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Freitag, den 23. Januar 1881

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Deutsches Reich

CPC. Berlin, 26. Jan. Das Abge­ordnetenhaus setzte gestern die zweite Be- rathung des Etats fort bei dem Cap. des Cultusetats, welches die Kosten der Schul- aufsicht normirt. Hierbei erhob Abg. Dr. v. Etablewski Klagen darüber, daß in Pofen von 26 Kreisfchulinspectoren nur 6Kmho« liken feien, fclbst zum Theil noch Gegner I bec Kirche, einer sogar verheiratheter kath. - Priester. Es sei dringendes Erforderniß! und auch von den Protestanten anerkannt, l daß für kathol. Schulen kathol. Jnfpectoren - und für Protest. Protestanten eingesetzt l würden. Im Großherzogthum Posen und l in W.stpreußen seien von der Localschul- - inspection und der Leitung des Religions- Unterrichts die Geistlichen fast ganz ausge­schlossen. So lange man sich auf die Be­richte der Kreisschulinsprctoren stütze, sei auch keine Aenderung zu hoffen, da diese eben Gegner der Geistlichen seien. Und i doch sei der Religionsunterricht so nöthig. j SDen nichtkath. Kreis schulinspectoren fehle - leider dazu das Berständniß. Zu Local- i schulinspectoren würden meist junge Gum- ' nasiallehrer rc. bestellt, die den Elementar­

lehrern nicht nahe genug ständen und der pädagogischen Fähigkeit ermangelten, daher würden in polnischen Schulen vielfach chimä­rische Experimente gemacht, die nur ver- derblich wirkten. Die Gemeinden seien mit Schullasten überbürdet, die Schulen über­füllt, die Kinder bis über das 14. Lebens- jahr in der Schule zurückgehalten. Die wohlwollende Intention der Regierung werde der Bevölkerung durch die Maßnah. men der Schulbehörden nicht zum Bewußt- fein gebracht und so bliebe die Wirkung der Schulbehörden unfruchtbar. Abg. Stros- ser trat für das Schutt, spectorat der Geist- lichen ein, das erstens segensreicher und zweitens billiger sei als das weltliche. Abg. Dr. Holberg berührte namentlich die Verhält- nisse in der Diöcese Ermrland, die zwar in letzter Zeit in sofern eine Besserung er­fahren, als die kath. Schulen dem kath. Schulrath, die protestantischen dem prote- stantischen unterstellt worden, aber doch noch vielfach mißlich seien.

Bei dem Tit. „Ruhegehaltszuschüsse für emerttirte Elementarlehrer" erklärte der Culturminister v. Puttkamer, die gesetzliche Regelung de« Pensionswesens sei ein drin- gendes Bedürfniß und er wolle die Sache ; sofort in Angriff nehmen, dieselbe mache aber so große Schwierigkeiten, daß er nicht versprechen könne, das Gesetz in einem be- stimmten Zeitpunct vorzulegen. — Bei einer Position für das „Gymnasialgebäude und die Directorwohnung in Göttingen" nahm Abg. Dr. Reichenssperger (Köln) Gelegenheit, darauf hinzuwejsen, daß die ■ Dienstwohnungen vielfach zu kostspielia und

unzweckmäßig seien und für die Beamten selbst eine zweifelhafte Wohlthat bildeten, da diese sich nun auch kostspielig einrichten müssen. Man möge endlich einmal ein Exempel statuiren und die Dienstwohnung nicht bewilligen. Culturminister v. Putt­kammer erkannte an, daß die Ausführun- gen des Vorredners vielfach richtig feien, bat aber, das Exempel nicht bei seiner Verwaltung zu staruiren, worauf die Po­sition bewilligt wurde. — Beim Etat der indirecten Steuern brachte Abg. Köhler die Rede wieder auf die hohen Gerichtskosten, während Abg. Rickert für Aufbesserung der Gehälter der Steuerbeamten eintrat. Finanzminrster Bitter bestritt nicht, daß die Gerichtskosten sehr hoch seien, die Justizor- gamsation sei aber noch zu neu, um schon Aenderungen treffen zu können. Eine Vor- läge über Aufbesserung der Beamtengehälter sei in Angriff genommen. Abg. Bachem ; lenkte bei dem Tit. „Steuereinnehmer" die । Aufmerksamkeit auf die, namentlich in der i Rheinprovinz, sich häufenden Fälle von Caffendefraudationen. Die Steuereinnehmer || w Rhem seien gut gestellt, und doch seien j in den letzten Jahren Dutzende dm chgebrannt. | Diese Abnahme der Integrität der Beamten j sei eine Folge des Culturkawpfes, weil bei j der Auswahl der Beamten nicht die Fähig- 1 feit, sondern kirchenpolitische Rücksichten in ' erster Reihe maßgebend gewesen. Die '1 Durchgebrannten seien fast ausschließlich hervorragende Mitglieder des traurigen j „deutschen Vereins" gewesen. Finanzminister I Bitter bestritt, daß S euereinnehmer aus 1 Culturkampfsrückstchten ungestillt würden. ;

