> AO* Sonnabend, bett 29. Januar 1881.
/ulharr W Jrihmg.
ind« Expediti,n',^analstraßeNr?38o/ausutSrtsbei^stSnter"^D^-rvie"teliitbrli»"«K^gen Vorausbezahlung zu Fuld a
60 R.-Pfg., auswärts bei den Postämtern: bei der Post abgehol? 1 ^Mark und'50 ä 8uI*>a ei”e Warf unb
»-w SÄ« WtWÄWa,nn-
___Jitfetate. Dte Petttzetle oder deren Raum 10 Pfg-, bei Wiederholungen 50% Rabatt. VT9
Abonnements auf die,Fuldaer Zeitung^ für Februar und Mürz nehmen alle Postanstalten nnd in Fulda die Expedition, Canal- stratze380, entgegen. Der Preis betrügt 1 Mk., exelnfive Bestellgeld oder Bringerlohn.
Politische Streifzüge.
Nachdruck verboten.
Wochenlang hatten wir schon eine grimmige, sibirische Kälte, Eisschollen und Schneestürme, hungernde Vöglein und frierende Menschen mit blauen Händen und rothen Nasenspitzen. Ein blendend-weißer Schneehermelin deckt Feld und Flur; die Neste und Zweige der Bäume sind eisgepolstert; von den Dachfirsten hängen lange Eis- zapfen, polnischen Judenlocken vergleichbar, herab; Bäche und Teiche sind in Eispanzer geschmiedet, — Aller in der Natur ist todt, starr, kalt; nirgends erblickten wir ein sprossendes Reislein, ein grünes Hoff- nungtblättchen; nirgendwo frisch keimendes Leben; selbst die höhnisch lachende Sonne am stahlblauen Himmel kann die Eises- rinde, die um Alles geschlagen, nicht noch auf- thaurn machen. Und diese grimmige Kälte, diese starre, öde, scheinbar tobte Natur ist ein getreue» Spiegelbild unserer politischen und socialen Zustände. Auch hier weht ein eisiger Hauch und ist alles Leben erstorben; die Frühlingslüfte, die vor einem Jahre uns umschmeichelten, haben stch in Reif- und Eiszapfen verwan-
pv |iu, wuv, vuii un. ____
servaiiven bi« zum Fortschritt, vor der höheren Weisheit, und sie schnürten ihr Gewissen und ihre Principien in das Gor# - fett sophistischer Phrasen und leerer Aus
schüssen, nicht Berlin! Berlin ist so unschuldig wie ein neugeborenes Kind; warum wendet sich also das Centrum nicht nach Rom? Herr Windthorst hätte sich auch zuvor von dem officiösen Blatte belehren lassen sollen, dann wußte er, was er zu thun hatte; aber die „Starrköpfe" wollen ja keine Vernunft annehmen, — deshalb füllen sie fühlen, und mit ihnen acht Mil- Honen Katholiken, denen der eiskalte, gefühllose Liberalismus die freie Religion-« Übung, die Gnade des hl. Meßopfers nicht gönnt und will, daß die Sterbenden ohne die Tröstungen der Religion dahinscheiden. Eis, überall eisige Kälte! Kcin warmer
reden; der Eine faselte von der „Schacher# polüik de» Centrums", der Andere leugnete keck den furchtbaren geistigen Nothstand, und der Dritte jubelte, daß der „Cultur- kampf" aussichtslos fortdauern werde. Was braucht man auch mit Preußen „zweiter Classe" viel Federlesens zu wachen? Es find ja keine Juden I Mögen dte Ultra- montanen ihre Steuer bezahlen und im Kriege ihr Blut fließen lassen, — im Uebri- gen hoben sie zu schweigen, und wenn ein Caplan, der nicht den Regierung« consenr
bett, unb eine Eiskruste, gebildet aus Vor- urtheil und Fanatismus, hat sich um die Herzen der „Cutturkämpfer" gelegt. Was ich vor acht Tagen sagte, noch ehe die ,Prov..Corr/ ihren ministeriellen Mund geöffnet, daß an die Annahme de» Windt# horst'schen Antrag« und die Freigebung der Seelsorge nicht zu denken sei, ist nur zu sehr wahr geworden; und statt der be- scheidenen und berechtigten Bitte, der be- drängten Katholiken Rechnung zu tragen, hat man ihnen eine Handvoll Eiskörner in's Gesicht geworfen. Wenige rühmens- werthe Ausnahmen abgerechnet — „extreme i Starrköpfe" nennt sie ein großes liberales ■ Blatt — haben Alle das Centrum im •
“ hEn Alle das Centrum im - Sonnenstrahl des Wohlwollens, kein Ge- Stiche gelassen; sogar die Fortschrittler, die für fühl des Mitleides, kein Funken von Ge- die angeblich bedrängten Juden den Mund so i rechtigkeits- und Billigkeitsgefühl! Und voll nahmen, sind größtentheils dem frei- ' als die ,Prov. - Corr/ ihre „Straßen- heitlichen Grundsätze in schmählicher Weise - räuber - Logik" zum Besten gegeben, untreu geworden. Die Sonderbündler, die ; da duckten sie sich alle, von den Con- zwischen Richter und Bennigsen stehen, haben zwar hie und da ein „anerkennens- werthe« Schamgefühl" verrathen. aber auch sie sprangen in den Topf des Katholiken- Hasses; und die Confervativen, — ja, die hätten wohl gewollt, wenn sie gedurft; aber man muß doch, bevor man feine Ueberzeugung und fein Gewissen fragt, zu- erst den Herrn Minister fragen! Und der Herr Minister kam, zürnte und siegte; er prach durch die ,Prav. Corr? und fragte: Warum wendet sich das Centrum nicht nach Rom? Natürlich, Rom ist der Stö- renfried, nicht Berlin; Rom hat ja dte Maigefetze erlassen, die Bischöfe und Prie- ster verjagt, die verwaisten Pfarreien ge-
Die Heldin des Böse«.
