Mittwoch, den 9. Februar 1881
Jfultatr
®°n"s “nb 8eie«‘a8e ausgenommen. Man abonnirt gegen Vorausbezahlung zu Fulda
©jpeottton, Canalstraße Nr. 380, auswärts bei den Postämtern. Der vierteljährliche Abonnementsvreis beträat ausscblie^licb Brinaerlokn in
60 R--Pf^,mit Bringerlohn 1 M. 70 Pf., auswärts bei »en Postämtern- Beibtt«oftaSStottl Kart
®le 'Eustnrten Sonntagsblätter^ der Fuldaer Zeitung kosten vierteljährlich in Fulda 20Pfg., auswärts am Postschalter 25 Pfg., in's Haus gebracht 40 P^g
_____________________________ Inserate: Die Pet.tzette oder deren Raum 10 Pfg-, bei Wiederholungen 50°/» Rabatt. g°°ra-,r»»Pfg
lästigende Beschränkung des Schnellverkehrs
Bahnen gewöhnlicher Betriebsweise unge- eignete Mittel sind, von den Landstraßen absorbieren (aussaugen.)
Die weitaus meisten Eisenbahnreisen sind nur localer Natur, da die Durchschnittslänge sämmtlicher Eisenbahnreisen noch nicht fünf Meilen beträgt. In Schweden be- trägt sie rund vier Meilen. In keinem Lande beträgt sie über sechs Meilen. Für kleine Localreisen genügt auch eine post« wagenmäßige Fahrgeschwindigkeit, wie sie auf einfachen Dampfschienenwegen statt-
t- Solche Verkehrswege erscheinen
O Verallgemeinerung «ird Reform de- Eisenbahnwesen-.
(Zur Secundärbahnfrage).
(Fortsetzung.)
gemacht werden könnten, würden für Deutschland zwischen 100 und 200 Millionen Mark betragen und, da die meisten Bahnen fiscalisch (staatlich) sind, die Last der Steuerzahler sehr bedeutend erleichtern.
Da in den ersten Jahrzehnten der Eisenbahnära der Personenverkehr größere Erträge abwarf als der Güterverkehr und die Schnellfahrt für weitgehenden Personenverkehr die entsprechendste Form ist, so hat sich .das gesammte Eisenbahnsystem in dieser Richtung entwickelt, wobei sich die große Fahrgeschwindigkeit auch auf den Güterverkehr übertragen hat. Diese Fahrgeschwindigkeit ist zwar nicht so groß wie beim Personenverkehr, aber immerhin eisenbahnmäßig schnell, beträgt pro Stunde vier Meilen und noch darüber. Die Gesamt- Betriebskosten würden bedeutend finken, wenn das Fahrtempo der Güterzüge um circa Zweidrittel, auf Vja Meile pro Stunde herabgesetzt würE Auf bestehenden Bahnen wird dies tMweise schon möglich sein, wenn der Schnellverkehr auf großen Linien beschränkt -Md^Mf Zweiglinien beseitigt wird. GänMyaber wird diese Maßregel erst möglich werden, wenn die Gütertransportmassen sich auf mehr Linien, als jetzt der Fall ist, ver- t heilen.
DieGütertranrportmaffen sind im Laufe der Zeit pro Jahr und Meile um das Fünfzehnfache gewachsen und die Betriebseinnahmen aus dem Güterverkehr betragen, obgleich die Tarife bedeutend billiger geworden sind, circa Zweidrittel der Ge-
Führt man den Begriff einer Eisenbahn auf den eines einfachen Schienenwagens mit Dampfbetrieb zurück, so wird es begreiflich, daß Eisenbahnen auch bei sehr mäßigen und schwachen Verkehrsmaffen resp. Betriebserträgen schon existenzfähig sein und rentiren können, eben weil in diesem Falle der Procentsatz der Be- a triebsausgaben zu den Betriebseinnahmen j findet. (oviujc «errryrswege erfcyeinen ein g ünstiger ist, sodaß, wenn letzere t demnach auch für den meisten Personrn- kletn sind, auch erstere ihnen entsprechen, j verkehr als ausreichend.
Es giebt.auch thatsächlich schlicht betriebene i Zugleich geht hieraus auch hervor, daß kleine Eisenbahnlinien, die bei 10,000 j auf den gewöhnlichen Bahnen die Anzahl Thaler und sogar noch weniger Betriebs- j der schnellfahrenden Personenzüae einnahme pro Jahr und Meile noch Rein- - beschränkt werden darf, wenn in sonstiger "^S°°bwerfm. - Weise den Bedürfniffen des Localverkehrs
Eisenbahnen im eben angegebenen Sinne | durch langsam fahrende Züge Rechnung lassen sich auch bedeutend billiger j getragen wird. Je nachdem die Anzahl Herstellen als Eisenbahnende» gewöhnlichen ; der schnellfahrenden Züge beschränkt wird, BetnebSsttleS. In steinarmen Gegenden sind ! kann die Fahrgeschwindigkeit aller übrigen erstere Bahnen eher billiger als theurer j Züge herabgesetzt werden. Bei der groben als gute steinerne Landstraßen herzustellen. i Meilenzahl (Deutschland zählt über 4000 Wo frequenter Verkehr auf Landstraßen j Meilen Schnellfahrtsbahnen) und bei stattfindet und die SteigungSverhältniffe l den großen Betriebs - Einnahmen und des Terrains nicht sehr schroff sind, da ist ‘ den diesen entsprechenden Betriebsaus- die Herstellung einfacher Schienenwege mit l gaben sind die Ersparnisse, die ? bltr(5 Beschränkung des Schnellver- kehrs gemacht werden können, sehr groß. Auf Zweiglinien könnte der Schnellverkehr auch gänzlich beseitigt werden. Die Er- sparniffe, welche in der Eisenbahnbewegung
Dampfbetriebschon räthsam. Solche Bahnen können, der großen Anzahl von Haltestellen und der M ö g l i ch k e i t wegen, solche Transportgefäße zu befördern, welche sowohl auf Schienenstränge wie auch auf Landstraßen IT.................
