Freitag, den LI. Februar 1881.
Fuldaer fll Jeitung.
. . _ 'Fuldaer 3"tung «schemt tüglech, Sonn- und Feiertage ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda m^dUwn^Canalstraße Nr.380, auswärts beiden Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementspreis beträgt ausschließlich Bringerlohn in Fulda'eine Markund T1 ^'"8"lohn l M. 70 Pb, auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgeholt 1 Mark und 50 R.-Pfg., ins Haus gebracht I Mark 90 Pfg.
D,e ,illustrrrten Sonntagsblätter der Fuldaer Zeitmig kosten vierteljährlich in Fulda 20 Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in s Haus gebracht 40 Pfg ________________________________Jns-rate- Die Petit,e,le oder deren Raum 10 Pfg-, bei Wiederholungen 50°/, Rabatt. VTS
Deutsches Reich
0?0. Berlin, 9. Febr. Auf der T.. O. der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses stand die Fortsetzung der Bera- thung des Gesetzentwurfs über die Abänderung der Kreisordnung in den alten Provinzen. — Eine eingehende Discussion entspann sich bei § 74, wonach der Land- rath vom König ernannt wird, die Kreisversammlung jedoch befugt ist. für die Be- setzung eines erledigten Landrathsamts aus der Zahl der Grundbesitzer und der Amtsvorsteher des Kreises geeignete Personen in Vorschlag zu bringen. Die Commission schlägt vor, diesen §, der nach der Reg.- Vorlage keine Veränderung erfahren solle, dahin abzuändern, daß der Kreistag zum Vorschlag befugt ist, und zur Bekleidung einer Landrathsstellung diejenigen Personen geeignet sein sollen, welche die Befähigung zum höheren Verwaltungs- oder Justizdienst erlangt haben; die vom Kreistag vorgeschlagenen Personen sind auch dann als geeignet zu betrachten, wenn sie seit mindestens einem Jahre dem Kreise durch Grundbesitz oder Wohnsitz angehören und zugleich mindestens vier Jahre entweder in der Justiz oder Verwaltung oder in Selbstverwaltungsämtern der Kreise des Bezirks oder der Provinz thätig gewesen sind. Nach einem Anträge des Abg. v. Meyer (ArnSwalde) sollte für die von der Kreisversammlung vorgeschlagenen Personen keine weitere Bedingung gemacht werden, während Abg. v. Heydebrand überhaupt — nicht allein für die vom Kreistage vorgeschlagenen Personen — die Bekleidung von Kreis
ämtern als genügend gelten lassen, also die beiden Examina nicht zur unerläßlichen Bedingung gemacht wissen wollte. Letzterer führte zur Begründung seines Antrages aus, daß die Examina die Befähigung zum Landrathsamte noch lange nicht gäben, und ein solcher Beamter Eingesessener des Kreises sein und mit den von ihm Regierten an einem Strange ziehen müsse. Auch solle sich ein Landrath in selbstständiger Stellung befinden, um nach oben und nach unten hin seine Meinung erfolgreich geltend zu machen. Der Antrag v. Meyer gefährde das ganze Gesetz, sonst wäre er der bessere. Der Commissionsvorschlag stelle die Krone schlechter als die Kreistage, da diesen mehr Freiheit bei der Auswahl der Persönlichkeiten gelassen sei. Diese Behauptung wurde vom Abg. Frhr. v. Huene als eine vollständige Verkehrung der Situation bezeichnet; nur wenn der Kreistag einen Landrath ernennen könnte wie die Krone und nun nach anderen Bedingungen der Eine und der Andere zu wählen hätte, könnte man von einer Besserstellung des Kreistages reden. Mit den Commissionsbedingungen feien alle Erfordernisse gegeben und gewährleistet, die verlangt werden f könnten. Zwar biete die Bekleidung von Kreisämtern an und für sich keine Garantie, aber darum eben solle die Wahl des Kreistages hinzutreten, um als Correctur für eine so weit gehende Bedingung zu dienen. Abg. Frhr. v. Zedlitz wollte es beim Alten lassen, bis die Landrathsfrage auf dem allein richtigen Wege eines besonderen Gesetzes gelöst werden könne. Diesen Versuch ■
gelegentlich einer Emendation der Kreisordnung zu machen, sei bedenklich, zumal das Gesetz zum ersten April fertig sein müsse, und die Regierung durch neue An« [ träge in eine Zwangslage gebracht würde. ! Abg. Dr. Windthorst hielt eine Verschiebung i der Lösung dieser Frage nicht für wün« k schenswerth; es seien ja auch früher die I Ansichten der Parteien und der Regierung übereinstimmend gewesen und nur seit dem Eintritt des jetzigen Ministers des Innern habe sich eine abweichende Anschauung der ! Regierung geltend gemacht, da er es für | unthunlich gehalten, andere Qualificationen I aufzuflellen für die vom Könige und für die von den Kreistagen Gewählten. Der Landrath müsse regelmäßig ein im Kreise angesessener bedeutender Grundbesitzer sein; leider sei allmälig mehr und mehr das bureaukratische Princip zur Durchführung gekommen. Die volle Durchführung dieser Princips müsse möglichst verhindert werden, wie es die letzten Absätze des Commissionsantrags bezweckten. Die Regierung könne sich am besten durch ein Examen über die Qualifikation eines Candldaten unterrichten, weil es die einzige objective Quelle eines sicheren Urtheils sei. Die Kreise dagegen lernten die innerhalb ihres Bereichs wirkenden genau kennen und diese legten gleichsam durch das Leben das Examen ab, welches einen höheren Werth habe als das am grünen Tisch. Einem solchen vom Kreise erwählten Mann gegenüber sollte die Regierung nur im alleräußersten Falle von dem Rechte der Zurückweisung Gebrauch machen, dadurch werde
Die Heldin des BSse«.
