Dienstag, den 15. Februar 1881.
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Warum treibe« wir Biene«z«chtr
Unter den verschiedenen Beschäftigungen der Menschen ist die Zucht der Bienen eine der interessantesten. Dies beweist schon der Umstand, daß Tausende aus allen Kreisen der Gesellschaft vom einfachen Landmann, dem Handwerker» dem Beamten bis zu den Vornehmsten und den Männern der Wissenschaft sich ihr hingeben, trotzdem die Biene ein stachelbewehrtes Thier ist, dar jeden feindlich anfällt, der unberufen in seinen Haushalt eingreift. Ein unbezwinglicher Hang zieht den Bienenfreund zu diesem nützlichsten aller Jnsecten hin, es zu pflegen, um entweder sich seiner zu freuen und ihm sein geheimnißvolles Treiben abzulau- scheu, oder aber besonders sich seiner herrlichen Provucte, des süßen Rectars und de« goldstrahlenden Wachses zu bemächtigen. In all diesem sehen wir einen be- wunderungswerthen Zug des allweisen Lenkers der Welt, die verschiedenartigsten Schätze der Natur für uns aufzuschließen und des Menschen Anlagen auszunutzen.
Schm wir ab davon, daß der Naturfreund wie der Mann der Wissenschaft hauptsächlich Bienenzucht des Vergnügens wegen treiben, so ist doch der Nutzen, den uns die Bienen gewähren, noch ein so vielseitiger, daß es dieserhalb schon für jeden wahrhaften Volksfrcund geboten scheint, der Ausbreitung diese» landwirthschaftlichen Cul- turzweigeö seine Hand zu leihen.
Der Hauptnutzen der Bienen besteht in ihren Erzeugnissen, Honig und Wachs. Wie viele tausend Gentner Honig theils
l al» Zuspeise, theils zur Bereithung an Ho- j nigwein, vom Kuchenbäcker, in der Medicin, j Chirurgie und Thierarzneikunde verbraucht werden, entzieht sich fast der Berechnung. In der Schweiz, in Italien und Frankreich ist der Honig ganz besonders geschätzt, dort darf er beim Morgenkaffee nicht fehlen. Paris allein verbraucht alljährlich über 100,000 Ctr. Honig. Aber auch in Deutschland ist der Honigverbrauch ein un- geheuerer, die Nachfrage nach bester Waare nimmt in guten wie schlechten Honigjahren stetig zu. Ebenso gehts mit dem Wachs, welches int Haushalt wie in der Pharmazie, in der Plastik und Malerei reiche Verwendung findet.
Trotzdem aber unser gesegnetes Vaterland Honig wie Wachs massenhaft erzeugt, wird stetig in guten wie in schlechten Erntejahren noch ein großes Quantum aus überseeischen Ländern eingeführt: So ist statistisch nachgewiesen, daß in den letzten 10 Jahren vom Auslande bezogen sind:
An Honig für mehr als 21,000,000 Mk.
„ Wachs „ „ „ 18.000,000 „ .
Also durchschnittlich senden wir Deutschen alljährlich fast 4,000,000 Mark ins Aus- land, um eine Waare zu beziehen, die als ungehobener Schatz bei uns selbst nur darauf wartet, daß wir uns bücken, um ihn aufzuheben.
Denn das kann nicht geleugnet werden, die Bienenzucht in Deutschland könnte einen weit größeren Umfang haben, als die» jetzt der Fall ist, und dazu ist nöthig, daß zu ihrer Verbreitung jeder wahre Volksfreund beiträgt, besonders aber dadurch, daß er
Die Heldin des Bösen, se
Nach dem Französischen von I. RüttgerS.
., (Fortsetzung.)
Während Bertha diese fast kindlichen Worte an Melmont richtete, schien dieser nicht weniger in Gedanken versunken zu sein als Laura und war beiseite getreten, als ob er fürchte, angeredet zu werden.
Ein Ausruf des Erstaunens, welchen ihre Freundin ausstieß, schien Laura au» ihrem Sinnen zu wecken.
„Laura. Laura," rief Bertha, „komm' doch einmal her und sieh', wie sie es ist, wie e» so ähnlich ist!"
Laura war zu Bertha herangetreten, welche mit dem Finger auf eines der Albumblätter zeigte, auf welchem ein Frauenkopf gezeichnet war.
Auch Charles war näher getreten.
„Wie, Herr Mielmont," sagte er bann, „Sie kennen sie also? Ohl Sie bereiten uns aber auch eme Ueberraschung nach der andernl"
„Von wem sprechen Sie?" frug der Künstler mit zitternder Stimme.
