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Fuldaer
Mittwoch, dm 12. Januar 1881
Teilung
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O Ein ernste- Wort über da- Borgen wohlhabender Leute bei de« Handwerkern.
Der Handwerkerstand ist eine feste G rundlage der staatlichen Ordnung. Für alle Freunde dieser Ordnung muß es da. her von großer Bedeutung sein, die Werk« stätten dieser fleißigen und geschickten Meister zu stützen, und wir erlauben uns in dem Nachfolgenden auf einen Uebelstand aufmerksam zu machen, der vielen Hand« werkern Kummer und Sorge macht, ja der viele dem völligen Ruine entgegen- führt. Es ist dies das ungehörige Creditnehmen wohlhabender Leute bei dem Handwerker. Und dasselbe gilt bezüglich der Kleinhändler.
Ungehöriges Borgen? Wohl müssen wir uns sagen, daß e« Familien gibt, deren Einkommen ein solches ist, daß man sie unter die wohlhabenden rechnen kann, die aber dennoch vermöge ihrer geschäftlichen Stellung nicht zu jeder Zeit im Stande sind, irgend eine größere Zahlung _ zu leisten; nehmen solche Familien Credit bei dem Handwerkrmanne ober Kleinhändler, so werden sie demselben die Termine bestimmen, an denen sie zahlen, und wenn sie da pünctlich Wort halten, so kann man ein solches Borgen nicht ungehörig nennen, denn der Meister kann, wenn auch nicht bei Ablieferung der Arbeit, doch aber zu festgesetzter Zeit auf Zahlung rechnen. Und auch der Handwerksmann hat größere Zahlungen zu gewissen Zeiten, als z. B. zu Messen, Miethen u. dergl. Erhält er
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Die Heldin des Böse«.
Nach dem Französischen von I. Rüttgers.
.(Fortsetzung.)
Kaum hatte d'Aubsry diese Worte ausgesprochen, als Tmah sich erhob und im Tone des höchsten Unwillens aufdieThüre zeigte, wobei sie sagte:
„Ich habe Sie nur allzu lange angehört, jetzt gehen Sie, oder ich rufe die Hausleute, um Sie vor die Thür setzen zu lassen, wie es Leute verdienen, die hierher kamen, um mich zu beschimpfen oder Lärm zu machen!"
„Ah," rief Eugen zornglühend, „das ist wirklich zu stark mein lieber Onkel, und es ist Zeit, den Schleier ganz zu lüften. Ja, Anna Thuriot, wir haben Ihre Spuren seit Ihrer Abreise von Parts verfolgt; wir wissen Alles, was zu Steene vorgefallen ist, wo Sie Ihren Gatten ermordet und Ihr Kind verlassen haben. Die Polizei verfolgt Sie und bereit« liegt ein Haftbefehl gegen Sie vor; von uns hängt es ab, ob er heute zur Ausführung gelangt I"
Bei diesen donnerähnlichen Worten begann das unverschämte Geschöpf an allen
daher auch einige Zahlungen sicher nur^zu diesen Zeiten, sonst aber die Deckung seiner Tagesbedürfnifle durch Baarzahlungen, so leidet sein Geschäft nicht.
Ganz anders ist es aber, wenn auch reiche Leute, deren Zahlungsmittel es stets erlauben, die Ausgabe für die von den Handwerkern gelieferten Arbeiten sogleich zu bezahlen, wenn diese von den Handwerkern ungemeffenen und unbegrenzten Credit nehmen.
Bei den jetzt in allen Gewerben so stark besetzten, ja man könnte wohl sagen, hin und wieder überzähligen Werkstätten preist der Handwerksmann den Tag, an welchem eine wohlhabende Familie ein Stück Arbeit in seiner Werkstätte bestellt; er ist glück- lich, Gelegenheit zu haben, sich einen neuen Kunden zu sichern; er nimmt die besten Stoffe dazu, er verwendet seine ganze Kunst, seinen möglichsten Fleiß, um die Arbeit gut und zu bestimmter Zeit abzuliefern. Die Arbeit wird hingetragen, sie wird als sauber und gut anerkannt, aber — nicht bezahlt. Es ist, als wenn es sich von selbst verstünde, daß reiche Leute die gelieferte Arbeit nicht sogleich bezahlen.
Der Handwerksmann, die Concurrenz seiner Mitmeister fürchtend, scheut sich zu mahnen; es kommen neue Arbeiten dazu und nach einem halben Jahre hat der Meister schon bei einer Familie ein Sümmchen stehen, was für diese von gar keinem Belang, für den Meister aber ein kleines Capital ist. Nun nehme man den Fall an, daß bei einem und demselben Meister mehrere solcher Familien arbeiten lassen,
was sind die Folgen, wenn der Meister nicht selbst ein reicher Mann ist?
