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Dienstag, bot IS. Januar 1881
Fuldaer SU Leitung.
inber@rpebUiott^anarftra6e^lc^88O^aii8märta®h»i^rt unb 3e*eyta9e ausgenommen. Stan «banntet gegen Barausbezahlung zu Fulda
50 R.-Pfg-, auswärts ^bei\en Postämtern -beider Post^abgebött ? Mar» b'tc4V Bringerlohn in Fulda eine Mark und
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O Das Elend in Irland.
(Reuest- Versuche zur Lösung der irischen Frage.) Die Londoner Regierung hat in einer der letzten Minister Conferenzen den Beschluß gefaßt, der aufrührerischen Bewegung in Irland gegenüber keine Zwangsmaßregeln anzuwenden, und zu versuchen, mit den bestehenden Gesetzen die Ordnung aufrecht zu erhalten. Dagegen ist ein Gesetzentwurf ausgearbeitet worden und soll baldmöglichst zum Gesetze erhoben werden, der die immer brennender werdende irische Land- frage zu Gunsten der eingeborenen Pächter regelt.
Die Grundlage des neuen Gesetzes soll sein: feste Pacht, gerechter, mä. ßiger Pa ch tzins und freier Ue« bertragungsrecht der Pacht von Seiten eines Pächters auf den andern.
Ferner ist im Ministerium auch wieder der Plan angeregt worden, allmälig auf die Schaffung eines unabhängi. gen Bauernstandes inJrland hin. zuwirken. Zu diesem Zwecke wurde vorgeschlagen: von Staatswegen einen Zuschuß für Urbarmachung des zu entwässernden, gegenwärtig wüstliegenden Marschbodens zu gewähren und die dadurch gewonnenen Grundstücke unter billigen Bedingungen abzulassen. Ein weiterer Vorschlag geht da- I Ijn: eine Summe für Aufkaufung der zur Veräußerung ihrer Güter geneigten Grund- herrn in Irland anzusetzen; die auf dem Gute befindlichen Pächter sollen das Vor- recht bei der öffentlichen Versteigerung haben. »Leider ist immer wieder zu befürchten, ’
daß die reichen englischen Lord« in ihrer Eigenschaft als Mitglteder des Oberhauses (Herrenhaus oder L Kammer) alle wohlgemeinten Entwürfe und Vorschläge der Regierung ablehnen werdenl
Wie die armen irländischen Pächter von den englischen Großgrundbefitzern gedrückt werden, mag folgendes Beispiel zeigen, wel- ches einem Berichte der,L a n d l i ga' entnommen ist. Die Pachten eines Gutes, das einem gewissen Antony Ormsby in Stallinamore gehört, find von einem Re- gierungscommissär auf 595 Pfund Sterling (— 11,900 Mark) geschätzt, in Wirklichkeit müssen aber die Pächter mehr als das Dreifache, nämlich 1924 Pfund Ster- ling und obendrein alle Steuern, selbst diejenigen des Gutsherrn bezahlen; die Pächter haben überdies mit ihren Familien für den Gutsherrn schwere Arbeit — nicht unter 3 Tage in der Woche!! — zu verrichten und dürfen ohne Einwilligung desselben nicht heirathen.
Wegen einer augenblicklichen Laune des Gutsherrn hatten mehrere Pächter ihre ge- rade erbauten Häuser niederzureißen und ste an einer anderen Stelle wieder aufzurichten (!!); gefielen sie ihm auch hier nicht, so hatten die Pächter die kostjpielige Arbeit nochmals zu verrichten. Diejenigen Pächter desselben Grundherrn, welche ihr Land gut in Stand gesetzt hatten, wurden vertrieben und denselben Haideland zugewiesen. An Geldstrafen schlimmster Art ließ es der Gutsherr gleichfalls nicht fehlen, in vielen Fällen für geradezu lächerliche „Vergehen."
Ein Pächter, welcher einen Stein am Giebel feines Hauses nicht vergypst hatte, wurde zu 10 Mark, ein kleine» Mädchen, das durch einen Zaun geblickt hatte, zu 5 Mark, eine Magd, welche den Kühen im Winter nicht ebensoviel Milch abmelkeu konnte, wie im Sommer, zu 7l/2 Mark Strafe verurthrilt. In den letzten Mona- ten sind gegen hundert Pächter dieses Gutsherrn davongejagt worden.
Daß solche Zustände unerträglich sind, und daß das irländische Volk durch die bittere Roth gezwungen ist, eine Aenderung der Gesetze zu verlangen, damit eine derartige Bedrückung für die Dauer unmög- lich werde — das sieht Jedermann ein.
