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M 6. Sonntag, den S. Januar 1881.

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Die K-rtfchritte des Katholi- eismus in England.

Au« mehr al« einem Grunde, schreibt der .Westfäl. Merkur', wird ein Artikel in der Neujahrs « Nummer de« katholischen Wochenblattr« .Tablet' über die Fort, schritte des Katho licismus in Eng­land während der letzten 30 Jahre, d. h. von der Wiederherstellung der katholischen Hierarchie an, Beachtung finden. Denn abgesehen von den höchst interessanten Daten welche derselbe liefert, entstammt er ohne allen Zweifel der Feder de« Cardinal- Erzbischöfe« Manning. Die wichtigsten Einzelheiten stelle ich kurz zusammen. Nach amtlicher Berechnung war Ende 1850 und Ende 1880 in England die Zahl der

Bi«thümer, Priester, 1850 : 8 826

1880 : 14_______1962

Zunahme: 6 1136;

Männerklöster, Schulkinder, Kirchen, 1850; 17 24,000 597

1880: 134_______204,752 1175

Zunahme: 117 180,752 "578'

Au« der kurzen Geschichte der katholischen Kirche von der Vernichtung der Hierarchie im 16. Jahrhundert bi« zur Wiederher­stellung derselben verdient hervorgehoben zu werden, daß die letzten Mitglieder de« damaligen Episkopate«, Bischof Thomas Wathon von Lincoln, nach zweiundzwanzig, jähriger Gefangenschaft 1584 starb und Bischof Thomas Goldwell von St. Asoph ungefähr eben so lange in der Verbannung lebte und dann in Rom gestorben ist. Von

1559 bis 1685 waren die Katholiken oe» Landes fast immer, im Ganzen 111 Jahre lang, ohne Bischöfe. Im Jahre 1815 existirten in ganz London, das jetzt aus zwei Diöcesen besteht, nur 12 elende, ab. - feit» gelegene Capellen. Die Zahl der Katholiken wuchs in Folge der Einwanderung aus Irland und der Conversionen von ca.

150,000 bis auf 1,250,000; ganze Ge« { meint) tn sowohl in London wie in den i Provinzen werden fast ausschließlich von l Convertitcn und deren Kindern gebildet. | Dazu kommt, daß eine bedeutende Zahl der t Geistlichen selbst Convertiten sind. Auf der anderen Seite ist allerdings mit Grund zu befürchten, daß durch gemischte Ehen namentlich viele Kinder der Armen der | Kirche verloren gingen. Die Zahl der t Orden und Congregationen stieg von 10 auf 26, und deren Niederlassungen nahmen ! in diesen 30 Jahren um beinahe 120 zu; \ sie bedienen 180 Kirchen. Die Kloster» geistlichen machen den vierten Theil de« Klerus in den Provinzen aus. Die zahl­reichsten Ordensgeistlichen hat die Gesell­schaft Jesu und der Benedictiner • Orden - Reliefen j 204. von denen aber I manche in den Missionen von ^noitn, * Africa u. s. w. thälig sind. Die Zahl der von den Orden und Congregationen in zwanzig Jahren gegründeten Gemeinden, in welchen sie meisten« mit den Kirchen auch Schulen bauten, beläuft sich auf 400. Am erfreulichsten ist die Zunahme der s Schulkinder in dieser Periode: von 1 24,000 auf 204,752! Und die Schulen s wurden von den Katholiken gebaut, die ■

Lehrer von ihnen besoldet, nicht vom Staate. Tie Staatsregierung zahlte im ver- stoffenen Jahre als Unterstützung für gute katholische Schulen die Summe von 2.245,523 M., die Katholiken aber opferten für ihre Elementarschulen nicht weniger al« 20 Mill. Mark. Al« Cardinal Manning vor zehn Jahren mit hoher Begeisterung die vielen Tausende von armen Kindern, welche ohne Schulunterricht heranwuchsen, aufsuchen und eine Anzahl neuer Schulen bauen ließ, stellten sich an die Spitze der Geldsamm­lung für diesen Zweck die beiden vornehm­sten Häuser der katholischen Aristokratie, Norfolk und Bute, mit der Summe von 80.000 Pfd. Sterling — mehr als 1,600,000 M. — Der Artikel spricht gegen den Schluß die Hoffnung au«, daß der Fortschritt de« Katholicismu« ein dauern­der fein, und daß der anglicanische Ritu- alismu« die mächtigste Propaganda für die Kirche bilden werde, die England jemals erfahren habe. „Die Zahl der Conver- sionen wird zur Zeit eine große sein, — da« ist unsere Ueberzeugung."