1) Muß er die Stoffe, die er zu seinen Arbeiten braucht, bei dem Kaufmanne auf Credit Nehmen, und diesem nicht nur die Zinsen vergüten, sondern höhere Preise zahlen, ohne sehr wählen zu dürfen, ja er fällt oft dadurch erst dem Händler in die Hände; denn sind es Rohproducte, deren er bedarf, so könnte er sie gleich von dem Producenten entnehmen, da diese aber sehr selten Credit geben, so muß er zu Händlern gehen.
2) Werden ja doch im bürgerlichen Haushalte täglich Gelder gebraucht: Abgaben, Schulgeld, Miethzins, Löhne u. s. w. Bleiben nun dem sonst mittellosen Meister die Zahlungen längere Zeit aus, so muß er sich zu diesen Ausgaben Geld durch Borgen verschaffen und er verfällt bei allem Fleiße, bei aller Ausdauer in die den Wohlstand verzehrenden Krallen des Wucherers!
3) Endlich entschließt sich der Meister zum Mahnen. Der Handwerksmann hat al» Lehrling und als Geselle wohl gelernt, daß man bescheiden sein muß, er wird daher nicht im Werktagskleide und nach Feierabend mahnen; er wird sich sorgfältig kleiden und passende Stunden zu diesen Gängen wählen, und wenn er dann einen halben Tag verlaufen und seine wohlhabenden Kunden nicht zu Hause getroffen hat? — dann hat er sich noch um einen Theil seines einzigen Capitales, um die ihm so kostbare Zeit gebracht.
Geht so der mittellose Meister zu Grunde, so schwellt bitterer Groll seine Seele gegen
Gliedern zu zittern, sie wankte und sank wie leblos in einen Sessel.
„Endlich I" rief d'Aubsry, „dieser Hieb hat gesessen! Nun, Anna Thuriot, sind Sie jetzt geneigt, uns anzuhören?"
„Ja, ja," antwortete sie mit schwacher Stimme, das Gesicht mit beiden Händen bedeckend, „ich bin zu allem bereit, aber Gnade, Gnade, richten Sie mich nicht zu Grunde!"
Plötzlich ließ sich ein durchdringender Schrei von der Treppe her, von unterdrücktem Schluchzen begleitet, vernehmen.
Der Generalrath warf seinem Neffen einen schmerzlichen Blick zu und sagte:
„Er ist es! Der Unglücklich-' hat Alles gehört — welch' schrecklicher Schlag für sein Herz und seinen Verstand!"
Im selben Augenblick hörte man in dem anstoßenden Zimmer einen schweren Fall.
IX.
Dieser Laut brachte eine unbeschreibliche Wirkung bei Herrn d'Aubory und seinem Neffen hervor.
Unwillkürlich richteten sich ihre Blicke auf die Wittwe Thuriot, die ausrief:
„Mein Gott, es ist in seinem Schlafzimmer — eilen, eilen Sie schnell —"
Die beiden Männer stürzten hinaus auf
die Thüre des anstoßenden Gemaches zu, welche sich ihnen ohne Widerstand öffnete.
Mitten im Zimmer lag der junge Graf mit dem Gesicht zur Erde gewendet.
Eugen Rtcourt nahm ihn in fdne Arme, hob ihn auf und legte ihn sanft auf's Bett nieder.
„Er athmet noch," sagte er. „Einen Arzt schnell!"
In dem Augenblicke, wo d'Aubory hinausging, befand er sich der Tänzerin gegenüber, welche mit der größten Ruhe zu ihm sagte:
„Was Sie thun wollten, ist schon geschehen. Die Magd ist soeben hinausgegangen, um einen Arzt zu rufen; aber Sie, mein Herr, die Sie soeben noch davon sprachen, jeden Scandal zu vermeiden, haben Sie auch darüber nachgcdacht, ein Mittel zu finden, womit Sie die ganze Geschichte, wenn auch nicyt ganz ersticken, so doch verhindern können, daß sie allzu viel Geräusch macht? Zum Glücke ist Niemand im Hause anwesend. Und dann — Sie sagten mir nicht einmal, in welchem Zustande er sich befindet, ob er todt ist oder noch lebt."
„Aber," antwortete d'Aubory, den diese Ruhe nicht wenig in Erstaunen setzte, „ich