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Donnerstag, den 17. Februar 1881

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* Der Westfälische Bauernverein.

(Aus dem.Culturkämpfer' v.OttoGlagau)

Wenn wir die Deutschen Volksstämme überschauen, so ruht unser Auge auf keinem derselben mit mehr Wohlgefallen als auf dem Sächsischen, welcher zwischen Weser und Rhein seinen Herd gegründet hat. Denn im Gegensätze zu der Unnatur, welche überall sociale Fragen gebiert, finden wir hier ein natürliches und darum gesundes wirthschaftliches und sociales Leben. Der Westfälische Bauer sitzt auf einsamem Ge­höft und waltet wie ein Patriarch über seine Familie, Dienstboten und Heuerleute. Alle essen sich satt, aber auch alle arbeiten, der Bauer nicht ausgeschlossen.

Der Hof ist wie der Eichbaum ein in Jahrhunderten zusammengewachsenes Ganze; gerade groß genug für die darauf lebende Familie. Zersplittert man das westfälische Erbe, so sind auch seine Theile wirtschaft­lich tobt, und der Bauer selbst ist kein Bauer mehr. Deshalb bleibt es, der Re­gel nach, beim Sohn und Enkel, wie es beim Vater und Großvater war, und die jeweilig abgehenden Geschwister sind e» nicht nur zufrieden, sondern haben selbst den Wunsch, daß es so bleibe. Ihr Erb« theil ist nicht größer, als der Hof gut lei­den kann, um in der hergebrachten Ver­fassung zu bleiben. Selbst der Name des Hofes bleibt durch Jahrhunderte derselbe. Besitz und Familie gehören hier zusammen, wie Leib und Seele. Der Uebergang des Hofes an fremdes Blut erscheint dem ech- ten Westfälischen Bauer gar als ein Ein- griff in die natürliche Ordnung und als

Die Heldirr des Böse«.

Rach dem Franzdstschen von I. RüttgerS. (Fortsetzung.)

„Oh," sagte Leopold so gleichgiltig als ihm möglich war, „so weit habe ich in der That gar nicht gedacht. Man ist immer ohne Furcht, wenn man sich ohne, Tadel - weiß."

„Wie der Ritter Bayard," sagte der Ba- ron de Lossange lachend. „Uebrigens sehe ich wirklich gar nicht ein, wozu diese Un- terhaltung führen soll. Gerade diese» Ge­biet ist ein so weite», daß Sie doch schwer­lich heute damit zu Ende kommen würden. Ich nieinerseitS kann dem, was ich Ihnen bereits in dieser Beziehung gesagt habe, noch beifügen, daß ich einen Bruder gehabt habe — vor vielen Jahren ist er gestorben — der das leibhaftige Ebenbild des berühm­ten Mörder» Lacenaire war. Uebrigens spielt bei derartigen Sachen die Einbil­dungskraft eine große Rolle."

„Lacenaire!" sagte Madame dWlneux. . „Neulich las ich den Bericht über" seinen s Proceß. Ein wirklich unergründbares In- | dividuum, dieser Mensch, der zu gleicher < Zeit Verse machte und dabei alte Frauen! ermordete, um sie zu bestehlen!"

,,E« scheint, daß Sie für solche Crimi- l

ein großes Unglück. Selbstbesitz und Selbst« wirtschaft ist das Ideal des Westfälischen Bauern. Der traditionelle Widerstand ge­gen jede Veräußerung hat bewirkt, daß in Westfalen nur selten Schulden aus Erb« gelvern oder rückständigen Kaufgeldern auf­laufen konnten.

Run wird der Leser vielleicht denken, solch classisches Bauerntum sei auch in Westfalen gewiß nur zerstreut vorhanden, etwa in den von den Adern des Verkehrs entfernten Gegenden. Weit gefehlt! Der Bauer hat in Westfalen zwei Drittel der ganzen Grundfläche inne; der Häusler, Pächter und Eoelmann befinden sich hier in der Minderheit. Die Provinz zählt an 36,000 Colonate. Manches Colonat um­faßt 1000 Morgen, während es schon Rittergüter von 600 Morgen gibt. Bauern, ganze Bauern, freie Bauern, feste Existen­zen, welche die Hauptquelle der Volkskraft bilden, gibt es wohl nirgends in so großer Zahl, als in Westfalen.

Was die Seiten seit Tacitus nicht zu verderben vermocht haben, das droht un- sere grundstürzende Aera zu vernichten. Sie kennzeichnet sich als die Feindin aller historischen Stetigkeit. Die Abtösung vom Grundherrn, welche das Jahr 1848 mit sich brachte, so vortheilhaft sie in vieler Hinsicht ist, ermöglichte doch die unbe­schränkte Veräußerung, Theilung und Ver­schuldung des bäuerlichen Grundbesitzes. Das Römische Recht zwingt, falls kein Testament vorliegt, zur Theilung des Grund­besitzes in soviel gleiche Theile, als Erben vorhanden sind. Die „liberale" Presse, nalgeschichten eine große Vorliebe haben," sagte Charles zu Madame d'Aulneux. „ich habe eine ganze Sammlung derartiger Sachen in Ihrer Bibliothek gesehen."