„Nun^E Püllürre
sellschaftsdame meiner Mutter, deren hübsche» Gesicht und einschmeichelnden Zügen Sie so bewunderungswürdig wtedergegeben haben. — Nur hat sie hier noch ein etwas jugendliche» Aussehen, da» sie jetzt wohl etwa» verloren hat."
Staunend blickte Laura auf Mielmont, der bleich geworden war und nur mit Mühe die Worte hervorbringen konnte.
„Ich kenne keine Dame de» Namens, den Sie da aussprechen, und die Person, welche die Zeichnung darstellt, ist nicht mehr unter den Lebenden."
War seit ihrer Rettung vorgefallen war» hatte Laura eine Art Schwindel verursacht; die Gegenstände schienen ihr vor den Augen zu.tanzen; sie fühlte sich unwohl und empfand da» Bedürfniß nach Luft und Bewegung.
„Ich glaube," murmelte sie, „daß es hohe Zeit ist, daß wir gehen. Ich für meinen Theil bin wieder ganz hergestellt, und ich fürchte auch, daß meine Mutter besorgt wird. Noch einmal empfangen Sie, Herr Mielmont, den Ausdruck unseres herz- lichsten Dankes und unserer größten Erkenntlichkeit."
Der Einsiedler der FLcherolle verneigte sich, ohne ein Wort zu sagen, und geleitete seine Gäste bis auf den Weg, der zum Schlosse führte.
Als sie sich entfernt hatten, sank er wie leblos auf eine Bank.
„Ist e« möglich, ist e» möglich," rief er ein über das andere Mal au»; „soll sich die elende Abenteuerin wirklich hier im Lande befinden, und dazu nur wenige
einer wahrhaft vernünftigen Betriebsmethode die Wege bahnt.
Gewährt nun die Biene in erste Reihe durch ihre Producte, Honig und Wachs, einen ganz enormen Nutzen, so muß doch der, den sie indirekt durch Befruchtung der Blüthen hervorbringt, nicht minder hoch, wahrscheinlich noch höher angeschlagen werden. Die Netzflügler, und unter ihnen ganz besonder» die Bienen, bedürfen nämlich zum Aufbau des Wachsgebäudes wie zur Ernährung der Brut einer ungeheuren Menge von Pollen oder Blumenstaub, den ihnen das ausgedehnte Blüthenmeer der Felder und Fluren bietet. Indern die Bienen unausgesetzt vorn frühen Morgen 6t« zum späten Abende nach Honig fliegen und die Blüthenkelche besteigen, heben sie gleichzeitig durch ihren behaarten Körper sowohl, al- besonders mittels des Hinteren Fußpaares den Blüthenstaub auf und tragen ihn mit dem Honig zugleich in ihre Wohnung. Da nun eine Biene wohl 10—20 Blüthen besteigen muß, ehe sie ihre volle Ladung hat, so überträgt sie nicht nur den Pollen von einer Blülhe auf die andere und bewirkt so eine viel sichere und vollkommenere Befruchtung, sondern diese wird bei einigen Pflanzenarten, wie z. B. den zweihäusigen, geradezu erst ermöglicht.
Dies ist durch wiederholte Versuche von berühmten Naturforschern zur Evidenz erwiesen. Darwin bedeckte mit einem stra- rninähnlichen Stoffe 12 weiße Kleesträucher so, daß sie weder von Bienen, noch von sonstigen Insekten beflogen werden konnten. Während nun die umstehenden Kleesträucher Schritte von mir entfernt? Aber nein' sie werden sich getäuscht haben. Nun, der morgige Tag soll nicht verloren gehen, ohne daß ich Gewißheit erlangt habe." —
XXIX.
Madame d' Aulneux hatte endlich ihre Thätigkeit al» Erzieherin Berthas begonnen, und Alles schien darauf hinzudeuten, daß sie sich auf dem Schlosse des Herrn de Lossange ganz glücklich fühlen würde — trotz der Ungelehrigkeit ihrer Schülerin, auf die sie sich freilich schon im Voraus gefaßt gemacht hatte, denn sie besaß eine ziemliche Portion Philosophie, die liebenswürdige Wittwe! Zudem zeigte sich der Baron ihr gegenüber so sehr zuvorkommend, und dann würden, so sagte sie sich, die zahlreichen Besuche, welche er empfangen würde, ihr im reichen Maße Gelegenheit bieten, ihre Fähigkeiten zur Geltung zu bringen und ihre Reize zu entfalten.
Seitdem der Herr de Loffange von der Rückkehr de« Baron de Vaillantpont gehört hatte, erwartete er, als alter Freund feines Vater», jeden Tag dessen Besuch. Aber ein Tag nach dem anderen verfloß, ohne daß er kam; er wußte nicht was er von diesem auffallenden Benehmen denken sollte, als er ihm zufällig in Begleitung von Charles de Savigny auf einer Promenade begegnete