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Freitag, den 14. Januar 1881
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* -Gleiche- Licht für Alle!*
So hört man sie rufen, die Cultur- pauker — jetzt, wo eine -Bewegung gegen das „Ueberwuchern" des wucherischen Schachergeistes durch das Volk geht, nachdem sie durch ihre Thaten diesen Ruf Lügen strafen. Der bekannte „Altkatholik" Dr. Petri ist in dieser Beziehung unermüdlich thätig. Unsere Leser wissen bereits, wie dieser Mann, der die Stadt Wiesbaden im Landtag vertritt, die doch von einer Judenhetze nichts wissen will, im ,RH. R? eingestanden hat, daß sein Liberalismus nur lebt vom Culturkampf, d. h. vom Kampfe gegen die römisch katholischen Christen, wie er diesen Kampf mit „zähester Ausdauer", wie er die „Schläge gegen Rom" immer wieder geführt haben will. Wir erinnern noch an jene Hetzrede, die dieser Gegner der kath. Kirche in der Curstadt Ems bei Gelegenheit der letzten Wahlen zum Reichstag gehalten hat, in welcher er die Anwesenden zu „einem Kampfe bis auf'» Blut, bis auf's Messer" gegen die Ultramontanen zu begeistern suchte. Auch dürfte nicht au» de» Gedächtnisse entschwinden, wie dieser Mann, der kürzlich in Frankfurt zum Schutze der Juden gesprochen, am 22. Rov. 1877 im Landtag in einer Lobrede auf den Culturkampf gesagt hat, man mache dem CultuSminister Falk den Vorwurf „zu großer Milde!", „Lavendelwasser sei nicht die rechte Arznei für Rom," und die Hoff- nung ausgesprochen hat, daß die Vorsehung dem Kanzler die Kraft schenken möge, daß er mit Hilfe seines getreuen Eckehard, des
Herrn Cultusministers Falk, auch den dritten Theil (der großen Schicksalstragödie, in welche Bismarck sein Leben gesetzt haben soll), der überschrieben ist „Rom", ßzu Ende führen könne. Bemerken wollen wir bei dieser Gelegenheit, daß eine Stelle dieser Rede fast wörtlich in den Leitartikeln der liberalen ,K. Ztg?: „Kann der Culturkampf beigelegt werden?" wiederkehrt, in jenen Artikeln, in welchen der ganze alte Culturkampf Kohl wieder aufgewärmt wird. Wie kann nun der Frankfurter Oberlandesgerichtsrath über Verfolgung der Juden klagen, ohne den Vorwurf auf sich zu laden, daß er zwar keine Juden Hetze, trotzdem aber eine fortgesetzte Hetze der Katholiken wolle? Da klagt er : durch die „Judenhetze" wird in erster Linie ein Funvamentalgrundsatz der Verfassung berührt, wonach alle Con- fessionen gleichberechtigt sind. Al» es aber galt, den römisch-kathol. Christen ein verfassungsmäßig garantirtes Recht nach dem andern zu rauben, da hatte der Frank- furter Oberlandergerichtsrath nicht blo» j nicht» dagegen, sondern er wünschte, und | er arbeitet heute noch darauf hin, daß die i römisch-katholischen Christen für vollständig rechtlos erklärt werden, wie man auch aus )en Reden ersehen konnte, die derselbe vor Weihnachten im Landtag gehalten hat. ' Jetzt spricht der Vertreter der Stadt Wies- i baden von der Schckach für die deutsche ; „Ration" und will nur mit Erröthen das j Irtheil des Auslande» lesen, da es sich um z angebliche „Verfolgung" der 1 Juden handelt; die t h a t s ä ch l i ch e
jahrelange Bedrückung der römisch-katholischen Christen, die scharfen Urtheile, welche unparteiische, einsichtsvolle hoch angesehene Männer sowohl des In- als de» Auslandes über den Culturkampf gesprochen haben, scheint er aber nicht zu kennen, oder gar für eine Ehre der deutschen Nation anzusehen. Sagt an, ist ein solcher Mann nicht ein prächtiger Verfechter des Satzes : „Gleiches Recht für Alle!" Wir haben gar nichts dagegen, daß der Frankfurter Oberlandesgerichtsrath die Juden an fein Herz schließt und überlassen es dem Herrn Petri, den Satz aufrecht zu halten, daß der Wucher und Schachergeist durch die römischen Heiden und speciell durch die Christen bei den Juden erzeugt fei. (!) Allein, wenn der „liberale" Abgeordnete für die Juden Freiheit, für die kathol. Christen Unterdrückung fordert, wenn derselbe sagt: daß man den jüdischen Bürgern nicht zu- muthen könne, irgend welche Liebe und Anhänglichkeit einem Gemeindewesen (Staat) entgegenzubringen, welche» sie in ihrer bürgerlichen Wellung herabdrücke, aus der anderen Seite aber die Katholiken als Reichsseinde u. .f. w. hinstellt, weil sie den Culturkampf, der in ihre heiligsten Rechte eingreift, nicht gutheißen, so ist da» ein kolossaler Wideripruch, ein großer Mißbrauch des Wortes „liberal", ein wahrer Hohn auf den Satz „Gleiches Recht für Alle" I Jeder weiß, was er von einem solchen Mann zu halten hat. Insofern ist es recht bezeichnend, daß Hr. Petri, der bei jeder Gelegenheit auf die kath. Christen
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Die Heidi« des Böse«.
