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5. Sonnabend, den 8. Januar 1881.

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* Keine Judenhatz aber Christen- schutz.

So lautet schon seit vielen Jahren die Forderung auf katholischer Seite, welcher jüngst durch die Gebrüder Reichensperger concreterer Ausdruck gegeben worden ist in den Worten: Man gebe uns Katho­liken so viele Rechte, wie die Juden besitzen, dann wollen wir zufrieden sein! Auf der jüdischen Seite — wir machen dafür allerdings nicht die ganze Juden­schaft verantwortlich — lautet die Forderung dagegen: Kerne Judenhetze, aber eine recht kräftige und lustige Christen- speciell Katholikenhetze. So unglaublich es ist, so wahr ist es doch auch, daß diese For­derung in der jüdischen Presse in den allerletzten Tagen noch ihren Ausdruck fand, in welchen die Judenhetze mit den stärksten Ausdrücken als eine Schmach für die Nation rc. bezeichnet wurde. Das jüdische.Berliner Tageblatt' bringt näm­lich einen Leitartikel mit der Ueberschrift „des Kaisers Wort" (die Antwort des Staatsministeriums auf di-Jmmediat-Ein- gäbe der rheinischen Katholiken ist gemeint,) in welchem unter beständigem loyalen Augenverdrehen nach Oben hin der Freude darüber Ausdruck gegeben wird, daß der Culturkampf noch weiter fortdauern soll. Da» Judenblatt gibt der Antwort des Staatsministeriums eine Auslegung, die nur nach dem Göthe'fchen Worte möglich ist: „Im Auslegen seid frisch und munter! legt ihr'» nicht aus, so legt war unter." Diese offenbare Sucht de» jüdischen Blattes, in die Antwort allerlei den ge­

rechten Forderungen der Katholiken Un­günstiges hineinzulegen, zeugt mehr als genug davon, ein wie großes Interesse die Aufr echter- haltungdes Culturkampfes, der Katholikenhetze für die Juden hat. Das Judenblatt freut sich bereits im Voraus darüber, daß der Antrag Windthorst auf Straffrei - Erklärung der Sacramentenspendung und des Meffelesens in Preußen vom Abgeordnetenhause werde zurückgewiesen werden. Schließlich ist dem Organe des Herrn Moses , genannt Mosse' „des Kaisers Antwort" eine vollkommene Bürgschaft dafür, daß die Arbeit von zehn Jahren (der Culturkampf ist gemeint) nicht preisgegeben werden soll." Wir meinen, diese jüdische Lust, im Culturkampfe zu leben, müßte der Regierung beweisen, wo­hin uns der Culturkampf treibt. Welche maßlose Frecyheit dazu gehört, angesichts solcher Leistungen, wie die des ,Berliner Tagebl.' noch über „Judenhetze" zu schreien, da» werden die Katholiken jedenfalls auch ganz richtig beurteilen und es könnte da wahrscheinlich der Augenblick in beschien- tem Tempo herbeigeführt werden, wo nach den Worten de» Abg. Peter Reichensper­ger un» die Geduld ausgeht! Das Min- beste, was wir von den Juden verlangen können, ist, daß sie sich ausdemCul- turkampfe gänzlich heraushalten und jedenfalls einer Beilegung desselben kein Hinderniß in den Weg legen.

Deutsche- Reich.

* Berlin, 6. Jan. Für den Empfang Bismarck'» in Berlin sind alle Vorberei­

tungen getroffen. Die Ankunft desselben ist wieder verschoben worden.

— Die ,Köln. Ztg.' (liberal) hat sich telegraphiren lassen, der Papst habe den deutschen Domcapiteln gestattet, Bis- thumSverweser zu wählen, in Betreff Iulda's behalte er sich die Entscheidung vor. Diese Depesche erweist sich schon durch ihre Fassung als Schwindel. Wozu haben die d e u t- schen Domcapitel, wozu die bayerischen rc. gehören, nöthig, rücksichtlich der Wahl von Bisthumsverwesern besonders instruirt zu werden? Und, was die preußischen betrifft, wie könnte der Papst z. B. dem erzbischöflichen Domcapitel in Köln gestat­ten, einen Bisthumsverweser zu wählen? Köln hat ja seinen Erzbischof.

— Der Bundesrath hat beschloffen, die Taravergütung für unbearbeitete Tabak­blätter und Stengel in Ballen von Schilf, Bast und Binsen von 4 auf 3 pCt zu ermäßigen.

