Einzelbild herunterladen
 

M 42

Dienstag, den 22. Februar 1881

Fuldaer

eitung

Die .Fuldaer Rettung' erscheint täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Canalstraße Nr. 380, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche NbonnementspreiS betrSgt auMNeßlich Bringerrohn m FuIdak^ 50 R.-Pfg , mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 60 R.-Pfg., Haus gebracht 1 Warf 90 W«- Die ,illustrirten Sovntagsblälter' de, Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20Pfg., auswärts am Pofischolter 25 Pfg., ms Haus gebracht O Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg-. bei Wiederholungen 50°/o Rabatt. _____________

& Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

, Ei> gibt eine Zeit zum Lachen und eine Zeit zum Weinen", sagt die Schrift, deshalb will auch ich nicht immer ernst und düster sein, am wenigsten jetzt in der Faschingszeit. Gibt's ja doch auch in un- serem lieben Vaterlande Stoff zum Lachen in Hülle und Fülle.

Lachen wir nicht, wenn der Deutsche Konitzer - Verein unter der Flagge eines liberalen Schulvereins für Rheinland und Westfalen sich mit der Hoff, nung schmeichelt, das, was er mit dem Schnüffel-Agenten Konitzer und der Con- duitenliste nicht fertig gebracht hat, mit feinen gepreßten Schulmännern fertig zu bringen?..... Lächeln wir nicht, wenn Bismarck glaubt, mit dem Bolkswirth- s ch a f t s r a t h allein könne er in zehn Jahren das bankerotte Deutschland auf die Strümpfe bringen, und wenn Gambetta die Soi­reen des deutschen Reichskanzlers nachohmt, um bei Bordeaux und Champagner seine „Unterthanen" kennen zu lernen? Spaß­haft ist es ferner, wenn die noble ,Köln. Ztg.' von dem „toblustigen" Centrum spricht, das „die Maske der Friedenssehn- sticht" abgelegt habe uud deshalb im Prä­sidium des Reichstags nicht vertreten sein dürfe; oder wenn der unaus—bleibliche Schwätzer v. Eynern sich deshalb gegen die Einfühlung geheimer Wahlen bei den Landtags- und Communalwahlen er­klärte, weil er „die unbedingte Herrschaft der Curie über die Rheinprovinz" fürchtet und — es ist schauderhaft zu sagen, —

42

Die Heldin des Böse«.

Rach dem FranzSstschen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Wozu ich entschlossen bin?" sagte er endlich. „Ich meine, daß von einer Wahl nicht die Rede sein kann, wie die Sachen jetzt liegen."

„Ich verstehe Dich nicht,"

„Run, meine Lage ist äußerst schwierig geworden, ich kann sogar sagen, gefahrvoll. Zunächst befindet sich ein Mensch hier, der, wie mir scheint, meine Vergangenheit kennt."

„Was sagst Du? Und wer ist dieser Mensch?"

„Es ist der Einsiedler der Fscherolle, Georges Mielmont, der gestern bei dem Baron de Loffange, in ganz sonderbaren Ausdrücken, mit mir über meine Aehnlich- keit mit Jemanden, den er irgendwo gesehen habe, sprach." —

Cornelia zuckte die Achseln.

„Und das beunruhigt und ängstigt Dich so sehr?" sagte sie dann. „Wirklich, Du bist gar nicht im Stande, die Rolle zu spielen, die ich Dir zugedacht habe. Uebri- gen» freut es mich zu wiffen, was Du mir da sagst. Also dieser Georges Mielmont weiß, was Du gewesen bist, oder er hat

„die Capläne bei der Arbeit gesehen hat". Wem da nicht eine Gänsehaut über den Leib läuft, der hat keinen Leib mehr, denn das Wort „Caplan" wirkt auf die Voll- blut-Liberalen wie ein roihes Tuch auf einen Stier und Richter auf Bismarck. Zum Lachen ist ferner, wenn englische Jr- vingianer und wupperthäler protestantische „Schwestern" beiden gut katholischen Frauen Kölns sich auf Proselytenmacherei verle- gen und diese mit Kärtchen und Tractät- lein, mit salbungsvollen Sprüchlein und süßlicher Salbaderei angeln zu können ver­meinen, — oder wenn zwei ergraute Ab­geordnete ohne GewissenSscrupel über die Saniere der „Majestät des Gesetzks" Hinwegspringen, sich auf Pistolen fordern und sich dann gegenseitig klar machen, daß sie keinen Schuß Pulver werth sind. Das Allerlächerlichste aber ist, daß der libe­rale Mischmasch glaubt, das „Hochachtungs­und Sühne-Essen" ohne Toaste auf den Exgründer v. Bennigsen habe das Dunkel gelichtet, das auf dessen Grünverthätigkeit ruht, und einige,hundert Champagnerpfro­pfen könnten die möglichen Sünden des Compromiffethäters aus der Welt knallen. . . . Ueberall ist für Humor gesorgt, sogar im altehrwürdigen Rom, wo man das einst von den Gänsen gerettete Capitol vor einer demokratischen Volksversammlung reitete, und wo im Apollotheater die Kund­gebung für König und Dynastie, die Ab- stngung der Nationalhymne, das krachende Vaterland und den wackelnden Thron Hum- bert's rettete. Diese Rettungsmethode ist ebenso billig wie angenehm und könnte be- wenigstens Zwerfel — dann wird er mit mir zu thun bekommen; wehe ihm, wenn er sich meinen Plänen in den Weg stellt. — Ich habe seine Wittwe Borsu in den Klauen, der ich die Zukunft aus dem Kaffeesatze prophezeie." —

