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JVs. 9. Donnerstag, den 13. Januar 1831.

Fuldaer

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* Der Harrdwerkerfrage widmete der Abg. Dr. Franz auf der großen Katholiken'Versammlung zu Bres­lau seinen Vortrag. Er führte nach der ,Rh. u. Wied-Ztg/ im Wesentlichen Fol­gende« au«:

Der Handwerkerstand ist ohne fest geschloffene Organisation; der einzelne ist fast wehrlo« der Uebermacht des Capi­tal« und der Großindustrie überantwortet. Die Veränderung der Productionsweise und der maschinelle Betrieb machen zudem dem Handwerktmann in seiner Vereinzelung die Concurrenz von Tag zu Tag schwerer, und Tausende ehrenwerther und fleißiger Handwerker arbeiten bereits in Fabriken, oder liefern für kargen Lohn die Arbeit ihrer Hände dem Unternehmer, der durch Capital und Geschäftsroutine die Arbeits­kraft des Schneidermeisters oder Schuh­macher« aurnützt. Es ist ein trostloses Bild, da« der deutsche Handwerkerstand jetzt bietet; ohne feste Organisation im Innern, ohne Einigkeit, ohne wirksame Vertretung nach Außen geht er dem unaus­bleiblichen Untergang entgegen, wenn nicht ernstliche Maßnahmen getroffen werden, dem Ruine vorzubeugen. Freilich gibt es Leute, die alle Bestrebungen, den Handwerkerstand zu regeneriren, für eitle Mühe erklären, weil er durch dm modernen Capitalismus und die heutige Productionsweise unweiger­lich dem Untergange geweiht ist. Ich, m. H., theile diese Anschauung nicht. Nach der Gewerbezählung von 1875 sind in Deutsch, land 2,927,955 Gewerbebetriebe, davon sind Kleinbetriebe, d. h. Betriebe, die bis

zu 5 Gehilfen beschäftigen, 2,858,405 und Großbetriebe, d. h. Betriebe, welche mehr als 5 Gehilfen beschäftigen, nur 69,550. Die Kleinbetriebe beschäftigen 4,159,231 Personen, die Großbetriebe beschäftigen da­gegen nur 2,211,399 Personen. Immer­hin gehören also zwei Drittel aller ge­werbetreibenden Personen dem eigentlichen Handwerkerstand« an, und diese Zahl zeigt doch wahrlich, daß e« sich lohnt, wenn Staat und Gesellschaft den Versuch einer Regeneration de« Handwerkerstandes wagen. Aber wie, m. H., ist diese Aufgabe zu lösen? Ihre Lösung wird von allen Deutschen — mit Ausnahme der radical«„liberalen" Manchestermänner und jener „Geschäfts­leute", die wir nicht zu den Deutschen zu rechnen pflegen — al« nothwendig aner­kannt, aber über die Mittel sind Theore­tiker und Praktiker nicht einig, und ich fürchte, daß die deutsche Gründlichkeit, Theorieensucht und Zaghaftigkeit augenblick- lich zu den schlimmsten Feinden des Hand­werks gehören. Herr Miquel — übrigens dem Handwerk wohlgesinnt — traut dem schalen Salze des Titel 6 der G.>O. eine Kraft zu, die et nicht besitzt. Die „Liber- alen" aller Schattirungrn, von dem „staats­männischen" Herrn v. Bennigsen an bis zu dem von Höflichkeit nicht „angekränkelten" Herrn Eugen Richter, halten das „freie Spiel der wirthschafllichen Kräfte", mit anderen Worten, die Aussaugung des Handwerkers durch den.Capitalismus, für die beste „Lösung" der Handwerkerfrage, und in der Handwerkerwelt ist leider die wirthschaftliche Einsicht und der politische

Verstand nicht überall groß genug, um in bestimmten,die Verhält» iffe berücksichtigenden Forderungen dem Willen de« Standes selbst klaren Autdruck zu geben. Die Einen wollen Zwangrinnungen und Beschränkung der Gewerbefreiheit, andere nur eine ander- weite polizeiliche Regulirung des Lehrlings- und Gesellenwesens; wieder andere wollen sich begnügen mit. Verleihung einer Reihe von Rechten für die Innungen, die indi- rect einen Zwang zum Eintritt in dieselben auf ei legt. Die letztere Ansicht

hat ihren Ausdruck auch in der Reso­lution des Reichstag« gefunden, in welcher für die Innungen bedeutsame Rechte bezüglich des Lehrlingswesens, ber* Prüfungen und der öffentlichen Vertretung des Handwerkerstandes gefordert werden. Ob damit den Bedürfniffen genügt fei, werden sicher Viele bezweifeln; es ist das Mindeste, was man gewähren muß. Jedenfalls aber ist damit eine Bresche in das System der „liberalen" Gewerbeord­nung gelegt, die freie Bahn schafft; zu­gleich aber ist dem Handwerkerstände im­merhin durch jene Reichstagsresolution eine Organisation ermöglicht, die ihn moralisch und wirthschastlich heben kann, wenn anders noch uneigenütziger Gemeinstnn und sittliche Kraft in ihm leben. Denn alle gesetzlichen Formen, alle Privilegien bleiben todtes Werk, wenn der Geist fehlt, der sie belebt, und bie Energie, bie sie befruchtet. Ich unterschätze bie Wucht ber Verhältnisse nicht, unter welcher ber Handwerkerstanb sehr seufzt, aber ich kann ihm ben Vor­wurf nicht ersparen, daß er selbst ein gut

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Die Heldin des Lösen.