„Ja, ich meine, daß in solchen Geschich­ten der Roman am deutlichsten seinen Aus­druck findet."

„Wollten Sie uns nicht ein wenig Musik machen?" wandte sich Baron de Lossange an die Gouvernante. „Das würde uns in eine andere, weit angenehmere Welt ver­setzen, als die Welt der Räuber und Mörder."

„Ich muß gestehen," sagte der Maler, „daß ich eigentlich an dieser Unterhaltung schuld bm! ich habe sie begonnen und muß darum die ganze Gesellschaft um Verzeihung bitten." i

Die Unterhaltung der beiden Herrn war \ damit zu Ende; Madame d'Aulneux hatte j sich an's Piano gesetzt. Nachdem sie ein j Stück gespielt, blieb sie noch einige Augen- 5 blicke in träumerische Gedanken versunken an dem Instrumente fitzen, während der Baron und der Künstler eine Parthie Dame begannen und Charles und Bertha eine Unterhaltung anknüpften, die sie ganz in ! Anspruch nahm.

Leopold de Vaillantpont, der erklärt hatte er spiele nicht, hatte ein Journal in die Hand genommen, in welchem er einige Zeit

nicht zufrieden damit, die Bauern gegen den Adel aufzuhetzen, wiegelt auch noch die Kinder gegen die Eltern auf, indem sie gegen die „ungerechte Bevorzugung des Anerben" eifert. Sie stellt den Grundbe­sitz als ein Capital hin, während er doch ein Unbewegliches ist» dem nur durch Arbeit ein Ertrag abgewonnen wird; und sie sieht in dem möglichst lebhaften Tausch und Handel in Grunb und Boden lauter „Auf­schwung". Auf dieser Anschauung beruht die neuere Hypothekengesetzgebung. Die Verdrängung des Bauers aus der Natural« wirthschaft, läßt ihn aus einer Geldverle­genheit in die andere gerathen. Der Bauer braucht Credit, und zwar wohlfeilen, weil er wenig verdient, und langen Credit, weil er das Wenige im Jahre nur einmal ver­dient; und er findet heutigen Tag weder das eine noch das andere. Alles Geld fließt den Banken und der Börse zu. Auch in Westfalen fehlt es nicht an Ruinen; die zahlreichen Eintragungen in das Hy­pothekenbuch , die vielen Subhastationen reden laut genug. Schon die Jahre 1865, 1866 und 1867 sahen hier 295 Höfe ver­schwinden.

Angesichts der Gefahr vereinigten sich am 10. Juni 1862 zu Burgsteinfurt 16 Westfälische Bauern zu gegenseitigem Schutze, unter dem Vorsitz des Freiherrn von Schor- lemer-Alst.Am 19 November 1868, gründeten 13 Bauern zu Westerholt im Kreise Reck­linghausen ebenfalls einen Bauernverein. An die Spitze des letzteren trat ein intel­ligenter Bauer, Namens Brenker aus Kirch­hellen bei Dorsten. Eine Annäherung beider las. Dann legte er es plötzlich weg und trat auf die Gouvernante zu.

„Ich muß Sie absolut irgendwo allein sprechen," sagte er mit gedämpfter Stimme.

„Aber weshalb, Herr Baron?" frug Madame dÄulneux mit erheucheltem Er­staunen.

„Wir müssen einander gegenüber durch­aus frei und offen sein. Ich ahne, daß eine Gefahr über Ihrem Haupte schwebt."

„Und Sie?"

„Ich werde mich auch vielleicht in Acht nehmen müssen. Sie sehen, daß ich frei und offen spreche und volles Vertrauen in Sie setze. Dieser Mensch, wer er auch immer sein mag, hat ein Complott ange­zettelt gegen uns Beide, wahrscheinlich we­nigstens, und so müssen wir uns auch ver­einigen zu gemeinsamem Kampfe."

„Wirklich eine sonderbare Sprache in Ihrem Munde, Herr Graf! Was kann die- ser Mensch gegen Sie ausrichten? Und vollends, was vermag er gegen mich? In der That glaube ich, Siebelieben zu scherzen."

„Und Sie," versetzte Leopold in bar« schem Tone, Sie wollen heucheln. Ich weiß ganz genau, daß Sie im Grunde unruhig und verwirrt sind. Es ist ganz sicher, daß dieser sogenannte Maler ihr Portrait besitzt, folglich muß er Sie kennen oder mit Leuten