Sonnabend, den 5. Februar 1881.
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* «»Nttsche Gtreifzüge.
Nachdruck oetbotm.
Da» trübe Bild der jüngsten Zeit; ES war ein wuthentbrannteS Hasten, Ein ekler, häßlich wilder Streit. Hier Fanatismus und dort Schwache, Ein saubre», nettes Brüderpaar l Und wer bezahlt die th-ure Zeche, Wenn einst verödet der Altar? Nicht Worte, — ThrLnen nur bekunden, Was unser Herz so tief bewegt; ES bluten Millionen Wunden, Die uns der Haß, die Schwäche schlügt I Doch nicht verzagen, nur beklagen Des Gegner» Blindheit wollen wir; Rach schweren, trüben KampfeStagen De» Sieges Fahn' entrollen wir l Schreiber, eine« National« liberalen.
Windfahne an Wimpel. Lieber Wimpel! Vor Freude habe ich mich drei« mal um mich selbst gedreht und gekrächzt wie ein Rabe, der in der Schneedecke einen fetten Bissen gefunden. Wir find schön - heraus; unser Weizen blüht, denn Windt« ■ horst ist mit seinem Antrag abgeblitzt, und ' wir dürfen seit langer Zeit wieder 'mal hoffnungsfroh aufathmen. Unser Rudolph ist doch ein Copitalmensch; sogar der halb« schwarze Puttkamer hat ihm die Hand ge« schüttelt, - großartig, fabelhaft! Eigentlich sollte Bennigsen, der zweite Luther, einen Nationaldank von einigen Millionen, oder ein Denkmal, mindestens aber einen goldenen Lorbeerkranz haben, denn die Dankadresse au« Osterode und da« Handschütteln de« Cultu«minister« ist lange nicht genug. Ich bin ganz außer mir vor Freude, daß die Schwarzen Hiebe gekriegt und die Idee vom protestantischen Kaiserthum den Sieg
über den Haß Rom'» davongetragen. Jetzt werden wir nicht mehr an die Wand, sondern an'« Herz de« großen Otto gedrückt; da« clerical-conservative Bündniß ist in Mißkredit gebracht und die liberal-konservative Mehrheit hat mehr Chancen al« je zuvor. Siehst du, hab' ich'« nicht immer gesagt, daß wir schließlich wieder Oberwasser bekommen würden? Bismarck will vom Centrum nicht» mehr wissen, — jetzt find wir, die Nationalliberalen, da» gebildete Biirgerthum, wieder obenauf. Wie muß Falk sich freuen, und mit welch' stol- zen Gefühlen mag Rudolph am 27. Januar au» der R-dnerbühne nach seinem Platze geschritten sein! Vor sich die Leichen de» Centrum«, recht» und link« jubelnde Freunde und au»gestreckte Hände, — ein historischer Frstzug! Wa« sind die römi, schen Feldherrn, die mit Beute beladen, fieggekrönt in Rom cinzogen, gegen unser» Bennigsen? Sie schlugen nur wilde Völ- ker mit Waffengewalt nieder; Bennigsen- Luther aber schlug mit der Keule der Gei- ste» die römische Hydra, den geriebenen Windthorst, die schlangenklugen Ultramontanen nieder! Da» war ein Sieg; davon werden noch die spätesten Zeiten reden! E» war der Sieg de» deutschen Protestan- ti»mu« über den römischen Katholtci«mu»; man glaubte sich in die Zeit de» Hohen. Raufen Friedrich IL oder in den lustigen dreißigjährigen Krieg versetzt. Bei König- grätz hat der „Culturkampf" begonnen, sagt Windthorst; ganz recht, das habe ich auch immer gedacht, denn am 3. Juli 1866 wurde da» katholische Oesterreich gebändigt
und au» Deutschland heraurgeschmissen; da st'eg der protestantische preußische Aar und packte mit seinen Fängen die Raben, die ihn umschwärmten. Ich verstehe aber unter dem Protestantismus nicht die Bibelgläu- bigen, sondern mit Bennigsen die Religion der freien Vernunft, die Cultur, die Humanität, die Freiheit de« Denken«, die stolze Wiffenschaft, die mit allem Formelkram, allen Dogmen, allen Kirchengesellschasten aufräumt. Fort damit; wir haben keine Kirche nöthig; Vernunft, Bildung und Intelligenz find unsere Götter, an die wir glauben. Ist e« nickt lächerlich, daß Wind- thorst fürchtet, P rußen kör ne noch einmal Mrssionsland für die K rche werden? Möchte e« nur recht bald geschehen, denn wenn erst alle Pfaffen fort oder tobt sind, dann wird'« besser; dann wird die Sonne der Aufliär« ung die Finsterniß erhellen und die Nebel de« Wahn« zerstreuen. Dir Linke des Abgeordnetenhauses lachte, als Windthorst den angeblichen Nothstand auf kirchlichem Gebiete schilderte. Sie hatte Recht, denn wa« braucht das Vock Messen und Sakramente? Es kann ja in's Theater gehen, die .Gartenlaube' lesen und die Versammlungen de« Deutschen Vereins besuchen, dann hat e« genug, um glücklich zu leben. Aber leider ist da« Volk noch zu dumm und zu rückständig, um dies einzusehen. Neärgert hat mich da» Gebühren der Con« ervativen; kommen da diese Amphibien und erklären, der „Culturkampf" sei ein Uebel und der geistige Norhstand wirklich vorhanden! Da» ist ja zum katholisch ^wer- oen I Glücklicherweise sind die Leute zu
Heldin de- Böse«.
