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Sonnabend, den 22. Januar 1881

Fuldaer

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Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Drei Wochen hat erst das neue Jahr auf seinem Rücken, aber wie schwer ist der» selbe schon mit Sünden aller Art beladen I Wenn dar so weiter geht, dann wird die Schuldenlast am 31. December zu einem ansehnlichen Gebirge angewachsen sein, und das Jahr 81 gerade so schwarz angekrei» det werden, wie der schlimmste seiner Vor­gänger. Der Januskopf der griechischen Frage zieht einen immer dichteren Schleier über sein friedliches Antlitz und weist uns das kriegerische Gesicht der großmäulichen Hellenen; selbst die langen und mehr ge- lehrten als belehrenden Episteln des fran­zösischen Ministers Barthelemy find eher im Stande ihren Urheber zu stürzen, als den Frieden zu schützen und Europa zu nützen, und ob die von der Pforte in Vor­schlag gebrachte Conferenz in Constantinopel den Griechen klar machen wird, „daß die Mächte auf der Berliner Conferenz nicht die Absicht hatten, über fremdes Eigenthum zu verfügen," ist sehr fraglich. Warum sollen die kleinen Griechen weniger begehr­lich und mehr ehrlich sein, wie die großen Engländer, die Alles nehmen, was sie krie­

gen können, und die vor vier Jahren die Transvaal - Republick einsackten? Wollen die Bauern nicht pariren und Steuern zahlen, so schlägt man sie nieder, denkt John Bull; will die morsche Türkei nicht Thessalien und Epirus abtreten, so lassen wir die Kanonen sprechen, denken die Grie­chen, welche die Tarantel Größenwahn ge­stochen. Sie könnten sich aber an dem Feuer, das sie entzünden, sehr leicht selbst die Finger verbrennen. Wenn ein kleiner Bursche einen großen in seinem Rücken weiß, dann ist er frech, schimpft und wirft mit Steinen; zieht der große sich aber zurück und der kleine bekommt Prügel, dann heult und weint er. So könnte es Griechenland ergehen, falls die wetterwen- dertfchen und unberechenbaren Diplomaten in London und Petersburg sich aus der unvermeidlichen Niederlage der Griechen nicht eine Brücke für ihre ehrgeizigen Pläne bauen sollten. Die halb beschwichtigte orientalische Frage ist im neuen Jahre zu einem großen, unheimlichen Fragezeichen herangewachsen, und die Antwort weiß zur Stunde Niemand.

Auch viel Blut klebt an dm Tagen des jungen Jahre». In Asien find die Russen mit den Turkmenen mehrmals in wilden Kämpfen zusammengestoßen, und der heiße Boden Südafrikas und Südameri- kas hat schon das Blut manches streit­baren Mannes getrunken. Dort ringt ein wackerer Volksstamm um seine Freiheit, hier die Eifersucht um die Herrschaft. .In Irland griffen 3000 Bauern zu Sensen und Knüppeln und schlugen fich mit der

Polizei; ein Waffendrpot sollte mit Dy­namit in die Luft gesprengt werden, und auf dem englischen Parlamente lagert die düstere Wolke politischer Mißgriffe und Mißerfolge. Frankreich, das 38 Mil- lionen Katholiken zählt, wählte gambettistisch und wird die Suppe au»>ssen müssen, die es sich muthwillig eingebrockl; Oesterreich hat seinen Bauernkrieg, aber es hat wenigstens den Erfolg aufzuweifen, daß die liberalen Minister'^er Justiz und des Handels ihr Amt niederlegten und das Cabinet Taaffr immer mehr in's confer» vative Wasser segelt, was dem Lande auch einzig und allein frommen kann. Die armen Liberalen haben sich in ihrer Roth schon an Bauernkittel geklammert, aber selbst da ist kein Halt für sie; am Ende werden sie vor lauter Aerger noch „schwarz" und hängen den ganzen Liberalismus an den Nagel.

