45* Freitag, den 25. Februar 1881.
Fuldaer Zeitung.
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O Spante« und Europa.
Man hat sich seit Jahrzehnten in der großen Politik daran gewöhnt, da« Königreich Spanien in allen Fragen von europäischer Bedeutung fast vollständig außer Spiel zu lasten und diese« früher so einflußreiche Land mußte trotz seiner 17 Millionen Einwohner und seiner 9100 □ Meilen er sich gefallen lasten, eine un - thätige Rolle im europäischen „Concert" zu spielen. Die Gründe für diese Rolle dritten Ranger waren für da« schöne „Land der Kastanien" auch zwingender Natur. Schon im v o r i g e n Jahrhunderte hatte Spanien seine ruhmreiche Weltmacht vollständig verloren und in diesem Jahrhundert wurde da« Erbe Kaiser Karl» V. in so verheerender Weise von Bü rger- kriegen zerfleischt und von inneren Unruhen erschüttert, daß die verschiedenen spanischen Regierungen gar nicht daran denken konnten, sich ernstlich an der Lösung einer europäischen Frage zu betheiligen.
Erfreulicher Weise liegen jetzt einzelne bedeutsame Anzeichen vor, au« welchen zu schließen ist, daß Spanien daran denkt,
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Die Heldin de- Bösen.
Rach dem FranzSstschen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
„Sie lieben mich nicht mehr, Sie sind für mich nicht mehr da«, was Sie während meiner Abwesenheit für mich waren — was Sie waren für mich im Augenblicke meiner Rückkehr, und das macht mich sehr unglücklich."
„Leopold, Leopold," rief da» junge Mädchen aus, „welche Rolle spielen Sie denn hier? — Ah, ich begreife, Sie stehen bei Madame dÄulneux nicht mehr so in Gnade."
„Ich bin sehr erstaunt, Laura, daß eine so geistreiche Dame wie Sie auch nur einen Augenblick im Zweifel sein könnte über die Komödie, die ich gespielt habe! denn ich muß gestehen, daß sie sehr dumm war, diese Komödie. Also Sie haben nicht bemerkt, daß meine Schmeicheleien dieser Frau gegenüber nichts anders als Berechnung waren?
Ich hatte immer sagen hören, daß die Eifersucht ein vortreffliches Mittel sei, um erloschene Liebe wieder anzufachrn, oder eine vorhandene Liebe heftiger zu entflammen — ich wollte es anwenden. Aber jetzt ist der Augenblick da, um Ihnen die Wahrheit zu sagen; ja, Laura ich liebe Sie innig,
wenigstens einen Th eil seiner alten Stellung wie,der zu erringen. Dieser Gegenstand wurde zum ersten Male gelegentlich der orientalischen Frage in offenbar von dem inzwischen abgetretenen Ministerium beeinflußten Artikeln ein- fiußreicher spanischer Zeitungen erörtert, indem man sehr zutreffend ausführte, daß es sich in der Orientfrage nicht nur um den Besitzstand der Balkanhalb- i^nfel, sondern auch um die Herrschaft auf dem mitteländischen Meere, welches den Orient mit dem Occident verbindet, handele.
Das Mittelmeer, bekanntlich die gewaltigste Verkehrsstraße der morgen- und abendländischen Cultur, müffe — so wurde in spanischen Blättern ausgeführt — seinen unabhängigen und freien Character behalten und zur Bewahrung desselben sei neben den anderen Küstenländern de» mittelländischen Meeres hauptsächlichSpa- n ien berufen. In diesem Sinne wird auch die jüngste Thronrede, mit welcher König Alfons am 31. December 1880 die Kammern eröffnete, gedeutet. Dieselbe ent- hielt eine Stelle, welche sehr deutlich durchblicken läßt, daß die spanische Regierung in ihr Programm auch die Belebung des auswärtigen Einflusses des großen iberischen Königreiche» mit ausgenommen hat; der König Alfons sagte nämlich am Schluffe der genannten Rede zu den Cortes:
„Schaaren Sie sich jeden Tag enger um mich, denn ich will, gerade wie Sie, den Wohlstand, die Freiheit und den und wenn Sie nicht nuine Lebensgefährtin , werden, so gehe ich nach Algerien zurück und laffe mich tödten."
