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Sonntag, den 16. Januar 1881

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Politische Streifzüge.

Nachdruck verboten.

Eine dritte Last, die Deutschland auf die Arme genommen und zu einer gewaltigen Macht groß gezogen hat, ist das I ud e n th u m. Diese Last drückt jetzt den Riesen nieder, daß ihm der Athem aus- und Hören und Sehen vergeht. In den Geschäften, an der Börse, in der Presse, in der Gesetzgebung, im Handel und Wandel sind die Juden übermächtig geworden, und wenn auch vielen Tausenden endlich der Geduldfaden gerissen ist und sie gleich Milon den semitischen Stier niederschlagen wollen, — er geht nicht; gleich Blutegeln haben sich die Orientalen am deutschen Volkskörper fest« geb'ssen und sind dick, fett, reich und mächtig geworden; der deutsche Michel hat sich über's Ohr hauen lassen und ist zum Judenknechte herabgesunken; er arbeitet für den Juden als Taglöhner, und auf jede Schwiele in Judenhänden könnte man eine Prämie von 1000 Thl. setzen; der deutsche Michel hat Juden in'« Parlament gewählt, die ihmda-Actiengesetz uuddie Maigesetze machten, und er bezahlt sein gutes Geld dafür, daß er in Judenblättern beschimpft und ver­höhnt wird. Die gewaltige Bewegung gegen die Juden, namentlich in Berlin und Bres­lau, deckt höchsten» die Wunden auf, die das reich und stark gewordene Judenthum uns geschlagen, aber nachhaltige Folgen wird sie schwerlich haben; der gutmüthige Michel inserirt nach wie vor in Juden­blättern und abonnirt darauf; er wählt Juden in den Reichstag, in's Abgeord- etenhaus und in den Stadtrath, wie

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Die Heldin des Böse«.

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

XIII.

Langsam wandelte Leopold die Allee entlang, durch welche er gekommen, war; er warf einen letzten schmerzlichen Blick auf diese behäbige alterthüml iche Behausung, wo er das Licht der Welt erblickt, wo er so viele Jahre in ruhigem, glücklichem Da- sein verlebt hatte, herrliche Tage voll Vergnügen, die Reichthum und Liebe eines gütigen Vaters bieten können.

Heiße Thränen entquollen bei diesen Erinnerungen seinen Augen, — wie ver­nichtet ließ er sich auf eine kleine Böschung niederfallen.

.Werde ich denn niemals diese lieben, trauten Orte wiedersehen? seufzte er, in­dem er seinen Blick ring» umherschweifen ließ. „War muß mein Vater mich hassen, wie muß er vor Scham niedergebeugt sein, daß er den unerklärlichen Entschluß gefaßt hat, den ich soeben vernommen habe. Ich habe nicht einmal den Trost, daß ich weiß, wo er ist, auch nicht, wo Laura sich auf­hält. Elender, der ich gewesen bin! Und doch muß ich leben, leben, um meinen Fehl-

f jüngst noch in einer Stadt Westfalens; er { kauft seine Kuh, seine Kü-ider beim Juden ; und läßt sich Übervortheilen, und die i deutsche Hausfrau meint in jüdischen Ge- i schäften „billiger" zu kaufen, als in christ- l lichen. Man schreit in Berlin in den ; christlich.liberalen Volksversammlungen laut, j aber schließlich blerbt's beim Alten. Da ! ich mir die Juden! In Groß-Gerau ' haben sie das,Kreisblatt', in Halle a. d. S. j die,Saalzeitung', in Breslau die ,Schl. । Ztg.' und,Schl. Voiksztg.' [unb in Fulda ’ die ,Fuld. Ztg.'j in Acht und Bann erklärt, j weil diese den Juden unliebsame Artikel ! gebracht; keine Annonce erhalten diese ? Blätter von Juden - warum handeln bie ; Christen nicht ebenso? Doch nein, ich lese

soeben, daß in Breslau die Conservativen ; beider Confessionen sich die Hand gereicht ! und in einer glänzenden Versammlung ; Resolutionen gefaßt haben, die jeder Christ i unterschreiben kann. Ich meine, es wäre auch an der Zeit, daß die Christen in

i Deutschland aushörten, sich gegenseitig im ■ „Culturkampf" und im Partethaß zu be- fehden, und daß sie gemeinsam Front

l machten gegen Gegner, die gefährlicher j sind, als Nonnen und messelesende Priester. । Die ,Küln. Ztg.' behauptete zwar vor Kurzem, - „daß eine Nation nicht ungestraft 30 Jahre lang eine Jesuitenherrschaft ertragen könne", und die charakterlose »Franks. Presse', hatte

- die Stirn zu sagen, daß „ein Land, ein Volk, wo die Jesuiten, die Ultramontanen lange herrschten, geistig und kö perlich ver­kommen müsse; da gehe alle Mannhaftig­keit, aller Unternehmungsgeist, alle Thal- tritt zu sühnen. Ach, gälte es, eine edle

, Sache auf dem Schlachtfelde zu verthei- digen, ich würde ausziehen, ich würde mich bemühen, mich auszuzeichnen, vielleicht würde ich Ruhm erwerben, oder ich würde wenig­stens ehrenvoll sterben.--"

Ein unheimliches Lachen erschallte im selben Augenblicke in seiner Nähe.

