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Dienstag, den 25. Januar 188t.

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* Die Liberalen und der Antrag Windthorst.

Die Liberalen verlangen, ehe sie die freie ReligionsübungdenKasholikenPreußens gewähren wollen, Unterwerfung der katho­lischen Kirche unter die Souverainetät des Staates, ferner das „Cultur-Examen" der Geistlichen. Aus dem Culturkampfe sollten sie indessen wissen, daß nicht bei den Katholiken Preußens die Macht steht, die katholische Kirche unter die Obergewalt des Staates zu stellen, ja daß nicht einmal der Papst oder ein Concil das darf; wollen also die Liberalen die Cultusfreiheit der Katholiken von dieser Bedingung abhängig sein lassen, so werden sie in alle Ewigkeit warten können und dann wird diese Be­dingung noch immer nicht erfüllt sein, weil ihre Eifüllung eben der katholischen Kirche ohne Selbstvernichtung nicht möglich ist. Ebenso sind die Geistlichen nicht schuld, wenn sie das Culturexamen nicht ablegen, sie dürfen es eben nicht. Nun hat man feit sieben Jahren durch die sogenannten Kampfsgesetze versucht, die Anerkennung des maigesetzlichen Princips zu erzwingen, hat aber nichts erreicht, al» daß da» katholische Volk Preußen» und seine Geist­

lichen in einen großen Nothstand gebracht worden sind. Will man diesen Nothstand, der ja doch nicht zum Ziele führt, ver­ewigen? Man sagt, nur ein Wort von Rom und der Nothstand ist beseitigt. Aber Rom wird und kann dieses Wort, welches das Todesurlheil über die katholische Kirche wäre, nicht sprechen. Die vorjährigen Ver­handlungen mit Rom und das päpstliche Breve an den Erzbischof Paulus haben gezeigt, daß Rom bis an die äußer­sten Grenzen der Nachgiebigkeit zu gehen bereit ist, aber Niemand kann ver, langen, daß Jemand um seinen Arm zu retten, seinen Körper in die zermalmende Maschine stürze. Man kann vom Papste nicht verlangen, daß er, um die preußischen Katholiken aus der Noth zu. tziehen, die Grundsätze der katholischen Kirche, auf betten dieselbe von ihrem göttlichen Stifter aufgebaut ist. preisaebe und verrathe, weil es in Preußen gefallen hat, Maigesetzliche Forderungen zu stellen. Wollen also die Liberalen uns für diese Unmöglichkeit züchtigen, wollen sie unfern Nothstand, den sie über uns verhängt, nicht eher weg- nehmen, als bi» Rom nachgiebt, ^vollen sie nicht einmal zugeben, daß das Allernoth- wendigste für da» religiöse Leben eines Katholiken: die Darbringung des hl. Meß­opfers und die Spendung der Sakramente, mit voller Freiheit dem katholischen Volke geboten werde, nun bann freilich ist für ms Katholiken in Preußen nicht» mehr zu »offen. Dann wird sich wahrhaftig die alte rheinische Prophezeihung, „daß unter preußischer Herrschaft die Katholiken 7

Meilen nach einem Geistlichen suchen werden", diese Prophezeihung, ja noch Schlimmere» wird sich erfüllen. Wir wissen nicht, ob es politisch klug ist, nur Werth auf den Gehorsam der Untertanen, weniger auf ihre Liebe und Zuneigung zu legen, sich nur um Achtung, weniger um Freundschaft zu kümmern. In den Stunden der Gefahr scheinen uns Liebe und Freundschaft schätzens- werlhere Artikel zu sein, al» erzwungener Gehorsam und abgenöthigte Achtung.

Deutsches Reich.

CPO. Berlin, 23. Jan. Das Abge­ordnetenhaus erledigte gestern zunächst die 3. Berathung de» Gesetzentwurfs über die Wittwen- und Waisencassen der Elemen­tarlehrer. Abg. Dr. Reichensperger (Köln) erklärte, gern für das Gesetz stimmen zir wollen, machte aber zugleich darauf auf­merksam, welche Ersparnisse man durch die Schulbrüder und Schulschwestern erzielen könnte. Man werde schwer die Frage be­antworten können, warum man diesen Re­ligiösen, namentlich den Schulschwestern, die doch allen Anforderungen entsprachen, ihre Anstalten zerstört und da» Werken un­möglich gemacht habe. Ueberall im Aus- .lande, auch in protestantischen Ländern, habe nnan ihnen lobende, dankende Anerkennung ßezollt. Da sollte man doch glauben, daß von einer Verdummung, von einer Begün­stigung unerträglichen Aberglaubens durch solche klösterliche Anstalten schlechthin nicht die Rede sein könne. Alle glauben streuen Katholiken wünschten dieselben zurück, und man könne dagegen doch nicht etwa die

19 Die Heldin des Bösen.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

E» war freilich nicht die erste Ueber- raschung, die sie an jenem Tage erfahren hatte.

