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Sonntag, den 13. Februar 1881.

Fuldaer WW Jeitung.

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Z Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Es geht lustig und heiter zu in der Welt, deshalb dürfen auch wir lustig und guter Dinge fein, — augenblicklich führt ja Prinz Carneval feine Pritsche, v. Ben­nigsen und v. Ludwig (beide sind „von" und der Eine nennt den Andern trotzdem nicht satisfactionsfähig l) hatten ein un­blutiges Duell; ein großartiges Schauspiel! Da Ludwig nicht gegen die Gründer reden darf, schreibt er seine Rede; — der Gründer- Bennigsen fordert zum Duell und Ludwig lehnt ab; jetzt fordert Ludwig, und Ben­nigsen lehnt ab, — der Eine betrachtet den Andern als tobt, und Jeder lebt lustig weiter. Es wäre aber auch jammerschade gewesen, wenn Hr. v. Bennigsen ä la Lassalle gefallen wäre; wer hätte dann in Zukunst Compromiffe schließen und den Haß der Protestanten gegen die Katho­liken schüren sollen? Hr. v. Ludwig ist manchmal etwas derb in seinen Ausfällen, aber ich habe doch Freude an dem muthigen Manne, der es wagt, mit fester Faust in das Horniffen-Nest der Gründer zu greifen. Mundtodt kann man ihn machen, aber man läßt ihn doch nicht wie den Senator Baudri-d'Ässon in Paris und die irischen Abgeordneten in London mit Bütteln aus dem Parlament herauswerfen. Vielleicht kommt"« aber noch. Na, Bennigsen bekommt sein nationalliberal - freiconservatives Fest­mahl, und dann kann er ja allen Aerger und alle Gründersünden hinabschlucken. Hof­fentlich wird es auf dem „Sühne - Esten" an schwungvollen Toasten nicht fehlen und

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Die Heldin des Böse«.

Rach dem Französischen von I. RüttgerS.

(Fortsetzung.)

„Ja," antwortete Laura, „ich fühle mich in der Thal nicht wohl, wa« mich anlangt. Jndeß sind wir noch mehr als eine halbe Meile von Hacheville entfernt und ich fühle einen glühenden Durst."

„Setzt euch in den Schatten dieser Hecke," sagte Charles, „ich will Euch einen Wagen holen."

„Wir befinden uns nur zehn Minuten von der Fecherolle entfernt," meinte Geor­ges Mielmont; „wenn die Damen es viel- leicht nicht verschmähten, eine arme Künst- lerwohnung zu betreten, so würde ich mich glücklich schätzen, Ihnen meine Gastfreund- schäft und einige Erfrischungen anbieten zu können, bis Sie wieder im Stande sein würden, das Schloß zu erreichen."

„Wir nehmen Ihr freundliches Anerbie­ten um so lieber an," ^aate Laurg. sich, ver­neigend, „als wir auf diese Weise mehr Muße haben, Ihnen unseren Dank abzu­statten."

Der Künstler bot Fräulein de Savigny ! seinen Arm, welchen sie ungesäumt nahm. Hatte er ihr nicht da« Leben gerettet ? Bertha i

ein Gründer den andern im Strahlen­glanze der Unschuld aufmarschiren lasten.

Lustig geht'« zu, — denn wer lacht nicht, wenn v. Eynern über Gesellenvereine spricht, die ihm so fremd sind, wie einem Wup- perthäler Seidenweber die Nationalöko­nomie Mills, oder wenn der Abg. Holtze behauptet, der Klerus in Schlesien habe die socialdemokratische Agitation besorgt? Widersprüche reizen ja die Lachmuskeln und kitzeln das Zwergfell; oder ist es mehr traurig als lächerlich, wenn zwei Herren, die katholisch sind, in Neuß nicht als Bei. geordnete bestätigt werden, und ein prote­stantischer Freimaurer dafür würdig erach­tet wird? Ja, ja, da liegt Tendenz und Consequenz drin, und damit reimt sich auch, daß in Schlesien so viele protestantische Herren Jnspectoren katholischer Schulen sind; da« paßt zwar auch dem Cultusmi- nister nicht, wie er sagt, aber wir wollen einmal abwarten, was er thun wird.

Am lustigsten geht"« in Luxemburg zu, wo die Abschaffung de« stehenden Heeres beschloffen wurde; aber traurig ist es, daß man zugleich den Schulkampf entfacht hat und nach dem Vorbild großer Nachbar­staaten confessionslose Schulen einführen will. Hinter Preußen, Frankreich und Bel­gien darf da« gewaltige Luxemburg doch in der Cultur nicht zurückstehen!

