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Sonnabend, den 12. Februar 1881.

Fuldaer

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& Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Man mag sogen, wo» man will, — so­bald der „Säcularmann" Bismarck in der Volksvertretung erscheint und spricht, oder wenn er nur zu Hause hinter dem Bierkrug seine Ideen auskramt, dann geht es wie ein Nordlicht über den politischen Himmel; alle recken die Hälse und spitzen die Ohren, zu lauschen der Weisheit, so da fließet über die durchlauchtigen Lippen. Es läßt sich gewiß nicht behaupten, daß es der Politik an interessanten und pikanten Stoffen fehle; aber wenn „Er sich herab- läßt, zu seinen Gästen oder zu den Boten des Landes zu reden, dann geräth Alles in Bewegung, die Finger der Stenographen und Telegraphisten, die Köpfe, Zungen und Federn der Politiker, und Alle nagen und knagen an dem fetten Knochen, — mit und ohne Verstand. Ich freue mich stets, wenn derartiges „los" ist, weil ich dann aus einer ganz anderen Tonart schreiben und etwas mehr Humor und Schalkheit in die Feder legen darf, als wenn Centrums, anträge abgelehnt werben und über die ernstesten Dinge zu berichten ist. Und so will ich denn heute, — zumal auch die im Abnehmen begriffene Nervösität Bismarck's die Furcht vor lithographirten Straffor- mularen mildert, — meinem heiteren Na- turell die Zügel schießen lassen und einen nicht so gar ernsten Ton anschlagen, wie in den letzten Wochen.

E» geht doch Nichts über unseren Bis­marck, denn er mißt sechs Fuß und einige Zoll, und selbst katholischen Lesern gegen-

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Die Heldin des Böse«.

Rach dem Französischen von I. RüttgerS.

(Fortsetzung.) xxvin.

Am folgenden Morgen sollte Madame dÄulneux Hacheville verlassen, um 'sich zu Herrn de Lossange zu begeben, wo sie, wie wir wissen, die Erzieherstelle bei seiner Toch- ter übernehmen sollte. Madame de Savigny war in heller Verzweiflung darüber, daß sie i ihre Freundin verlieren sollte, und grollte \ unaufhörlich ihrer Tochter, die an ihrem j Weggange die Schuld trug.

Da dar junge Mädchen der Abschieds­scene ausweichen wollte, so beschloß sie, einen Spaziergang zu machen.

Einige Schritte vom Schlosse begegnete sie Bertha, die, wie sie sagte, den letzten Tag ihrer Freiheit bei ihrer Freundin zu­bringen wollte, wobei sie ihrem Grolle gegen die neue Erzieherin vollen Lauf ließ und sie mit wenig schm-jchx-hLfkw Bezeichnungen Mhrte — daß Madame dÄulneux an ihr eine gelehrige folgsame Schülerin haben würde, war hienach nicht vorauszusehen.

Mitten im Laufe des Gespräche« sahen die beiden Mädchen Leopold de Vatllantpont auf sie zukommen, welcher nachdem er Bertha ;

über muß ich auf der Größe Bismarck'« bestehen und erklären, daß Windthorst Hei­ner ist, als er. Auch erkenne ich die Größe des allgewaltigen Kanzlers um so neidloser an, wenn ich gewahre, daß er sich bessert; erstens haben seine Nerven sich beruhigt, weil er nicht fortlief, als Richter* sprach; zweitens ist er das Kriselfieber los, weil er (selbst am 1. April) nicht mehr kriseln, sondern so lange auf seinem Posten bleiben will, als der Kaiser zufrieden mit ihm ist; drittens hat er seinen Feinden verzie­hen, denn er verbeugte sich vor seinem „Richter" und rief „Bravo", als dieser gegen das Schulgeld sprach; viertens ist er au» seiner Verborgenheit und wieder unter Menschen getreten, und fünften» hat er uns einen langen Frieden verheißen, trotzdem Moltke meint, „der ewige Friede sei kein schöner Traum und der Krieg ein Element der von Gott eingesetzten Ord­nung, da er die edelsten Tugenden des Menschen entwickle, und ohne Krieg würde die Welt in Fäulniß gerathen und im Materialismus untergehen." Wir sehen also, daß Bismarck sich körperlich und gei­stig gebessert hat, und diese Besserung hat rückwirkende Kraft auf das ganze Land, denn wenn Bismark keine Kriege für nö- thig hält, dann führt Moltke sie nicht aus, und sollte der Fürst in allen seinen An­sichten genesen, dann wird auch das Land gesund. Er hat den besten Willen, Preu­ßen-Deutschland glücklich zu machen; einst­weilen ist der Volkwirthschaftsrath fein Stab und Tabaksblutstropfen sind das Heilelixir; sollte der große Mann aber mit der Zeit vorgestellt war, sie fragte, wohin ihr Weg , sie führe.