Al« Madame d'Aulneux gesagt hatte, daß es sehr natürlich fei, daß Laura, hin­gezogen durch die Erinnerungen der Tage ihrer Kindheit, öfter» Barvoifau besuchen ging, hatte sie sich in der Thal nicht ge­täuscht, und an jenem Morgen hatte das junge Mädchen einen großen Schrecken emp­fanden, als sie, nach ihrer Gewohnheit durch eine kleine Thür, welche auf's Feld ging, das alte Schloß betretend, in der Gemäldegallerie eine Frau ganz in Betrach­tung vor einem Gemälde versunken fand, das den Urgroßvater des alten Grafen darstellte und das mit Leopold eine solche Aehnlichkeit hatte, daß man ohne das alt« tonrü*^6 ®etoQnt> selbst zu sehen glauben

Laura, die keineswegs abergläubig war, trat auf die Fremde zu und erkannte in far sogleich die Gesellschaftsdame ihrer Mutter.

„Sie hier," rief sie im höchsten Erstau- nen aus.

„Ich bitte um Verzeihung, theures Fräu­lein," antwortete die Wittwe, „Sie schei- nen erschrocken zu fein und haben mich gewiß für irgend ein Gespenst gehalten. Aber der Morgen war so schön, daß ich dem Drange nicht wiederstehen konnte, eine Promenade zu machen, und der Zufall führte mich bi« zu diesem Schlosse. Sie begrei­fen. Ein Fenster war halb offen, und ich habe nicht gezögert, einzusteigen. E» freut mich doppelt, Sie hier anzutreffen, denn ich brenne vor Verlangen, diese alte Behau­sung genau kennen zu lernen, vielleicht würden Sie so gütig sein, mir den Eier- tone zu machen. Ich glaube sicher, daß hier noch verborgene Thüren, unterirdische Gänge und dergleichen verborgen sind, rote die wunderlichen Schloßbesitzer früherer Zeiten es liebten."

„Darin täuschen Sie sich nicht, Madame," versetzte Laura, dieses Schloß wäre würdig gewesen, eine Anna Radclrff zu begetstern. Unglücklicherweise kenne ich nicht alle seine Geheimnisse und kann Ihnen nur wenig Zeit widmen; — ober Sie betrachten so aufmerksam dieses Bild; erregt e» Ihre Aufmerkamkeit mehr als die an­deren ?"

„Ich habe sie alle betrachtet; nur glaubte ich» baß ich schon irgendwo einer Person

begegnet sei, die mit dieser Gestalt große Aehnlichkeit hat."

„Ah, dann kann es nur mein Vetter Leopold fein; die Aehnlichkeit ist wirklich außerordentlich großl"

„Das wäre nicht unmöglich. Was hat die Frau Baronin mir nicht für eine traurige i Geschichte von diesem V.tter erzählt I Wie viel Aerger und Schande hat er Ihrer Fa- mielie bereitet 1 Ich begreife es jetzt wohl, daß er allen Familiengliedern eine solche Abneigung einflößen muß."

Laura warf einen Blick voll Unwillen auf die Wittwe, und beschränkte sich darauf, ihr zu sagen, daß sie, wenn sie bas Schloß besehen wolle, bann keine Zeit zu verlieren habe.

Nachdem dieser Besuch beendigt war, waren sie zusammen wieder nach Schloß Hacheville gekommen, unmittelbar vor der Scene, die wir oben beschri ben haben.

Al« Laura vor ihrer Mutter stand, sagte diese, anscheinend mit der größten Ruhe, zu ihr:

„Meine Tochter, wenn wnklich Leopold, wie Charles uns gestern mitgetbetlt hat, wieder nach Frankreich zurückgekehrt »st, dann liegt in der Thatsache etwa«, dem gegenüber wir nicht gleichgültig sein können."

„Und we«hald?"