22 Die Heldin des Bösen.

«ach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

Unterdessen hatte Madame d'Aulneux, die die plötzliche Erscheinung Lauras nicht wenig erschreckt hatte, ihre Fassung wieder­gewonnen, und mit lächelnder Miene und in ruhigem Tone sagte- sie zu der jungen Baronin:

„In der That, Fräulein, ich glaube, daß wir uns gegenseitig Furcht gemacht haben. Sie dachten nicht daran, mich hier zu fin- den, und Sie kommen so leise und so plötzlich herein I Hören Sie, was während Ihrer Abwesenheit vorgeqangen ist: Die Frau Baronin hatte ihre Kräfte zu sehr überschätzt und bat mich, sie zu vertreten. Da der Graf sehr aufgeregt war und sein Kopfkissen ganz verschoben hatte, so wollte ich es ihm wieder zurechtlegen. Was mag nur in jenem Augenblicke in ihm vorge­gangen fein? Vielleicht eine Sinnestäu­schung, vielleicht glaubte er Sie an seinem Bette zu sehen — genug, er öffnete plötz- i llch die Augen, richtete sich auf seinem Lager auf und faßte meine beiden Hände gerade in dem Augenblicke, wo Sie ein­traten."

Unterdessen hatte d,e GeseUschaflSdame eine Flasche Eau de Cologne entkorkt und lieb den Kranken den Duft einathmen.

„Es wird nichts sein," sagte sie, „eine kleine Ohnmacht. — Sehen Sie, er kommt schon wieder zu sich."

In der That öffnete der Graf ferne Augen, lächelte seiner Nichte zu und nahm sie bei der Hand.

Madame d'Aulneux hatte sich rasch in einen Winkel zurückgezogen, wo der Graf sie nicht sehen konnte.

„Du, Du, Laura — immer bei mir —" murmelte der Greis mit gebrochener Stimme. „Niemand anders, nrcht wahr? — Besonders diese Frau nicht mehr —"

„Versuche wieder einzuschlafen, lieber Onkel," sagte Laura sanft. „Der Arzt sagt, es sei das beste Mittel für Dich. Morgen früh werdm wir mit einander plaudern."

„Ja. ja," versetzte der Kranke in kind- kicher Einfalt. Bald schloß er wieder seine Augen und gleich darauf verstrl er wieder in vollständige Regungslosigkeit.

Die gute Laura fühlte angesichts der Erklärungen, welche Madame d'Aulneux gegeben und der Sorgfalt, welche sie ihrem Onkel gegenüber an den Tag gelegt halte, etwas wie Reue über den Verdacht, den

sie gißen die Geieülchafisoame gehegt halte» und glaubte sich deshalb ihr gegenüber um | so liebenswürdiger zeigen zu müssen.

i Der Ton der Glocke, die fu in der Ferne hatte läuten hören, beschäftigte sie I i noch immer so sehr, daß sie Madame d'Aul- j neux davon sprechen zu sollen glaubte; i indeß antwortete diese, daß sie in der gan« | jen Nacht nichts Derartiges gehört habe. ■

„Es wird also eine Wirkung meiner Phantasie gewesen sein," versetzte Laura, 1 „inoeß hätte ich darauf schwören mögen. Beinahe hätte ich gesagt, daß auch die 1 Stimme der alten Cornelia nicht wiit ge- wesen sei. Uebrigens habe ich keine Furcht. I Da ich nun einmal hier bin, so will ich ' auch mit Ihnen Wache halten."

Bei den letzten Worten legte sich ein Zug des Mißvergnügen» auf das Antlitz ■ der Madame d'Aulneux, und mit sichtlichem ' Unbehagen antwortete sie:

„Ihre Frau Mutter hat mir gegenüber l den Wunsch geäußert, daß Sie zu Bette : gingen. Offenbar hatte sie ihre guten Gründe dazu gehabt; und in der That |l bedürfen Sie, glaube ich, der Ruhe gar || sehr. Sie hatte Ihren Posten Übernom- 1 men, den sie dann mir übergeben hat. 1 ! Demnach bin ich für Sie eingelreten, und j \ sie würde mir mit Recht Vorwürfe machen, |