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Jfulbarr

Freitag, den 13. Februar 1881.

Itilung

Die ,Fuldaer Zeitung' erschemt täglich, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda in der Expedition, Canalfiraße Rr. 380, auSwärtS bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda eine Mark und 60 R.-Pfg-, mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mar! und 60 R.-Pfg., ins Haus gebracht 1 Mark 90 Pfg. Die ,illustrirten Sonntagöblätter' der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in'S Haus gebracht 40 Pfg Inserate: Die Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg- bei Wiederholungen 5Oo/o Rabatt.

Privattelegramm derFuldZtg"

?B»rl in, 16. Kbr.,6Nhr, 26 M Ab. Bei Ler Präsidentenwahl des Keichsiags erhielt Graf Ar«im 147St. Derselbe lehnt ab. Zum ersten DireprSfidente« wurde Freiherr zu Kranckrustein mit 149 Stimmen ge­wählt; ;«m zweiten Dirrpräfidentrn Acker­mann mit 172 St.

O Der Westfälische Bauernverein.

(Aus dem,Culturkämpfer' v.OttoGlagau) (Fortsetzung.)

Am 22. Juni 1871 hielten sämmtliche Bauernvereine eine Generalversammlung zu Münster ab, und entwarfen ein Normal­statut mit Vermeidung jeder politischen An­spielung. Mit den schönsten Hoffnungen waren die Mitglieder nach Hause zurückge­kehrt.— Da überraschte sie ein Sturzbad! Durch Ministerial'Rescript vom 22. Juli 1871 wurden die Bauernvereine zu poli­tischen Vereinen erklärt, und damit gemein­sames Wirken unmöglich gemacht. Um allen Weiterungen vorzubeugen, erklärten sich die Vereine selbst als aufgelöst. Die Staats« regierung aber hatte durch das Verbot gegen ihre Absicht der guten Sache einen großen Dienst erwiesen. Denn die Local-Bauern­vereine lösten sich nur auf, um als ein einziger großer Westfälischer Bauernverein wieder zu erstehen. Die Bildung dieses Einen Bauernvereins ge­schah auf der zahlreich besuchten Bauern­versammlung zu Münster am 30. Novbr. 1871, und dieser Tag ist also der Geburt»- tag des großen Westfälischen Bauernvereins,

Die Heldin des Böse«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)

Im selbigen Augenblick ging Leopold de Vaillantpont an der Wittwe vorbei; er wechselte einige Worte mit ihr und langte kurz darauf allein auf Hacheville an, indem Charles den Künstler bis zu feiner Wohn­ung begleitete.

Während Mielmont mit dem jungen de Savigny dahin ging, sprach er wiederholt von seiner Schwester und frug ihn unter anderem auch, welchen Eindruck Leopold de Vaillantpont auf dieselbe gemacht.

„Offen gesagt," antwortete Charles, „ist sie sehr enttäuscht worden, ebenso wie ich; denn sie hatte mir von ihrem Cousin ein außerordentlich schmeigelhaftes Bild entwor­fen. Uebrigen» hatte der Vorfall mit dem Stier uns unseren letzten Zweifel benom­men. Das ist unbegreiflich, nicht war? Ein Militair, der sich in den Kämpfen aus­gezeichnet hat, handelt derart — flieht feiger Weife und versucht nicht einmal, zwei junge Mädchen aus der drohenden Gefahr zu ret­ten. — Wirklich, ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Aber Sie, ja Sie haben eine herrliche Rolle dabei gespielt, und Laura kann Ihren Namen nicht ohne Bewegung

Der Westfälische Bauernverein hat in wenigen Jahren einen wahrhaft großartigen Aufschwung genommen. Als sich am 30. Nov. 1871 die sämmtlichen Kreis-Bauern- vereine verschmolzen, zählte er 1944 Mit­glieder. Ende 1872 betrug die Mitglieder­zahl 2460, 1873 — 3717, 1874 — 4865, 1875 — 6702, 1876 — 7325, 1877 — 9953, 1878—13,566, 1879— 16,057. Am 4. März 1880 gehörten 18,500 Mit­glieder dem Westfälischen Bauervereine an!

An der Spitze des Vereins steht sein Begründer, Freiherr von Schorlemer-Alst. Dessen Stellvertreter ist der Bauer I. Brenker. Neben beiden fungiren ein Secretair und ein Rendant. Außerdem besieht ein Vor­stand von 61 Mitgliedern, und ein Ausschuß von je einem Vertreter auf 25 Mitglieder. Für dar Caffenwesen sorgt ein Curatorium von 4 Mitgliedern. Der Schwerpunkt der Leitung liegt im Vorstand und Ausschuß, so daß die Genossenschaft nicht etwa von den Vorsitzenden zu politischen oder reli­giösen Zwecken ausgebeutet werden kann. Die Aemter des Vereins sind unbesoldete Ehrenämter; nur der Secretär und der Redacteur des Vereinsorgans erhalten eine Entschädigung.

