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JH 47. Sonntag, den 27. Februar 1881.

Fuldm

Die »Fuldaer Zeitung' erscheint t Sgl ich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Canalstraß« Rr. 380, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche «bonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 60 R.-Pfg., mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei dm Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 60 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark SO Pfg. Die ,illustrirten SonntagSblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei Wiederholungen 50<Vo Rabatt.

Für den Monat März nehmen Bestellungen auf die,Fuldaer Zeitung^ alle Postanstalten, Landbriefdoten und für Fulda die Expedition des Bl., Canal- stratze 380, zum Preise von 50 Pfg. (ohne Bestellgeld) an.

Z V-ttttfche Streifzüge.

Nachdruck verboten.

(Vierte Büchse.) Eine Hungermaske in culimkämpferischem Spiritus. An demsel­ben Tage, al« der Justizminister Bara in der belgischen Drputirtenkammer erklärte, e« gezieme sich nicht, in so kleinlicher Weise Vergeltung zu üben und die Ge­hälter der Bischöfe zu verkürzen, lud da« preußische Abgeordnetenhaus sich diesen be­schämenden Vorwurf durch die Verwerfung des Windthorst'schen Anträge» auf Aufhe­bung des Brodkorbgesetzes auf den Nacken. Möge die knchenfeindliche Mehr­heit des nunmehr geschlossenen Landtages dieses Kainszeichen hinaustragen in'» ganze Land und Alle daran erinnern, daß das Aushungerungssystem, das selbst gegen be- lagerte Festungen kaum angewandt wird, im humanen Preußen eines der Mittel ist, mit welchen man katholische Ueberzeugungs- treue niederwerfen und mürbe machen zu können glaubt. Wacker kämpften die Cen­trumsmänner für dir Beseitigung dieses „unanständigsten von allen Gesetzen"; ver­gebens bat Reichensperger, man solle dem Volke die Religion erhallen und es nicht

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Die Heldirr des Böse«.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Einige Augenblicke darauf trat Mielmont durch das Gitterthor in den Garten.

„Ah," sagte er, „ein glückliches Zusam- mentreffen."

„Wie so?"

. »Ich komme bloß Ihretwegen."

„Sie machen mich wirklich neugierig."

„Ich habe noch mehr Überraschungen für Sie. Sehen Sie, es handelt sich zwi- scheu Ihnen und mir um eine sehr ernst- hafte Unterredung."

„Gut, nehmen Sie Platz auf dieser Bank da, wenn'» Ihnen beliebt."

„Ich würde dort unten die Laube vorziehen."

„Mit wem glauben Sie denn zu sprechen? — wenn ich fragen darf."

„Glauben Sie» Madame, daß ich diesen Vorschlag lediglich in Ihrem eigenen In- teresse mache."

„Keine langen Erörterungen — ich habe wenig Zeit."

Sie sagte die», vor Ungeduld mit dem Fuße auf die Erde stampfend.

„Madame," hob der Maler wieder an, der auch seinerseits ungeduldig zu werden schien, noch einmal sage ich Ihnen, daß ich

in die Arme der Solialdemokraten treiben; vergeben« war e«, daß er sagte, der alte Gott lebt noch und straft jeden Uebermuth; vergeben« ging v. Schorlrmer mit dem Hetzer v. Bennigsen in'« Gericht, — der Liberalirmu«, der „einen Gott von Staate« Gnaden" will, schwieg, Alle schwiegen. So­weit sind wir also schon, daß die berech­tigten Klagen und Schmerzensschreie von fast neun Millionen steuerzahlender Katho­liken gar keiner Antwort mehr gewürdigt werden I Wenn ein Jude in Rumänien schreit, dann hat man Worte; wenn Ber­liner Banquiers für ihre Suez-Canal- Actien fürchten, dann wird drohend mit dem Finger gewinkt; wenn aber ein Drittel der eigenen Landsleute bittet, — dann bleibt man stumm!

Nicht vergessen fei da« Schweigen, Stumm, doch laut beredt;

Und wir werden euch schon zeigen, Daß e« nie geräth:

Durch den Hunger zu bezwingen Die Gewiffenspflicht;

Anderwärts mag das gelingen, Doch bei Katholiken nicht!

(Fünfte Büchse.) Parlamentarisches Con- fect mit Knallbonbon« und sonstigen Ueber­raschungen; Minisiergalle in @elee. Der preußische Landtag hat zwei Kammern, eine Arbeitskammer und eine Schlafkammer, in der ersten sitzt das „Volk", in der zwei­ten die „Herren". Die letzteren sind De- corationsfiguren und werden ab und zu gebraucht, um unliebsame Beschlüsse des Abgeordnetenhauses glatt zu hobeln und mit der Milch frommer Denkungsart zu

Sie anderswo als an dieser Stelle zu sprechen wünsche, denn das, was ich Ihnen zu sagen habe, ist derart, daß es möglich wäre» daß es--" „Nun?"

