frau, die in Westflandern wohnten und ein wenig später sich in Brüssel niederge­lassen hätten, es an Kindesstatt angenom­men. Mit großer Sorgfalt, so erzählte der Knabe weiter, hätten seine Pflegeeltern sich seiner angenommen und ihn in eine Schule gebracht, damit er später ein Hand­werk erlernen sollte; indeß hatte eine an­steckende Krankheit das Haus heimgesucht,

in welchem Sie wohnten, und Diejenigen, welche ihn mit so großer Sorgfalt geflegt, , waren in wenigen Tagen kurz nacheinan- der gestorben, und so stand er seit drei Wochen ganz allein in der Welt. Eine alte gute Frau, Namens Philomene von Acken, hatte sich zwar seiner wieder ange­nommen, aber sie war sehr arm und des­halb suchte er auf diese Weise einige Sou's zu verdienen.

Der Knabe hatte die» Alle« in einem Tone erzählt, der gar keinen Zweifel an seiner Aufrichtigkeit aufkommen ließ.

„Und wie heißt Du denn?" frug Geor­ge» Mielmont.

„Robert Thuriot," war die Antwort.

Wenn der Blitz an seiner Seite nieder- ä gefahren, so wäre George» nicht so erschrocken ' gewesen al» jetzt, wo er diesen Namen au»- , sprechen hörte.

„Wie, wie," rief er mit erstickter Stimme, ! „Du heißt — habe ich gut gehört? — Sage e» noch einmal--"

Der kleine Knabe erschrack und wollte \ schon davonlaufen, aber George», der ferne Absicht merkte, nahm ihn beim Arme und hielt ihn sanft zurück.

„Fürchte nicht» von mir, arme» Kind," I sagte er in sanftem Tone; „Gott hat Dich | auf meinen Weg geführt. Bringe mich zu |

der Frau, bei welcher Du wohnst, und wenn ich Gute» von Dir höre, so wird Dein Glück gemacht sein. Du heißest also Ro­bert Thuriot, nicht wahr?"

„Ganz gewiß, mein Herr; warum sollte ich e« sagen, wenn e» nicht wahr wäre?"

„Und wo bist Du geboren?"

^ch weiß davon nicht», aber ich bin zu Sterne bei Ostende erzogen worden, wo ich auch meine Eltern verloren habe."

„Kein Zweifel mehr," sagte Mielmont zu sich selbst, „es ist ihr Sohn! Merk­würdiges Zusammentreffen 1 Wirklich, man sollte sagen wie die alten Kreuzfahrer: „Gott will es!"

Eine Viertelstunde später befand sich der Künstler in einer der elendesten Gassen, welche in der Nähe der Rue Haute liegen. Sein kleiner Begleiter führte ihn in ein armseliges Gemach, welches dennoch sehr reinlich aussah; eine mehr al» siebzigjährige Frau saß bei ihrer Arbeit und war nicht wenig erstaunt, als der Künstler ihr den Vorschlag machte, den kleinen Robert in seine Dienste zu nehmen.

Der Kummer, welcher das Herz der guten Alten durchschnitt, als sie das Anerbieten des Künstler» vernahm, und die Lobsprüche welche sie ihrem kleinen Hausgenossen spen­dete, bestärkten den Künstler nur noch mehr