«ach dem FranzSsischen von I. RüttgerS.
(Fortsetzung.)
„E« ist sicher," sagte sie dann halblaut, „wenn er schläft, dann ist e« nur ein leich. ter Schlummer. Coll er noch so vielBe- wußtsein haben, daß er Mißtrauen hegen könnte? Ich muß also warten, und doch ist schon eine Stunde nach Mitternacht verflossen und bald wird der Tag hämmern."
XXIII.
Obwohl Laura sehr müde und abgespannt «ar, so konnte sie doch kaum einschlafen.
Einerseits machte sie sich Vorwürfe darüber, daß sie nicht bei ihrem Onkel geblieben war; onbetfeit« glaubte sie noch immer den Ton der Glocke mitten durch die stille Nacht hindurch zu vernehmen, und sie vermochte es kaum, der düsteren Gedanken, die sie bestürmten, stch zu erwehren.
Al« sie erwachte, ging ihr erster Gedanke erklärlicher Weise auf ihren kranken Onkel.
Die Sonne stand schon ewige Stunden am Himmel; die Vögel zwitscherten lustig in dem nahen Gehölze und t« stand ein herrlicher Tag in Aussicht.
Eiligst kleidete sich da» junge Mädchen
an und begab sich zu dem Zimmer des Generals.
Es war, wie wir schon bemerkt hatten, ein altes und geräumiges Gemach, und man hatte Tage« vorher die Fensterladen geschlossen, damit der Kranke so mehr Ruhe ‘ genießen möchte. Auf diese Weife konnte ! kein Lichtstrahl in das Zimmer hineindringen, und das Nachtlicht, welches allein brannte, - gab den Gegenständen, die e« mit feinem schwachen, zitternden Lichte beleuchtete, fast ein gespensterbaftes Aussehen.
Madame dÄulneux lag in ihrem Sessel hingestreckt und schien fest zu schlafen.
Da eine vollständige Stille in dem Ge- mache herrschte, so kam Laura auf den Gedanken, daß auch ihr Onkel fist schlafe.
Sie schlich also leise aus den Fußspitzen bis an das Bett ihre» Onkel«, — ober kaum hatte sie einen Bl'ck auf dasselbe geworfen, al» sie einen durchdringenden Schrei ausstieß
Da» Bett war leer — der Sterbende befand sich nicht mehr darin. —
„Madame dÄulneux! Madame dÄulneux!" rief da» junge Mädchen in höckster Angst, indem sie diefilbe heftig am Arme schüttelte.
Tiefe schlug langsam die Augen auf und sah da« junge Mädchen erstaunten Blicke» an.
„Mein Gott," sagte sie dann, stch die Augen reibend, „was ist Ihnen doch, Fräulein ? Si sehen ja ganz verstört darein."
„Mein Onkel, mein armer Onkel," sagte da» Mädchen, indem sie auf einen Stuhl sank und mit einer stummen Geberde auf dos Bett zeigte.
Hastig trat die Dame auf da» Bett zu und blieb wie erstarrt stehen, al» sie es leer sah.
„Wo« mag die« bedeuten — Wie ist da» zu erklären?" sagte sie in gebrochenen Sätzen.
„Wo ist mein Onkel. Madame, wo ist er?" fiug das junge Mädchen wiederum, inbim sie die Wtttwe auf's Reue heftig am Arm schüttelte.
„Aber ich bitte Sie, Fräulein, ich schlief, als Sie hereinkamen; das Ganze kommt mir wie ein Traum vor."
„Wollte Gott, daß e» so wäre; aber Sie sehen es ja, mein Onkel ist nicht mehr da, und die Thüre war verschlossen, als ich herewkam--"
„Erichrecken wir nicht ohne Ursache," versetz e Madame dÄulneux ruhig. „Auf über natürliche Weise hat der Graf nicht verschw nden können, auch wird er nicht durch upend einen geflügelten Genius hm- wet genommen worden sein. Unb doch ist