Die Mitglieder übernehmen keine beson­dere Verpflichtung, aber Jeder, welcher bei­tritt, stellt sich damit auf die Seite Derer, welche den geschlossenen ungetheilten Grund­besitz festhalten wollen. In § 3 e des Statuts wird empfohlen: „Vorsorge für rechtzeitige Errichtung letztwilliger Verfü­gung oder Verträge unter den Lebenden, wodurch die bäuerlichen Güter ungetheilt, mehr nennen, sie bewundert Sie förmlich ; und wird Ihnen auf ewig Dank wissen."— Wenn es nicht so dunkel gewesen wäre, so hätte der junge Mann bemerken können, wie sehr seine Worte den Künstler gerührt hatten. Dieser erwiederte:

„Fräulein Laura ist allzu gütig; ich habe einfach eine Pflicht erfüllt, die unter den- selben Umständen ein jeder Mensch erfüllen mußte. Da wir jetzt an meinem Hause an­gelangt sind, so danke ich Ihnen herzlichst für Ihre liebe Gesellschaft und wünsche Ihnen eine gute Nacht."

„Ich bin Ihnen den gleichen Dank schul­dig," antwortete Charles, „aber vergessen Sie nicht, daß Sie morgen bei uns speisen, meine Mutter rechnet zuversichtlich darauf."

„Es war unnöihig, lieber Freund, mich an dieses Versprechen zu erinnern, das zu erfüllen ich mich glücklich schätzen werde."

„Ja, aber da ist diese schöne Wittwe, welche Allen die Köpfe verdreht, und ich habe gefürchtet, daß auch Sie — —"

„Beruhigen Sie sich; bis morgen."

Während Charles im Dunkel der -Nacht verschwand, trat George» in seine Wohn­ung, zündete sich eine Cigarre an und warf sich träumerisch auf ein Kanapee.

„Der wackere Junge fürchtet," murmelte er, „daß auch Sie" — Er hat die Tragweite

und soweit e» die Landesgesetze, insbeson­dere da» Gesetz vom 4. Juni 1856 er­möglichen, ohne zu schwere Belastung mit Abfindungen auf ein Kind oder einen Ver­wandten übertragen werden." Dieser Pa­ragraph thut dieselben Dienste wie eine dem Verein vorgetragene Fahne, denn da» stolze ungeiheilte Bauerngut, nicht größer und nicht kleiner als das der Väter, ist die Losung. Wenigstens einmal jährlich findet statutengemäß in Münster eine Ge­neralversammlung statt. Es ist interessant zu sehen, wie zahlreich die Mitglieder dann aus allen Gauen der Rothen Erde zu Fuß, zu Pferde und zu Wagen herberkommen; Cavaliere mit vornehmer Haltung unb Bauern im blauen Leinwandkittel, dazwi­schen sogenannte Junkerbauern in Joppe und Kanonenstiefeln; lauter kräftige vier­schrötige Gestalten, lauter Biedermänner, deren Handschlag einen Eid bedeutet. Die VerhaudlmMm-nehmen unter der Leitung des Freiherrn Schorlemer-Alst immer einen äußerst glatten Verlauf; sie tragen den Charakter der Ruhe und der nüchternsten Ueberlegung. Sehr selten bricht die Be­geisterung durch, höchstens bringt ein ur« kräftiger Witz in plattdeutscher Sprache den Westfälischen Bauer aus seiner Ge- müthsruhe, die Phrase vermag nichts über ihn. Nachdenkend sitzt er da, die Hand auf den Eichenbengel gelegt, darauf das Kinn gestützt, und so schaut er zur Red­nerbühne hinüber. In der Debatte ergreift nicht selten ein schlichter Bauer das Wort und sagt seine Meinung frisch von der Leber weg.

; seiner Worte gar nicht gedacht! Aber auch welche Lage! Wirklich, solche Verhältnisse und Verwicklungen findet man kaum in einem Roman. Und welche Rolle spielen die beiden Geschöpfe! — UebrigeS spielen sie dieselbe nicht schlecht. Aber sie, — man sollte glau­ben, sie habe mit dem Satan einen Pact geschlossen — immer die Nämliche I Elend, Krankheit, das Gefängniß, Alles das hat sie binnen zehn Jahren in nichts geändert! Ihre Schönheit, ihre Schlauheit, ihre Kühn­heit — ist noch immer dieselbe, und auch hier ist schon ihre verhängnißvolle Hand iM Spiele. Glücklicherweise bin ich noch da, um ihre Pläne zu vereiteln und sie zu ver­hindern; noch weiter zu gehen. Meine Beo­bachtungen habe ich jetzt angestellt, überall umher gespäht, jetzt werde ich handeln müssen."

Die Baronin de Savigny, welche bi» dahin noch keine Gelegenheit gefunden hatte, Georges Mielmont zu sehen, empfing den Künstler aufs Liebenswürdigste, als er sich am folgenden Tage auf Hacheville einfand. In den schmeichelhaftesten Worten sprach Sie ihm ihren Tank aus für den Dienst, den er ihrer Tochter erwiesen hatte, und gab ihm zu erkennen, daß sie sich stets glück­lich schätzen würde, einen so talentvollen und zugleich liebenswürdigen Mann bei sich zu sehen.