Im Namen der Cultur hat Rußland Geok Tepe erstürmt; im Namen der Cul­tur schickt England seine Truppen au« Indien nach dem Transvaallande; int Na­men der Cultur werden die Iren unter Zwangsgesetze gestellt und die Vertheidiger nahm denjenigen Charles", und alle vier gingen auf die Fächerolle zu.

Das Anerbieten Georges Mielmont's war den beiden jungen Mädchen doppelt will­kommen gewesen, denn so bot sich ihnen die schon so lange ersehnte Gelegenheit dar, ein Künstler - Heiligthum betreten zu dürfen — ein Künstler war für sie ein geheimniß- volles Wesen.

Die Haushälterin des Einsiedlers, die Mutter Borsu, stand gerade am Eingänge der bescheidenen Wohnung, und war nicht wenig erstaunt, als sie die beiden hübschen Mädchen und den schönen jungen Mann erblickte; denn ihr Häuschen war sonst nicht gewohnt, Gäste zu beherbergen.

Der Gastgeber bat seinen Besuch um Verzeihung für die Unordnung, welche in der Einsiedelei herrsche, und führte sie bann in ein Gemach, welches ihm als Salon, als Atelier unb als Stubiencabinet diente.

Die beiden jungen Mädchen nahmen Platz, indem sie, mit der größten Neugierde um sich her blickten.

Alsbald begann die vorwitzige Bertha Alles zu durchstöbern, mit einer Ungenirt- heit, die bewies, daß sie in der That eine Erzieherin nöthig hatte, die ihr die ersten Grundsätze von Wohlgezogenheit beibrächte, die ihr offenbar noch fehlten. Ihre Karne«

der irischen Rechte an die Luft gesetzt; im Namen der Cultur sollen in Frankreich die Geistlichen Soldat und die Ehen aufgelöst werden, und im Namen der Cultur wurde der Jesuitenpater Gilliet in der Republik Guatemala erschossen. . . . Geht's nicht lustig und heiter zu in der Welt, und da will man es in der gegenwärtigen Zeit den Faschingsnarren verübeln, wenn sie sich über die Dummheiten und Bosheiten der Mitmenschen lustig machen? Meiner An­sicht nach sitzen die Narren nicht in den Carnevalssitzungen, sondern draußen in der Welt, und deshalb hat auch Göthe Recht, wenn er sagt: Tie ganze Welt ist ein Narrenhaus l Hier will man die Leute mit neuen Steuern glücklich machen; dort mit Feuer und Schwert civilisiren; dort in re­ligionslosen Schulen Kinder zu braven und gesitteten Menschen erziehen, und über­all soll die Niederhaltung der Kirche als die Morgenröthe der Freiheit und einer bessern Zukunft gelten. Ist das nicht wirk­lich ein lustiger Carneval? . . .

Deutsches Reich.

* Berlin, 11. Frbr. Die Reise der englischen Botschafters bei der Pforte Go­schen nach Berlin und Wien, welche der­selbe in den letzten Tagen unternommen, hat, wie jetzt einstimmig versichert wird, den Zweck gehabt, dem Fürsten Bismarck die Führerschaft in Betreff der türkischen Angelegenheiten zu übertragen. Fürst Bis­marck hat den englischen Antrag unter der Bedingung angenommen, daß auch die übri, gen Mächte damit einverstanden seien. Da, rabin gab ihr zwar mehreremal verstohlen ein Zeichen, aber sie achtete nicht barauf.

Nahe am Fenster stanb ein Gestell, auf welchem sich ein ziemlich großes Gemälbe befanb, das mit einem dünnen schwarzen Tuche verhängt war.

„Herr Mielmont," bat Fräulein be Los­sange, „darf ia# einmal sehen?"

Anstatt bie Antwort abzuwarten, hob sie ohne Weitere» ben Schleier auf, während der Maler auf sie zustürzte, wie um sie ba­rmt zu hindern.

Aber er kam zu spät — Bertha hielt bas Tuch bereit« in bet Hanb.

„Ah, wie schön!" sagte sie. Unb Sie haben bas gemacht! Komm' boch, Laura, unb berounbere einmal biefe« schöne Ge­mälbe."

Der Frembe schien in ber äußersten Ver­legenheit zu sein unb er wollte Laura zu­vorkommen, um sie zu hinbern, näher zu treten. Aber wiederum war e« zu spät: Fräulein de Savigny hatte da« Gemälde gesehen; Sogleich wich sie einen Schritt zurück, einen leisen Schrei ausstoßend, und warf dem Künstler einen fragenden Blick zu.

Das Gemälde vor dem sie stanb, war in ber That sehr geeignet, bei ihr bie größte Verwunberung zu erregen.