„Thue wenigstens nichts, ohne es vorher mir mitzutheilen; denn nach dem was vor­gefallen ist, könnte auf mich Verdacht fallen."

„Kümmere Dich nicht um dar, was ich thun werde," sagte die Alte gebieterisch; „für den Augenblick darfst Du nur einen Gedanken haben, nämlich die Achtung und Zuneigung Laura's zu gewinnen."

„Und wenn'« mir mißglückt ? frug Leopold.

„Das ist nur allzusehr zu fürchten; es wird alsdann aber Deine eigne Schuld fein. Dann werde ich auch auf dem Plan erscheinen; indeß darf ich nur im äußersten Rothfalle eingreifen."

„Und Du denkst gar nicht an den an­dern Grund unserer Unruhe. — Denn wir haben schließlich noch immer keine Beweise von seinem Tode in Afrika. — Dieser Sergeant von St. Pol. den Du angetrof­fen hast, wußte es auch vom Hörensagen."

„Laß das meine Sorgen sein, die Sitzung ist jetzt aufgehoben; Du hast jetzt meine Ansichten gehört und Du hast nur Deinen

sonders Rußland, wo es wieder nach Attentaten riecht, und Spanien, wo die Cabinetskrisis revolutionäre Elemente in's neue liberale Ministerium gespielt hat, bestens empfohlen werden.

In den meisten politischen Sachen hört freilich aller Humor und alle Gemüthlich- keit auf.

Doch ich will mich nicht erhitzen — bei den gegenwärtigen Temperatur ist das nicht gut — und mit einigen guten Nachrichten schließen. Gefreut hat mich das wackere Auftreten des Abg. Retter in der Kammer zu Stuttgart, der es durchsetzte, daß Standeserhöhungen mit Sporteln belegt wurden: für die Erhebung in den Fürstenstand 16,000 M., in den Grafen­stand 8000 M., in Freihernstand 4000 M., und in den Adelstand 2000 M. Das ist recht; das sollte man nachahmen und die Orden und ähnliche Liebhabereien und Feinschmeckereien besteuern, anstatt Tabak, Bier und Branntwein „bluten" zu laffen. Orden Geheimraths- und Commerzienraths- titel, Austern, Champagner und dergleichen Leckereien sind würdige Steuerobjecte, aber nicht das, was der arme Mann täglich nöthig hat. Württemberg ist uns darin über; vielleicht hinkt Preußen wenn ein­mal weniger Herren und mehr Männer in der Kammer sitzen, nach. . . . Erfreu­lich ist es ferner, daß in Oesterreich die confervative Verbrüderung nicht den Purzelbaum geschlagen hat, daß das Wucher- gesetz trotz der liberalen Opposition zu Stande kommt, und daß in Frankreich das Ministerium den Radicalen feste die Weg fortzusetzen. Wenn ich Deiner bedarf so werde ich Dich mittelst unseres gewöhn­lichen Zeichens in Kenntniß setzen."

Leopold warf Cornelia einen Blick des Haffes zu und entfernte sich, ohne ein Wort zu sagen. , ,

Die Wahrsagerin sah ihm einige Zeit nach, unverständliche Worte murmelnd; dann setzte sie sich wieder an der Stelle nieder, wo Georges Mielmont sie zuerst bemerkt hatte, und blieb dort unbeweglich, die Stirne in den Händen gestützt, sitzen.

Der Maler, dem kein Wort von der Unterhaltung, von welcher er Zeuge gewesen, entgangen war, schlich sich leise von dannen und gelangte zu seiner Wohnung. Er war begreiflicherweise höchst erfreut über diese Entdeckung, die er gemacht hatte, aber zu­gleich sah er sich vor einem Wirrsale von Ereignissen, zwischen denen er sich einstweilen keinen rechten Zusammenhang finden konnte. Insbesondere frug er sich welches doch eigent­lich diese Persönlichkeit sein könnte, welche die Wahrsagerin in der Weise von oben herab behandle — die er, fast so zu sagen, ganz sicherlich im Bagno gesehen hatte, und die bei alldem mit Leopold de Vaillantpont eine so außerordentliche Aehnlichkeit besaß und die zugleich, nach der Sprache zu ur« ( theilen, die er soeben von derjenigen, deren