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Sonnabend, den 19. Februar 1881.
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Privattelegramm derFuldZtg
? Berlin, 17. Jebr., 3 Nhr Kachm. Nachdem Sraf Arnim die gestern ans ihn gefallene Wahl ;«m Präsidenten de, Reichstags abgelehnt, wurde heute der Nnter- staatsfecretär im Cultu,Ministerium Herr v. Goßler mit 150 Stimmen (Centrum und Coufervativr) ;um Präfidenten gewählt.
O Der Westfälische Bauernverein.
(Aus dem,Culturkämpfer' v. Otto Slogan) (Schluß.)
Die Mittel, wodurch der Verein die Crrditfrage zu lösen sucht, sind die „Landschaft der Provinz Westfalen" und die Geldvermittelung durch den Vorstand. Die Landschaft wird empfohlen für Darlehen, die man unkündbar besitzen und amortifiren will. Sie beleiht nur Höfe von wenigstens 150 Mark Reinertag bis zum 22fachen des Reinertrages, nimmt 4 Procent Zinsen, % Procent für Verwaltung und % Procent für Amortisation, gewährt aber zugleich Antheil am Gewinn. Das Geld- vermittelungs - Institut im Verein ist so einfach, daß der Leser darüber lächeln wird. Derjenige, welcher Geld auszuleihen hat, zeigt es dem Vorstande an, und ebenso der, welcher Geld leihen will. Der Vorstand setzt Beide in Verbindung, gratis und unter strengster Verschwiegenheit. Man predigt unablässig: Der Bauer muß dem Bauer helfen! — Höchst einfach — aber das Ei des Columbus!
Um die Bauern von der Landplage der Agenten der Versicherungs-Gesellschaften zu
40 Die Heldi« des Böse«.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
„Und dennoch," fügte das junge Mäd- chen hinzu, „wird mich Niemand glauben machen, daß der General das Schloß habe verlassen können. Wie Sie wissest, haben wir nirgendwo auch nur die kleinste Spur vow ihm finden können."
„Sie haben Recht," erwiederte Georges Mielmont, „in der That weiß man nicht, was man zu einem derartigen Ereigniß sagen soll; und doch gibt es keine Wirkung ohne Ursache, und hier etwas Uebernatür- liches anzunehmen, liegt zu ferne. Hatte der Graf de Vaillantpont vielleicht einen erbitterten Feind, vielleicht Jemanden, der, ich will nicht sagen an seinem Tode, denn seine Tage waren ja ohnehin gezählt, aber doch daran großes Interesse hatte, daß man seine sterblichen Ueberreste nicht fand?"
„Niemand auf der ganzen Welt könnte ein solches Interesse daran haben, denke ich, denn nachdem er allerdings etwas auf Umwegen zu meinen Gunsten über sein Vermögen verfügt, hatte er auf mein Drängen selbst ein neues Testament gemacht, das er, vus leicht erklärlichem Mißtrauen, wie es
! befreien und sie vor den Uebervortheilungen dieser Institute zu sichern, griff der Verein zu dem Aurkunftsmittel des Masseneintritts in eine bestehende Feuer-resp. Hagel-Versicherung, indem er den Eintritt von besonder» günstigen Bedingungen abhängig machte. Man sagte sich; der Einzelne ist den VersicherungS-Gesellschaften gegenüber wehrlos, wenn wir aber in so großer Zahl beitreten, so muß man uns gut behandeln. Nach Prüfung von siebenzehn Feuerversicherungs-Gesellschaften durch eine Commission von Männern, die auf diesem Gebiet Erfahrung besitzen, wurde die München- Gladbacher als diejenige ausersehen, welche bei aller Solidität dem Verein die günstigsten Bedingungen anbot. Demgemäß hat der Verein mit genannter Gesellschaft einen Vertrag auf zehn Jahre für seine Mitglieder abgeschlossen, und bedienen sich dieselben seitdem in großer Zahl dieser Versicherung; doch ist die Betheiligung daran freigestellt. -- In gleicher Weif» wurde mit den Versicherungs-Gesellschaften gegen Hagelschlag verfahren. Der Verein wählte die Norddeutsche Hagel-Versicherungsgesell- schäft, welche bekanntlich auf Gegenseitigkeit begründet ist.
Der Westfälische Bauernverein ist erst 18 Jahre alt und, so zu sagen, erst 9 Jahre mündig; doch hat er bereits ansehnliche Erfolge aufzuweisen. So hat er trotz der laufenden Ausgaben sich rin Vermögen von etwa 75,000 Mark angesammelt, und außerdem im Laufe der Jahre für verschiedene Standesgenossen in besonders dringenden Fällen 10,000 Mark geopfert, sich ja bei kranken Greisen nicht selten findet, bei sich trug."