Nach^dem Französischen von I. RüttgerS.

(Fortsetzung.)

„Und doch," fuhr sie fort, „was ich fühle sind keine Gewiffenrbiffe, denn wenn ich an ben Elenben benle, so will mir schönen, daß ich, wäre er noch da, dasselbe noch einmal thun würde, was ich bereit» gethan. Und sein Kind — unser Kind — wa« mag au« ihm geworden sein? Aber in welche Hände es auch gefallen sein mag, e« wird immer besser aufgehoben sein, al« bei mir. — Es war sein Blut, es hatte ganz feine abschreckenden Züge — ich haßte ««. Golt möge mir verzeihen, ich konnte fast nicht anders handeln. — Meine arme Mutter, eine heilige Frau, ach, sie hatte vielleicht Recht, al« sie eines Tages, auf meine Schwester, die in einen Orden einzutreten im Begriffe stand, zeigend, zu mir sagte: „Diese wird ein Engel im Himmel und auf Erden fein — und Du, Du ein Dämon hinieden, und das Loo» Deines Gleichen wirst Du im anderen Leben theilen. — Maria wird eine „Heldin de« Guten," und Du eine „Heldin de« Bösen" sein." Und sonderbar! Gerade in dem Augenblick, wo ich diese düstere Prophezeihung Lügen

6 strafen zu können glaubte, wo ich reich und i geachtet werden sollte, wo ich entschlossen l war, meine Vergangenheit zu sühnen, indem । ich versuchen wollte, Gutes zu thun, sinke | ich wieder in mein Nichts zurück, und j alle meine Geheimnisse werden demjenigen i offenbar, der sie durchaus nicht wissen \ sollte, — jetzt bin ich wieder gezwungen, i mein unstäte« Leben von vorne zu begin- ; nen, um dem Gefängniß, vielleicht dem i Schaffst zu entrinnen."

| Sie setzte sich nieder und verbarg ihr Gesicht in ihren beiden Händen. Dann erhob sie plötzlich trotzig ihren Kopf, und

i ihre Augen schossen Blrtze:

„Nein, tausendmal nein!" rief sie, ich werde nicht abreifen, wenigsten« werde ich i Frankreich nicht verlassen. Ich will mich ! an diesen beiden verwünschten Männern | rächen, die plötzlich ba« ganze Gebäube ! meine« Glucks zerstört haben. Unb dieser Einfaltspinsel von Leopold, der sich von meinen Feinden so leicht hat umgarnen lassen, der so leicht in die Falle gegangen ist, die man mir gelegt hat! Unb biefer alte General, welcher mich mit Schimpf unb Schanbe von feiner Schwelle gestoßen hat, — ah, Haß, ewiger Haß, biesem

i Menschen ganz besokder«."

Während sie so mit sich selbst sprach,

hatte sie ihr Costüm abgelegt, um ein anderes anzulegen, welches ihre Schönheit noch mehr hervortreten lassen sollte.

Ein leise« Klopfen an bie Thüre ent­riß sie ihren büstern Plänen. Im Hanb« umdrehen war sie wieder eine ganz an­dere, nahm ein Buch vom Tische, setzte sich bequem in ihren Sessel unb rief: „Herein!"

Herr bÄubvry erschien. Sie schob ihm einen Stuhl zu unb sagte bann mit ruhiger Stimme:

„Gewähren Sie mir bas Vergnügen, mein Herr, ein wenig Platz zu nehmen, so werden Sie besser plaudern können. Wie geht es Leopold? Was hat er mich lieben müssen, ba Ihre Enthüllungen einen solchen Einbruch auf ihn gemacht haben!"

„Ich komme soeben vom Arzte. Für biesmal ging ber Schlag noch glücklich vor­über, aber er kann sich leicht wieberholen."

„Was mich betrifft, mein Herr, so kenne ich bie Ansicht, bie Sie über mich sich gebilbet haben, unb ich weiß, baß e» vergeblich fein würbe, Sie davon abzubringen. Wenn Sie indeß mein Leben genau kännten, fo wür­den Sie mich bemitleiden, anstatt mich zu verachten."

„Ich bin nicht hier, werken Sie es wohl,