Mademoiselle de Cavigny trat einige Schritte zurück, sah Leopold verwundert an und sagte dann in gemeffenem festem Tone zu ihm:
„Mein Herr, die Sprache, die Sie da führen, ist unwürdig eines Baillantpont's, unwürdig meiner, denn sie ist ohne Wahrheit und ohne Adel! Entweder hat diese Person Sie abgewiesen, wa« mich nicht wundern würde, denn sie hat ganz andere Absichten, oder aber Sie haben mir eine Falle gelegt, die Ihnen nur die Leidenschaft an die Hand gegeben hat, indem Sie erfahren haben, daß es von mir allein abhängt, Sie wieder in den Genuß Ihre» väterlichen Vermögen» einzusetzen. Run mögen Sie aber wiffen, daß ich, wenn ich auch au» Gewiffenrrücksichten Ihnen einen Theil dieser Güter zurückerstatten werde, die» doch nur unter bestimmten Garantien und nach vorherigen Aufklärungen thun werde. — Ihnen meine Hand zu geben, davon kein Wort mehr, oder dasselbe Dach kann uns nicht länger beherbergen."
Die Augen des^ Zouavencapitäns funkelten und er zUterte vor Zorn an allen Gliedern.
Ruhm des Vaterlandes. Mit Ihrer Hülfe scheint es mir nicht unmöglich zu sein, zu bewirken, daß Spanien von Neuem in der Welt die Stellung einnehme, die es bis im vorigen Jahrhunderte beseffen hat. Andere Nationen haben Stellungen erobert, die sie früher nicht hatten, es wäre nicht zu viel für uns, wieder zu werden, war wir einst gewesen sind."
Aus diesen Worten der Königs Alfons ergibt sich daß Spanien bemüht ist, eine einflußreichere Stellung im europäischen Concerte zu erlangen. Ob dieser Gedanke sich sobald verwirklichen wird, läßt sich bei den noch immer schwierigen spani- schen Verhältniffen nicht mit Gewißheit voraussagen.
Das Beste bei einer eventuellen Theil- nahme Spaniens an den Aufgaben der großen Politik besteht aber darin, daß das europäische Concert dadurch wohl nur gewinnen kann, denn Spanien ist ein großer natürlicher Factor im europäischen Staatenleben und sein Niedergang im vorigen Jahrhundert hatte die schrankenlose Vergrößerung von Englands Seemacht und von Frankreichs Landmacht zur Folge, worunter Mitteleuropa ein Jahrhundert gelitten hat. Das europäische Gleichgewicht erhielt also durch Spaniens Wiedereintritt in die große politische Action eine neue Stütze und namentlich würde dem polypenartigen Umsichgreifen Englands zur See dadurch ein „Dämpfer" aufgesetzt.
Daß Spanien seinen früheren großen
„Wirklich," sagte er, „eine Offenheit," die nichts zu wünschen übrig läßt. Ich ziehe es vor, Ihnen anstatt alles Andere blos zu sagen, daß r» Ihnen schlecht ansteht, von Familienehre zu sprechen, Ihnen, die Sie sich mit einem Unbekannten blosstellen, mit einem Abenteuerer — vielleicht noch etwas Schlimmeres!"
„Sie sind ein Unverschämter und ein Feigling!" rief Laura heftig. „Entfernen Sie sich und kommen Sie mir nicht mehr unter die Augen!"
„Oh, beruhigen Sie sich, Sie werden mich nicht mehr sehen als vor Gericht, wo ich schon die Klage auf Herausgabe meines Erbtheils anstrengen werde, das unwürdige Manöver mir wegnehmen wollten. Was diesen Elenden anlangt, der sich lustig über Sie gemacht hat, als er den Stierbändiger spielte. —"
In demselben Augenblicke ließ sich in der Nähe eine laute Stimme vernehmen:
„Ah, Elender, Deine Schimpfworte wirst Du mir theuer bezahlen!"
Während Georges Mielmont — denn er war es — diese Worte sprach, packte er den Grafen beim Kragen; mit fast übermenschlicher Kraft hob er ihn in die Höhe und schleuderte ihn über die Hecke, wo rr in einen Graben hineinrollte.