Diese Worte schienen in dem Künstler einen plötzlichen Gevanken wachzurufen.
„Ah," rief er aus, „er hatte also schließlich zu Gunsten seines Sohnes teflirt und trug da» Schriftstück bei sich! — Hatte Madame d'Aulneux von dieser Thatsache Kenntniß?"
„Ganz gewiß! denn meine Mutter hatte ihr Alle» mitgetheilt." -
„Ich glaube die Hand des Schuldigen zu haben, und in diesem Falle gehört auch mir sein Geheimniß," sagte er nach kurzem Nachsinnen mit einer Gewißheit, die Laura nicht wenig in Erstaunen setzte.
Sie blieb eine Zeitlang nachdenkend — die mit so großer Sicherheit gesprochenen Worte ihre» Begleiters riefen in ihr allerlei Betrachtungen wach.
Endlich sagte Mielmont:
„Mademoiselle; halten Sie mich Ihres Vertrauens würdig?"
„Ganz gewiß, Sie haben es vollständig !" " ' "
„Ich danke Ihnen, denn dieses Vertrauen würde mir unumgänglich nothwendig fein, um zur Entdeckung der Wahrheit zu gelangen — inmitten dieser Finsterniß, von
Der Cassenbestand ist zu 4% angelegt; ein kleiner Theil desselben ist unverzinslich verliehen zur Erhaltung eines Hofes und zur Unterstützung von Bauern, welche durch Hagelschlag oder Viehseuche schwer beschädigt waren. Sodann ist bei der Geldvermittelung im Verein ein jährlicher Umsatz von etwa 300,000 Mark erzielt worden. Tie Capitalien sind in Höhe von 600 bis 45,000 Mark, und zwar nur zu 4% verliehen. Wie Manchem ist durch den Privatcredit geholfen, der sonst in die Hände der Wucherer gefallen wäre t — Ein hübsches Resultat haben auch die Vereins-Versicherungen geliefert. Die Ge- sammt-Versicherungssumme der Vereinsmitglieder bei der München-Gladbacher Feuerversicherung beträgt zur Zeit Mnd 600 Millionen Mark. Die Vortheile liegen auf der Hand: Die Prämiensätze sind niedrig, verfängliche Clauseln giebt es in den Policen nicht, und hat Jemand ein Branimnglück, so kann er einer willfährigen Schadenreguürung sicher fein. Bei Streitigkeiten zwischen den Versichernden und der Gesellschaft tritt mit Ausschluß der gerichtlichen Klage das schiedsmännische Verfahren ein. Aus den vertragsmäßig an die Casse des Vereins abzuführenden 10% der Prämieneinnahme und 10% des Reingewinnes von den Versicherungen der Mitglieder ist überdies in der Hauptsache das Vermögen des Vereins entstanden. Die Hagel - Versicherung» - Gesellschaft hat contractlich 2 Procent der Vorprämien- Einnahme an die Vereins Casse abzugeben.
Viel höher als alle diese Errungenschaften, welcher das Schicksal Ihres Onkels ringe- hüllt ist."
„Was bin ich Ihnen für Ihre freuno- liche Vermittlung dankbar, und wie sehr sticht das Verhalten Leopolds von dem Ihrigen ab! Hat er doch, ich schäme mich nicht es einzugestehen, bi» jetzt, ganz von der Frau in Anspruch genommen, von welcher wir soeben sprachen» noch keinen Augenblick daran gedacht, seinen Vater wieder aufzufinden I"
Während vas junge Mädchen so sprach, kamen ihr die Thränen in die Augen.
„Die Handlungsweise Ihres Cousins geht Ihnen also sehr zu Herzen, Made- moiselle?" frug der Künstler mit bewegter Stimme.
„Oh nein; aber er hat mich in vieler Hinsicht so grausam getäuscht; als ich noch klein war, liebte ich ihn, denn in dem Augenblicke, wo er aus dem väterlichen Hause weichen mußte, hat er mir diesen kleinen Ring gegeben, und ich habe ihn zehn Jahre lang zur Erinnerung an ihn getragen. — Und nun achtet er gar nicht einmal auf denselben — deshalb null ich ihn auch nicht länger am Finger tragen." —
Damit zog sie ihn vom Finger und warf ihn in einen Bach, der am Wege vorbeifloß, auf welchem sie wandelten. (Forts, folgt.)