„Daß e« Ihnen übel werden könnte. — Sie sehen, daß ich ein vorsichtiger Mann bin."

Madame dÄulneux betrachtete den Maler verwundert von Kopf bis zu dm Füßen und mit einer Würde, die sie sich so vor­trefflich zu geben wußte, sagte sie:

„Ich weiß nicht, mein Herr, ob der Wahnsinn Sic erfaßt hat, oder ob Sie sich im Zustande der Trunkenheit befinden."

„Oh, ich bin vollständig bei kaltem Blut und bei voller Vernunft, obwohl man die« alle» verlieren könnte, wenn e» sich darum handelt, von der Wittwe Robert Thuriot, genannt Tinah Mylio, zu sprechen."

George» Mielmont hatte geglaubt, mit den beiden Namen: Wittwe Robert Thuriot und Tinah Mylio einen niederschmetternden Schlag gegen die Gouvernante zu führen.

Er hatte sich getäuscht; sie schien wohl ein wenig erstaunt zu sein, dann aber brach ; sie plötzlich in ein schallendes Gelächter au». ;

„Jetzt begreife ich Alles!" rief.sie aus; | „Sie halten mich für eine Andere; die» kann immerhin einigermaßen Ihr Benehmen und Ihre Sprache entschuldigen, aber be­weist Ihren Scharfsinn gerade Nicht."

poliren. Daß die „Herren" es auch ein­mal wagen könnten, anders zu wollen, als Bismarck will, schien bisher ebenso uner­hört, als daß der Volkswirthschaftsrath zu einer Regierungsvorlage Nein sagen sollte. Und das Unerhörte geschah die „Herren" wurden rebellisch, und als sie einmal im Zuge waren, rebellirten sie dreimal hinter­einander: beim Steuer-Erlaß, beim Zu- ständigkeits- und beim Verwendungs-Ge­setze; der Appetit kommt bekanntlich beim Essen; und da wurde Bismarck zornig, sehr zornig; so zornig, daß man das vor- nehm ruhige Herrenhaus in eine Markthalle verwandelt glaubte, wo man sich zwar nicht faule Aepfel, aber sonstige faule — Lie­benswürdigkeiten an den Kopf warf, — pikante Sardellen in parlamentarischem Glanzpapier. Der erste Apfel flog dem Exfinanzminister Camphausen in'» Ge­sicht; aber dieser weinte keine Thränen der Rührung dabei, wie früher, sondern die Augen sprühten vor Zorn und Aerger. Wie konnte der Mann, der in den sieben fetten Jahren es verstanden hatte, da», trotz der 5 Milliachen entstandene Deficit kunstgerecht zu verdecken, es auch wagen, an Bismarck"« Steuerprojecten rütteln zu wollen! Da verspeist der Ministerpräsident seinen Untercollegen wie der Hai einen Matrosen mit Haut und Haar, tractirt ihn mit den Vorwürfen der „herunter- und abgewirthschafteten" Finanzpolitik und sagt ihm in'« Gesicht, daß er sich freue, ihn los zu fein. Dito! ruft Camphausen. Und dies rufen die hohen Herren vor dem gan­zen Lande, und da« böse, schadenfrohe Volk

„Oh," versetzte Georges, „Sie täuschen mich nicht. — Versuchen Sie doch nicht, gegen die wahrhaft vernichtenden Beweise anzugehen, die ich in den Händen habe! — Uebrigen« will derjenige, in dessen Auftrag ich handle, durchaus nicht Ihr Verderben."

Während der Künstler so sprach, zuckte Madame dÄulneux die Achseln, und ein spöttisches Lächeln umspielte ihre Lippen.

Er gab indeß den Anschein, al« bemerkte er die« Alle» nicht und fuhr fort:

„Soll ich noch Herrn d" Aubory und Ricourt holen lassen?"

„Kenne diese Herren nicht, aber ich würde entzückt fein, sie hier zu sehen, wenn die­selben ebenso drollig sind, wie Sie."

„Sie, wie ich," fuhr Georg unerschütter­lich fort, „beobachten Sie nur unter einer Bedingung Schweigen. Sie kennen da» Schicksal de» alten Grafen de Vaillantpont, Sie wissen, was aus dem Testament gewor­den ist, was er bei sich trug; nun sprechen Sie, und für Ihre Eröffnungen wird man Ihnen eine Summe von fünfundzwanzig Tausend Franc» zustellen, mittelst deren Sie stch eine behagliche Existenz gründen können — selbstredend im Auslande."

„Wirklich," sagte sie, die Arme kreuzend, ich hatte mich also doch nicht getäuscht; Sie sind ein Jntriguenspkeler, das heißt sehr