Rach km Französischen von I. Rüttger».
(Fortsetzung.)
„Urbrigen» noch eine andere Nachricht," fügte Bertha hinzu: „Laura will Barvoi- sau verlassen und sich nach Hacheville hege- ben, weil der Aufenthalt in dem alten elk- samen Gebäude sie immer trauriger und niedergeschlagener stimmt. Zudem ist da» Verhältniß zwischen ihr und Madame dÄul- neux so gespannt, daß die Baronin nicht umhin kann, selbige zu entlassen, wofern nicht ein vollständiger Bruch zwischen ihr und ihrer Tochter die Folge sein soll."
Diese Nachricht kam Herrn de Loflangr nur höchst gelegen.
„Ah," sagte er de»halb, „die würde für unr sehr erwünscht sein."
„Und wethalb?"
„Run, sie würde, denke ich, die geeignetste Persönlichkeit sein, um Dir eine sorgsäl- tigere Erziehung zu geben, eine bessere, glaube ich wenigsten«, würden wir nie mehr finden können!"
Bertha machte eine sauersüße Mene und wollte eben, ohne Zweifel nicht im Sinne ihre» Vater«, antworten, al« die Thür auf« ging und ein Bedienter Madame d'Aul« Neux meldete.
. Bertha schlüpfte schleunigst weg, indem z fie vor fich hin mnrmelte:
I Ma« mag ste nur hier zu schaffen haben, I die alte Heuchlerin? Vielleicht hat Laura $ ihr die Thür gewiesen und sie kommt jetzt - um bei uns einzuziehen! Möge Gott und z alle Heiligen mich davor bewahren."
In der That hatte fich Bertha in ihren Vermuthungen nicht getäuscht. Die junge Wittwe hatte ihren Vater ausgesucht, um ihm von ihrer jetzt so unangenehm gewordenen Stellung weit und breit zu erzählen. Seit dem verhängnißvollen Ereignisse, so sagte fie, welche« auf dem Schlosse sich zu- getragen hatte, während ste auf einige Auge», blicke der Ruhr pflegte, hatte Laura ihr gegenüber eine so deutlich ausgeprägte al« ungerechtfertigte Abneigung gezeigt, und e« war, so fügte sie hinzu, mit ihrer Würde nicht länger verträglich, in dieser Stellung zu verbleiben. Sie wollte gerne dem armen Mädchen verzeihen, da», wie sie sagte, mcht recht wisse, wa« e» thue; auch wä-e e» ihr sehr unangenehm, fich von der Ba-onm de Savigny trennen zu müff-n, bte fie so sehr liebgewonnen habe, ober sie sähe fis trotz- dem genöthigt, sich nach einer anderen St-ll» umzusehen, weshalb fie sich die Freiheit genommen habe, den Herrn de Loffange zu fragen, ob er unter seinen zahlreichen Be
kannten Niemanden kenne, der ihre Dienste vielleicht gebrauchen könne.
„Aber," sagte der Baron, „das trifft sich ja wunderbar! Sir könnten meiner Tochter von großem Nutzen sein, und es würde mich sehr freuen, wenn Sie ihr Ihre Mühe und Sorgfalt widmen wollten."
Madame d'Aulneux blickte dankbar zum Baron empor und sagte dann gerührt:
„Herr Baron, ich danke Ihnen von Herzen für die au»gezeichnete Ehre, die Sie mir anthun, und für da« große Verträum, da« Sie in mich setzen, und das ich nach Klüften zu rechtfertigen suchen werde."
Herr de Loffange verbeugte fich gerührt und lud feine Besucherin zum Diner ein. Sie lehnte indeß unter dem Vorwande ab, daß Madame de Savigny Re ei warte und daß fie die Gelegenheit benutzen werde, um ihr von ihrem Vorhaben, die Stelle nieder- zulegen, Mitt Heilung zu machm.
„Und wann »erben Sie hierherkommen?" frug ber Baron.
»Oh, meine Vorbereitungen werben schnell getroffen und Laura wird entzückt fein, mich fo früh al« möglich abzuhen zu sehen. Montag werde ich also hier sein können."
Herr de Loffange und Madame d'Aulneux schieden befriedigt von einander.
Kaum hatte fie da« Schloß hinter fich,