Deutschland gleicht einem blinden Pferde, dar in einer Mühle geht; es dreht sich immer im Kreise, treibt schwere Lasten und kommt nicht vom Fleck. Am Dienstag waren zehn Jahre verflossen, seit das neue Deutsche Reich in Versailles mit Blut und Eisen gekittet worden. Zehn Jahre sind eine kurze Spanne Zeit im Völkerleben und doch lang genug, um viel Gutes, oder Böses zu schaffen. Wie wurde dem 18. Januar 1871 zugejubelt, welche Hoffnungen wurden damals laut! Haben sie sich erfüllt? Ist da» einige Deutschland ein glückliches, zu­friedenes Land geworden? Selbst Bismarck wird diese Frage nicht mit Ja beantworten, denn auch er sucht noch immer nach den Finger von Zeit zu Zeit leicht umherirrten Als sie indeß den Namen d'Aubbry'» und Leopold'- aussprechen hörte, ließ sie ihre Arme schlaff auf da» Klavier herabsinken. Eine Zeitlang blieb sie wie in Staunen versunken, uud als sie sich erhob, bemerkte Laura, obwohl selbst ein wenig aufgeregt, daß ihr Gesicht bleich war und Alles an ihr eine außergewöhnliche Aufregung verrteth.

XVIII.

Die Baronin de Savigny stand gewöhn­lich spät auf und nahm dann ihre Choko« lade in Gesellschaft von Madame d'Aul» neux, welche immer irgend eine fröhliche oder traurige Geschichte dabei zu erzählen wußte, je nachdem es sich gerade machte.

Nicht gering war daher ihr Erstaunen, als dasjenige Mäixyen, welches Laura fich als Kammerfrau erwählt hatte, ihr am Morgen nach ihrer Ankunft mittheilte, daß Madame d'Aulneux abwesend sei, daß ste gesehen habe, wie fie in aller Frühe aus­gegangen fei und die Richtung auf'» Feld zu eingeschlagen habe.

Da die Baronin ihrem Unwillen über die Abwesenheit ihrer Gesellschastsdame Ausdruck gab, so rief die Zofe au»:

„Gerade zur rechten Zeit! Da kommt fie gerade wieder zurück!"

In der That ging die Thür auf und

17 Di- Heldin des Bösen.

Rach dem Ftanzösischen von I. Rüttger».

(Fortsetzung.)

Zehn Uhr Abend« schlug e« soeben, al» die Salonthüre mit großem Geräusch sich öffnete und der junge Mann im Zustande eine» Menschen erschien, der mehr Cham- pagner zu sich genommen hat, al» die Regeln der Mäßigkeit gestatten.

„Wirklich," rief er au», „vorhin hätte ich fast geglaubt, daß man hier Psalmen- gesang anstimme, und ich dachte schon an den alten Vetter, welcher, wie man sagt, in dem großen Corridor von Barvoisau nächtlicher Weile sein Wesen treibt. Ich fragte mich schon, ob er da» Schloß, da» an die Stelle seine» alten Klosters ge­treten ist, verlassen und sich jetzt hier häus­lich eingerichtet habe."

„Charler," sagte die Baronin de Savigny streng, „Du führst da sehr unvernünftige und wenig galante Reden. Die löbliche Stimme von Madame mit Psalmengesang zu vergleichen! Glücklicherweise weißt Du nicht, was Du sagst."

„Eine komische Geschichte, theuere Mutter, denn in der That glaubte ich, daß irgend nne Sirene gekommen sei, diesen Ort zu

beleben. Aber wa» Barvoisau und seine unerklärliche Vernachlässigung feiten» unser» Onkels betrifft, so kann ich Dir eine Nach­richt mittheilen, die Dich gewiß sehr über­raschen wird. Wir sind vielleicht nahe daran, daß die eintönische Lebensweise unserer Familie ein Ende nimmt und eine unruhig wechselvolle Zukunft beginnt. Meine liebe Laura, leg' Deine Hand auf» Herz, denn es wird heftig pochen, de» bin ich sicher."

„Du wirst immer unerträglicher, Charles," hob die Baronin wieder an, „und Deine Sprache läßt nur allzu deutlich merken, daß für Deinen Zustand eine etwa» größere Nüchternheit sehr wünschenrwerth wäre."

„Ich spreche vollständig im Ernste, theure Mutter. Eugen Ricourt hat an unserem Souper theilgenommen und er hat un» mitgetheilt, daß er von einem Freunde seines Onkel«, Herr d'Aubsry, die Nach­richt habe, daß unser Vetter Leopold einen Urlaub erhalten habe und in den letzten Tagen in Marseille gelandet sei. Freilich liegt mit im Grunde genommen blutwenig daran, deshalb will ich mich zu Bette be­geben und wünsche Euch gute Nacht."

Während der Worte de« jungen Manne» war Madame d'Aulneux ruhig am Piano fitzen geblieben, über, dessen Tasten ihre |