Rach dem Französischen von I. Rüttgers.
(Fortsetzung.)
„Hier sind sie," sagtr d'Aubsry, indem er chr da» Portefeuille übergab. „Ob sie aufrichtig handeln in diesem Augenblicke — weiß ich nicht, ja ich zweifele daran, — aber merken Sie einen einzigen Umstand wohl, daß beim geringsten Leben«, zeichen, das Sie irgendwie in Belgien oder Frankreich von sich geben würden, — daß man Sie in demselben Augenblick al» de» Morde» und der Fälschung verdächtig, wenn nicht schuldig, verhaften wird. Alle Maß- regeln dazu sind getroffen, alle Beweise gesammelt.
Anstalt jeder Antwort zuckte die junge Frau mit den Achseln.
. »Jetzt," fuhr er fort, „verlasse ich Sie, indem ich darauf rechne, morgen früh Ihnen auf ewig Lebewohl zu sagen."
„Ewig," sagte sie lächelnd, „ist ein große« asort. — Run, trotzdem sage auch ich Ihnen Lebewohl und da» ohne zu zürnen."
allein war, brach sie in ein schallende» Gelächter au». „Der Dumm- Ml" sagte sie zu sich selbst, „der sich
- cinbildet, daß ich so rasch die Partie Der« i loten geben werde! Er glaubt über mich den Sieg davongetragen zu haben, weil er mich unversehen« überrumpelt und mich so einen Augenblick erschreckt hat. Ja, ich wankte ein wenig, al« ich plötzlich diese beiden Schnauzbärte vor mir erscheinen sah, die mir den „Anderen" in'« Gedächt- niß zurückriefen, und besonders da sie mir von dem Dorfe Sirene sprachen. — Und doch war die Stelle öde und leer, und kein Zeuge zu sehen. — Wer mag ihnen nur Alles mitgetheilt haben? — Aber was nützt es, an alle diese Dinge, jetzt in diesem Augenblicke zu denken? Die Vergangenheit, sagt der Dichter eines Stückes, in welchem ich eine Rolle gespielt habe, die Vergangenheit birgt den Wittwenschleier, und die Zukunft den Brautschleier. — Roch nicht verzichte ich darauf, den letzteren von meiner Stirne herabwallen zu sehen." —
Einige Augenblicke lang ging sie schweigend in dem Gemache auf und ab, wie e» schien, in tiefe Gedanken versunken.
Plötzlich klatschte sie in die Hände und rief:
»Oh, dieser alte General, der mich nie gesehen hat, er ist gewiß sehr unglücklich, fein Herz ist tief verwundet, vielleicht hat er eine Gouvernante nöthig, einen trösten
den Engel, — und Laura de Savigny ist erst zwölf Jahre alt! Wenn ich könnte?
/ — Ach, das wäre wirklich gelungen, präch« j tig, meiner würdig!"
Einige Minuten darauf schlief das ränkevolle Weib in ihrem Fauteuil einen tiefen Schlaf.
Kaum graute der Tag, al» sie erwachte. Sie packte einige Sachen in ihren Koffer, öffnete ein Fenster und sah gerade zwei Arbeiter, welche nach ihrer Arbeit gingen; sie bat dieselben, ihre Sacyen zur Eisenbahn zu bringen, was sie auch thaten.
i Alle» schlief noch im Hause, als sie dasselbe verließ, in der Hand einen kleinen Nachtsack, der einige Kostbarkeiten sowie die geheimnißvolle kupferne Büchse enthielt, auf die sie so großen Werth zu legen schien und die 'sie fortwährend mit der größten Aengstlichkeit den Blicken Leopolds zu entziehen gesucht hatte.
Am Bahnhofe angekommen, nahm sie ein Billet nach Lille, wo sie Niemanden anders als Madame Dufour sprach, die unter befi bei einem anderen Mituliede der Bühne in Dienst getreten war. Im Laufe des Nachmittag» fuhr sie weiter bi« nach Ana«; weiter setzte sie die Reise an jenem Tage nicht fort.