Nach dem FranzSsischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Gespannt war Laura der Entwicklung dieser Scene gefolgt, und es war ihr nicht schwer, den Eindruck zu crrathen, den die schöne Wittwe auf ihren Cousin gemacht hatte.
Sie wunderte sich deshalb auch gar nicht, al» sie sah, wie Leopold Madame dÄulneux einige ganz gewöhnliche Schmeicheleien sagte und verschiedene Fragen an sie richtete, auf welche sie indeß nur sehr einsilbig antwortete.
Die Unterhaltung hatte einige Minuten gedauert, als die Gesellschaftsdame zu ihrem vis-a-vis sagte:
„Ich bUte sehr um Verzeihung, mein Herr, ich muß mich wieder in den Garten begeben, um meine Blumen-Ernte zu vollenden."
Dann entfernte sie sich in wundervollem, gemessenem Schritte, sie, die sonst so leichtfüßig daherhüpft« wie küre Gazelle. *
„Wenn Du uns ein wenig Musik machtest bi» zum Diner?" frug die Baronin ihre Tochter.
„Herzlich gern," antwortete sie, „das heißt, wenn mein Cousin damit einverstanden ist." - j
„Oh, dittte recht sehr, es würde mich unendlich freuen," antwortete Leopold.
Das junge Mädchen setzte sich an's Piano.
Einige Augenblicke schenkte der Graf den herrlichen Klängen des schönen Instrumentes große Aufmerksamkeit; indeß allmählich zeigte er sich sehr zerstreut und wandte unablässig seinen Blick zum Garten, wo Madame dÄulneux auf- und ab wandelte und hier und da eine Blume pflückte.
Laura schützte ein plötzliches Unwohlsein vor, um da» Spiel abbrechen zu können, und verließ den Salon, um sich auf ihr Zimmer zu begeben.
Charles hatte sich schon vorher weggestohlen; es blieben also nur noch Leopold und die alte Dame in dem Salon zurück.
„Man erstickt wirklich hier," meinte Leopold; „allerding» bin ich so sehr an die frische Luft gewöhnt. —"
„Oh, bitte, keine Umstände," versetzte die Baronin, „ergehen Sie sich ein wenig im Garten. Madame dÄulneux, deren verstorbener Gemahl auch Seemann war und ebenfalls Amerika und Afrika durchwandert hat, wird sich glücklich schätzen, mit Ihnen zu plaudern und nähere Bekanntschaft zu machen."
Der Graf bt Vaillantpont beeilte sich, von der Erlaubniß Gebrauch zu machen. <
Aus ihrem Fenster sah Laura, wie die Wittwe und ihr Cousin, nachdem sie sich unter vielen Cermonien begrüßt hatten, lachten und scherzten, als ob'« alte Bekannte seien, und sie zweifelte keinen Augenblick daran, daß das kokette Weib sich alle Mühe gäbe, ihn in ihren Netzen zu fangen.
„Das ist er also," dachte sie, „dieser Leopold, dem ich thörichter Weise so schöne Eigenschaften zuschrieb? Er ist kaum angelangt und denkt schon gar nicht mehr an den verhängnißvollen Tod seines Vaters, er scheut sich nicht, allem Anstande in'» Gesicht zu schlagen und meine Eigenliebe schmählich zu verletzen, indem er sich sogleich an diese anmaßende Person hängt, die, sollte man sagen, ihn gleich bezaubert hat. Daß er in einem Alter von zwanzig Jahren vielleicht von einer listigen, verschlagenen Frau wie diese etwa, sich habe einnehmen und berücken lassen — nun, das kann man streng genommen noch begreifen; aber, daß er auch heute diesen Leichtsinn noch nicht abgelegt hat — das ist schwer zu begreifen, das ist unglaublich! Uebrigen» freut es mich, daß er sogleich bei seiner Ankunft seinen wahren Charakter zu erkennen gibt."
Gleich darauf begann da» Diner; Laura zeigte sich in demfelben Maße ihrem Cousin gegenüber kalt, al» Madame dÄulneux