„Oh, nirgendwohin," antwortete Laura „wir machen nur einen kleinen Spaziergang, um uns ein wenig zu zerstreuen und frische Luft zu schöpfen."

„Ganz genau so wie ich," versetzte der Graf.

Dann setzte er seinen Weg an der Seite der beiden Mädchen fort.

„Ihr habt gestern den Besuch de» Herrn George» Mielmont empfangen?" frug Laura ihre Freundin. „Kennt ihn Herr de Los­sange vielleicht?"

„Mein Vater sah ihn mit dem Malen einer Landschaft beschäftigt; da er selbst aber ein großer Kunstliebhaber ist, so hat er sich mit ihm in ein Gespräch eingelassen und in ihm einen liebenswürdigen Kunst­freund gefunden. In der Folge lud er ihn ein, die zahlreichen Gemälde besichtigen zu kommen, die wir besitzen; aber unglück­licher Weise war ich gerade nicht zu Hause, so daß ich über den Einsiedler der Föcherolle nichts sagen kann."

Während ihre Freundin sprach, hatte Laura ihren Cousin genau beobachtet und sogleich auf seinem Gesichte den Ausdruck der Unruhe und der üblen Laune wahrge- nommen.

, zu der Einsicht kommen, daß der Friede i mit der Kirche noch höher zu veranschlagen i ist, als die Schröpfköpfe und Aderlässe am Tabak, als Jnnungs- und Unfallgesetz, dann wird er das Ziel, von dem er ab­irrte, zweifellos erreichen. Ich freue mich aufrichtig, daß die „Todmüdigkeit" des Kauz- lers dem Entschlüsse gewichen ist, auf der Bresche auszuharren, denn ich meine, daß er die Suppen, die er eigebrockt hat, auch auseffen muß; und kämen andere an seine Stelle, die weniger groß und genial sind, die wirrden wahrscheinlich mehr verderben als gut machen. Man muß Bismarck mit einer anderen Elle messen, als die übrigen Menschen; sägt er ,. B. am 1. Februar, er habe im Parlament mit „Flegeleien" zu kämpfen und wolle sich mit „Klopf­fechtern" nicht mehr herumschlagen, und wirft am 4. Februar diesen Klopffechtern Kußhändchen zu, so ist das eben unbere­chenbare Genialität; sprechen und handeln andere Menschen so, dann--doch ich

will Nichts sagen, denn ich traue den Ner­ven doch noch so recht nicht.

Bismarck hat gesprochen, zu Hause bei sich und im Hause der Abgeordneten; aber was hat er denn eigentlich gesagt? Hinter den Bierkrügen hat er mit den Volkswirth- schaftsräthen, unter denen sich auch zwei ganze Katholiken befinden, geliebäugelt und ihnen außer freier Eisenbahnfahrt auch die Zusicherung gegeben, daß sie nur anklopfen möchten; solch' edle Herren werben keine Bitte abschlagen. Und im Abgeordneten- hause hat er außer ber Erklärung, daß er bleibe und nicht wanke und daß es sobald

In diesem Augenblicke waren sie vor einer großen weiten, mit einem hölzernen Zaun umgebenen Wiese angekommen, auf welcher einige Thiere ruhig weideten.

Plötzlich ließ sich ein große« Geräusch vernehmen. Bertha wandte sich um und sah, wie ein gewaltiger Stier den Zaun durchbrochen hatte und mit gesenktem Kopfe und fürchterlich brüllend auf sie zustürmte.

„Herr Graf, Herr Graf, sehen Sie dort!" rief Bertha, aus das wüthende Thier zeigend.

„Ihr rothes Tuch hat ihn wüthend ge­macht", sagte Leopold, „wir find verloren, wenn wir hier stehen bleiben, rette sich, wer kann!"

Bei diesen Worten nahm der Gras eilend« Reißaus, ohne sich weiter um die beiden jungen Mädchen zu kümmern, die sich mehr todt wie lebendig aneinander schmiegten.

Der Schrecken hatte sie vollständig außer Fassung gebracht, so daß sie sich nicht von der Stelle rührten, obwohl die Gefahr jeden Augenblick immer größer wurde.

Das wüthende Thier kam immer näher; noch einige Augenblicke und sie mußten un­rettbar verloren fein, al» sich plötzlich in der Nähe hastige Schritte vet nehmen ließen.

„Fürchten Sie nichts, meine Damen," hörten sie eine Stimme rufen.