— In dem Erlasse des Handels-Mini­sters vom 30. Mai 1872 ist bestimmt, daß die Einrichtung und Benutzung von Dienst, coupss in den Zügen, mit welchen Per so- nenbesörderung statifindet, nicht unbedingt bei allen Zügen dieser Art, sondern nur insoweit geschehen soll, als es die jeweilige Belastung der Züge gestattet und im ein­zelnen Fall der Zug von mehreren Beam­ten gleichzeitig benutzt wird, daß ferner für die erste Wagenklasse Dienstcoups» nur ausnahmsweise einzurichten sind, während für die dritte Wagenklasse eventuell das Schaffnercoups als solches zu benutzen ist. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat

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Die Heldin des Böse«.

Rach dem FranzSsischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

V.

ICinalj und Leopold de Vaillantpont wäre» wieder in Brüssel angelangt.

Als sie sich eines Tages im Brüsseler Parke ergingen, sagte sie plötzlich zü ihm:

„Steh, Leopold, diese Situation kann nicht länger dauern! Du wirst bald ernst- sich daran denken müssen, bei Deinem Vater Meder in Gnaden ausgenommen zu werden "

„Er wird mir niemals verzeihen, Tinah; ich hatte mich eitler Hoffnung hingegeben, ich kannte meinen Vater nicht so gut, als ich glaubte. Heute bin ich darüber voll- ständig im Klaren. Uebrigen« habe ich mich bis jetzt schon genug gedemüthigt, und ich würde lieber vor Hunger auf seiner Schwelle sterben, als noch einmal seine Er- barmung anflehen."

„Allerdings herrlich, ja ritterlich," sagte sie mit bitterem Lächeln; „aber ich trage nicht die mindeste Lust, Dein Schicksal zu Heilen. Und zudem, wer hindert Dich daran, Deine Rechte auf Hacheville geltend zu machen, da», wie Du mir ja sagtest, Eigen­tum Deiner Mutter war?"

„Ja," antwortete Leopold sichtlich ver- legen, „aber es wird einen langen und kostspieligen Proceß absetzen, der meinen Vater ohne Zweifel aufs Höchste erzürnen wird. Uebrigen» befaßt sich schon Jemand mit dieser Affaire, und ich muß warten."

«Ich werde also darauf angewiesen sein, wieder Tänzerin zu werden, um mein täg­liche» Brod zu verdienen," sagte sie, un- willig die Augenbraunen in die Höhe ziehend. „Glücklicherweise wird der Name der Gräfin de Vaillantpont eine große Zugkraft aus­üben !"

„Was willst Du sagen, Tinah? Du • sprichst sicher nicht im Ernste. Ich habe: reiche und einflußreiche Freunde, sie werden mir Vorschüsse leisten können, bi» daß ich in dem Alter und in der Lage bin, wo ich eine höhere Stellung in meinem lieben Frankreich bekleiden kann."

„Alles eitle» Geschwätz," antwortete sie, die Nase rümpfend; „bedenke daß ich Dir keine Vorwürfe mache — Du kannst mir nur Dank dafür wissen, denn keine andere Frau würde so handeln wie ich."

„Et thut Dir also leid, daß Du mich so zu sagen durch Zufallgeheiralhet hast?"

«Ich bebaute nur, daß Du nicht hältst, wa» Du mir versprochen hast. Dein Vater »ar gut und schwach — so sagtest Du;

nrcht» leichter also, als wieder bei ihm in Gnaden zu kommen, und auf jeden Fall — so sagtest Du — konntest Du auf eine Rente von achtzehn Tausend Franc» rechnen."

„So ist e» auch, aber Du kennst ebenso gut wie ich da» Hinderniß, da» mic im Wege steht."

Sie verharrtchinige Zeit im Stillschweigen.

Da die Witterung allmählig kühler zu werden begann und sie nur sehr leicht gekleidet war, so fragte er sie, ob sie nicht nach Hause zurückkehren sollten.

„Was liegt mir an der Kälte!" antwor­tete sie, „Ich verlange nicht Bessere», al» diese» Leben anständig verlassen zu können — eine gute Lungenentzündung wäre viel­leicht das beste Mittel dazu. Ah! Da ist ja Palmyra, eine meiner teuren Freun­dinnen von Lille her; ich kann ihr nicht au» dem Wege gehen — einen Augenblick will ich mit ihr sprechen, warte hier ein wenig auf mich."

Kaum hatte sie sich von ihrem Gemahl entfernt, al» zwei Herren auf diesen zutraten, der alsbald zwei alte Bekannte in ihnen entdeckte.

In der That war der Eine, ein Mann von einigen fünfzig Jahren, ein reicher Gutsbesitzer aus Artoi», zugleich General