Dentfches »eich.
wo. Berlin, 16. Jan. Das Abgeordnetenhaus setzte gestern die zweite Berath- ung des Competenzgesetze« bei Tit. 2 „An« gelegenheiten der Landgemeinden und der selbstständigen Gutsbezirke" fort. Rach § 16 soll die Aufsicht des Staates über dir Verwaltung der Landgemeinden, der Aemter, Bürgermeistereien und Gutsbezirke in erster vom Kreisausschusse, in höherer und letzter Instanz vom B-zirksrathe geübt werden und sind Beschwerden hei den Aufsichtsbehörden innerhalb 2 Wochen vorzubringen. Abg. v. Liebermann beantragt, im Wesentlichen entsprechend der von der Commission abgeänderten Fassung der Reg.-Vorlage, statt „Kreisausschuß" und „Bezirksrath" zu setzen: „Landrath als Vorsitzender des Kreisausschusses" und: „Regierungspräsiden
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Die Heldin des Bösen.
Rach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
Vierzehn Tage später, bei einem düsteren nebeligen Wetter, befand sich unter der neugierigen Menge, die auf dem Quai« von Calais versammelt war, um der Abfahrt eines Schiffe« zuzusehen, da» im Begriffe stand, nach Amerika abzusegeln, eine Frau, ganz in einen großen Cachemir eingebüllt das Gesicht mit einem großen Schleier 6e» deckt, deren ganze Aufmerksamkeit einem jungen Manne gewidmet zu sein schien, der auf der Schiffbrücke stand und mit melan- cholischem Blick auf den Boden Frankreichs hmblickte, den er nur ungern zu verlassen schien.
Das Fahrzeug wollte soeben den Anker lichten, da» letzte Lebewohl war gesagt, als die Frau, von der wir sprechen, plötzlich ganz nahe an das Gestade trat, den Schleier lüftete und rief:
„Glückliche Reise Leopold I — Lebe wohl, oder vielmehr auf Wiedersehen!"
Der Auswanderer, bei diesen Blicke, beim «lange dieser Stimme, fühlte, wie es sein ganzes Wesen mächtig durchzitterte. Richt» destoweniger blieb er einen Augenblick lang
unbeweglich dastehen; — er schien zwischen zwei Entschlüssen unentschlossen hin- und I herzuschwanken. — Schon wollte er vom - Schiffe wieder an'» Land springen, als ‘ dieses im selben Augenblicke sich in Bewe- j ung setzte; zu gleicher Zeit kam ein Mat- ■ rose, welcher ihm ein verschlossenes Schrei- den überreichte. Mit fieberhafter Hand öffnete er e« — es enthielt nur die weni- gen Zeilen:
„Du Feiger flieh — vernimm nur noch dies einz'ge Wort:
„Dem Schatten gleich verfolg' ich Dich an jedem Ort:
„Bei Tag und Nacht wirst keine Ruhe Du vor mir finden,
„Stets bin ich mit Dir — doch nie »annst Du's ergründen."
Wie betäubt sank Leopold auf eine Bank, nachdem er diese wenigen Worte, deren \ Inhalt und Zweck er nur allzu gut errieth, gelesen hatte. Da» Schiff setzte unterdeß immer schneller seinen Weg fort, und steuerte bald mit voller Kraft in's offene Meer hinaus.
XIV.
3fa([ derselben Hügelkette, auf welcher da» Schloß Barvoisau liegt, erblickt man auch in einer Entfernung von drei Viertel Mei- len da» Schloß Hacheville, das sich von
dem Ersteren durch sein freundliches Aeußere j und seine moderne Bauart vortheilhast i unterscheidet. Herrliche Gärten umgeben dasselbe wie mit einem großen Blumen- ’ kränze und vor demselben sprudelt auf einem fast grünen Rasenplatze eine zierliche Fontaine ihr silberhelle» Wasser in ein weite» Becken, in dem sich Wasservögel - verschiedener Arten lustig herumtummeln, l Wir befinden um» im. Monat Juni; e« ist ungefähr 10 Uht Mor^emt. Ein junge» schöne» Mädchen von etwa zwanzig Jahren mit sanften, einnehmenden Gesichts« zügen und von schlanker Gestalt, die von reichem, üppigem Haarwuchs gekrönt ist, spaziert langsam und wie in träumerischen Gedanken versunken in der Allee, welche an der Seite des Rasenplatzes vorbeiführt.
Al» sie vor der Fsyade de» Schlosses angelangt war, sah ste es starren Blickes an und sagte vor sich hin:
„Oh, was bin ich glücklich, daß ich wie- der in mein geliebte» Frankreich zurückge« kehrt bin, daß ich mich nach so vielen Reisen wieder hier befinde!"
Während sie diese Worte sprach, sah sie ein junge» Mädchen von ihrem Alter auf sich zueilen, in dem man sogleich die Zofe erkennen konnte.
„Fräulein Laura", sagte diese, „ichkomme,