und Pflastern fahrbar sind, manche Local- ohne eine das Publicum erheblich be- Personen, und Güterverkehre, für welche ‘ lästigende Beschränkung des Schnellverkehrs
Di- Heldin de- Böse«.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers. (Fortsetzung.)
Als das Diner beendigt war, erhob sich Leopold und sagte, daß er sich nach Arras begeben müsse, um sein Gepäck und seinen Bedienten zu holen, die dort zurückgeblieben seien. Am andern Morgen würde er wiederkommen und Madame de Savigny seine Aufwartung machen, die mit Madame d^Aul- neux nach Hacheville gegangen war.
Als er sich entfernt hatte, sagte Charles zu seiner Schwester:
„Was hatte ich Dir vorher gesagt? Ich hatte nur einige Augenblicke bei seiner Ankunft mit ihm geplaudert, so hatte ich doch — obwohl ich nicht behaupten will, daß ich Herzen und Nieren der Menschen erforschen kann — sogleich in Deinem Bet- ’ ter einen Menschen gefunden, der durch seine Liebenswürdigkeit und feine feine Manieren nicht besonders glänzt. Freilich wenn man Jahre^sMZ- jn den PämpaS und vavan- Men und den Wüsten mit oder ohne Oasen gelebt hat, so ist e» schon leicht zu ver- zeihen, wenn Jemand zum Halbwilden geworden ist."
„Hoffen wir," sagte Laura mit einem Seufzer, „daß seine neue Lebensweise au» -
ihm bald einen neuen Menschen machen ä wird."
Da» junge Mädchen begab sich auf ihr Zimmer, öffnete da» Fenster und blickte in die Landschaft hinaus, die von den letzten Strahlen der niedersinkenden Sonne ver- goldet wurde. Still und ruhig lag da» Schloß mit seiner Umgebung da — träumerische Betrachtung der Herrlichkeiten der Natur. — Sie gedachte der Tage ihrer Kindheit, besonder» jenes Augenblicke», wo sie von Leopold Abschied genommen. — Damals war er noch so liebenswürdig. — So lange Jahre hatte sie sehnsüchtig geharrt und gehofft — und wa» fand sie? Einen kalten düsteren Menschen, der nicht ein einziges Wort hatte für die Vergangenheit, die doch für ihn voll der fiöhlichsten Erinnerungen fein mußte. — Sie hatte — so mußte sie sich sagen — eine grausame Täuschung erfahren — die Thränen traten ihr in die Augen und die ganze Nacht schloß sie dieselben nicht.
XXVII.
Am folgenden Morgen langte Leopold de Vaillantpont auf Barvoisau an, wo Laura und ihr Bruder ihn in der Absicht erwarteten, sich nach Hacheville zu begeben, wie i sie am vorhergehenden Tage verabredet i hatten.
„Ist Deine Mutter von meiner Ankunft benachrichtigt?" fragte er feine Cousine.
„Nein, ich dächte, die Ueberraschung würde ihr noch mehr Freude bereiten."
Man stieg in den Wagen und begab sich auf den Weg.
Charles de Savigny kutschirte.
Laura hatte soeben mit ihrem Vetter eine Unterhaltung angeknüpft, der sich übrigens ebenso schweigsam wie Tags vorher zeigte, als plötzlich der Wagen hielt und die Stimme Charles ertönte.
„Nun, guten Morgen, Herr Mielmont," rief Charles; „ich sehe Sie schon in Betrachtung der schönen Natur versunken, um ihre Herrlichkeiten hernach auf die Leinwand zu fkizziren?"
„Doch nicht," antwortete eine angenehm klingende Stimme, „ich bin auf dem Wege zu Herrn de Lossange, um dort alte Gemälde zu besichtigen." Laura beugte sich über das Wagenfenstee.
Bei ihrer Erscheinung verneigte der Einsiedler der Focherolle sich ehrerbietig.
Leopold de Vaillantpont rührte sich nicht auf feinem Sitze.
„Unsere Begegnung kommt gerade zu gelegener Zeit," hob Charles wieder an, „wir haben unseren Freund und Vetter Leopold bei uns. Hier, Herr Capitain, hier ist der