Deutsche- Reich

* 2° • “r J. L San. Aus die Neujahr«- adrefle der hiesigen eiaoafennüiiti«. widerte der Kaiser, er wünsche, daß in ein­trächtigem Zusammenwirken aller Kräfte de« nationalen Leben« da« Ziel erreicht werde, welche« in der Wohlfahrt de« Ganzen die Wohlfahrt de« Einzelnen umfaßt, und er theele die Hoffnung, daß unter Wahrung de« äußeren wie inneren Frieden« die Hin­gebung des deutschen Volke« zum Segen

6 Die Helvi« des Böse«.

Rach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Mein armer Freund," sagte d' Aubsry zum Grafen, „ich kann Dir um so mehr Alle« sagen, al« ich Dir, freilich ohne e« M wollen, schon einen wuchtigen Schlag versetzt habe, den Du mit seltenem Muthe hingenommen hast. Zunächst muß ich wie- derholen, daß wir uns nicht getäuscht haben, daß die Frau, mit der Du ehelich verbunden bist, dieselbe ist, welche wir Dir bezeichnet und beschrieben haben. . . . Aber was Du bi« dahin gehört hast, ist noch nicht« im Vergleiche zu dem, was Du noch erfahren mußt.

„Eugen hat, wie Du weißt, feine Recht», studien in Pari« gemacht. Jetzt wo er sich gebeffert hat, nehme ich keinen'Anstand, in feiner Gegenwart zu sagen, daß er dort schon schlechte Bekannte gefunden hat. Er verkehrte dort mit einigen Kumpanen au« dem Quartier Latin, die sich ganz besonder» durch ihre Faulheit, ihr unordentliche« Leben, und ihre verabscheuungswürdigen Grund- sätze in Bezug auf Politik und Religion hervorthaten. Kurz, e« waren Leute au« der niedrigsten Bolksklaffe, die von nicht«

Anderem träumten, al» von einer allge­meinen Umwälzung der Dinge. Al« ich von diesen Vorgängen Kenntniß erhielt, begab ich mich sofort nach Pari«, um ganz in der Nähe die Lebenkweise und Aufführ, ung meine» Neffen zu erforschen; und um noch besser meinen Zweck zu erreichen, stellte ich mich, als ob ich von Allem nicht das Geringste wisse und machte ihn so sorglos, daß er mich in seine Gesellschaften mit« nahm. . . . Unter denen, die dort das große Wort führten, zog ein Mensch so­gleich meine Aufmerksamkeit auf sich.

„Es war ein Man von einigen dreißig Jahren, mit scharf ausgeprägten Gesichts- zügen, mit rauher Stimme, beseelt von dem glühendsten Haffe gegen die Gesellschaft, der sich in einer wilden, an die rolhesten Blät­ter erinnernden Sprache Luft machte. Die- ser Mann hieß Robert Thuriot; feine Ver« gangenheit kannte man nicht, und welche» seine Existenzmittel gegenwärtig seien, wußte man eben so wenig. Diese Persönlichkeit wollte ich von Grund au» kennen lernen: ich gab mir den Anschein, al» theile ich seine Ansichten und hierdurch, sowie einige gehörige Liqueur», gewann ich vollständig sein Zutrauen. Er nahm mich mit in seine Häuslichkeit, zwei armselig kleine Zimmer. Hier lebte im Elend eine Frau, deren

Schönheit mir gleich auffiel, und wa» ich besonder» an ihr bewundern mußte, da» war ihre einnehmende Anmuth und ihre honigartige Sprache, die man deswegen in I der Nachbarschaft die „vergoldete Sprache" nannte.

„Schon gleich ahnte ich, daß diese Frau unsäglich unglücklich fein müsse, daß sie ihren Gatten verabscheue, und daß nur noch die Furcht sie an dieses Verabscheuung», würdige Wesen fessele. Wa» sie mir übri­gen» insgeheim mittheilte, und was die Erkundigungen, die ich über sie einzog, mich lehrten, begründete in mir die Ueberzeu­gung, daß diese Frau ihre» Gatten völlig würdig sei, und ich sagte mir, daß die Eine sowohl wie der Andere einmal ein kläg­liche« Ende nehmen müßten. Da ich dieser Leute bald überdrüssig wurde, verließ ich Pari«, indem ich meinen Neffen mitnahm, der durch verschiedene Reisen, sowie durch eine andere Umgebung nach und nach sich zum Bessern änderte. Für ihn haben die pariser Demagogen in der That die Rolle der betrunkenen spartanischen Sklaven ge­spielt.

„Wa» ich Dir soeben erzählt habe, wird hinrerchen, um mein Erstaur en zu erklären, hier Anna Badon, Ehesrau Thuriot wieder- zufinden, und zwar al» Deine Frau. . . ,