Lebhaft wandte er sich um und sah vor sich aufrecht stehend die alte Cornelia, die für eine Wahnsinnige und eine Wahrsagerin zugleich galt und die ihm schon einmal, kühn und drohend, begegnet war, während er bei seinem letzten Besuche auf Barvoisau mit Laura plauderte.

„Keiner Ihrer Wünsche wird in Erfül­lung gehen, junger Mann," sagte sie lang­sam mit hohler Stimme. „Entehrt haben Sie sich beim Eintritt in da« Leben, ent­ehrt werden Sie leben und sterben; ich, ich sage es Ihnen. Sie wissen, daß die alte Cornelia die Geheimnisse der Zukunft kennt. Aber beruhigen Sie sich, wa» geschehen, mußte geschehen; es war in den Sternen geschrieben an dem Tage, wo Ihr Vater ;--Ach, ginge er doch endlich einmal

in sich, dann würde er begreifen, daß er das, was durch Sie geschehen ist, verdient hat, — ja, gerechter Gott, er verdiente e» wirklich--"

kraft, Muth, Wetteifer und Wohlstand ver­loren." So? Die Jesuiten sind doch nicht schuld, daß Deutschland arm und elend ist! Bis zu den Kriegen gegen Oesterreich und Frankreich waren die Jesuiten tn Deutschland, — hat deshalb den deutschen Soldaten Muth und Thatkrast gefehlt? Und wo ist der Wohlstand geblieben? Nicht die Je­suiten, sondern die Juden haben ihn m Händen! Ihre frivolen Spöttereien haben dem Volke den Glauben au« dem Herzen gerissen; ihre schmutzigen Bücher und Bilder haben die Sittlichkeit mit Füßen getreten; ihre Wechsel haben Tausende an den Bet­telstab gebracht, ihr Handel hat das Land ruinirt I Kann man einen dieser Vorwürfe den Jesmten machen? Ich billige nicht Alles, was ein Dr. Henrici in Berlin gegen die Juden donnert, denn wir haben btefe einmal als Gäste ausgenommen und müsse» sie dulden; ich will keine Hetze gegen die Juden, aber ich fordere zunierlei: 1) daß die Juden die Christenhitze einstellen, und 2) daß die Christen sich vertragen, sich friedlich die Hand reichen und allen Partei­haß begraben. Sind w i r einig, dann ist die Judenfrage gelöst; aber durch unsere Zwietracht und Zanksucht, durch unseren religiösen Jndifferentirmus sind die Juden stark geworden!

Doch genug von den Ochsen, die Milon- Deutschland zu tragen Hai; ich habe noch einige seltsame Blasen in petto, die das junge Jahr schon aus der gurgelnden T'.efe auf die Bildfläche geworfen hat. So klar rose der Himmel ist der politische Ho­rizont nicht, und manche Wolken ziehen

Vor dieser p ötzlichen Erscheinung, noch mehr vor diesen sonderbaren Worten stand Leopold wie versteinert da. A's er wieder ein wenig gleichsam zu sich kam, wollte ihn fast der Zorn übermannen, aber alsbald unterdrückte er die Aufwallung und sagte dann mit einer gewissen Ruhe und Sanft- muth zu der alten Bettlerin:

„Ich begreife Euch nicht, Cornelia; warum sprecht Ihr so von meinem Vater? Was hat er vei brachen, daß er Euren Haß und Eure Verwünschungen sich zugezogen hat?"

„Sie sind sehr neugierig, junger Herr," antwortete die Alte mit listigem Lächeln; „aber auch das werden Sie eine» Tages «'fahren — freilich nicht au» meinem Munde, sondern durch dir Stimme der Ereignisse, welche noch im Schooße der Zukunft verborgen sind."

Ihren knochigen Arm gegen Himmel er­hebend, wie sie da» gewöhnlich that, ging sic langsam von bannen, indem sie vor sich her das Klagelied fang, welches der junge Mann bereits damals gehört hatte, als er mit der kleinen Lau. a an derselben Stelle sich befand, ein Klagelied, in dem, wie wir wissen, der Name der Vaillantpont mehrere Mal erwähnt^ wurde.

(Fortsetzung folgt.)

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